Achgut.tv / 06.08.2018 / 06:25 / 41 / Seite ausdrucken

Broders Spiegel: Die Selbstkastrierung der deutschen Presse

Deutsche Journalisten diskutieren derzeit gern über schlechtes und gutes Framing. Sie sorgen sich, dass mit den falschen Begriffen eine falsche Stimmung erzeugt werden könnte, weshalb sie mit den richtigen Begriffen für die richtige Stimmung sorgen wollen. Das wäre dann gutes Framing. Doch woher kommt diese Sehnsucht nach sprachlicher Gleichschaltung? Gehört eine gewisse Wortgewandtheit nicht zu den Berufsvoraussetzungen? Wieso wünscht man sich dann Sprachregeln nach der Art einer Bundesschrifttumskammer, die viele Kollegen offenbar zu vermissen scheinen? Oder sind das heimliche Kastrationswünsche? Und warum die Begriffswahl „Framing“ ziemlich kurios ist, bekommen Sie im Video auch erklärt.

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Leserpost

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Gottfried Meier / 06.08.2018

Ich würde mich als Journalist nicht der Zensur unterwerfen. Wahrscheinlich wäre ich dann die längste Zeit Journalist gewesen, weil mich die wenigsten Medien veröffentlichen ließen.

Christoph Hüther / 06.08.2018

Lieber Herr Broder, Wir beide kennen sicherlich den Roman ‘1984’ von Orwell. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, wie schnell wir uns auf diese ‘Zukunft’ zu bewegen. Künftig wird es eine Unterteilung in Wörter und Unwörter sowie Sprache und Unsprache geben. Kommt mir aus dem Roman alles sehr bekannt vor! Ein Hoch auf den Big Brother… Vielen Dank für den Beitrag!

Rico Martin / 06.08.2018

Wäre ich Jude, würde ich keine andere Bezeichnung für mich wünschen!

Gerda Kloos / 06.08.2018

Lieber Herr Broder, das ist doch ein alter Hut! Jetzt bricht plötzlich Panik aus unter den “politisch Korrekten”, weil sich mehr Leute trauen, aus dem PC-Korsett auszubrechen und Worte benutzen, die angeblich nicht pc sind. Solange die Linke den Diskurs beherrschte, hat sie andere haltlos eingeschränkt und fühlte sich moralisch überlegen. Jetzt hat sie das Gefühl, Gegenwind zu bekommen, und klammert sich an diesen neuen Begriff, um die Deutungshoheit nicht zu verlieren. Durchsichtig.

klaus Blankenhagel / 06.08.2018

Wer mit dem Strom schwimmt, erreicht nie die Quelle.

Rudolf Stein / 06.08.2018

@Michael Birke Ja nun, die gegenwärtigen Systemparteien proben eben alles, was die AfD vom (Mit)Regieren abhalten kann: da gibt es mehrere Möglichkeiten: CDU/CSU/Grüne oder CDU/CSU/Linke, wahlweise mit oder ohne die Liberalen. Letzten Endes gibt es noch die Volksfront: CDU/CSU/Grüne/Linke wahlweise mit oder ohne die Liberalen. Erst bei 50,1% AfD ist Schluss mit diesem Mumpitz, was bei dem devoten Wahlverhalten des deutschen Michel noch lange auf sich warten lässt. Ich befüchte bis so etwas eintritt sind wir längst ein Khalifat.

