Vielleicht wird es später einmal heißen: In den letzten Februartagen des Jahres 2018 kamen zwei Ereignisse zusammen, die nicht kausal zusammenhingen, aber zusammen die Verhältnisse zum Tanzen brachten. Für das eine Ereignis ist Angela Merkel zuständig.
Nach der Entscheidung der Essener Tafel, vorübergehend nur noch deutsche Neukunden zusätzlich aufzunehmen, weil der Anteil der Nichtdeutschen schon auf 75 Prozent gestiegen war und junge kräftige Migranten deutsche Seniorinnen verdrängten, nach dieser Entscheidung also meldete sich die Kanzlerin bei RTL zu Wort und erteilte den ehrenamtlichen Helfern der Essener Tafel eine strenge Rüge: „Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen. Das ist nicht gut“.
Nun sind die Deutschen schon einiges von dieser seit zwölf Jahren führenden Politikerin gewohnt. Sätze wie: „Volk ist jeder, der in diesem Land lebt“, oder, auf die Frage einer Wählerin, was sie gegen den rasanten Anstieg von Sexualattacken zu tun gedenke: „Strafdelikte sind bei uns nicht erlaubt“.
Aber dass sie sogar noch diejenigen im Stil einer kindlichen Kaiserin abkanzelt, die im Souterrain der Gesellschaft versuchen, ehrenamtlich die Folgen ihrer Grenzöffnungspolitik zu mildern, das könnte das entscheidende Wort zu viel gewesen sein. Spätestens nach diesem letzten perfiden Manöver ist Merkel zehntausenden jener wohlmeinenden bürgerlichen Wähler nicht mehr zumutbar, die ihr im Herbst 2017 noch eine letzte Chance geben wollten. Selbst ansonsten treuen Gefolgsleuten in den Medien mutet die Kanzlerinnen-Einlassung zur Essener Tafel zu tartuffemäßig und bizarr an, als dass sie noch Lust hätten, Angela die Letzte zu verteidigen.
Merkel kann künftigen Historikern als Exempel dafür dienen, was passiert, wenn eine Politikerin oder ein Politiker sich von einer kleinen homogenen Elite beklatschen lässt und darüber nicht begreift, dass die eigene Ära längst vorbei ist.
Beflügelt das nicht die Phantasie?
Das war das eine Ereignis. Das andere fand weit entfernt vom politischen Berlin statt: Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, ÖVP, traf sich mit dem grünen Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. Kurz kommentierte dazu auf Twitter:
„Konnte heute den Oberbürgermeister v #Tübingen #BorisPalmer treffen – eine beeindruckende Persönlichkeit. Wir teilen vor allem die Überzeugung, dass es einen Systemwechsel in d Flüchtlingspolitik braucht. Wir müssen d #EU-Außengrenzen schützen u mehr in Hilfe vor Ort investieren.“
Vor kurzem meinte die Berliner Schriftstellerin Monika Maron in einem Text auf der Achse, sie würde am liebsten Sebastian Kurz wählen, was leider für sie als Deutsche nicht ginge. Oder Boris Palmer, wenn der sich entschließen könnte, eine eigene Partei zu gründen. Genau hier treffen zwei Punkte zusammen: auf der einen Seite eine radikal unbürgerliche, intellektuell verwahrloste Kanzlerin und CDU-Chefin – und auf der anderen Seite ein bürgerlicher und deshalb von seinen eigenen, in Correctness erstarrten Parteifunktionären gehasster Grüner. Beflügelt das nicht die Phantasie? Was würde passieren, wenn es eine Partei von Boris Palmer und anderen bürgerlichen Politikern gäbe?
Seit etwa sieben Jahren lautete die Logik der CDU-Parteiführung über viele Kaskaden herab so:
2011: Die bürgerlichen Wähler können uns ja gar nicht zu einer anderen Partei weglaufen. Wohin denn? Zur NPD? Egal, wie sehr die CDU das bürgerlicher Lager foppt, zum Beispiel durch die planwirtschaftliche Energiewende: die Leute haben doch gar keine Alternative. Sie können höchstens ins Nichtwählerlager. Aber da schaden sie uns nicht.
2014: Gut, es gibt jetzt eine so genannte Alternative, die AfD. Aber auf die paar Prozent, die zu dieser Professorenpartei überlaufen, können wir verzichten.
2015: Mag sein, dass die AfD jetzt nach der chaotischen Grenzöffnung wächst. Aber die neue Truppe steht rechts von uns, und solange der antifaschistische Schutzwall der Medien hält, werden wir sie eindämmen.
