Achgut.tv / 13.01.2020 / 06:29 / 57 / Seite ausdrucken

Broders Spiegel: Die Möchtegern-Frontbericht-Erstatter

In der letzten Woche schien es zeitweise, also würde so mancher beinahe sehnsüchtig auf einen neuen Krieg warten. Gar nicht unbedingt die Irren in Teheran oder Donald Trump, dafür umso mehr manch deutscher Redakteur, der es scheinbar gar nicht erwarten konnte, aus der Zuschauerperspektive an dramatischen Frontberichten zu arbeiten. Nachdem zumindest dieser Kriegsausbruch vorerst ausgefallen ist, kann man sich ja mal fragen, was die Ursache der Kriegs-Obsession hiesiger Berichterstatter ist. Hier ist eine Antwort.

Von Henryk M. Broder erschien am 8. November 2019 das Buch „Wer, wenn nicht ich – Henryk M. Broder“. Der Autor befasst sich darin mit „Deutschen, Deppen, Dichtern und Denkern auf dem Egotrip“. Das Buch kann im Achgut.com-Shop bestellt werden. Die zweite Auflage ist ab sofort lieferbar.

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Sybille Schrey / 13.01.2020

Hm…, mit den noch viel extremeren Möchtegern-Frontberichterstattern zum sogenannten Ukraine-Konflikt – übrigens „nur“ einem Bürgerkrieg – hatten Sie aber nicht die geringsten Probleme, Herr Broder. Ebenso wenig bei Syrien (Stichwort Aleppo). Wie kommt das? Und wie kann man bei einem intelligenten Mann eine derart disproportionale Betrachtungsweise und damit verbundene Rußland-Aversion erklären… Nein, das ist keine Frage, ich kann es mir denken. Und Sie selbst können es auch.

Christa Born / 13.01.2020

Ich widerspreche. Wir sind doch schon seit Vietnam die Guten (Amis raus aus… Ho Ho Hotschi….) und seit 2015 überhaupt die Gutesten. Jetzt bald auch atomfrei und klimaneutral. Also guter geht ja kaum mehr!

Helmut Steinig / 13.01.2020

Möglicherweise, verehrter Herr Broder, war die zu beobachtende Kriegslust auch historische Aufarbeitung. Daneben wärs doch zu schön gewesen, doch richtig gelegen zu haben. Viele Spiegel-Artikel mit den dann wiedergekäuten Zeitungsartikeln, die empörten Moderatoren und Experten bei Deutschlandradio, NDR und WDR, alle anderen, die sich sonst noch zu Trump geäußert und es schon von Anfang an gewußt haben: sie alle hätten jubiliert, weil es durch diesen schlimmen Finger ja zum Krieg kommen mußte. Und jetzt stellt sich haraus, dass der Donald mal wieder richtig gelegen hat. Ein gefährlicher Terrorist liquidiert, die Mullahs als Maulhelden vorgeführt und, worüber sich niemand freuen kann, sie sich selbst als so gemeingefährlich geoutet in der Weise dass sie kein Zivilflugzeug von einem Kriegsgerät unterscheiden können.  Jetzt zeigt sich, dass diese ungeheuerlichen Gotteskrieger niemals Zugriff zu Atomwaffen haben dürfen. Auch hier liegt Trump mal wieder richtig.

marq von aberncron / 13.01.2020

Naja, in der Bundesrepublik Deutschland scheint tatsaechlich eine massive Verwirrung zu grassieren, wie schon im “Cicero” pointiert kommentiert wurde: Staatsfunk u. ehemalige Bundesminister solidarisieren sich mit einer der uebelsten u. menschenverachtendsten Diktaturen, die momentan auf dem Erdball existieren, der Staatsfunk sendet ohne paternalistisches Framing hate-speech von Teherans Strassen .... “Muendige*r Buerger*in” ist wohl von vorgestern ....

Gabriele H. Schulze / 13.01.2020

Da fällt mir eins von Eric Bernes Spielen ein: “Ist es nicht schrecklich?” Hierzulande sehr beliebt. Da sprudelt das Adrenalin! Man kann seine Existenz als Schreiberling und Laberer rechtfertigen und aufwerten. Man kann sich wichtig machen! Es ist was los, aber wir sind diesmal nicht schuld. Das vormals böse Kind ist geläutert und sagt jetzt den Großen, wo’s lang geht.

Karl Dreher / 13.01.2020

Der “Relotius Berichterstatter” - Daheim auf dem Sofa kuschelnd, vielleicht sogar eine Splitterweste tragend, “(des-) informiert” seinen (willfährig irrglaubenden) Redakteur nebst Redaktions-Lakaien und lügt dann seinen Bericht zusammen ... warum überrascht mich das nicht mehr ....?

