Seit vielen Jahren ist klar, dass der Iran an der Atombombe arbeitet. Genauso alt sind seine Täuschungsmanöver und die Blauäugigkeit im Westen. Eine Erinnerung aus fachlicher Sicht. Und ein nüchterner Blick auf Bomben-Ideen andernorts.
Wie lange sich der Konflikt um die iranische “Bombe” schon hinzieht, sieht man, wenn man in der Suchfunktion auf meinem Blog “Iran” eingibt. Es werden 23 Artikel aufgelistet. Es begann vor fast genau zehn Jahren mit einem Beitrag über den Joint Comprehensive Plan of Action. Heute nur noch kurz das “Atomabkommen” genannt. Dieses Abkommen war für jeden Kundigen eher ein Programm zur Entwicklung einer Bombe als zur Verhinderung – allenfalls zur Verzögerung.
Was viele heute vergessen: Deutschland war expliziter Teilnehmer dieser Runde. Aber das Land, aus dem die Stolpersteine kommen, hat nichts, wirklich gar nichts dazu beigetragen, damit wenigstens dieses Abkommen eingehalten wurde. Der Außenhandel war stets wichtiger als die Merkel’sche Staatsräson. Dafür war man sofort mit beißender Kritik dabei, als Trump das Abkommen 2018 nicht wieder verlängerte. Wohlgemerkt “nicht verlängerte” und nicht gekündigt hat, wie heute noch gerne in den “Qualitätsmedien” geplappert wird.
Warum jetzt?
Der Bau einer Atombombe ist kein Hexenwerk, sondern Technik der 1940er Jahre. Schon damals war man sich der Sache so sicher, dass “Little Boy” (Foto oben) ohne vorhergehenden Test über Hiroshima abgeworfen wurde. Es gibt nur zwei Schwierigkeiten: Man braucht genügend hoch angereichertes Uran und muss die Bombe irgendwie ins Ziel bringen. Little Boy enthielt ungefähr 65 kg entsprechend angereichertes Uran, wog aber über vier Tonnen und war über drei Meter lang. Das sind die zwei Antworten auf die Frage des sicheren letzten Stopp für Israel.
Es steht außer Frage, dass Iran über so viel (vor) angereichertes Uran und so viele Zentrifugen verfügt, dass es innerhalb weniger Wochen zu mehreren Bomben kommen könnte. Die erste Voraussetzung ist erfüllt. Bleibt noch die Frage des Transports. Iran verfügt inzwischen über ein beträchtliches Potenzial ballistischer Raketen und Marschflugkörper. Geht man davon aus, dass der Iran sich technisch nicht mehr in den 1940er Jahren bewegt, kann man annehmen, dass er in der Lage ist, einen wesentlich kleineren Sprengkörper als Little Boy zu bauen. Damit laufen die beiden Voraussetzungen auf erschreckende Weise zusammen.
Der Trump-Vorschlag
Trump hat unmissverständlich klar gemacht, dass Kernwaffen im Iran nicht geduldet werden. Mit dieser Ansicht stehen die USA beileibe nicht alleine da. Die gesamte Golfregion fürchtet ein atomares Mullah-Regime. Ein Wettrüsten ungekannten Ausmaßes wäre die Folge. Israel kann dieses Risiko wegen seiner kleinen Fläche und Bevölkerung gar nicht eingehen. Schon eine einzelne Kernwaffe könnte die “Endlösung” für den Staat Israel bedeuten. Genau das wird aber täglich gefordert: From the River to the Sea. Alle, die von Abschreckung faseln, verkennen die Flächenverhältnisse. Natürlich könnte Israel den Iran anschließend ebenfalls in eine große Wüste verwandeln, aber welchen Sinn hätte das noch? Es bleibt also nur ein Präventivschlag.
Genau das hatte Trump erkannt und hat – man muss schon sagen verzweifelt – versucht, noch ein Abkommen rechtzeitig hinzubekommen. Der Iran hat ihn jedoch nur an der Nase herumgeführt, und Israel lässt sich in Überlebensfragen ohnehin von keinem mehr reinreden. Wer das nach dem 7. Oktober nicht begriffen hat, der hört den Knall nicht mehr. Natürlich hat der Iran – wie jedes andere Land – das Recht zur friedlichen Nutzung der Kernenergie. Daraus kann es aber kein Recht auf Anlagen zur Anreicherung und zur Wiederaufbereitung (“Plutoniumbombe”) bzw. zum Erbrüten von waffengrädigem Plutonium (Schwerwasserreaktor) auf seinem Territorium ableiten. Da der Iran nachweislich stets alle Abkommen gebrochen hat, ist jegliches Vertrauen dahin, und es kann nur noch die totale Zerstörung aller entsprechenden Anlagen auf dem Boden des Iran geben.
