Henryk M. Broder / 24.11.2006 / 18:53 / 0 / Seite ausdrucken

Boston Tea Party - 2

“Thanksgiving”, der dritte Donnerstag im November,  ist der amerikanischste aller Feiertage. Alle feiern “Thanksgiving”, egal welchem Glauben oder Aberglauben sie anhängen. Christen aller Denominationen, Moslems, Hindus, Buddhisten, Juden, Baha’i, Atheisten und Satanisten - vor dem Truthahn sind alle gleich. Während Millionen von Turkeys geschlachtet werden, entläßt der Präsident im Garten des Weißen Hauses einen in die Freiheit - alle Amerikaner heulen vor Rührung, um gleich über den Hot Turkey in der eigenen Küche herzufallen. Der ist ja schon tot, also muß er auch gegessen werden.
So war es auch bei den Azoulais. Frau Azoulai (Silke) stammt aus Salzgitter, hat mal ein Jahr als Au pair in Israel gearbeitet und spricht seitdem fließend Hebräisch. Herr Azoulai (Ilan) wurde in Israel geboren, seine Eltern sind marokkanische Juden. Kennengelernt haben sich die beiden aber weder in Israel noch in Deutschland, sondern im Internet. Sie haben in den USA geheiratet, vor zwei Monaten wurde das erste Kind, Daniella, geboren.
John und Kerri haben sich bei einem “Blind Date” kennengelernt, das von Freunden arrangiert wurde.  Er kommt aus Galway in Irland, sie aus einer Kleinstadt in Montana.
John ist “irisch-katholisch”, Kerri jüdisch und afro-amerikanisch. Er trägt um den Hals ein kleines Kreuz, sie eine “Hamsa”, die Hand gegen den bösen Blick. Vor einem Jahr haben sie geheiratet, zuerst katholisch in Galway, dann jüdisch in Boston.
John hat eine Flasche “Nadurra”-Whisky mitgebracht, 57%ig, selbst Iren können ihn nur mit viel Wasser verdünnt trinken. Kerri macht den Pie Crust für den Apple Pie, Ilan gibt dem Kind die Flasche, Silke betreut den Truthahn. Wie es sich für Thanksgiving gehört, gehts in der Küche drunter und drüber. Aber am Ende sieht der Tisch wie von Norman Rockwell gemalt aus, schade, dass der Truthahn diesen schönen Augenblick nicht erleben konnte. Bevor der Sechs-Kilo-Vogel zerlegt wird, sagt jeder am Tisch, wofür und bei wem er sich bedankt. “Ich danke meiner Frau, dass sie mich geheiratet hat”, sagt John. “Ich bin dankbar, dass wir in einem freien Land leben und von allem, das wir brauchen, genug haben”, sagt Kerri. “Ich danke meiner Frau, dass wir eine Tochter haben”, sagt Ilan. “Ich danke allen, die heute hier sind”, sagt Silke. “Ich danke Dr.Lindemann”, sage ich.
Und dann muss der Truthahn dran glauben. Dazu gibt es Cranberries, Mashed potatoes, Sweet potatoe pie und gedünstetes Gemüse. Alles ist halal und koscher und schmecken tut es auch. Happy Thanksgiving!

 

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