Rainer Bonhorst / 24.07.2019 / 15:00 / Foto: Kuhlmann/MSC / 16 / Seite ausdrucken

Boris Johnson gewählt, ohne uns zu fragen

Jetzt also Boris Johnson. Und wer hat ihm als erster gratuliert? Donald Trump natürlich. Da fragt man sich doch: Wie kann es nur passieren, dass die Leute in anderen Ländern immer wieder Politiker an die Spitze wählen, mit denen wir Deutschen uns nicht einverstanden erklären können? 

Fast drängt sich der Verdacht auf, die tun das, um uns zu ärgern. Sie entscheiden sich gezielt für derart undeutsche Typen, dass wir nur unseren deutschen Kopf schütteln können. Aber so sind sie halt, die anderen, um nicht zu sagen, die Ausländer.

Donald Trump ist natürlich der Schlimmste. Er ist trotz seiner deutschen Vorfahren unmöglich amerikanisch. Dass die Amerikaner im Zweifel einen möglichst amerikanischen Präsidenten wählen und keinen ordentlichen deutschen, liegt vielleicht in der Natur der Sache. Aber muss er gleich derart amerikanisch sein? Man kann alles übertreiben, auch das Amerikanische.

Und jetzt machen es die Engländer genauso. Sie nehmen sich einen Typen zum Premierminister, der in Deutschland bestenfalls Journalist werden könnte. Dieser schrille Oxford-Zögling mit seinem Hang zum Zocken und seinem politischen Unernst hätte bei uns in jeder Partei ein Ausschlussverfahren am Hals, ehe er Ortsvorsitzender geworden wäre. In England durfte er glatt Bürgermeister der Weltstadt London werden. Und die Londoner mochten ihn sogar.

Also, wenn die Engländer wüssten, was gut für sie ist, hätten sie vorher mal in Deutschland nachgefragt, ob Boris Johnson ein angemessener Premierminister wäre. Haben sie aber nicht, und nun haben wir den Boris. Dabei stand doch auch dieser nette, durch und durch seriöse, ich möchte fast sagen: dieser deutsche Jeremy Hunt zur Wahl. Das verstehe, wer mag.

Ein unmögliches Frauenzimmer

Ob es eine speziell angelsächsische Marotte ist, einfach Regierungschefs zu wählen, die wir Deutschen unmöglich finden? Theresa May ging ja noch. Aber denken wir nur an Margaret Thatcher. Die war nicht nur kein bisschen deutsch, sie mochte uns Deutsche auch nicht. Ein unmögliches Frauenzimmer.

In Amerika hatten wir ja zwischendurch mal unseren Traumpräsidenten. Barrack Obama war so cool, dass wir unsere strengen deutschen Maßstäbe völlig vergaßen und am liebsten selber so cool geworden wären wie er. Aber er war nur ein Zwischenspiel. Davor dieser George W. Bush! Was haben sich die Amerikaner dabei nur gedacht. Und damals Ronald Reagan. Sicher, er hat zusammen mit Michail Gorbatschow den kalten Krieg beendet. Trotzdem. Wir hätten dringend abgeraten, wenn man auf uns gehört hätte.

Aber wenn es nur die Angelsachsen wären, die bei der Wahl ihrer Regierungschefs nicht auf uns hören. Leider ist das Phänomen viel breiter gestreut. Die Ungarn und die Polen fragen uns auch nicht, was für eine Regierung sie haben wollen, und entsprechend sieht sie aus. Sogar die Italiener mit ihrer unmöglichen Ganz-Links-Ganz-Rechts-Koalition tun einfach, was sie wollen. Mamma mia.

Wenigstens ist da noch Frankreich mit dem tollen Emmanuel Macron. Der schafft was weg und kann sich sehen lassen. Nicht so ein Wuschelkopf wie Donald Trump und Boris Johnson. Ein bisschen unheimlich ist er aber auch. So eine Art Sonnenkönig im Bürgergewand. Kein Hauch von Mutti. Und dann diese unangenehme Neigung, vehement und ohne sich zu genieren französische Interessen zu vertreten. 

Nun gut, man kann nicht von allen Nachbarn die uns eigene patriotische Abstinenz verlangen. Nicht mal von den Österreichern, die einfach unsere Straßen in ihrem Land dicht machen. Und dann haben sie auch noch eine Koalition mit einer Partei, die wir gar nicht gutheißen können. Sogar die Ösis nehmen bei der Wahl ihrer Politiker keinerlei Rücksicht auf uns und unser Besserwissen. 

Aber so ist es nun mal. Einsam ist der, der die Vernunft gepachtet hat. 

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Leserpost

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Karla Kuhn / 24.07.2019

Frau Wilhelmi, Sie sprechen mir aus der Seele und die Leserbriefe sind köstlich !!  Wenn ich mir vorstelle, daß´Salvini, wenn in Italiien Neuwahlen kommen sollten gewinnen würde und in Frankreich Le Pen den Macron vom Sockel hebt, was an der Zeit wäre und mir danach die Reaktionen von den Klebers, der Mainstreampresse und einer bestimmten Politkaste vorstelle, bekomme ich einen Lachkrampf.

Gereon Stupp / 24.07.2019

Also der Iran hat zwar nicht gefragt, aber immerhin eine »Berlin« genehme Regierung, Die Türkei auch. Es gibt also durchaus anständige Leute. Ich habe gehört, Ulrike Meinhoff soll posthum das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Wie gesagt… nur gehört…

Marc Blenk / 24.07.2019

Lieber Herr Bonhorst, andererseits sind wir Deutschen doch dann wieder tolerant, wenn es um Rohani und andere Staatenlenker aus dem Morgenländischen geht. Sehen Sie? Da kämpfen wir sogar für deren Recht aufs Atomare. Das gleicht doch vieles wieder aus.

