Nein, dieser Satz bezieht sich ausnahmsweise nicht auf die Migrationskrise, die die EU derzeit auch nicht in den Griff bekommt, sondern auf die Euro- und Schuldenkrise, über die merkwürdigerweise kaum einer redet, obwohl doch gerade Italien Kurs auf den Staatsbankrott nimmt. Und im Gegensatz zu Griechenland kann Italien den Euroraum und damit letztlich auch die EU schon in den Abgrund reißen. Tröstlich ist vielleicht nur, dass die Italiener diese Krise überleben werden, nur die EU in ihrer heutigen Verfasstheit wahrscheinlich nicht. Doch statt sich dem Problem zu stellen, wird es lieber schöngerechnet und schöngeredet. Das wiederum ist ja bei der Migrationskrise nicht anders. Nur kann die derzeit nicht so leicht übersehen werden, wie die Euro- und Schuldenkrise.
"...wird es lieber schöngerechnet und schöngeredet." Darin scheinen die Verantwortlichen wirklich Meister zu sein. Wenn sie so handeln würden, wie sie schönreden und schönrechnen, dann hätten wir überhaupt keine Krisen und alles wäre eitel Sonnenschein. Aber warum einfach, wenn es auch anders geht ? Hauptsache die dafür verantwortlichen Damen und Herren können weiter fest im Sattel sitzen bleiben. Allerdings wackelt der schon gewaltig. Sie sagen es, die Lage ist sehr komplex und vor allem undurchsichtig. Die EU wird es vielleicht doch überleben aber zu WELCHEM PREIS ?? WOHER werden eigentlich die Milliarden (bald Billionen ?) für die vielen Baustellen genommen ? Vor 2015 mußte um jeden Cent gerungen werden und jetzt ? Das Milliardenfüllhorn scheint nie leer zu werden.
Was mich betrifft, so kann ich nur sagen: Ganz fest die Daumen drücken, das der EU-Wahnsinn recht bald ein Ende hat!
Nicht die Italiener sind besorgt über EU und Euro, sondern besorgt sind die Deutschen. Die Italiener besitzen ihre Eigentumswohnung, das beste Essen der Welt und ihre Improvisationsfähigkeit. Schulden beängstigen sie nicht übermäßig und das Schicksal der EU liegt ihnen eher nicht am Herzen. Franzosen, Griechen, Italiener haben allerdings gelernt, wie man sich deutschen Ängste und Sorgen zunutze machen kann. Wie man von ihnen profitieren kann. Je größer die Angst bei den Deutschen, desto größer auch ihre Zahlungsbereitschaft. Und womit kann man sie am besten ängstigen? Genau, indem man den Teufel des Populismus an die Wand malt. Da öffnet sich das Portemonnaie wie von Wunderhand. Nur die Deutschen machen diesen Hype um Europa und die EU. Die Südländer sehen es pragmatisch. Nützt es mir, ist es gut. Nützt es mir nicht, will ich es nicht. Für sie handelt es sich nicht um eine Grundsatzfrage oder um Ideologie. Nein, die Italiener werden sich zu helfen wissen, wenn alles den Bach runter geht. Auf ihren Ansprüchen sitzenbleiben, werden die Deutschen. Und zwar auf materielle wie auf ideologische Art.
Lieber Herr Broder, Sie haben wahrscheinlich recht, aber ich hoffe als überzeugter Europäer, dass Sie nicht recht haben.
Ach wär das schön... gerne zurück zur EWG und den ganzen anderen Unsinn als Fehler der Geschichte vergessen...
Geld ist eine tote Sache, es ist konstruiert und seine Macht ist von der Art der toten Dinge. Daher kann man monetäre Probleme eher reparieren, ähnlich wie bei einer Maschine. Soziale Verwerfungen dagegen muss man versuchen auszuheilen, das ist viel schwieriger und weniger vorhersehbar. Im Prinzip entstehen auch die finanziellen Probleme durch ihre sozialen Aspekte. Denn alles geliehene und frisch geschöpfte Geld verschwindet ja nicht aus der Welt, sondern es ist noch da und gehört eben anderen. Nicht denen, die die Schulden angehäuft haben. Somit auch nicht dem Staat. Theoretisch, das ist ja das Kalkül der Linkspartei, könnte jeder Staat seinen Reichen so viel von ihrem Eigentum wegnehmen, wie zum Abbau seiner Überschuldung nötig wäre. Das wird aber nicht geschehen, solange in nahezu allen Ländern die Oberschicht an der Macht ist. Auch und gerade in Italien oder Griechenland nicht. Man versucht deshalb immer, sich zwischen den Extremen hindurch zu laborieren. Da ist viel mehr Raum für gestalterische Freiheit, als der kleine Mann auf der Straße sich vorstellen kann. Freilich geht beim Laborieren auch gelegentlich was schief. Es muss aber nicht. Es sei denn, hundert Milliardäre wünschen sich das. Bei denen ist die Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat, nämlich noch nicht vorbei.
Wenn der Satz zutrifft: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht, dann befinden wir uns im tiefsten Gestrüpp. Wie die Schuldenkrise genau ausgeht, kann mir keiner sagen (auch nach vielen Gesprächen mit Leuten, die es wissen könnten). Vier Szenarien sind denkbar. 1. Schuldenschnitt. Das merkt dann jeder Lebensversicherte oder wer sonstwie vom Kapitalmarkt abhängt, praktisch alle. 2. WIR stehen gerade dafür. Folge: Willkürliche Gundschuldeinträge auf Immobilien zur Besicherung der Kapitalbeschaffung an den Märkten und Bargeldabschaffung, um an alles ranzukommen. 3. Auflösung der Währungsunion. Jeder kümmert sich selbst um seine Schulden mit anschließenden Absturz an den Kapital- und Devisenmärkten. 4. Währungsschnitt unter Beibehaltung der individuellen Schulden und Schnitt beim Vermögen. Wahrlich keine schönen Aussichten! Also weiterwurschteln, Augen zu und durch!