Achgut.tv / 03.06.2019 / 07:25 / 59 / Seite ausdrucken

Broders Spiegel: Eine Kippa für die Kanzlerin

Jedes Jahr gibt es, wie am Samstag, die Al Quds-Demonstration und die zeigte wieder entlarvend deutlich, wo der heutige Antisemitismus großteils herkommt. Aber darüber redet man nicht gern. Stattdessen gab es den Aufruf an die Deutschen, eine Kippa zu tragen, als Symbol der Solidarität mit den Juden, die hierzulande in der Öffentlichkeit besser keine Kippa tragen sollten. Das ist absurd, denn die Kippa ist ein religiöses Symbol, das jetzt dazu benutzt wurde, um denen, die sie einen Tag lang tragen, ein gutes Gefühl zu geben. Gerade deshalb sollte man keine Kippa tragen. Außer einer vielleicht, speziell für die Kanzlerin.

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Frank Dom / 03.06.2019

Die Kippa für IM Erika ist grandios. Made my day.

Michael Hoffmann / 03.06.2019

Das ist so sinnhaft wie von den Juden zu fordern ein Kreuz zu tragen aus Solidarität mit verfolgten Christen. Das sind beides religiöse Symbole und taugen nicht für politische Statements. Na ja, unsere Bischöfe sehen das ein wenig anders. Aber die sind ja auch keine Christen.

H.Roth / 03.06.2019

Dieser Aufruf wäre dann richtig, und ich selbst würde danach handeln, wenn die jüdische Kippa, eine von einer judenfeindlichen Regierung verordnetes Zeichen der Diskriminierung wäre, das alle Juden tragen müßten. Das ist aber nicht der Fall, Gott sei Dank! Und so sollten wir es unterlassen, uns mit den Lorbeeren schmücken zu wollen, die rechtmäßig König Christian X von Dänemark zustehen, der anmerkte: “Sollten solche Forderungen jemals erhoben werden, begegnen wir ihnen am besten, indem wir alle den ‘Davidstern’ anlegen.” (1941). Dieser Aufruf, Kippa zu tragen, ist nicht mehr als ein Modetrend. Heute tragen dann alle Kippa aus Solidarität mit den Juden, morgen tragen dann alle Kopftuch oder Burka, aus Solidarität mit islamischen Frauen (van der Bellen, 2017), dann kommt die Solidarität mit südamerikanischen Indios und alle tragen Lendenschurz (wenn überhaupt), danach die Solidarität mit den Eisbären und alle tragen Eisbärkostüme…etc. SINNVOLL dagegen finde ich, als Zeichen der Solidarität mit ISRAEL, hin und wieder an deutschen Regierungsgebäuden die Israelflagge zu hissen. Am 14. Mai beispielsweise.

Wolfgang Richter / 03.06.2019

@ Thomas Taterka—Die vorstehende Logik können vo9r allem selbst überzeugte Gutmenschen und Weltenretter nicht nachvollziehen. Sie paßt im übrigen auch auf die Vereine, die fleißig Spenden sammeln, um damit in z. B. Thailand oder Kambodscha Kinder aus der Prostitution freizukaufen. Sie sind beseelt von ihrem Guttun, das sicher auf die sodann in Obhut genommenen Kinder zutrifft, aber ohne Veränderung im Land u. den Gesellschaften, aus denen die “Kunden” kommen, nur bewirkt, daß die Zuhälterkreise u.a. auch mit diesem eingenommenen Geld in die armen Regionen reisen und um so mehr Nachschub “einkaufen”. Und das die Freigekauften in einem Alter sind, das die “Kundenwünsche” ohnehin nicht mehr erfüllt, wird auch mal eben ausgeblendet. Die das Handeln der selbst sich erhöhenden Idealisten entgegen stehende brutale Realität des Lebens wird einfach mal ausgeblendet.

Sabine Schönfelder / 03.06.2019

Michel Friedmann wird dem gerecht, was Sie einst sinngemäß so treffend in der Bildzeitung bemerkten: “Er ist kein Arschloch, nein, er ist ein Riesenarschloch” und gefährlich dazu, denn die Realitäten auszublenden und sich der Obrigkeit kritiklos anzubiedern,  führte bereits unter einem früheren Führer Deutschlands direkt in eine Katastrophe. Für ein bißchen Medienapplaus und Jörgesfreundschaft verkauft sich Paolo Pinkel und verrät dabei sein eigenes Volk. Dieser irrwitzige Kippa-Vorschlag der Verantwortlichen demonstriert den verwahrlosten Zustand deutscher Politik. Tatsachen werden ignoriert, der muslimische und linke! Antisemitismus in eine agitative kippaliche Scheinsolidarität mit Israel verpackt, die inhaltlich und symbolisch von Unkenntnis und gewohnt infantiler Symbolkraft zeugt. Ihre Aussage, daß die Al-Quds-Demos, als eine Meinung, in eine pluralistischen Gesellschaft gehören , ist wohl wahr. Wahr ist aber auch, daß dieser Pluralismus nicht mehr existiert. Ganz gezielt werden durch die Medien-und Zeitgeistlenker bestimmte Meinungen unterdrückt, andere schwer favorisiert. Deshalb ist Ihre Fürsprache gegenüber dieser Demo demokratisch und eigentlich fair,  tatsächlich aber ist es eine tolerante Haltung gegenüber einer intoleranten Gruppierung innerhalb eines Landes, in dem die Verengung der Meinungsfreiheit begonnen hat, faschistoide Züge anzunehmen. Keine Toleranz gegenüber der Intoleranz!