Peter Robinson / 24.07.2019

Liebe Deutsche, seien Sie nicht besorgt. Als Engländer darf ich seit nun mal über 20 Jahren an keine einzige Wahl beteiligen. Weder in GB noch in der EU. Es wird mir einfach untersagt, weil ich länger in Kontinental-Europa wohne. Ich darf mich im Ausland auch nicht registrieren. Obwohl meine Urgroßeltern diese Inseln bewohnt haben. Wenn man sieht, wer wählen darf. Menschen, die weder mit GB noch mit Europa das Geringste zu tun haben, die nicht mal die Englische Sprache beherrschen, ist das eine Schande.  Es interessiert aber keinen. Toleranz nennt man das. Ich bevorzuge Gerhold Polt’s Interpretation: «Toleranz ist ein Fremdwort. d.h. so viel wie tolerieren. Aushalten. Errrrrtragen.»

Karl-Heinz Vonderstein / 24.07.2019

Vor einem knappen Jahr etwa, in der Sendung von Anne Will, war wieder einmal Präsident Trump das Thema.Da war u.a. ein junger Mann zu Gast, der einige Zeit in den USA lebte und den Wahlsieg von Trump dort miterlebte.Danach ist er wieder zurück nach Deutschland.Später aber ging er nochmal für ne kurze Zeit in die USA zurück.Anne Will fragte ihn, ob sich die USA seit Trump verändert hätten, was der junge Mann mit ja beantwortete.Dann fragte sie ihn noch, da er auch Menschen kannte, die Trump gewählt haben und diese nachher, bei seinem zweiten Aufenthalt in den USA, wieder traf, ob sie es mittlerweile bereut hätten, dass sie Trump gewählt haben.Wo ich mir dann die Frage sofort stellte, ob hierzulande Menschen bereut hatten, dass sie Angela Merkel 2013 gewählt haben oder Menschen mittlerweile es bereuten, sie 2017 gewählt zu haben.

Petra Wilhelmi / 24.07.2019

Stimmt! Das geht überhaupt nicht. Wo wir doch die Ethik-Weltmeister der Herzen sind. Wo doch an dem deutschen Wesen die Welt genesen soll. Kein Zweifel. Deutschland, was sich berufen fühlt, göttlich zu sein, welches der Sonne, dem Regen, Wind und Schnee den Kampf angesagt hat. Da wäre es nur natürlich, dass wir alle europäischen Staatsoberhäupter einsetzen, besser noch, dass wir alle unnatürlichen Grenzen abschaffen und uns an die Spitze Europas setzen, an den Platz, der nur uns gehört, weil wir so toll sind, so humanistisch, so ethisch, schlicht, weil wir es sind, die die Welt retten! Wir schaffen das. Warum hört denn keiner auf uns, wo wir doch die größten und schönsten der Welt sind. Oh Pardon. Da bin ich wieder ins DDR-Klischee abgerutscht, da das einstige Land ja auch das größte und schönste war, wo gibt, sein wollte.  Nun, wo das 1. größte und schönste Land hingekommen ist, wissen wir. Wo das 2. gottähnliche Gebilde landen wird ... eigentlich kann sich das jeder denken. Und ich stelle mir dazu vor, dass wir unter Beifall derer untergehen werden, denen wir zu unseren Lebzeiten unflätige Worte an den Kopf geworfen haben.

H.Milde / 24.07.2019

Gibt´s vom GröPraZ auch schon ein Grußwort? Ach nee, Johnson hat ja wohl eher nicht die Absicht Juden in´s Meer zu treiben, Homosexuelle, Häretiker, Vergewaltigungsopfer, Schleierverweigerinnen ua Gezücht zu maas/zregeln, oder? Masel tov, Herr Johnson.

Martin Wagner / 24.07.2019

Frage am Rande: Bei einem No-Deal Brexit gelten die Dublinabkommen ja nicht mehr für GB. Jeder Migrant, der dann in Europa ankommt und angibt nach GB zu wollen, befindet sich demnach in einem Transitland. Wie ist das rechtlich? Wäre die EU nach dem UN Migrationspakt nicht verpflichtet die sichere Weiterreise an die EU-Außengrenze im Norden Irlands zu gewährleisten?

Sanne Weisner / 24.07.2019

Wofür bezahlt man sein Abo bei der ZEIT oder dem SPIEGEL und dann noch GEZ, wenn am Ende nichts bei raus kommt. Noch nicht einmal die passenden Wahlergebnisse. Selbst in DE, muss man nun schon vor den Wahlen tricksen weil dieser Pleps nicht ausreichend auf die Weisheit unserer Medien hört. Das ist absolut INAKZEPTABEL!!!

Dr. Peter Reich / 24.07.2019

Vielen deutschen Politikern und Journalisten des schwarz-rot-grünen Mainstreams fehlt jeglicher Respekt vor den Entscheidungen anderer Demokratien und ganz generell vor Menschen mit anderen Ideen, Einstellungen und Überzeugungen. Das ganze Gebashe und Gejaule zeugt dabei aber nicht von einer hohen moralischen Überlegenheit, sondern von einer sehr deutschen Weltfremdheit: Die Welt da draußen richtet sich halt nicht nach Deutschland und seinen Gutmenschen. Und das ist auch gut so. 83 Millionen Deutsche bestimmen eben nicht den Lauf der Welt bei einer Weltbevölkerung von über 7 Milliarden Menschen. Kapiert es endlich! Und: Wahrscheinlich ist es auch in Frankreich nur noch eine Wahl, bis Marine Le Pen Staatspräsidentin wird. Mal sehen was dann passiert, mehr Schnappatmung geht ja jetzt schon kaum noch…

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