Kaum ein Parteiprogramm gibt es, in dem es nicht um das Glück „der Menschen“ geht. Alle sollen glücklich werden. Und noch glücklicher. Glück wünscht man seinen Kindern, der ganzen Familie, der Partnerin, dem Partner, dem Freund. Auf Geburtstagspostkarten ist der Glückwunsch bereits vorgedruckt. Glück für alle! Sogar für jene, die im Sterben liegen? – Absurd! Oder? Da heißt es von so manchem Sterbenden, er habe in den letzten Minuten so etwas wie einen Glücksrausch erfahren. Viele, die dem Tod nahe waren, ihm aber noch entkommen konnten, meinen, wunderbar sei es gewesen. Manche der Todeskandidaten beklagen sich, dass man sie zurückgeholt habe und dabei das größte Glück ihres Lebens zerstört hätte!
Glücklich zu sein, wie geht das eigentlich? Wo genau tickt es in uns, wenn wir glücklich sind? Im Herzen? Das Herz, dort wo wir glauben, das Glück zu spüren, kann gegen ein künstliches Herz ausgetauscht werden, dieses wunderbare Gespür aber bleibt, wo es schon immer zuhause war: in unserem Gehirn. Dort sorgt ein Gebiet für das Glücksgefühl, das „Belohnungssystem“ genannt wird. Die zugehörigen Strukturen erstrecken sich vom Mittelhirn bis in die Tiefen des Großhirns und erfreuen uns tief drinnen, wenn wir etwas leisten oder von anderer Seite her etwas erfahren, das wir als gut, als angenehm und richtig empfinden (Was ist Glück?).
Das Gegenteil sorgt für Missbehagen, und auch dafür gibt es systemhafte Strukturen in unserem Gehirn. Viele Untersuchungen wurden hierzu gemacht, und sie alle enden im Ungefähren. Gefunden wurden für das Glücksgefühl zuständige Botenstoffe, bestimmte Hormone zum Beispiel, sogenannte „Glückshormone“. Gern nennt man auch Substanzen so, die über Synapsen zwischen den Nervenzellen vermitteln, Transmitter also. Selbst dann, wenn die einen wie die anderen noch für weitere Funktionen zuständig sind, ja sogar für gegenteilige. Einer dieser „Glücksstoffe“ ist das N,N-Dimethyltryptamin, kurz: DMT. Drei Buchstaben für einen Stoff, der glücklich macht. Unter anderem.
Ein körpereigenes Psychedelikum?
Das DMT kommt tatsächlich in unserem Gehirn vor, wenn auch nur in Spuren. Ob es dort hergestellt wird, ist noch fraglich. Nur zwei Stoffwechselschritte sind nötig, um aus der Aminosäure Tryptophan dieses Dimethyltryptamin herzustellen. Entscheidend dafür ist das Enzym Indoethylamin-N-Methyltransferase, und das findet sich tatsächlich im Gehirn, aber auch in der Lunge, in den Nebennieren und der Schilddrüse. Wozu überhaupt, ist die Frage, die heute noch niemand befriedigend beantworten kann. Das US-amerikanische Journal PubMed, das weltweit Fachartikel biomedizinischer Art zitiert, weist über eintausend Veröffentlichungen nach, die in irgendeiner Beziehung zu Dimethyltryptamin stehen. Gedacht wird dabei an die Signalübertragung zwischen Zellen, auch zwischen Nervenzellen, sowie an eine Schutzreaktion bei Stress. Mit der Beweisbarkeit aber liegt es jeweils immer noch im Argen.
DMT zu rauchen oder per Dampf zu inhalieren, ist Sache von fragwürdigen Psycho-Abenteurern. Es wirkt dann nur über eine in Minuten zu messende Zeit. Viele berichten von einem veränderten Ich-Gefühl, von tiefgreifenden neuartigen Sehweisen und, vor allem, von einem vordem so nicht gekanntem Glücksgefühl. Aber auch von Angst, ja, von panikartigen Zuständen. Orientierungsschwierigkeiten kommen auf, die Unfallgefahr steigt. Offenbar spielt die psychische Veranlagung eine Rolle. Die einen reagieren bei ein und derselben DMT-Menge moderat, die anderen extrem.
