Nachdem Klaus Schwab vom Vorsitz des Weltwirschaftsforums zurücktrat, ist BlackRock-Chef Larry Fink Teil des neuen Führungsduos. Damit geraten Staaten und Unternehmen noch stärker unter die Fittiche der globalen Superreichen.
Was genau sich derzeit hinter den Kulissen des Weltwirtschaftsforums (WEF) abspielt, lässt sich nur vermuten. Klar ist: Es knirscht gewaltig. Nachdem Klaus Schwab den Vorsitz des Weltwirtschaftsforums am Ostersonntag, den 20. April 2025, abgegeben hatte und aus dem Kuratorium zurückgetreten war, sah es nach einem harten Bruch aus. Ursprünglich hatte Schwab seinen Rückzug schrittweise bis Januar 2027 geplant. Das Tagesgeschäft hatte er eh schon dem früheren norwegischen Außenminister Borge Brende übertragen.
Doch nach einem anonymen Whistleblower-Brief, in dem Schwab und seiner Frau finanzielle Unregelmäßigkeiten, Machtmissbrauch und fragwürdiges Führungsverhalten vorgeworfen wurden, hatte das WEF umgehend eine offizielle Untersuchung eingeleitet, was den Kuratoriumsrat dazu veranlasste, Schwab zum sofortigen Rücktritt aufzufordern. Dass Schwab daraufhin dem für die Untersuchung zuständigen Stiftungsratsausschuss mit Strafanzeige drohte, verschärfte die Situation nur noch weiter. Als interimistischer Vorsitzender wurde im April Peter Brabeck-Letmathe, ehemaliger Nestlé-Chef und Vizevorsitzender des Kuratoriums, eingesetzt, der jedoch bereits im August von diesem Amt wieder zurücktrat, weil er nach eigenen Aussagen „ein toxisches Arbeitsumfeld am WEF“ erlebt habe.
Damit machte Brabeck-Letmathe den Weg frei für ein illustres Duo: für BlackRock-Chef Larry Fink und für André Hoffmann, Vizepräsident des Pharmaunternehmens Roche Holding. Seit dem 15. August sind Fink und Hoffmann nun die beiden Interimsvorsitzenden des WEF-Kuratoriums. Gleichzeitig wurde Schwab durch die interne Untersuchung der Zürcher Kanzlei Homburger und der US-Kanzlei Covington & Burling entlastet, die zu dem Ergebnis kamen, dass es keine Hinweise auf „wesentliches Fehlverhalten“ von Schwab oder seiner Frau gebe. Dennoch kündigte der Stiftungsrat an, die „Governance-Strukturen“ stärken zu wollen. Damit will er vermutlich verhindern, dass das WEF künftig noch einmal wie ein Familienunternehmen geführt wird.
Zum erwarteten völligen Bruch zwischen Schwab und dem Stiftungsrat ist es aber nicht gekommen. Schwab darf seine Rechte als Forumsgründer behalten und laut den WEF-Statuten sogar ein Mitglied seiner Familie für den Stiftungsrat nominieren. Zu diesem geradezu versöhnlichen Ausgang hat nach Recherchen der Neuen Zürcher Zeitung wahrscheinlich nicht zuletzt die Eidgenössische Stiftungsaufsicht (ESA) beigetragen, die auf eine außergerichtliche, einvernehmliche Lösung gedrängt hatte. Allerdings missfällt der ESA die Größe des Stiftungsrats, der mit seinen rund 30 Mitgliedern nicht gerade den Vorstellungen der Aufsichtsbehörde entspricht. Daher dürfte es in den kommenden Monaten zu weiteren strukturellen Veränderungen beim WEF kommen.
Verabschiedung vom Klima-Narrativ
Doch es geht nicht nur um Strukturen, sondern auch um Inhalte. Das WEF hat in den letzten Jahren an öffentlicher Aufmerksamkeit verloren, und auch Schwab selbst hat sich spätestens seit seiner Buchveröffentlichung „The Great Reset“ im Jahr 2020 eher unbeliebt gemacht, da er darin die WEF-Ambitionen zum Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft offen zur Schau gestellt hat. Außerdem hielt das WEF unter Schwab wie versteinert an der Klimawandel-Ideologie fest, während diese in den USA mittlerweile nahezu ausgedient hat.
Deutlich wird der Richtungswechsel im sogenannten „Chief Economists Outlook“, einer regelmäßigen WEF-Veröffentlichung, die die Prognosen der Chefökonomen zusammenfasst. Während dort im Mai 2024 der „Klimawandel“ noch als eigene Kategorie aufgeführt ist, sucht man im Bericht von Mai 2025 das Stichwort „Klima“ vergeblich. „Klima“ als Geschäftsfeld hat in der Einschätzung der Top-Ökonomen offenbar weitgehend ausgedient. Letztlich ist es nur noch die EU, die mit ihrem Green Deal Industrial Plan auf eine „klimaneutrale“ Industrie fixiert ist – und sich und ihre Bürger damit immer weiter ins wirtschaftliche Verderben stürzt.