Dass die friedliche Nutzung der Kernenergie ohne eigene Anreicherung und Wiederaufbereitung möglich ist, haben die Vereinigten Emirate vorgeführt. Sie haben von vornherein darauf verzichtet, um jeglichen Verdacht auszuschließen. Die Idee, eine gemeinsame Anreicherungsanlage auf einer der zwischen dem Iran und den VAE umstrittenen Inseln – quasi auf neutralem Boden – zu bauen und zu betreiben, hat ihren Charme. Diese Anlage könnte allen Anrainern dienen und wäre einfach zu überwachen – nur sie wäre eben friedlich. Dass sich der Iran grundsätzlich diesem Vorschlag verweigert hat, lässt schon seine wahren Bestrebungen erkennen. Das Gefasel von “Souveränitätsverzicht” ist einfach nur eine der üblichen Ablenkungsversuche. Insofern sollte sich jetzt keiner wundern, wenn Trump eine bedingungslose Kapitulation des Iran in den Raum stellt. Nur dann könnten wirklich alle nuklearen Rüstungsanlagen – ob versteckt oder verbunkert – umweltverträglich beseitigt werden.
Die Nicht-Angreifbarkeit
Immer wieder wird behauptet, der Iran wollte sich durch Kernwaffen nur vor Angriffen schützen, so wie z.B. Nordkorea. Das ist in mehrfacher Hinsicht Blödsinn. Nordkorea hat nicht als erklärtes Staatsziel die Auslöschung eines bestimmten Staats. Ferner sind Kernwaffen keine Garantie gegen Angriffe. Jüngstes Beispiel sind die Kampfhandlungen zwischen Indien und Pakistan – beides Atommächte. Indien hat als Antwort auf einen Terroranschlag von Pakistan in Kaschmir Pakistan für Tage oder Monate nuklear enthauptet, indem es einfach die Eingänge zu den unterirdischen Kernwaffenlagern gesprengt hat. Eine eindringliche Warnung an Pakistan, dass Indien von den Terrorspielen die Nase voll hat.
Ein etwas anderes Beispiel ist der Krieg Russland gegen die Ukraine. Putin lässt zwar ständig mit Atomwaffen wedeln, weiß aber genau, dass es völlig sinnlos ist, sie einzusetzen. Soll er eine Atombombe auf Kiew schmeißen? Er wäre endgültig weltweit diskreditiert. Nützen würde es auch nichts, die Ukraine ist nicht das Japan von Hiroshima und Nagasaki. Die Verblüffung gibt es einfach nicht mehr. Soll er eine Atomgranate auf einen gar nicht vorhanden Panzerkeil schießen? Macht auch keinen Sinn. Wer glaubt, ein Volk, das gegen Fremdherrschaft aufsteht, so einfach zu besiegen, hat Algerien und Vietnam vergessen. Das vietnamesische Volk hat 30 Jahre unter weit höheren Verlusten gegen Frankreich und die USA gekämpft, bis es endlich unabhängig war. Hier droht eine Wiederholung der gleichen Fehler.
Die Ukraine muss ganz schnell nach dem Ende der Kampfhandlungen der NATO beitreten. Aus eigenem europäischen und deutschem Interesse. Kann sie das nicht, erschaffen wir ein Israel mitten in Europa. Ein kampferprobtes Land, das sich von niemandem reinreden lässt, nur viel größer und mit viel mehr Menschen als Israel. Nahezu umgeben von einem unerbittlichen Feind mit erklärtem Vernichtungswillen. Ein Krisenherd für Generationen. Nur die Einbindung in die NATO schafft Kontrolle (Eigennutz von Deutschland) und gibt der Ukraine ein Sicherheitsgefühl wie einst Berlin mitten im sowjetischen Meer. Was Putin und seine Schergen wollen, ist nicht unser.
Zum Schluss noch etwas Atomangst andersherum
Die Ukraine hat eine sehr breit aufgestellte kerntechnische Industrie. Sie wäre sehr viel schneller als die Entwicklungsländer Indien, Pakistan, Nordkorea und Iran in der Lage, sich nuklear zu bewaffnen. Ein paar Atomsprengköpfe auf dem Niveau von Weltkrieg II+ auf LKW oder Containern, verteilt in den russischen Weiten. Einen für den FSB zum Anschauen oder eine Zündung irgendwo in der Steppe zur internationalen Demonstration.
Es könnte ja sein, dass die Anschläge auf die Bomber in Russland nur zur Demonstration der Fähigkeiten gedient haben. Ukraine und Russland haben eine gemeinsame lange, äußerst löchrige Grenze. Sie sind nicht tausende Kilometer voneinander getrennt wie Israel und Iran. Das nur allen zur Warnung, die von einem schnellen Diktatfrieden durch Einstellung der Waffenlieferungen an die Ukraine träumen. Die Ukraine ist noch lange nicht am Ende.
Dr. Klaus-Dieter Humpich studierte Maschinenbau und Energie- und Verfahrenstechnik mit Schwerpunkt Kerntechnik, bevor er zehn Jahre am Institut für Kerntechnik in der Technischen Universität Berlin arbeitete. Seit 20 Jahren ist er freiberuflich im Bereich Energietechnik tätig.