Hans-Peter Dollhopf / 13.01.2020

Zum Spaß sah ich mich wegen einer Bellevue auf den III. Weltkrieg auf dem Internetportal der Bundesregierung um. Da fand ich in der Sparte “Kurz und verständlich” den Themenkreis “Fragen und Antworten zu Frieden in Europa”. Okay denke ich mir, wenn wieder Weltkrieg ist, dann wird der wohl auch dieses Mal Kontinentaleuropa mit einbeziehen. Meine vorformulierte Frage an die Webseite war darum: Wie sicher bin ich in der EU? Dem Besucher der Webseite wird sofort von unserer Regierung mitgeteilt, dass die EU ein Friedensprojekt sei, seit rund 70 Jahren den Frieden in Europa garantiere, darum auch “was” für solchen Frieden unternehme. Ich erfahre aus dieser absolut vertrauenswürdigen Web-Quelle zutiefst unvorstellbar Glaubwürdiges! Da steht: “Krieg innerhalb der EU ist unvorstellbar”. Freude, schöner Götterfunken! Würde auch eine Welt da draußen sich ein drittes Mal beweltkriegen, Europa wird wegen Brüssel nix davon wegkriegen, weil, lese ich, es hat sich die EU “außerdem” eine Grundrechtecharta gegeben. Boh! Weil “es ist wichtig, dass die EU ihre Werte im Inneren verteidigt, auch um auf der internationalen Bühne ein glaubwürdiger Partner zu sein”. Danach stellt sich meine Regierung mir Leser die Frage: “Wie sieht die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik aus?” Ich erfahre, die EU müsse “größere Verantwortung auch[!sic] für seine eigene Sicherheit übernehmen.” Nach 70[sic] Jahren. Also, “im September 2017[nie zu früh] beschlossen 25[+/-] EU-Mitgliedstaaten, bei Sicherheits- und Verteidigungsfragen künftig[nächstens] noch enger zusammen[zu]arbeiten”. Am Rand bemerkt: “Der Europäische Rat hatte mit einem Festakt das Startsignal für eine starke[!] europäische Verteidigungspolitik gegeben.” Festakt? Jean-Claude? “Ischias”? Jedenfalls ist Folgendes Fuckt: “in Zukunft”, “in der Planung”, “weiterer Vorschlag”! Und ganz wichtig im Zusammenhang mit dem 3. Uraniranischen Weltkrieg: “Was macht die EU gegen die Armut in der Welt?” Donald, alter Schwefelbube, steh uns bei!

Sabine Schönfelder / 13.01.2020

Panik schüren, Dramatik verbreiten und AAAngst provozieren, das ist der Journaille liebste Beschäftigung. Wenn man noch Trump als Kriegstreiber ins Gespräch bringen kann und der Krieg abseits der eigenen deutschen Kimakatastrophe stattfindet, sozusagen den eigenen ´Bobbesˋ nicht tangiert, dann läßt sich doch herrlich Kriegshetze betreiben. Ich denke nicht, daß eine Freudsche Kompensationsleistung dahinter steckt, eher gewöhnliche Routine. Übertreibungen und fakige Spekulationen gehören heute zum Alltag. Alles ordnet sich ewig den gleichen Narrativen unter. Iran, armes Land, guter Mullah, geile Geschäftsverbindung, Islam gehört zu Deutschland gegen - keine Atombomben für den Iran, Terrorregime, böser Trump usw. gäääähnn…..... Außerdem lenken außenpolitische Sperenzien vom selbst verursachten Mist im eigenen Land ab. Die Energiewende ist ein Flop, die Autoindustrie geht den Bach hinunter. Der Bürger schuftet für die Migration und unsinnige Windräder und darf dafür länger arbeiten. Er zahlt mehr für Heizung und Strom, für Zeh-oh-Zwei und bekommt durch die ständig steigende Steuerlast der Renten immer weniger Geld dafür. Wir machen beim dritten Weltkrieg eh nicht mit. Mit was denn? Keine Ärmkes, keine Plätzkes.

herbert binder / 13.01.2020

Vielleicht variieren Sie einfach mal, werter Herr Broder - evtl. so:  Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer hat se eigentlich noch alle in diesem Land?

Dr. Phil Omanski / 13.01.2020

Sehr gut analysiert, Herr Broder. Es liegt so sehr auf der Hand, wie die Deutschen ticken, aber man muss es als Gedanken fassen. Es ist tatsächlich so, daß deutsche Schreiberlinge und lebensfürchtende Normalbürger die Apokalypse herbeisehnen und sie herbeiarbeiten wollen, so wie es die Klima-Bewegung macht.

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