Von bestimmten Stämmen der Amazonasbevölkerung sind sogenannte Ayahuasca-Zeremonien bekannt, bei denen ein Sud aus Pflanzen eingenommen wird, der stark DMT-haltig ist. Genutzt wird dazu die Liane Banisteriopsis caapi und das Rötegewächs (die Kaffeesträucher gehören dazu) Psychotria viridis. In rituellen Zeremonien sollen damit Geister und Ahnen anzutreffen sein und sonstige spirituelle Erfahrungen erwirkt werden. Dazu gehört in die Zukunft zu blicken und Heilwege für Krankheiten und psychosoziale Konflikte zu finden. Von der Amazonasregion hat sich die die Ayahuasca-Tradition über ganz Süd- und Mittelamerika ausgebreitet, mittlerweile über die halbe Welt.
In Deutschland strafbar
Seit den 1990er Jahren entwickelte sich ein regelrechter Ayahuascatourismus. In den USA und in Europa entstanden „Heilungszentren“, in denen sich importierte Schamanen, vermeintlich oder tatsächlich authentische, in rituellen Zeremonien bemühen, die Anwesenden per Ayahuasca-Sud in einen veränderten Bewusstseinszustand zu lotsen. Regelmäßig berichten die Teilnehmer von überwältigenden Erfahrungen. Intensive Glücksgefühle gehören dazu, psychische Blockaden wären gelöst worden, und die Angst vor dem Sterben würde genommen. Aber auch Erbrechen, Durchfall oder Schweißausbrüche können bei Einnahme des Ayahuasca-Sudes auftreten. Zudem Gleichgewichtsstörungen und Schwindel. Auch von Angstzuständen wird berichtet, von gequältem Schreien um Vergebung, überhaupt von bislang nicht gekannten psychotischen Zuständen. Menschen, die derartige Vorerfahrungen haben oder in deren Verwandtschaft solcherart Störungen vorkommen, wird von Erfahrungen mit Ayahuasca dringend abgeraten. Sogar (angebliche?) Todesfälle werden berichtet.
Dem Gebrauch von Ayahuasca wie überhaupt von DMT-Präparaten liegt mithin eine große Unsicherheit zu Grunde. Sie spiegelt sich in der Gesetzgebung der einzelnen Staaten wider. DMT in welcherart Präparation auch immer ist im Betäubungsmittelgesetz Deutschlands als nicht verkehrsfähig aufgeführt, weshalb Besitz, Erwerb und Umgang strafbar sind. Andere Länder, andere Sitten. Selbstredend kann es hierbei nur um größere Mengen bzw. höhere Konzentrationen gehen. Sonst wäre ja – wie paradox! – bereits der Umgang mit anderen Menschen oder gar der mit sich selbst strafbar. Die hier wirkenden DMT-Konzentrationen sind halt zu gering.
Auch sonst wo im Tier- und Pflanzenreich findet man DMT. Bei den mit uns verwandten Tieren allerdings nur in sehr geringen Konzentrationen. Dafür muss die Evolution gesorgt haben, andernfalls würde bei überschäumend positiver Gefühlslage der Antrieb leiden, sich zweckmäßig zu verhalten. Zum Beispiel Futter zu suchen, ein Nest zu bauen oder sich gegen Konkurrenten und Feinde zur Wehr zu setzen.
Noch glücklicher?
Mal einfach drauflos spekuliert, und das aus reiner Freude am Spaß. DMT – ein körpereigener Stoff also, einer der glücklich macht. Er kann heutzutage leicht hergestellt werden. Zwar sind so manche eher ungünstige Nebenwirkungen bekannt, aber die sollte man durch Basteln am Molekül vielleicht wegdrücken. Ein reiner Glücksstoff wäre damit geschaffen, nennen wir ihn DMTx. Der Stoff stünde dann einem jedem zur Verfügung. Oder auch nicht. Nämlich dann nicht, wenn die Machthaber die Hand draufhielten. Sie setzten das DMTx womöglich dem Trinkwasser zu und zwar in einer Dosis, die das Volk („die Menschen“) hinreichend im Glückszustand hält.
