Volker Seitz / 06.11.2017 / 16:30 / Foto: hafifmuzik.org / 10 / Seite ausdrucken

Bono in Paradise

Mit Bono (der eigentlich Paul Davis Hewson heißt)  ist die Entwicklungshilfe ein Teil der Unterhaltungsindustrie geworden („Charitainment“). Sie sichert im Westen Zigtausende Arbeitsplätze, zerstört aber dringend benötigte Jobs in weiten Teilen Afrikas. Da werden junge Leute um die Welt geschickt, um Jobs zu erledigen, für die in den betreffenden Ländern genügend Personal zur Verfügung stünde.

Bono spielt sich als Sprecher für Afrika auf und wird auch häufig von westlichen Regierungschefs eingeladen. Vertreter afrikanischer Nichtregierungsorganisationen sieht man dort nicht. Das hat einen einfachen Grund: Sie werden nicht eingeladen. Schließlich hat Bono  sich – und das ganz ohne Mandat – selbst zum Sprecher für Afrika auserkoren. Bono ist ein unglaublicher Heuchler.

Er steigert seinen Marktwert mit seinen Dauerkampagnen zur öffentlichen Armutsbekämpfung. Selber leistet er jedoch keinen Beitrag. Seine eigene Steuerlast minimiert er durch sophistizierte Steuermodelle. Bono sind sogar die schon niedrigen Steuern in Irland zu hoch, weshalb er seine Einnahmen über die Niederlande laufen lässt, die Einnahmen von ausländischen Künstlern praktisch nicht besteuern.

Unter der Überschrift „Accessoires der Promis“ schrieben Maxeiner & Miersch schon im März 2009 in der "Welt": „Messbar ist (dagegen) der Nutzen, den Gruppenfotos mit afrikanischen Kindern prominenten Künstlern einbringen. Man bleibt im Gespräch und ziert Titelblätter. Ein Schauspieler erzählte uns von einer prominenten Kollegin, die von ihrer Agentin einen Katalog diverser Hilfsorganisationen vorgelegt bekam. Mit der dringenden Bitte, sich endlich eine passende auszusuchen. Es ginge nicht, in der Öffentlichkeit ohne karitatives Engagement dazustehen. Wohltätigkeit und eine tadellose Gesinnung gehören zum unverzichtbaren Zubehör. Sie haben Pelzmantel, roten Porsche und die Villa in Malibu abgelöst. Ohne ein afrikanisches Waisenkind auf dem Arm ist man heute nicht mehr gesellschaftsfähig.“

Wie nicht anders zu erwarten, hat Bono, der sich als "Stimme der Armen in Afrika" sieht sein Geld auch in Offshore-Konstrukte gesteckt. Das bringen die sogenannten "Paradise Papers" ans Licht. Journalisten haben dafür Dokumente aus verschiedenen Steuerparadiesen ausgewertet. Dass Bono mehr Steuergelder für Afrika verlangt, ist bekannt; nicht bekannt ist, dass er jemals aus seinem eigenen Vermögen etwas gespendet hätte. Bezahlen sollen's die anderen.

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches "Afrika wird armregiert", das im Herbst 2014 in erweiterter siebter Auflage bei dtv erschienen ist. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.

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Dietmar Schmidt / 07.11.2017

Hallo Herr Seitz, ich bin Jahrgang 1949 und habe viel erlebt und gedacht, dass ich gut informiert bin. Aber offensichtlich nicht gut genug. Danke für die Informationen, eigentlich nicht zu glauben was so alles durchgezogen wird. Leider ist gegenüber den Gutmenschen, je mehr sie in der Öffentlichkeit damit haussieren gehen, offensichtlich grundsätzlich Misstrauen angebracht. Gruß Dietmar Schmidt

Wulfrad SChmid / 07.11.2017

Mit dem Elend und der Armut anderer lässt sich trefflich Geld verdienen. Meine Angewidertheit erreicht inzwischen einen historischen Höchststand.

Rudolf George / 07.11.2017

Links singen und rechts kassieren - so alt wie die „progressive“ Kunst.

C. J. Schwede / 07.11.2017

Da danke ich Frau Helene Fischer einfach mal dafür, dass sie sich nicht instrumentalisieren lässt und schlicht Menschen unterhält, statt moralinsauer zu bekehren, auch wenn ich kein Fan ihrer Musik bin, gefällt mir ihre Haltung. Der Artikel von Herrn Haferburg “Klaas, Campino, Udo und Helene: Die aus der Reihe tanzt” ist mir da noch sehr gegenwärtig.

B.Rilling / 07.11.2017

Vielen Dank! Sie sprechen mir aus der Seele! Das gilt für fast alle Künstler, Wasser predigen und Wein trinken. Überall und ungefragt schwingen sie die Moralkeule. Nur ihr eigenes Geld das geben Sie nicht so gerne her. Grundsätzlich bringt es nicht so viel Prestige, ein fleißiger Steuerzahler im eigenen Lande zu sein oder mal den unmittelbaren Nachbarn zu helfen. So ein hungerndes Kind aus Afrika auf dem Arm ist da viel besser!

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