2018: Zugegeben, die AfD ist mittlerweile in einigen Umfragen stärker als die SPD. Aber egal: solange dort Gestalten wie Björn Höcke und André Poggenburg herumgeistern, schreckt das noch genügend bürgerliche Wähler ab, bei denen das Kreuz zu machen. Selbst wenn die Union nur noch bei 30 oder 28 Prozent steht: wir beherrschen die Mitte.
Eine neue bürgerliche Partei
Lassen wir die politische Phantasie ein wenig arbeiten. Eine neue bürgerliche Partei mit Boris Palmer, mit Wolfgang Bosbach, mit Klaus-Peter Willsch, Rainer Wendt, Seyran Ates, Cora Stephan und noch etlichen anderen Männern und Frauen könnte das alles ändern. Sie könnte diese bleierne Logik des Merkelismus in kürzester Zeit zerschlagen. Ihr würde es schon genügen, wenn sie das Asylrecht wieder so anwenden würde, wie es in der Verfassung steht: als Hilfe für politisch Verfolgte, als Hilfe auf Zeit für Kriegsflüchtlinge – aber nicht als Ersatzweg für Masseneinwanderung.
Sie bräuchte nur den gesetzlich vorgesehenen Zustand an den Grenzen wieder herzustellen. Sie müsste nur die Proportionen im Land wieder zurechtrücken, die völlig aus den Fugen geraten sind, wenn vorgeblich minderjährige Migranten aus Afghanistan, wie kürzlich im Spiegel beschrieben, für tausende Euro pro Monat eine Rundumfürsorge mit einem Betreuungsschlüssel von eins zu 1,6 erhalten, während Pflegekräfte in Seniorenheimen mit einem Betreuungsschlüssel während der Nachtschicht von eins zu sechzig kämpfen und Pflegefälle stundenlang in ihren Exkrementen liegenbleiben.
Eine neue bürgerliche Partei bräuchte nur angesichts eines Haushaltsüberschusses von 36 Milliarden Euro eine Steuerreform vorzuschlagen und durchzusetzen, die vor allem kleine und mittlere Verdiener entlastet. Denn anders, als viele öffentliche Meinungsbildner vorbeten, zahlt in Deutschland schon ein alleinstehender Mindestlöhner 70 Euro Steuern im Monat. Ein Vorarbeiter bei Porsche, ein tüchtiger Handwerksmeister, liefert für einen Teil seines Einkommens schon den Spitzensteuersatz ab. Würde die im wahrsten Sinne grenzenlose Finanzierung von Migranten inklusive Zweitfrauen und 25jährigen Minderjährigen wegfallen, dann wäre auch allemal genügend Geld da, um bedürftigen Senioren so zu helfen, dass sie nicht mehr zur Tafel gehen müssten.
Ende des enervierenden Belehrungstones
Einer Palmer-Partei würde es für einen Zulauf aus dem bürgerlichen Lager schon genügen, wenn sie sagt, dass Deutschland keinen „Preis“ dafür zu zahlen hat, wenn Jens Weidmann 2019 Präsident der Europäischen Zentralbank werden sollte. Und dass niemand in der Europa- und Euro-Politik ein „Hardliner“ ist, nur, weil er auf die Einhaltung der gemeinsamen Regeln besteht.
Eine frische Partei könnte endlich – nach dem Vorbild von Kurz – mit dem enervierenden Belehrungston einer uckermärkischen Unterstufenlehrerin Schluss machen – egal, ob gegenüber mittelosteuropäischen Ländern oder ehrenamtlichen Arbeitern, die sich aufreiben.
Was wäre das für eine Befreiung! Keine Partei könnte mehr die Mitte als Erbhof betrachten. Die Union müsste mit der neuen Partei ernsthaft um Wähler der Mitte konkurrieren, und es wäre nicht ausgemacht, wer darin stärkste Kraft wird. Die CDU müsste Merkel und ihre Politik des institutionalisierten Irrens endlich verschrotten – oder würde anderenfalls möglicherweise untergehen wie die Democrazia Christiana in Italien.
Und auch die AfD müsste sich ausmähren und sich überlegen, ob sie mit Irrlichtern wie Poggenburg zu einer Truppe am Rand werden will – oder mit anderen Leuten zum Konkurrenten um die rechte Mitte. Kein Stein wäre mehr festgefügt. Es gäbe wieder echten politischen Wettbewerb. Debatten statt Merkelsätze. Tanzende Verhältnisse. Und wirklich spannende Wahlabende. Den Gedanken, eine Palmer-Partei mit dreschflegelnden Nazikeulen kleinzumachen, können die Laschets, Altmeiers, Anja Reschkes und Claus Klebers dieser Welt gleich vergessen. Das hat schon im Fall der AfD nicht funktioniert. Apropos Anja Reschke und Claus Kleber: Eine echte bürgerliche Partei müsste sich auch eine Reform beziehungsweise eine Wiederherstellung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf den Aufgabenzettel schreiben.
