Von Mark Feldon.
In einem kürzlich erschienenen Essay schätzt der englische Kriegsforscher und Regierungsberater David Betz die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkrieges in Westeuropa in den nächsten fünf Jahren als sehr hoch ein.
Vor rund 32 Jahren erschien „Aussichten auf den Bürgerkrieg“ von Hans Magnus Enzensberger. In dem schmalen Essayband warnte der berühmte Kritiker, auf den Kalten Krieg würden keine neuen Trente Glorieuses folgen, sondern eine Zeit dezentraler, spontaner und nihilistischer Gewalt, ein „molekularer Bürgerkrieg“. Enzensbergers Text, der auch als Auszug im Spiegel erschien, wurde von manchen seiner Feuilletonkollegen als zu kulturpessimistisch zurückgewiesen, während andere ihn als präzise Beschreibung der „Baseballschlägerjahre“ verteidigten. Unbestritten ist jedoch, dass die Thesen des Buches von einer intensiven und kontroverse Debatte begleitet wurden.
Dieser Tage erschien erneut ein Essay, der vor den Gefahren eines Bürgerkrieges im Westen warnt, doch anders als in den jungen Jahren der wiedervereinigten Bundesrepublik verhält sich das sonst so ausdrucksstarke und meinungsfreudige deutsche Feuilleton auffällig still. Über die Gründe hierfür kann nur spekuliert werden. An den Referenzen des Autoren, David Betz, dürfte es kaum liegen. Der am Londoner King’s College tätige Professor für Kriegsstudien hat in der Vergangenheit zur Transformation bewaffneter Konflikte geforscht, Bücher über Militärstrategie verfasst und das britische Verteidigungsministerium in der Aufstandsbekämpfung beraten. Als „Prophet des Untergangs“ oder politischer Radikaler fiel er bislang nicht auf.
Einer breiten Öffentlichkeit wurde Betz vor rund zwei Jahren bekannt, als der erste Teil seines Essays „Civil War comes to the West“ in der Fachzeitschrift Military Strategy Magazine erschien. Der Text, der vor allem in englischsprachigen Ländern sowie Frankreich besprochen wurde (ein Podcast-Gespräch mit der Journalistin Louise Perry „ging viral“, wie man heute sagt), beschreibt auf Grundlage des Forschungsstandes, welche sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren den Ausbruch eines Bürgerkrieges begünstigen und, unter Anwendung einfacher statistischer Berechnungen, wie weit der Westen von großen gewaltsamen Unruhen entfernt ist.
Ein Verlust von „sozialem Kapital“
Teil zwei, der letzten Monat an gleicher Stelle erschien, geht den Fragen nach, welche Form der Bürgerkrieg im Westen annehmen könnte und welche Maßnahmen der Staat heute bereits ergreifen sollte, um den späteren Wiederaufbau der Gesellschaft und die Schaffung neuer Institutionen zu erleichtern. Womit sich Betz nicht beschäftigt, sind Mittel, die geeignet sind, den Rückfall in den Naturzustand zu verhindern. Für diese, so muss man seine Essays verstehen, ist es bereits zu spät. Oder, wie es Elon Musk kürzlich mit Blick auf die Aufstände nach den Kindermorden im englischen Southport ausdrückte: „Der Bürgerkrieg ist unvermeidlich.“
Was nun begünstigt laut Betz den Ausbruch von Bürgerkriegen? In „starken Autokratien“ und als legitim empfundenen Demokratien sei das Risiko großer Unruhen eher gering. In ersterer rebelliere die Bevölkerung nicht, weil das Regime Proteste frühzeitig brutal niederschlägt, in letzterer, weil die staatlichen Institutionen allgemeines Vertrauen genießen. Kulturell homogene Nationen seien ebenso wenig von Bürgerkriegen bedroht, wie extrem heterogene, in denen gesellschaftliche Fragmentierung die Herausbildung dominanter Gruppen oder die Bildung von Bündnissen erschwert.
Die Gefahr von gewaltförmigem Sektarismus, also der Spaltung einer Gesellschaft in verfeindete religiöse, ethnische oder soziale Gemeinschaften, sei dort besonders groß, wo die „titulare Mehrheit“, also die traditionell dominante Gruppe, eine plötzlichen Abwertung ihres Status erfährt. Besonders fortgeschritten sei dieser Prozess, der laut Betz einer der Haupttreiber ethnischer Gewalt ist und der sich nicht rückgängig machen lässt, in den multikulturellen Metropolen des Westens. Aus dem Grund werde der Bürgerkrieg stark von geographischen Faktoren, vornehmlich dem Gegensatz zwischen relativ homogenem Land und pluralistischer Stadt geprägt.
Mit der zunehmenden „Hyperdiversität“ gehe laut Betz ein Verlust von „sozialem Kapital“ einher, das die Gesellschaft benötigt, um Minderheiten zu integrieren, Kohäsion herzustellen und ein Bewusstsein kultureller Kontinuität zu fördern. Hier erfährt der Staatsbürger seine Ohnmacht und die Vergeblichkeit des demokratischen Prozesses am deutlichsten. Die multikulturelle Transformation des Staates, die fortgesetzte Massenmigration aus inkompatiblen Kulturen, erscheint mal als wirtschaftlich zwingend, dann als moralisch geboten oder gar als historische Konstante; abwählen lässt sie sich nicht.