Zum Thema kürzlich von Manfred Haferburg und Klaus Humpich erschienen:
Atomenergie – jetzt aber richtig
Das Nachwort stammt von dem Wissenschaftsphilosophen Michael Esfeld. Sie können es hier in unserem Shop bestellen, Auslieferung erfolgt ab kommenden Montag.
Zum Inhalt des Buches: Es ist keine Frage ob, sondern lediglich wann „die dümmste Energiepolitik der Welt“ (wallstreet-Journal) - in Deutschland euphemistisch „Energiewende“ genannt - beerdigt wird. Und was dann? Überall auf der Welt werden längst wieder die Weichen für die Kernenergie gestellt, CO2-frei wie bisher, aber intelligenter, resilienter, mobiler und preiswerter als je zuvor. Die Atomenergie kann auch hierzulande der Nukleus für einen neuen Wohlstand sein, auch diese Einsicht wird sich unter der Last des Faktischen durchsetzen. Die beiden Energieexperten Manfred Haferburg und Klaus Humpich analysieren den deutschen Irrweg und zeigen Wege aus der Sackgasse. Dieses Buch ist ein Almanach der Vernunft für alle, die in Deutschland erfolgreich wirtschaftlich tätig sind und damit fortfahren wollen.
Beitragsbild: US Atomic Energy Commission via Wikimedia Commons
Dass der Autor hier mit Sinn und Verstand geschrieben hat, beweist schon, dass er das Attribut waffengrädig verwendet statt der üblichen dummdeutschen Variante „waffenfähig“.
@Hermann Göring @HJG … was wollen Sie mir sagen? Daß Hitler hätte nicht in Spanien eingreifen dürfen, nicht das Prestige von Mussolini in Afrika hätte retten dürfen wollen? Nachher ist jeder immer schlauer. Warum debattieren Sie moralisch oder hypothetisch? Das machen doch schon ÖRR, Relotius & Co., wie völlig machtlose Deutsche Politiker, die international niemand sehen will? Für was auch? Entweder haben wir einen Diskurs über Realitäten oder lassen das & schauen Merkels Aktuelle Kamera um 20 Uhr auf der ARD.
@Bernd Lauert … auch, wenn Sie so tun, als ob, haben Sie nicht die Eier in der Hose, um die Achse-Leser oder gar die Redaktion zu beeindrucken. Das popelige III. Reich war nie in der Lage mit den Britischen Holodomors, Mao oder Stalin weltweit mitzuhalten. Insofern gibt es da auch nichts zu relativieren. Das Deutsche II. & III. Reich hatte sich aber selbst in eine politische Isolation begeben & pochten aber weiterhin auf ihre Souveränität. Dafür wurden wir mit Vernichtung abgestraft, Nürnberg war doch lächerliche Propaganda, weil man ein paar tausend Nationalsozialisten exekutierte & 100tausende in bisherige KZs steckte. Was ist das gegen Mio. von Deutschen Opfern im Krieg & noch mehr Deutschen Opfern nach dem Krieg? Man (kann) braucht keine Revisionisten lesen, um politisch klarsehen zu können. Was ich schreibe, steht unbeabsichtigt in jedem Schulbuch. Israel befindet sich an mehreren Fronten in einem meist asymmetrischen Krieg. Und hat bis jetzt nie wirklich verloren, also auch kein Nürnberg.
Bibi weiß das schon seit über 30 Jahren, dass die iranische Atombombe bald bereit steht. Wozu braucht denn der Iran in Zeiten der Überschallwaffen überhaupt eine solche?
Zwischenfrage:
Welche Länder, hat der Iran seitdem angegriffen? Im Vergleich zu Israel, das regelmäßig seine Gegner auf mehr oder weniger subtile Weise „um die Ecke bringt“, souveräne Länder bombardiert, die Parlamente wichtiger Länder fast durchgehend gekauft hat, scheint er reichlich friedliebender zu sein.
Darf man solche diskutierbare Argumente hier vorbringen, ohne gleich gesteinigt zu werden?
Ukraine in der Nato ist wie Atomwaffen im Iran. Zum Glück wird Trump den Europäern diesen selbstmörderischen Zahn ziehen.
@Markus Peter @Peter Holschke … Leider muß man Holschke zustimmen & Ihnen widersprechen. Sie unterliegen derselben politischen Schlafparalyse wie der Achse-Freund Hermann Göring. Die Russen haben natürlich das Recht, die Ukraine zu beseitigen, das Recht des Stärkeren. Oder haben Sie Ihre Kinder bereits an die Ukrainische Front geschickt? Desweiteren darf ich Ihnen persönlich mitteilen, die Ukrainer sind den Russen um Lichtjahre näher als wir den Ukrainern. Ich war schon mehrmals da. Das ist natürlich immer relativ, wenn wir das mit Afrikanern, Asiaten oder Orientalen vergleichen.
@Reinhard Lange: Eben, drum… komplette Entwicklung in der Ukraine seit 2014 unter den Tisch gekehrt… unfassbar…