Eigentlich hatte ich alles penibel durchgeplant. 600 Kilometer Schienenweg lagen vor mir, das Ziel: Berlin. Im Gepäck eine funkelnd neue Deutschlandfahne und die feste Absicht, ein Zeichen zu setzen. Mein Zeitmanagement war deutscher Präzisionsarbeit nachempfunden: Demo in der Hauptstadt, Rückreise im Nachtzug, Ankunft in Aschaffenburg kurz nach Mitternacht, um am Dienstagmorgen um Punkt 8 Uhr frisch und munter meinen unaufschiebbaren Termin wahrzunehmen. Soweit die Theorie.
Dann meldete sich mein Smartphone. Ich klickte mich durch die Apps und hob mir das Naheliegendste – in unglaublicher Naivität – für den Schluss auf: die App der Deutschen Bahn. Mit den besten Grüßen des Hauses teilte man mir mit, dass mein Zug schlappe 40 Minuten Verspätung haben würde. Wer die Taktung Würzburg–Bamberg–Berlin kennt, weiß: Bei 20 Minuten Umsteigezeit war das Ding gelaufen. Die Reise war abgesagt, noch bevor sie begonnen hatte. Danke für nichts, liebe Staatsbahn.
So blieb mir nur das, was man in der modernen Informationsgesellschaft eben tut: Ich musste mich auf die Berichte der Freunde vor Ort verlassen. Denn wem soll man heute sonst noch glauben? Dass in Berlin nicht die angepeilte „M1llion“ des gleichnamigen Projektes auflaufen würde, war mir schon vorher klar. Solche Massenbewegungen auf Knopfdruck funktionierten damals bei den Montagsdemonstrationen in der DDR – aber doch nicht im satten, trägen Deutschland von heute. Wenn man die Messlatte im Netz von vornherein astronomisch hoch ansetzt, erntet man am Ende eben keine Revolution, sondern Ernüchterung. Und, was viel schlimmer ist: Man liefert den Applaudeuren des Status quo die Steilvorlage für billigen Spott.
Und der kam prompt. Die Berliner Polizei zählte mittags 2.000, am Ende inklusive Autokorso rund 4.000 Menschen. Die Veranstalter sprachen von 5.000. Über die kreative Zählkunst der Behörden wollen wir uns gar nicht erst den Kopf zerbrechen. Natürlich war die Genugtuung im linken Lager riesig bis euphorisch. „Seht her, nur ein paar Tausend!“, tönte es durch den Äther. Warum es den Linken im Lande strukturell leichter fällt, für jede erdenkliche Absurdität die Straßen zu füllen, geschenkt.
Eine Katastrophe mit anderen Vorzeichen
Doch die wahre Musik spielt ohnehin ganz woanders. Wer wissen will, wie erfolgreich der Protest gegen die Migrationspolitik dieser Regierung wirklich ist, der schaut nicht auf den Asphalt am Brandenburger Tor, sondern auf die Umfragebalken der AfD, die dem Rest der Republik gerade unaufhaltsam davonzieht. Schauen wir uns doch mal den ARD-DeutschlandTrend an – also die Zahlen, denen das linksgrüne Milieu am ehesten Glauben schenkt. Da sind aktuell sage und schreibe 87 Prozent der Wahlberechtigten mit der schwarz-roten Koalition unzufrieden (davon 46 Prozent „gar nicht zufrieden“).
Das bedeutet im Umkehrschluss: Die paar Tausend, die da gestern im Berliner Regen standen, waren stellvertretend für die schweigenden Millionen, die entweder gar nicht wegkonnten – oder die, so wie ich, schlicht am Service der Deutschen Bahn zerschellt sind.
Interessant ist übrigens, wie sich das „Projekt M1llion“ in den sozialen Medien klammheimlich in eine reine „Demo gegen Merz“ verwandelt hat. Aber auch hier muss ich vor einer massiven optischen Täuschung warnen. Während die Teilnehmerzahl der Demo im Netz massiv überschätzt wurde, wird der Unmut gegen Friedrich Merz im Lande massiv unterschätzt. Und man muss das Ganze strategisch betrachten: Was passiert denn, wenn Merz in dieser Phase stolpert? Dann kommt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit der nächste Kandidat mit vier Buchstaben. Aktuell wird ja Hendrik Wüst aus NRW warmgelaufen. Eine Katastrophe mit anderen Vorzeichen. Solange die CDU – ob mit oder ohne Merz – nicht in der Lage ist, sich endlich von der SPD und dem linken Zeitgeist zu emanzipieren, nützt das alles überhaupt nichts. Man macht der linken Ecke immer mehr Zugeständnisse, nur um irgendwie an der Macht zu bleiben.