Frankreich und Großbritannien als Kandidaten
Ökonomische Entwicklungen verschärfen die Zerfallsprozesse in den Städten. Die vielerorts bereits vollzogene Deindustrialisierung hat keine lebensfreundlichen Bullerbü-Utopien geboren, sondern „verwilderte Städten“, in denen die Grenzen zwischen Terrorismus und organisierter Kriminalität diffus sind, der Staat hoheitliche Aufgaben nicht mehr wahrnimmt oder sich diese mit Banden und „Community Leaders“ teilt.
Angesichts stagnierender Wirtschaft, Überschuldung und Inflation büßt der Staat auch seine Fähigkeit ein, gesellschaftlichen Frieden mittels Brot und Spielen zu erkaufen. Laut Betz bestehe in der Literatur Konsens darüber, dass die Erwartungslücke (Expectation Gap) zwischen den jungen, oftmals so hoch gebildeten wie hoch verschuldeten Generationen und der wirtschaftlichen Realität, gesellschaftliche Sprengkraft besitzt. Selbst im vermeintlich reichen Kanada treibt den Staat die Angst um, die Vergeblichkeit des sozialen Aufstieges könne, sobald sie das Bewusstsein der Massen erreicht, landesweite Unruhen auslösen. Die beiden wahrscheinlichsten Kandidaten für Bürgerkriege sind laut Betz jedoch Frankreich und Großbritannien, die Länder, in denen die weiter oben beschriebenen Pathologien am weitesten fortgeschritten sind.
Die Französische Republik diskutiert dieser Tage einen internen Bericht des Innenministeriums über die Infiltration von Institutionen durch die radikale Muslimbruderschaft. Straßenschlachten werden längst nicht mehr nach Manier des molekularen Bürgerkriegs mit improvisierten Schlagwaffen, sondern mit Granaten und Sturmgewehren ausgetragen. Landesweit fanden letzten April koordinierte Angriffe mit Kalaschnikows und Sprengstoff auf Gefängnisse statt. In einem offenen Brief warnten 2021 ehemalige Generäle davor, ein Bürgerkrieg stehe kurz bevor. Die Mehrheit der Franzosen stimmte der Aussage zu.
In Großbritannien wurde letzte Woche der Casey-Bericht veröffentlicht. Dieser stellt die erste nationale Untersuchung zu der jahrzehntelangen massenhaften Vergewaltigung und Folter weißer Mädchen durch mehrheitlich pakistanische Gangs dar. Was der Bericht offenbart, ist die Bereitschaft staatlicher Behörden - von der Polizei über die sozialen Einrichtungen bis hin zu Parteien und Medien – aus Angst vor Rassismusvorwürfen die Täter zu schützen und schutzbedürftige Kinder zu opfern. Die Aufarbeitung der Taten der „Grooming Gangs“ verbindet sich mit der Debatte um demographische Transformation, der polizeilichen Duldsamkeit gegenüber bewaffneten Banden und Jihadisten und der beispiellosen Repression gegenüber Meinungsdelikten. Es gelingt der Regierung auch nicht den Vorwurf zu entkräften, dass die Justiz längst nach ethnisch-religiösen Kriterien Recht spricht.
Auch in der Rückkehr einer militanten antisemitischen Bewegung, die Linke, Rechte und Islamisten ideologisch eint, sieht Betz einen sicheren Indikator für einen, in den Worten des linksradikalen Unsichtbaren Komitees, „kommenden Aufstand“. Sein Essay liefert auch eine Erklärung für das konsequente Ignorieren seiner Warnungen durch Politik, Medien und Intellektuelle in Deutschland: Sie unterliegen einem „Normalcy Bias“, einer psychologischen Normalitätsverzerrung, die sie daran hindert, einen Bruch mit der gewohnten Ordnung zu denken. Manchen fällt es leichter, sich ein Ende menschlichen Lebens aufgrund steigender Temperaturen vorzustellen, als ein der liberalen Demokratie. Für sie haben die beiden Essays von David Betz eine unmissverständliche Botschaft: Das Ende der Geschichte geht zu Ende.
Mark Feldon studierte Geographie an der Freien Universität Berlin. Neben seiner Arbeit in zivilgesellschaftlichen und sozialen Bereichen ist er auch als Lektor, Autor und Übersetzer tätig. In den letzten Jahren übertrug er u.a. Werke von Pascal Bruckner, Bari Weiss und Caroline Fourest ins Deutsche.
@ sybille eden Als die Rußkies ihre Immobilien räumten, war es in unserer Gegend ein offenes Geheimnis, daß sie einen Teil ihrer Mobilia, wenn ich so sagen darf, für kleines Geld verscheuerten. Wir wohnten damals zwei Autostunden von Wünsdorf/Zossen. Wie heißt es? Wer zu spät kommt …tja.