Glücklich soll das Volk sein, so die Machthaber, aber nicht überglücklich. Denn die Leute müssen für die Erhaltung des eigenen Volkes etwas tun, und vor allem für die Politiker selbst. Am zweckmäßigsten durch Arbeit. Hinreichend viel Glück für alle, so die Devise, um mit dem Leben zufrieden zu sein, allzumal mit der herrschenden Clique. Was könnte es Schöneres geben! Glücklicher noch als glücklich hingegen bedeutete den Untergang, den durch Nichtstun. Ein Fiasco von einer prinzipiell anderen Art ist die der selbstverschuldeten Alternativlosigkeit, die wir derzeit in unserem Deutschland erleben.
Beitragsbild: Los Angeles Times photographer - https://digital.library.ucla.edu/catalog/ark:/21198/zz0002rcdj, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Obwohl mir nicht klar ist, ob es in diesem Beitrag um den Staat geht, um Drogenmissbrauch oder gar um Schamanismus, fände ich, es gäbe tatsächlich Wege, die Menschen in Deutschland wieder glücklicher, weil etwas weniger unglücklich zu machen. Das ginge beispielsweise durch Beendigung der Staatswillkür und Wiederherstellung der Rechtssicherheit, Wiederherstellung der Demokratie, Beachtung des Grundgesetzes und der Menschenrechte, Beendigung der Ausbeutung der Menschen zwecks Steuerverschwendung, eine Lebensperspektive für alle und für den Einzelnen, Sicherung des Erwerbseinkommens, Möglichkeiten echter Bildung, Beendigung aller Manipulationsversuche und der Gehirnwäsche durch Staatsmedien oder staatsnahe Medien. Wiederherstellung der Sicherheit im öffentlichen Raum und Beendigung der Ausspionierung jedes Einzelnen zwecks Einschüchterung. Wiederherstellung der Leitkultur mit unseren auf der Aufklärung beruhenden gesellschaftlichen Werten und Durchsetzung dieser. Dieser Staat hat so viele Möglichkeiten, seine Bürger glücklich zu machen, allein, er nutzt sie nicht.
Epicur bezeichnete Glück als die Abwesenheit von Unglück. Die Stoiker führten Glück auf die „virtus“, die sittliche Vollkommenheit zurück. In beiden antiken Philosophien ist Glück also kein euphorischer Rauschzustand, sondern eine innere Ruhe, eine von „Affekten“ freie Besinnung auf die innere Stabilität, die wir selber ohne Stoffe von außen erreichen können, wodurch wir autonom werden von Zuständen in der Realität. Seneca sagte: „Der Glückliche ist auch auf der Folterbank glücklich.“
Schreibfehler: Indoethylamin-N-Methyltransferase --> Indolethylamin-N-Methyltransferase. Indol ist kurioserweise konzentrationsabhängig am Geruch von Jasmin und Fäkalien beteiligt.
Nun, die meisten Menschen wissen um das Gehirn, seine neuralen Verknüpfungen, um die „Botenstoffe“ und was sie auslöse. Trotzdem bewegen sich die Gefühle des kleinen Menschleins immer noch im „alte“ Denken: Ihm wird das Herz schwer vor Kummer (man fühlt nahezu den Stein in der Brust), oder es zerspringt fast vor Glück. In solchen Momenten wird kaum einer seine Gefühle mit dem Gehirn in Verbindung bringen!
Haut irgendwie nicht hin. „Brave new World“ von Aldous Huxley beschreibt es treffend.
Konsumtrottel sind glücklich? Nein, weil es immer jemand gibt, der von Irgendwas mehr hat.
Warum ist ein Drittel aller Amis Alkohol/Drogenabhängig, und das sind meist nicht die Abgehängten?
Der Sinn des Lebens, schwierig. Das wussten schon die Jungs von Monthy Python…
Warmen Ayahuasca-Schlamm zu trinken, kostet enorm viel Überwindung. Der Würge- und Brechreiz ist vorprogrammiert.
Wer will schon immer glücklich sein? Das nutzt sich genauso ab wie alles andere und geht in Routine über.
Also, diesen ganze Quatsch mit psychedelischen Substanzen sollte man lassen, die Realität wartet nur darauf, wieder zuzuschlagen. Und dann wieder so ein Zeug nehmen und immer wieder? Geht ins Geld. Und darum geht’s. Geld und das ist Realität at it’s best. Guten Sonntag allerseits.