So viele Ideen warten auf jemand, der sie einsammelt. Bitte, Boris Palmer, springen Sie. Sie könnten Geschichte schreiben.
Dieser Beitrag erscheint auch auf Alexander Wendts Publico.

Also das Argument für die Palmer Partei und gegen die AfD ist, dass es zwei "Irrlichter" bei der AfD gibt? Ich dreh das mal um: bei der CDU und der SPD gibt es (bewundernswerte) Irrlichter wie Frau Lengsfeld und Herrn Sarrazin, also sind es dann wählbare Parteien? Ich gebs zu: ich habe noch nichts von Herrn Poggenburg gelesen, dass ich für unverzeihbar hielte und jedesmal, wenn Kommentatoren wie Sie, lieber Herr Wendt, mit Seitenverweisen zu den beiden Herren kommen, dann habe ich Mühe weiterzulesen. Sie mein also, weil AfD-Positionen von Herrn Palmer und Herrn Kurz vertreten werden, dann sind diese Positionen somit wählbar? Also geht es Ihnen nicht um Inhalte, sondern um einzelne Personen? Warum schreiben Sie nicht einfach am Anfang des Beitrages, dass Sie ein Fan von Palmer sind und zu dem Thema mal emoten wollen?
Herrlicher Vorschlag, habe ich gleich an Herrn Palmer weitergeleitet!
Der kritische Moment bei einer solchen Partei ist kurz nach der Gründung. Wenn in diesem Moment die vereinte Journallie auf die Palmer-Partei eindrischt. Dieser Moment wurde schon bei der AfD genutzt um sie landein landaus zu brandmarken. Gestalten wie Höcke und Poggenburg kamen erst danach, während die Zielgruppe die Sie beschreiben noch verunsichert war bzw sich schon wieder überlegt hat sich abzuwenden. Das herbeischreiben der Nazis hat funktioniert, und genauso würde es bei einer Palmerpartei funktionieren. Denn eine Partei die sich in der Gründungsphase befindet ist zu schwach sich gegen den Ansturm der Propaganda zu wehren die ihr von den Futtertrögen entgegenschlägt.
Ich wäre aktiv dabei!!!
Rechts von der Union gibt es bereits eine Partei und deshalb könnte es den Merkelisten nur nur nützlich sein, wenn sich die da mühsam versammelten Kräfte aufspalten würden. Wie hieß es doch schon im alten Rom: Divide et impera.
es mag sein, dass Boris Palmer bei dem Thema Zuwanderung eine von seiner Partei abweichende Meinung hat. Bei allen anderen Fragen, Energiewende, EU, Schulden, Marktwirtschaft, ist er alles andere als bürgerlich-konservativ, sondern der typische Linksgrüne. Die Fahrt in den Abgrund würde vielleicht verlangsamt, keinesfalls aufgehalten. weshalb solle der öffentlich-rechtliche Rundfunk reformiert werden? Er ist überflüssiger wie nichts, er gehört abgeschafft. Man kann aus den dort 99,9 % linksgrün drehenden, obrigkeitshörigen Gesinnungspropagandisten und Volkserziehern keine Verteidiger der Freiheit machen. ja, und die Entlastung von Einkommen wird niemand mehr leisten können. Dafür sorgen allein unsere Millionen hinzu gekommenen Versorgungssuchenden. Ich fürchte, lieber Herr Wendt, es ist Ihnen die Brisanz der Lage wie vielen anderen wohl auch nicht bewusst. Diese besteht in der Zuwanderung von Millionen in eine kleine Altersgruppe. Nach meinem Dafürhalten ist eine Umkehr nicht mehr möglich. Niemand kann, ohne dass dies zu bislang nie gekannten Gewalttätigkeiten führen würde, den Millionen Zugewanderten von dem, was ihnen vermeintlich zusteht, etwas nehmen. Man wird so lange fairteilen, bis nichts mehr zu fairteilen ist. Wer kann, sollte diese Land verlassen. Schnellstmöglich.
"Merkel kann künftigen Historikern als Exempel dafür dienen, was passiert, wenn eine Politikerin oder ein Politiker sich von einer kleinen homogenen Elite beklatschen lässt und darüber nicht begreift, dass die eigene Ära längst vorbei ist." Warum fällt mir zu dem Satz spontan der Name HONECKER ein? Passt wie die Faust aufs Auge.