Thomas Bonin / 03.06.2019

Jammerschade, dass es für israelische Militärpolizei hierzulande keine Arbeitserlaubnis gibt; anderenfalls wäre ratzfatz Schluss mit dieser Art Mob auf unseren Straßen (und man könnte sich den Kippa-Für-Alle-Bullshit sparen)!

Gabriele Kremmel / 03.06.2019

Der Aufruf, aus Solidarität eine Kippa zu tragen, ist unter den gegebenen Umständen zynisch. Im Übrigen trage ich aus Solidarität mit dem Klima ab heute Bikini - zumindest nachmittags am See. Vielleicht kann ich damit die Klimakatastrophe aufhalten oder zumindest um ein, zwei Jahre verzögern.

Oliver Hoch / 03.06.2019

Der All-Kotz-Tag ist für sich eigentlich nichts Schlimmes, einfach ein Symbol der iranischen Terrorfreunde für ihren Hass auf die Menschheit. Wer möchte da nicht gleich einstimmen in den herrlichen diversen Gesang, mittels welchem aufgerufen wird zur Vernichtung alles Humanen, zur brünstigen Unterwerfung unter primitive Mordgelüste? Trotzdem, bei aller (skeptischen bzw. verachtenden) Distanz sowohl zum ehrlichen Herrn Broder als auch zur verlogenen Frau Merkel: meine Kippa bekommt ihr nicht. Zuweilen trage ich sie, im mohammedanisch gewordenen Bonn, wenn ich mich traue, als Symbol des Widerstands. Israel und Deutschland sind natürliche Verbündete gegen die Regierungen in Berlin, Teheran und den anderen der Islamisierung anheimgefallenen Stätten. Für deren Verteidigung, für uns, gegen den angreifenden Islam, hunderttausende unserer Vorfahren ihr Leben ließen. Was sind das für miese Gestalten, welche spucken auf die Opfer ihrer Urgroßeltern und deren Ahnen? Die sich in ihrer Dummheit und Widerwärtigkeit denjenigen überlegen fühlen, welche sich für ihre heutige armselige Existenz geopfert haben? Diese sind ekelhaft grün, ja. Aber wir können anständig und treu bleiben, für Eltern und Kinder, für die Freiheit.

Richard Loewe / 03.06.2019

2014 habe ich mir eine Kippa zugelegt, damit ich bei Gelegenheit mal Solidaritaet mit meinen aelteren Bruedern und Schwestern zeigen kann. Zu meinem Bedauern hatte ich bisher keine Gelegenheit. Nun lebe ich in einer amerikanischen Stadt und der angrenzende Stadtteil hat mehr und viel groessere Synagogen (mit Schulen und Kindergaerten) als Kirchen und die Juden sind da tatsaechlich in der Mehrheit. Unter den ganzen Kippot wuerde ich mir laecherlich vorkommen, wenn ich als falscher Fuffziger rumlaufen wuerde. Noch dazu habe ich keine tzitzit und keine Schlaefenlocken, die ich jeden Tag an Dutztenden Maennern sehe. Aber ich stimme Herrn Broder nicht zu (zum ersten Mal!): umso mehr Kippot auf Deutschlands Strassen zu sehen sind, umso besser. Egal, ob die Kippa eine hohle Nuss oder einen Nobelpreistraeger ziert.

Thomas Taterka / 03.06.2019

Vor mehr als 50 Jahren gab es in diesem Land und in Israel eine öffentliche Debatte, ausgelöst durch die Rezeption von Hannah Arendts Eichmann-Text. Gegenstand dieser Debatte war die Frage, ob und inwieweit die Judenräte Komplizen der Mörder waren durch Verhandeln, Freikauf von zahlungsfähigen Juden und Verrat an denen, die keine Möglichkeiten hatten. Die Provokation Arendts bestand in der geäußerten Mutmaßung, daß durch das Verschachern von Schicksalen das Ausmaß des Mordens nicht begrenzt, sondern stärker entfesselt wurde. Besonders in Israel hat diese These Empörung ausgelöst,  u.a. bei Gershom Scholem. Nun - Friedmann, Schuster, Nachama und die Antisemitismus -Fachkräfte sind nicht die Judenräte Ungarns und wir leben nicht in Zeiten der Vernichtung. Aber die Frage muß dennoch erlaubt sein, ob die dauerhafte Verleugnung einer heraufziehenden Gefahr nicht auch eine schwerwiegende Schuld in sich birgt und nach Verrat stinkt. Nach Feigheit riecht’s ja schon seit langem. Allzeit bereit !

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