Werner Arning / 06.08.2018

Tief drin scheint der deutsche Journalist dem Prinzip der freien Meinungsäußerung zu misstrauen. Er mag die freie Meinungsäußerung eigenen politischen Gesinnungsgenossen zugestehen, doch schon nicht mehr andersdenkenden Kollegen, oder gar dem Volk. Der freien Meinung des Volkes meint er einen Rahmen geben zu müssen. Das Volk darf nicht alles sagen, nicht alles denken. Er glaubt, dass es auch im Interesse des Volkes sei, wenn er, der Journalist, Volkes Meinen und Denken in die richtigen Bahnen lenkt. Eigenes Denken traut er dem Volk nicht zu. Ja hält dieses für gefährlich. Gefährlich für das Volk wohlgemerkt. Denn diesem gilt ja seine journalistische Tätigkeit, dem Leser nämlich oder dem Zuschauer. Und diese rekrutieren sich bekanntlich nicht aus dem gleichgesinnten Kollegenkreis, sondern setzten sich wahllos zusammen, ganz ungeordnet, aus Mitgliedern des Volkes. Deren Meinung kennt man nicht, im Gegensatz zu der der Kollegen. Also sollte man das Volk nicht unbeaufsichtigt lassen. Ihnen lieber das Richtige einflüstern. Der Journalist versteht sich als Volksflüsterer. Sonst kommt es doch nur auf dumme Gedanken, das Volk. Mit Demokratie weiß dieses ohnehin wenig anzufangen. Eine Meinung hat es gar nicht, jedenfalls keine ernst zu nehmende. Und deshalb will der Journalist die Demokratie vor dem Volk schützen, sie in Sicherheit bringen. Darum setzt er dem Volk einen Denkrahmen. Innerhalb des Rahmens darf es dann auch denken. In Deutschland hat man da Erfahrung. Man weiß, was gut ist für das Volk. Im Grunde gilt seine Sorge denen, die sich widerspenstig zeigen. Die will er errreichen. Die Anderen sind ja schon seiner Meinung. Aber die vielen Widerspennstigen gilt es zu zähmen. Dafür dient der Rahmen, oder soll man sagen, der Zaun? Ja, vielleicht der Zaun im Kopf. Ein Denkverbotszaun.

Pavel Hoffmann / 06.08.2018

Lieber Herr Broder, die Selbstkastrierung findet jeden Tag nicht nur in der Presse aber in dem öffentlichen Rundfunk statt. Wenn z.B. Herr Klaus Kleber verkündet, dass Gaza das dichtbesiedeltes Gebiet auf der Welt ist und dass Gaza eingeklemmt zwischen Israel und Mittelmeer ist dann hat er Ägypten von der Karte verschwinden lassen und viele weit mehr besiedelte Gebiete einfach vergessen. Auf dieser Weise wird Israel resp. Juden in den letzten Jahrzehnten immer diffamiert und dämonisiert

Sabine Schönfelder / 06.08.2018

In Zeiten der Infantilsierung des Bürgers bleibt es nicht aus , daß sich auch die Presse wie eine große Familie fühlt mit vielen kleinen   eifrigen Journalisten-und Journalösen, die es im vorauseilenden Gehorsam dem ideologischen Papi recht machen wollen. Nur dann belohnt das System seine Schar mit Kommentatorenjobs, einem schönen Fernsehpreis oder politischer Anerkennung in Form eines Kreuzes vom Bunde, überreicht vom Bundespräsi Steinmeier, der selbst den Gipfel der Stromlinienförmigkeit erreicht und sich immer innerhalb des ‘frame’ s bewegt hat,( auch sprachlich!)  unser rhetorisches Nichts, das man nicht mehr los wird.    

Wolfgang Richter / 06.08.2018

Unabhängig von der falschen Nutzung englischsprachiger Begriffe, nicht das erste Mal im Lande der weltoffenen Bessermoral, scheint niemand ein Problem mit angedachter Selbstkasteiung und Selbstzensur zu haben. Wären die Strippenzieher im Hintergrund wenigstens der Öffentlichkeit gegenüber ehrlich bezüglich ihrer Motivation zur Volkserziehung in ihrem Sinne, würden sie die Schriften mit von ihnen als unpassend erkannten Formulierungen öffentlich verbrennen (Komme jetzt keiner mit Feinstaub und CO2, das interessiert bei anderen Festivitäten wie z. B. Großfeuerwerk auch gar niemanden.)  Das könnte man zu einem festgelegten Tag auf einem zentralen Platz der Städte / Orte machen, z. B. immer montags, natürlich mit Benennung der Autoren. So viel Offenheit muß sein. Und wer bezüglich der möglichen Abläufe ein Informationsdefizit haben sollte, der kann sich in der Heimatgeschichte von vor ‘45 dazu schlau machen.

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