Nach dem Überfall auf den AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz sorgten sich viele Politiker und Medienvertreter vor allem darum, ob das nicht letztlich Wasser auf die Mühlen der AfD ist. Das ist heutzutage ohnehin die Grundfrage in Deutschland, ob etwas nicht vielleicht den Rechten nützen könnte. Und alles, was den Rechten nützt, sollte man eigentlich unterlassen. Aber ist es nicht auch Wasser auf die Mühlen der AfD, wenn Angela Merkel noch länger Bundeskanzlerin bleibt? Ist nicht auch Jean-Claude Juncker Wasser auf die Mühlen der AfD? Was sollen wir da nun tun?
In der aktuellen politischen Auseinandersetzung geht es nicht darum wer recht hat. Wir haben auf der einen Seite eine unverrückbare Internationalismusideologie, hinter der sich Linke, Gutmenschen und Großkonzerne versammelt haben. No nation, no border, Niederlassungsfreiheit für jeden Menschen wo immer er sein will und überall das Recht auf umfassende Grundversorgung. Diese Ideologie deckt umfassende Phantasien ab und vereint eigentlich unversöhnliche Standpunkte. Von Nationalstaaten nicht behinderte Profitmöglichkeiten für Großkonzerne passt ja nicht zum proletarischen Internationalismus, die unbedingte Bestandserhaltung des Arbeitskräftepotenzials auch nicht. Die Gegenbewegung hat jedoch noch keine tragfähige Erzählung zu bieten. Die Erkenntnis, dass die Visionäre eine Psychotherapie benötigen,um auf den Boden der Realität zu gelangen, genügt leider nicht. Sollte ein totaler Zusammenbruch, wie bei den echten Nazis des 1000 jährigen Reichs, nötig sein?
Alles schon dagewesen! Man denke nur an K.-E. von. Schnitzler und die unzähligen Redakteure der SED- und der Blockparteizeitungen in der DDR. Schnitzler und Konsorten beriefen sich auf die „Parteilichkeit“, der man sich anstelle der Wahrheit bediente, denn Wahrheit war etwas, was auch dem „Klassenfeind“ nutzen konnte. Die Parteilichkeit aber stand im Dienste des gesellschaftlichen Fortschritts, und dessen Zielrichtung stand außerhalb jeglicher Diskussion. Auf dieser Grundlage konnte man --- und kann man auch heute! --- jede Lüge auftischen, wenn sie denn im Dienste der Menschlichkeit, der internationalen Solidarität oder des „Antifaschismus“ daherkommt. Dass sich diese Parteilichkeit --- heute in „Haltung“ oder „Werteorientierung“ umbenannt --- nach dem Untergang der DDR im vereinten Deutschland auf fast allen Ebenen wieder durchsetzen konnte, macht mich fassungslos.
Wenn man in die Geschichte zurückschaut, haben Saalschlachten mit Schwerverletzten Ende der Weimarer Republik zwischen Links- und Rechtsradikalen niemanden genützt bzw. hatten keinen Einfluss auf die Wahlergebnisse. So gesehen sind vermutlich politisch motivierte Überfälle auf gewählte Volksvertreter aller politischen Couleur heutzutage auch kein Anlass für Verschiebung von Weltanschauungen oder Wählerwechsel.
Gerne gestattet Ihr sicherlich einem alten weissen Manne den folgenden Vorschlag: "Eigentlich unterlassen" könnte man die z.B die Damen Reschke, Kipping, KGK, Roth (mir fallen noch viel mehr ein), weil die der AfD mehr Stimmen eingefahren haben als als alle Parteimitglieder zusammen. Es sind halt überwiegend Frauen, die das öffentlichkeitswirksam vorgetragene Bedürfnis nach der ganz edlen Gesinnung haben, immer schön beleidigt, empört und betroffen (dabei persönlich meist warm und trocken sitzend). Wenn ich am Wahltage mal wieder nicht weiß, wo ich das Kreuzerl machen soll, denke ich an dieses Damenkränzchen. Dann weiß ich es...
Diese Politik muß weg, damit sie nicht von der AfD instrumentalisiert werden kann.
Die Wahrheit zu sagen ist auch sehr oft Wasser auf die Mühlen der Rechten - also lügen wir doch lieber weiter.
Im Spiegel 2019/2 war ein Interview mit dem ehemaligen Verfassungsrichter Di Fabio abgedruckt. Auf eine Antwort von ihm kam die Frage: Erschreckt es Sie nicht, dass die AfD dies auch so sieht. Seine Antwort war grandios: Wenn die AfD sagt, dass die Erde eine Kugel ist, muss ich dann sagen, dass sie eine Scheibe ist? Die interviewenden Journalisten haben die Frage leider nicht beantwortet. ;-) Ein Schelm der böses dabei denkt. Diese Frage, wie auch der beliebte Hinweis auf den Nutzen für die Falschen, zeigt überdeutlich, wie krank das mediale System zwischenzeitlich ist. Wie hat es Dushan Wegener so schön ausgedrückt: Wenn die Wahrheit den Falschen nützt, müssen sich die Richtigen überlegen ob sie nicht falsch liegen.