Achgut.tv / 01.07.2019 / 06:15 / 47 / Seite ausdrucken

Broders Spiegel: Liberalität? Es wird immer enger.

Wir sind dabei etwas zu verlieren, das man nicht wiederherstellen kann. Liberalität, die erst einmal weg ist, kommt nicht so einfach wieder. Alle reden von der offenen, demokratischen, liberalen Gesellschaft und es geschieht genau das Gegenteil: der Raum für offene Debatten wird immer enger  und das Land immer illiberaler. Komischerweise regt das niemanden auf. Wahrscheinlich, weil wir jeden Freitag über diese hüpfenden Fruchtzwerge berichten müssen. Gerade die sollten endlich aufwachen und nicht nur in eine ferne Zukunft flüchten, sondern genau hinsehen, was gerade in der Gegenwart geschieht.

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Werner Arning / 01.07.2019

Wer allzu kollektiv denkt und empfindet, wie es die Deutschen in der Regel tun, der hat mitunter seine Schwierigkeiten mit dem Liberalen. Liberalität bedeutet ja zuvorderst Toleranz. Und diese ist häufig des Deutschen Sache nicht. Er liebt es, einheitlich aufzutreten. Diversität verwirrt ihn. Das gemeinsame Anstreben eines Zieles, das gemeinsame Anpacken, das ist seins. Merkel weiß das, deshalb der Spruch : Wir schaffen das. Der Spruch spricht die deutsche „Volksseele“ in perfekter Weise an. Er drückt etwas „urdeutsches“ aus. Wenn jemand sagt, „Wir schaffen das“, dann kann der Deutsche fast nicht anders, als mitanzupacken. Im Kollektiv ist er zu den außergewöhnlichsten Leistungen fähig. Im Kollektiv fühlt er sich wohl. Im Kollektiv fühlt er sich zu allem in der Lage, ist er (fast) unschlagbar (außer von Italienern bei einer Fußball-WM). Er ist dann so stark, dass er sich stark genug fühlt, das Klima zu verändern, oder die Welt zu retten. Nichts scheint ihm unmöglich (früher allerdings gehörte zu dieser Liste auch, Europa judenfrei zu machen, oder einen Mehrfrontenkrieg gegen die Welt zu gewinnen). Allein jedoch, da ist der Deutsche häufig unsicher. Ja ängstlich. Wenn er niemanden hat, an dem er sich aufrichten kann, der ihm sagt, wo es langgeht, dann wird es schwierig. Dann ist es mit der Herrlichkeit oft vorbei. Stark im Kollektiv, schwach als Individuum. So könnte man vielleicht sagen. Mutig zusammen, verzagt so ganz alleine.

B.Klingemann / 01.07.2019

Das sind weise Worte, Herr Broder. Sie sind klarer als Doppelkorn und trennschärfer als jedes Andenken aus Solingen es jemals sein könnte. Einen Vorschlag hätte ich noch: Zum Abkühlen ihrer erhitzten Gemüter sollten die “Fruchtzwerge” einen Tag im Düsseldorfer Rheinbad mit unbeschwertem Badespaß verbringen - aber bitte der Umwelt zuliebe den ÖPNV benutzen. Diesen Sommertag werden sie sicher nie vergessen.

Uta-Marie Assmann / 01.07.2019

Es ist innerhalb von nicht einmal 100 Jahren schon das zweite Mal, dass die Deutschen einer Ideologie aufsitzen. Unvergessen das Interview mit Helmut Schmidt, der die Deutschen als gefährdetes, da ideologieanfälliges Volk bezeichnete. Man hätte sich gewünscht, dass Deutschland einen Gang herunterschaltet in seinem selbstgerechten und geradezu hysterischen furor, die Welt verbessern zu wollen. Allerdings hätte ich mir nicht träumen lassen, mit welch atemberaubender Geschwindigkeit Liberalität und Achtung der bestehenden Gesetze über Bord geworfen werden. Das Land ist auf einem unguten Weg, und es wäre in der Tat dringend geboten, sich mit der gegenwärtigen Entwicklung zu beschäftigen. Literaturempfehlung: John Ambrose Hess <Heine’s views on German traits of character> - immer noch hochaktuell.