Bei einer Demo, aber auch bei jeder politischen Forderung gilt: Man muss die Ziele so hoch ansetzen, dass man mit dem Minimum, das am Ende herauskommt, noch gut leben kann. Was bringt es uns, wenn Merz abtritt, der – wenn man ihm genau zuhört – ohnehin noch eine ganze Amtszeit durchzuregieren gedenkt? Dem Mann scheint überhaupt nicht bewusst zu sein, was um ihn herum und im Land eigentlich passiert. Und der gesamten CDU-Führung geht es offenbar ähnlich. Solange die Union nicht zu einer echten, spürbaren Politik pro Deutschland wechselt und sich klipp und klar über die SPD hinwegsetzt, naht ihr Ende auf Raten.
Am Ende dieses Weges werden wir eine CDU haben, die die Menschen nur noch aus schierer Verzweiflung und Not wählen – einfach, weil alles andere links ist, bis auf die eine blaue Partei. Kann das das Ziel einer einst stolzen Volkspartei sein? Gewählt zu werden, weil man nur noch auf dem Papier schwarz ist, aber in der realen Umsetzung völlig blass bleibt? Man merkt es vielleicht: Ich reibe mich auf an diesem Friedrich Merz. Einem gelernten Narzissten, dessen ganzes Lebensziel offenbar darin bestand, einmal im Sessel des Kanzlers zu sitzen. In meinen Augen ist dieser Mann für die Realität der Bürger komplett „lost“. Aber wo, bitteschön, sind eigentlich die gestandenen Leute und Leutinnen in dieser CDU geblieben, die noch wissen, wo das Land der Schuh drückt? Ich werde meine neue Deutschlandfahne jedenfalls erst einmal im Schrank lassen. Bis zum nächsten Zug.

>>Markus Söder mit der SPD auf Spargelfahrt<<
## Seine Eltern kann man sich nicht aussuchen. Seine Freunde schon.
Ich habe meine Deutschlandfahne gerade zuhause wieder ausgekramt, entstaubt und wieder platziert. So wie sich das gehört. Was das Projekt M1llion betrifft: Der Ansatz ist gut. Das muss ein riesen Ding werden. Wie ’89… ;-)
Ich biete eine Wette um 500 Euro, dass, nachdem die Demo ihr Ziel erreicht und Merz weg ist, der nächste Kanzler (noch) schlechter sein wird als dieser. Meine Adresse ist der Redaktion AchGut bekannt.
hi, es darf nicht heißen „Merz muss weg“, der eh nicht da ist, sondern „Zwangsfunk weg!“. Die Glotze zwingt die Kicker, kniend eines Kriminellen zu gedenken und dem Schwulenstolz die Ehre zu erweisen. Unser Spieler Nmecha könnte was davon erzählen…
Die FDP hat wenigstens noch einen Kubicki, den sie wiederbeleben konnte. Was schwimmt denn in den „Personal-Pools“ von Union und SPD oder Grünen so rum? Gut, die SPD hat ein paar Haie mehr im Wasser (Esken, Bas, Klingbeil, Miersch) als die Union (Günther), aber ansonsten sind es harmlose Goldfische. Und die Grünen warten mit zwei Clowns-Fischen auf (Habeck, Baerbock), die gerne wieder bei den anderen mitschwimmen möchten. Und mit DEM Polit-Personal soll Deutschlands Zukunft nach Merz gestaltet werden? Dann soll ruhig der Fritze dranbleiben, denn ändern würde sich nichts!
@Bernhard Büter „Demonstrationen bringen genauso viel wie Lohnverzicht bei “kranken„ Firmen: genau nichts!“ Doch, aber nicht für die Demonstranten. Die Politiker stehen jovial winkend auf dem Balkon und freuen sich das der Anschein einer Demokratie der Welt gezeigt werden kann. Der UN-Sonderberichterstatter Nils Melzer hat ja vor langem schon den Unrechtstaat erkannt. Das GEZ militärische Framing der Demo „M1llion“ passt genau wie von der berliner Polizei genannt >>„Das gleichförmige Trommeln an der Spitze des Aufzuges hat einen militärischen Charakter. Das ist nicht zulässig.“<< Soso, Trommeln als militärischer Charakter. Apropos, der Luftraum Hamburg wird seit Tagen militärisch beschallt, die tief fliegenden Deutschlandfahnen. Die staatlichen Söldner, Taliban in Uniform alias Bundeswehr mit ihren Fluggeräten können nun direkt über der Stadt den Krieg proben. Nicht nur die Autobahn A1 Bremen Hamburg auch der Flughafen wurde militärisch massiv erweitert, der langfristige Plan wird weiter durchgezogen.
Jede Demo, subversiver Widerstand gegen die politischen Schwerverbrecher und Verfassungsfeinde im Reichstag ist wichtig.
Packen Sie Ihre Fahne am 4.7. wieder aus, werter Herr Dener, und fahren Sie nach Erfurt. Dort können Sie das gute Tuch den „Gegendemonstranten“ entgegenwedeln, die den Parteitag der AfD verhindern wollen. Sie können sich sogar bei Verdi eine kostenlose Busfahrt abholen. Dann klappt es auch mit der pünktlichen Anreise. Verraten Sie den „Edel-Demokraten“ bei Verdi aber bloß nicht Ihre wahren Pläne.