
Können wir den Islam ändern? Dass er so streichelweich wird wie z.B. unser Protestantismus mit weiblichen Imamen und gemeinsamem Freitagsgebet von Männern und Frauen im selben Raum und vor allem mit viel viel Toleranz gegenüber Christen, Buddhisten, Hindus, Schwulen, Lesben und Transgenderpersonen etc. pp? Vergiss es! Das zu meinen wäre Zeichen einer Hirnauflösung im Endstadium. Nicht einmal eine Ansprechstelle, mit der man gültige Verträge abschließen könnte wie das etwa in der Autorität des Papstes in der katholischen Welt gegeben ist, hat der Islam bisher zusammengebracht. Ist man mit einer Gruppe Freund, rennt einem die andere das Messer in den Buckel. Was ist also zu tun? Entweder wir werden selber Moslems. Dann hätten wir zwar eine zeitlang Ruhe vor unseren nächsten Nachbaren, würden aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie als “echte” Muslime anerkannt werden, obwohl wir weiterhin laufend in islamistische Streitereien hingezwungen wären. Oder wir finden ein Antidot. Nur wie und welches? Dazu nur ein kleiner Hinweis: der Atheismus zieht Moslems an, wie faules Fleisch die Fliegen.
Wenn man eine Lösung sucht, für den Islamischen Staat, muss man sich die Strukturen im Irak ansehen, die ihn erst möglich gemacht haben. Die schnellen Erfolge des IS haben damit zu tun, dass die marginalisierten sunnitischen Stämme sich eine eigenständige militärische, politische und letztlich auch religiöse Lösung gesucht haben, um sich im schiitisch dominierten Irak wieder Gewicht zu verschaffen. Hat man diese Struktur verstanden, wird klar, dass weder die Kurden im Norden den IS bekämpfen werden, sie werden lediglich verhindern, dass er sich in die Kurdengebiete ausdehnt, noch die irakische Armee und auch nicht die iranischen Milizen, die beide rein schiitisch sind. Selbst wenn Armee und Milizen Erfolge hätte, würden sie immer als feindliche Besatzungsarmee in den sunnitischen Stammesgebieten bekämpft. Die einzige Lösung, wenn man daran überhaupt interessiert ist, ist eine Stärkung gemäßigterer sunnitischer Kräfte, auch aus dem Umfeld der alten Baath-Partei und Saddams Armee, bis hin zur Selbständigkeit oder Autonomie der sunnitischen Gebiete. Hilfreich könnte sein, dass sich Al Baghdadi zum Kalifen ausgerufen hat, also zum Oberhaupt aller Sunniten. Das dürfte den Saudis und anderen arabischen Golfstaaten nicht gefallen und könnte dazu führen, dass die Unterstützungsgelder an andere Gruppen gehen. Dagegen stehen die Interessen Irans, der kein unabhängiges sunnitisches Gebiet zulassen wird und die Interessen der Türkei, die mit taktischen Mitteln versuchen ein unabhängiges Kurdistan zu verhindern. Und solange sich die Kurden an ihren Grenzen mit dem IS rumschlagen, ist die Gefahr dafür gering. Aber vielleicht ist es für all das schon zu spät und die Welt erlebt einen weitern Konflikt, der sich über Jahrzehnte hinzieht.
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