Es ist Rosenmontag und in den Karnevalshochburgen bleibt es still, denn die Polizei geht konsequent gegen illegale Faschings-Partys vor. Stattdessen gibt es freudlosen Dauer-Maskenball ohne Lockerungen. Es ist eine Art Sadopädagogik: Einem Kind etwas versprechen, wenn es eine Aufgabe erledigt, doch wenn das getan ist, gibt es stattdessen immer nur neue Aufträge als Bedingung für die Belohnung. Kommt Ihnen das bekannt vor?
Henryk M. Broders aktuelles Buch „Wer, wenn nicht ich“ befasst sich mit „Deutschen, Deppen, Dichtern und Denkern auf dem Egotrip“. Das Buch kann im Achgut.com-Shop bestellt werden. Die dritte Auflage ist ab sofort lieferbar.
Werter Herr Broder, wir sind mit unserer Zugführerin Angela sang und klanglos im Zielbahnhof DDR 2.0 angekommen. Nun reiben sich einige Bürger verwundert die Augen. Der Zug steht und es heißt aussteigen und der neuen Realität ins Auge sehen. Alles noch ein wenig fremd und bizarr anmutend. Ein wenig surrealistisch beinahe der aerosolfreie Chor der Blockparteien im ÖRR, in dem auch ein Herr Lindner das hohe C auf die Kanzlerin trällert und Herr Söder der Annalena schöne Augen macht (s. Anne Will vom 14.02. – Valentinstag eben) Ja, eine maskenlose Radfahrerin wird da schon einmal leichte Beute der Staatsgewalt, während Masken über Bärten getragen (dann bringen sie nämlich gar nichts) vollkommen ignoriert werden. Weder das eine noch das andere so verwerflich wie das Drogen verticken im Görli. Aber die Angst vor dem Virus und seinen Mutanten wurde tief in die Bevölkerung eingepflanzt. Die bundesdeutsche Gesellschaft wählt den Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Ein eigenartiges Verhalten, das unsere Staatsgewalt in dieser woken Zeit an den Tag legt. Da darf ein Rapper in Berlin zwei Streifenpolizisten auf das übelste beschimpfen (youtube „Fler beleidigt Polizisten aufs übelste) während junge “Kartoffeln„ gern mal in der Straßenverkehrskontrolle so richtig rangenommen werden, alte Radfahrerinnen sowieso. Wie gesagt, der Zug steht, “bitte aussteigen„. Allen Lesern der Achse einen schönen Rosenmontag und Herr Broder, bitte bleiben Sie uns noch lange gesund und munter erhalten.
Hat tatsächlich irgendwer in unserem Lande gedacht, wir würden vor der radikalen Ausrottung des Virus zur Normalität finden? Sobald jemand lockert, erscheint wie aus dem Nichts ein warnender Geist einer anderen, wunderbaren Partei mit Paritätshintergrund. Frau Merkel hat es geschafft, daß ein Großteil unseres Landes verblödet. Und die arbeitslosen Gastronomen und Künstler Kölns könnten als V-Männer*innen agieren und der Regierung ungewöhnliche vertikale Schunkelbewegungen mitteilen. Als Dank würden sie dann geimpft und erhalten eine besonders schöne Pappnase. Eines sollten wir unbedingt vermeiden: Eigenverantwortung.
Genau diese Art „Sadopädagogik“, Kind bekommt immer neue Aufgaben bis zur Belobigung, kam mir heute früh in den Sinn, lange bevor ich das hier las. Seltsam, daß die Gedanken sich sogar bei sich völlig unbekannten Menschen über weite Entfernungen klonen können.
Wenn ein Größenklein an seinem gewollten Größenselbst scheitert, dann holt es sich ein Surrogat auf dem es sich siegen läßt. Fasnachtsveranstaltungen in Kellern, jüdische Kinder in Kellern, Feinstaub, Klima, das alles sind Ausweichziele für eine Gruppe, die als Nation in der Hauptsache versagt haben – und zwar an sich und dem eigenen Prinzip. Man kann auch sagen: Alles, was in den Lagern als Personal mordete und an den Fronten kämpfte tat dies aus dem alleinigen Grund, weil alle diese Kräfte zu dumm waren eine konstruktive Wirtschaft aufzuziehen und man suchte sich Ausweichziele für die Mischung aus Machtgeilheit und Versagen. Wenn man heute also anfängt Phantome zu jagen, dann fällt das ökonomisch abbildbar wieder unter ein Machtexercitium an einem Stellvertreterobjekt um sich die eigene Unfähigkeit in der Hauptsache erträglicher zu gestalten. Ökonomisches Scheitern, und die Frage einer Macht in programmatischen Surrogat – Konstruktionen (Narrativen und Ideologien), das ist ein durchaus nicht unspannendes Feld. Es erklärt manches, nicht alles und es ist selbst vielleicht sogar ein Surrogat für eine Einfallslosigkeit, die ein Narrativ mit einem anderen – dependent – versucht aufzulösen, aber immerhin, es ist eine erkennbare Schaltung mit einer kausalen – psychologischen und ökonomischen Grundwurzelung (schönes hakeliges deutsches Wort).
Der renitente Sachse traf sich am Wochnende in Marienberg in Hundertschaft zum Skifasching. Als die Polizei eintraf „flüchteten“ die Besucher mit den Skiern. Vermutlich bestens gelaunt. Merke: der erzgebirgische Sachse ist nicht nur hell im Köpfchen, gut zu Fuß, sondern auch flott zu Ski…………..Glück auf !
Lieber Herr Broder, danke, dass sie auf die unübersehbaren Fortschritte der Gesellschaft und vor allem der ohnmächtigen Staatsmacht hinweisen. Wie leicht geht das sonst im allgemeinen „Gemosere“ der Unbedarften unter.
Übrigens, eine notwendige kleine Korrektur, das zitierte arme Kind soll jetzt gar nicht zu Klaus und Peter gehen.
Gestatten Sie mir ein anerkennendes persönliches Wort: Ihr heutiges Kostüm passt hervorragend zum Rosenmontag, das volle Toupet, die stylische Brille, der angeklebte Bart, Chapeau! Oder hat etwa ihr Friseur Urlaub?
Lieber Herr Broder, auch wenn ich schon einige Jahre nur noch verhalten am Treiben zu Karneval beteiligt war, so finde ich es doch ein Trauerspiel wenn ich z.B. diese Krampfsitzungen im TV sehe. Und es „tut mir regelrecht was am Gemüt“ wenn ich kein ausgelassenes Treiben von jungen Leuten oder gar von Kindern erleben darf. – es tut mir etwas am Gemüt – und anderen wird es nicht anders gehen. Es gibt keine Ziele mehr zu denen man hin streben kann. Highlights und Ziele müssen (!) sein. Von ausgelassenen Verrücktheiten zehrt die Seele. Mit erfundenen Inzidenzen wächst der Zorn.