Rudolf George / 01.07.2019

Wir leben in dem Zeitalter der Aushöhlung. Begriffe, wie Freiheit oder Liberalität werden zu reinen Worthülsen, die gerne auch im Sinne des Gegenteils der Wortbedeutung verwendet werden. Ebenso geht es Parteien, wie der CDU oder SPD, die nur noch inhaltsleere Politikerbeschäftigungsmaßnahmen sind. Und nicht zuletzt der Rechtsstaat, der von großen und kleinen Wühlmäusen unterminiert wird, die eine selektive Rechtsanwendung abhängig von ideologischer Gesinnung und intendierter Moral verlangen.

herbert binder / 01.07.2019

“Gefahr erkannt, Gefahr gebannt”. Nur ein “dummer” Spruch? Oder ist es tatsächlich dieses Defizit, nämlich den Ernst unserer Lebenssituation (noch) nicht zu erkennen oder nicht sehen zu wollen, was die Gemengelage so hochexplosiv werden läßt?  Wahrscheinlich sind bisher aber erst zu wenige (wirklich) betroffen, und dazu noch die “Falschen”. Es wird daher vermutlich noch eine ganze Weile dauern, bis etwas kippen könnte. Dann aber heftigst? Besser nicht - bei allergrößter Notwendigkeit von Veränderungen (im Sinne von Rückbesinnung). Militant friedlich, wenn’s denn geht.

Volker Kleinophorst / 01.07.2019

Die “offene Gesellschaft” ist eine geschlossene Gesellschaft der selbsternannten Guten. Also eine Diktatur. Gutes Framing, Leute.

Hartmut Laun / 01.07.2019

Guten Tag Herr Broder: ++ Komischerweise regt das niemanden auf. ++. Die Beiträge und die Kommentar hier auf der Achse reden anders, hier regen sich beinahe alle auf. Und um mich herum, sofern außerhalb der Hörweite von möglichen Denunzianten, ist die Aufregung groß. Nur alle fragen sich und ich frage Sie, was ist zu tun um unseren gerechten Zorn in Taten zu verwandeln? Aufregung ist eine stumpfe Waffe. Angesichts dessen, das fast alle Parteien und deren Politiker und die Medien sich jeden Tag darum kümmern, das unsere Aufregung da bleibt wo sie keinen Schaden anrichten kann. Kurz gesagt, ich rege mich auf, aber ich weiß nicht wie ich mich wehren soll. Ein großer Denker unserer Zeit hat es uns und seinem geladenen Bürgern kurz und prägnant so erklärt: „Wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.“ Das sagte Walter Lübcke Mitte Oktober 2015.

werner gottschämmer / 01.07.2019

Lieber Herr Broder, genau daran scheitere ich glänzend! Krach ohne Ende mit meiner freiwilligen Beziehung, ständig und immer fort. Diese Widersprüche die sie hier perfekt beschreiben, MÜSSTEN, einem auch nur durschnittlich intelligenten Menschen bewusst sein! Aber nein, das Gegenteil ist der Fall. Krach und Kräche ohne Ende. Das kommt davon wenn man einer Nation kein selbstbewusstsein zugesteht fördert und fordert. Krank! Psychoanalytiker sollten eigentlich eine glänzende Auftragslage haben, angefangen ganz oben im Reichsbunkerkeller, ähh, Kanzleramt..

Stefan Brüns / 01.07.2019

Wir leben mittlerweile in einem Land, in welchen die herrschende Elite gern mit dem Finger auf andere zeigt (Erdogan, Orban) aber im eigenen Land längst die Meinungsfreiheit abgeschafft hat. Wer hier Multikulti, Flüchtlinge und Islamisierung kritisch sieht wird gnadenlos als “Nazi” niedergemacht. Wenn in Bremen Massenschlägereien stattfinden oder gewisse Mitbürger Kreuzungen blockieren und dann deutsche Autofahrer verprügeln die höflich bitten den Weg freizumachen…....wird verschwiegen, dass es sich um Araber, bzw. muslimische Täter handelt. Der Bürger hat aber ein Recht auf die ganze Wahrheit, nicht zuletzt auch in Hinblick auf die politische Meinungsbildung. In Deutschland findet mittlerweile eine Gebühr durch den öffentlichen rechtlichen Rundfunk statt. Leider ist der Vorwurf “Regierungsfernsehen” durchaus berechtigt. Hier wird eine Partei ausgegrenzt weil sie rechts von der CDU und für die Rückkehr zum Rechtsstaat steht, während die Kommunisten von der Linkspartei hofiert werden. Ich könnte morgen.

Matthias Braun / 01.07.2019

” Liberal sein heißt nicht nur die Freiheit für uns selber und zu unserem Vorteil verlangen, sondern auch anderen gegen uns zu unserem Nachteil einräumen.” ( Franz von Holtzendorff )

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