Gestern abend wurde ich beim Zappen mit Freude von der ersten Brothers & Sisters-Episode überrascht und muss mich dieser Empfehlung von Thomas Abeltshauser in der Welt anschließen. In Australien habe ich keine Folge verpasst - und dort war der Surf-Club um die Ecke eine attraktive Alternative!
Nicht halb so attraktiv wie Calista Flockhart, die dem deutschen Zuschauer nur als Ally McBeal bekannt ist und die nun als Kitty völlig unerwartete und fesselnde Seiten zeigt. Kitty ist nicht nur eine erfolgreiche konservative Fernsehmoderatorin. Sie ist eine aufgeklärte, liberale Konservative mit Herz und Verstand, die ihre Ansichten auch gegen Menschen verteidigt, von denen diese ganz und gar nicht geschätzt werden. Und zu diesen Menschen gehört nicht zuletzt und tragischerweise ihre eigene geliebte Mutter. Die ist nicht einfach eine Linke - mit Linken kommt Kitty täglich und weitgehend problemlos zurecht. Die ist leider so verbohrt und verbiestert und missionarisch, dass sie den mit großer Mühe ausgehandelten intrafamiliären Waffenstillstand immer wieder brechen muss. Was dann passiert, macht einfach Freude anzuschauen. Wenn Kitty gegen Greenpeace wettert - “diese Heuchler waren und sind doch jederzeit bereit für ihren Reinheitswahn über Leichen zu gehen” - dann lacht das Herz. Ja, da gibt es nicht wenige Dialoge, bei denen man sich ein Stück weniger einsam in dieser Welt fühlt, die ja immer auch eine politische ist.
So stellt Kittys neuer Freund nach der ersten Begegnung mit ihrer Mutter voller Sorge fest (ich zitiere aus der Erinnerung): “Deine Mutter hasst Kapitalisten, sie hasst Imperialisten - was immer das sein soll! - und sie hasst Männer. Ich bin zufälligerweise alles drei. Gibt es irgendetwas, was ich und deine Mutter gemeinsam haben?” Kitty: “Ja… Israel!” Er senkt den Kopf: “Oh, nein. Jetzt erzähle mir bitte nicht, dass du diesen Anti-Israel-Scheiss mitmachst!?” Kitty: “Nein, nein. Jetzt beruhige dich. Wenn ich Israel verteidige, nickt sie nur still mit dem Kopf. Frag mich nicht warum. Es ist so und ich bin sehr froh darüber.” Er atmet auf. Wir atmen auf.
Die Politik ist auf unheimliche Weise selbst noch in den Schonfristen präsent. Wenn ich Brothers & Sisters sehe, muss ich immer an eine kleine Unterhaltung mit meinem Freund Mitch Cohen denken. “Ist es nicht unglaublich, wie oft Menschen politische Differenzen vorschieben, wenn sie sich einfach persönlich nicht ausstehen können?”, wollte ich ihm mein Leid klagen. Aber über dieses Problem konnte er nur lachen: “Ich glaube, da machst du dir was vor. Das Gegenteil ist viel häufiger der Fall. Die Menschen schieben ihre persönlichen Antipathien vor, obwohl es in Wirklichkeit um Politik geht. Sie möchten eben nicht als intolerant gelten. Genau das sind sie aber. Leider.”
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