Da das WEF jedoch nicht zuletzt ein gigantisches Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 470 Millionen Euro (Stand 2024) ist und die 1.000 wichtigsten multinationalen Konzerne vernetzt, wäre es auch für den größten Vermögensberater der Welt – nämlich BlackRock mit seinem Jahresumsatz von über 20 Milliarden US-Dollar – ungünstig, wenn das WEF den Anschluss an die globalen Entwicklungen verlieren würde. Schließlich geht es Larry Fink erklärtermaßen in all seinem Tun nur darum, Geschäftsgelegenheiten am Schopf zu packen. Er spricht dabei selbst von „Opportunities“ (Achgut berichtete), und es ist ihm völlig egal, auf welchem Gebiet sich diese „Opportunities“ ergeben: „Klimawandel“, Impfstoffe, Künstliche Intelligenz, Rüstung – oder was auch immer. BlackRock verwaltet insgesamt mehr als 12 Billionen US-Dollar und ist Anteilseigner von Konzernen, die eigentlich Konkurrenten sind. Sprich: BlackRock vertritt nicht die Interessen einzelner Kunden, sondern fühlt sich schlichtweg den Superreichen der Welt verpflichtet. Genau wie das WEF.
Man könnte also glatt den Eindruck bekommen, dass Fink den Abgang Schwabs beschleunigt hat, um das WEF im eigenen Sinne zu sanieren. Schließlich hat sich BlackRock Anfang des Jahres nach einigen juristischen Scherereien in den USA aus der „Net Zero Asset Managers Initiative“ (NZAMI) zurückgezogen, einem Bündnis für klimafreundliche Investitionen. Es müssen also andere „Opportunities“ für seine Investoren her. Dazu passt der diesjährige WEF-Bericht „Top 10 Emerging Technologies of 2025“ („Die zehn wichtigsten Technologien 2025“) vom 24. Juni, in dem zwei Überwachungstechnologien hervorstechen: biochemische Sensoren zur kontinuierlichen Kontrolle der menschlichen Gesundheit und kollaborative Sensoren, die als miteinander verknüpfte Messgeräte allgegenwärtig Daten erheben und in KI-gestützte Systeme integrieren (Achgut berichtete).
Offenbar versprechen derartige Technologien mittlerweile lukrativere Gewinnaussichten als Technologien zur „Klimaneutralität“. Auch Roche setzt übrigens unter anderem auf digitale Diagnostik-Tools und hat gerade bekannt gegeben, in North Carolina mit dem Bau eines Werks zu beginnen, in dem ab 2029 unter anderem Medikamente gegen Fettleibigkeit hergestellt werden sollen. Was bestens auf die neue Strategie der US-Regierung abgestimmt ist, jeden US-Bürger mit Gesundheitsdaten-Trackern auszustatten, um gegen Diabetes und Übergewicht vorzugehen.
„Unverzichtbare Institution für die öffentlich-private Zusammenarbeit“
Schaut man sich die WEF-Publikationen seit Schwabs Rücktritt an, springen Themen ins Auge wie Investitionen in den Tourismus, Maßnahmen gegen „Desinformation“, Quantentechnologie oder globale Fintech-Forschung. Nur eine einzige Online-Broschüre beschäftigt sich mit „innovativen, skalierbaren Lösungen für die globalen Herausforderungen in den Bereichen Klima und Natur“ und eine weitere mit Biodiversität. Ganz abgeschrieben ist die anzustrebende „Klimaneutralität“ als Geschäftsfeld also noch nicht, aber sie ist nur noch ein Thema unter vielen. Zwar wird das WEF Ende September während der Generalversammlung der Vereinten Nationen sogenannte „Sustainable Development Impact Meetings“ (also Konferenzen zum Thema „Nachhaltigkeit“ vermutlich im Hinblick auf die Agenda 2030) veranstalten, doch vor allem wird in den WEF-Veröffentlichungen die Bedeutung „globaler Kollaboration“ propagiert.
Auffällig ist auch: Ex-Nestlé-Chef Peter Brabeck-Lethmate scheint seinen vorübergehenden Chefposten beim WEF nicht gerade freiwillig aufgegeben zu haben. Jedenfalls verkündete er gegenüber dem „Wall Street Journal“, dass er „feste Werte und einen Sinn von Integrität“ habe, weswegen er den Stiftungsrat des WEF nicht in die nächste Phase führen könne. Mit anderen Worten: Er verunglimpft den Stiftungsrat mitsamt der neuen Führungsspitze Fink und Hofmann. Dabei hat Brabeck selbst natürlich ebenfalls keine besonders reine Weste: Man erinnere sich nur an seinen Ausspruch, Wasser sei kein Menschenrecht, sondern ein Lebensmittel mit Marktwert.