Bürgerkrieg? Nein. Aber unsere Industrie wird zusammenbrechen. Wir verdoofen langsam aber sicher. Nichts mehr mit Arbeitsmoral. Die intelligente Bevölkerung wird auswandern. Die anderen werden von billigen China Sachen träumen. Unsere Atomkraftwerke werden beschaltet. Strom gibt es stundenweise. Aber kein Kampf ohne Waffen.
@Jens Ostendorf „Vielleicht kann jemand im Forum mal erklären, womit hierzulande ein Bürgerkrieg geführt werden soll? “ Das kann ich Ihnen gerne sagen, Herr Ostendorf: von wem und womit. Er wird geführt werden von denen, die zu diesem Zwecke in unser Land geholt werden, mit den Waffen, die jene bereits jetzt besitzen, sehr viel anders als wir genuinen Deutschen.
Kann man alles stoppen. Ich habe 24 Jahre Erfahrungsvorsprung mit dem Thema und hänge dem Sicherheitsapparat seit Jahren mit der richtigen Lösung im Ohr. Was ist das Resultat? Ich werde entwaffnet, entmündigt und finanziell ausgeplündert. Von einem Haufen devoter Idioten, die ihre eigenen Fachleute gegen ihren Willen an genau die außereuropäischen Mächte verscherbeln, die uns (ich meine jetzt nicht nur Deutschland sondern ganz Europa) Jahrzehnte lang besetzt hielten und das offenkundig gerne so wieder haben möchten. Wenn ich euch helfen soll, dann macht mir endlich die Tür auf anstatt sie mir immer wieder vor der Nase zuzuwerfen. Selbst meine absoluten Minimalforderungen werden nicht erfüllt. Obwohl das ohne Gesetzesänderungen sofort möglich wäre. Sagt alles. Europa gehört immer noch den Amis und den Russen. Nicht den Europäern. Könnte man ganz schnell ändern. Es liegt an euch, ob ihr weiterhin den devoten Bückling spielen oder endlich wieder Weltmacht werden wollt. Die Welt von heute ist europäischen Ursprungs. Aber viele haben das nach Jahrzehnten des Kalten Krieges wohl vergessen. Oder haben sich einreden lassen, dass ein Europa der Vaterländer nicht sein darf. Auf De Gaulle gab es unzählige Anschläge. Fragt euch mal warum. Und dann fragt euch, wie man das verhindern kann. Die Antwort könnt ihr von mir haben. Aber dann macht mir endlich die Tür auf.
ich hätte mir vor 15 Jahren oder so kaum vorstellen können, daß es zu einer sochen Entwicklung kommen könnte. Die Vorzeichen waren ja da, aber mit mehr Widerstand aus der Bevölkerung hätte ich doch gerechnet. Das sind ja durchaus Bürger, die im Privatleben durchaus oft kompetent sind, die ihre Berufe erfolgreich ausüben, und sich auch durchsetzen können. Woher dieses großflächige versagen, wenn es um die Islamisierung geht? Warum wehren Menschen sich nicht, die sich etwas aufgebaut haben, die jahrzehntelang gearbeitet und gekämpft haben, um sich etwas aufzubauen? Warum lassen sie es zu, daß ihr Leben zerstört wird?
Als 2015 die Flüchtlingswelle da war, und die Grenzen nicht geschlossen wurden, war mir klar, was folgen wird. Ich konnte es einfach nicht fassen. Ich hätte bis dahin nicht wirklich gedacht, daß eine deutsche Kanzlerin, daß eine Regierung in diesem Land so handeln könnte, wie es damals geschehen ist. Ich dachte, daß es gewisse Dinge gibt, die man einfach nicht tut, nicht als verantwortlicher Politiker, oder einfach als Mensch mit etwas Verstand und Lebenserfahrung. Bestimmte Dinge tut man einfach nicht, unter keinen Umständen. Wie etwa, Hunderttausende (und dann Millionen) von Migranten in das eigene Land lassen, aus Kulturen, die mit der eigenen weitestgehend inkompatibel sind. Die Gescheh-nisse von 2015 und den folgenden Jahren haben dann auch sehr schnell mein eigenes politisches Weltbild geändert. Ich hatte mich bis dahin selbst für eher politisch linksstehend erachtet. Etwas links von der Mitte, war meine Standard-antwort auf die Frage, wo ich politisch stehe. Damit war es dann vorbei, absolut.
Aufgrund von vielen Kommentare, die ich hier lese, stelle ich eine ganz einfache Frage: Warum hat die AfD nicht mindestens 40% (??) Wenn doch die sogenannte „globalisierte Elite“ die Ursache für den schnellen Abstieg von Deutschland ist, warum lassen sich das 80% der Wähler gefallen? So doof ist doch niemand. Die Erklärung passt hinten und vorne nicht. ++ Das Gleiche gilt sinngemäß für alle Staaten der Eurozone.
Krieg ist ein super Ablenkungsmanöver der „Elite“, wenn sie das System wieder so weit an die Wand gefahren hat (Schulden), dass es unrettbar ist. Das sehen wir gerade live in der Ukraine und demnächst dann auch als Bürgerkrieg im eigenen Land.