Von Gunnar Heinsohn
Von 1.000 Bremer Kindern unter 15 Jahren werden – so die Bundesagentur für Arbeit – 300 durch die Mitbürger versorgt. Doch diese verstörende Bürde ist für die Nachbarn eine gute Nachricht. Schließlich finanzieren sie 2006 sogar 330 von 1.000 Jungbremern. Es wäre also kleinlich, die Hanseaten mit der Gesamtrepublik beschämen zu wollen, in der nur 150 von 1.000 Kindern in Hartz IV heranwachsen. Denn 1965, als die Kaufkraft pro Kopf nur halb so hoch liegt wie heute, benötigen nur 15 von 1.000 Kindern Sozialhilfe (BRD). Wer wollte ernsthaft auftrumpfen mit dieser Verzehnfachung gegenüber Bremens Steigerung um den Faktor 20? Und wer würde sich das in Berlin trauen, wo man heute noch mit Zahlen prunkt wie Bremen vor einem halben Jahrzehnt?
Damals allerdings ist der hiesige Durchschnittsbürger lediglich 34 Jahre alt und muss gerade mal 700 Euro Staatsschulden bedienen (nur BRD). An Kraft und Geld für strauchelnde Zeitgenossen fehlt es nicht. Heute dagegen beträgt das Durchschnittsalter 44 Jahre und die Staatschuld steht bei 22.000 Euro pro Kopf. Deshalb keucht man nicht nur unter den Abgaben für die EU-Bürger. Es reicht längst nicht einmal mehr für den wuchtigen Hilfesektor daheim. Nur durch immer weiteres Hochschulden kann er gedeihen.
Von 1.000 Wohnungseinbrüchen in Bremen bleiben 900 ungeahndet. Zwischen 2010 und 2011 legen die Anzeigen in Deutschlands „Einbrecherhochburg“ um 35 Prozent zu (2259 auf 3064). Doch auch das könnte sich als gute Nachricht erweisen, wenn 2012 noch häufiger eingestiegen und noch weniger aufgeklärt wird. Als Schelm oder gar als Schuft aber müsste sich schelten lassen, wer einen Zusammenhang zwischen den beiden Bremer Spitzenleistungen vermuten wollte.