Es spielt sich beim WEF also gerade eine Schmierenkomödie ab, wobei alle Beteiligten – außer Brabeck – versuchen, das Gesicht zu wahren, um den Ruf des WEF nicht weiter zu beschädigen. So zeigte sich Klaus Schwab nach seiner Entlastung durch die Untersuchungsergebnisse erfreut darüber, dass das WEF auch in Zukunft einen Beitrag „zur positiven Entwicklung der Gesellschaft“ leisten könne – unter Berücksichtigung seiner mehr als 50-jährigen Geschichte. Und Fink und Hoffmann beeilten sich zu versichern, dass sie sich darauf freuen, „das Forum als unverzichtbare Institution für die öffentlich-private Zusammenarbeit neu zu erfinden und zu stärken“.
Machtkonzentration, Zentralisierung und Anonymität
Schwab kann jetzt also in Ruhe seine Memoiren oder weitere spleenige Bücher über künstliche Intelligenz schreiben. Und Fink und Hoffmann können durchstarten, um das WEF in ihrem Sinne zu sanieren. In ihrer gemeinsamen Pressemitteilung vom 15. August betonen sie, dass der Bedarf an einer „Plattform, die Unternehmen, Regierungen und die Zivilgesellschaft zusammenbringt“, noch nie so groß wie heute sei und dass sie das WEF als „unverzichtbare Institution für die öffentlich-private Zusammenarbeit“ neu erfinden und stärken wollen.
Mit „öffentlich-privaten“ Partnerschaften (Public-Private Partnership, kurz: PPP) ist die Kooperation zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft gemeint. Diese läuft in der Realität allerdings auf eine immer größere Machtkonzentration, Zentralisierung und Anonymität hinaus: Weder einzelne Nationen noch einzelne Konzerne können dann noch unabhängig agieren, sondern stehen letztlich unter der Kontrolle von transnationalen Mega-Organisationen wie eben BlackRock, UNO, WEF oder EU.
Auch in der Pressemitteilung des WEF-Vorstands zur Neubesetzung wird hervorgehoben, dass das WEF künftig „als belastbare internationale Organisation für öffentlich-private Zusammenarbeit“ institutionalisiert werden soll. Wörtlich heißt es: „Dieses nächste Kapitel wird sich an der von Klaus Schwab entwickelten ursprünglichen Mission orientieren: Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft zusammenzubringen, um den Zustand der Welt zu verbessern.“ Wobei es das WEF ganz offensichtlich nicht vermocht hat, im Laufe seines über 50-jährigen Bestehens die Welt zu „verbessern“, sondern höchstens, die Interessen seiner Mitglieder zu bedienen. Jedenfalls wird Schwab hier aber noch einmal vom WEF-Vorstand gebauchpinselt – und wer weiß: Vielleicht erfüllt sich sogar noch sein Wunsch, dass seine langjährige Wegbegleiterin Christine Lagarde seine langfristige Nachfolgerin wird?
Martina Binnig lebt in Köln und arbeitet u.a. als Musikwissenschaftlerin (Historische Musikwissenschaft). Außerdem ist sie als freie Journalistin tätig.

@L Luhmann. „Ein ruiniertes, deindustrialisiertes Land bekommt man für einen Apfel und ein Ei. … “ Das große Kapital wird einen großen Bogen um diesen lebensunfähigen Beamtenstaat machen. BlackRock ist doch nicht schwachsinnig und versenkt seine Milliarden in diesem shithole. Und die Muslime, die diesen Saftladen übernehmen, werden ganz andere Seiten aufziehen. Ist doch nicht so schwer zu verstehen.
@ Chr. Neidhardt: What rot. „He was buried in Arlington National Cemetery.“ en wiki, Henry Kissinger. It was a private funeral.
M.M.n. serh sinnvoll wäre es doch, wenn das berühmte WEF mit Uno + Unesco + WHO + EU zusammenlegte.
Und damit gehen 666 Bruttoregistertonnen feinsten Kaffees an Larry Fink. ;-) Was ein paar wenige Informationen zur richtigen Zeit an die richtigen Adressaten plötzlich alles in Bewegung setzen können… Nein, hier läuft nicht die „jüdische Weltverschwörung“. Im Gegenteil. Die „islamische Weltverschwörung“ bekommt jetzt hoffentlich endlich den richtigen Gegenwind, der vorher ja leider nur ein laues Lüftchen war.
Übrigens: Das berühmte WEF ist genau wie dito Mü Sicherheitskonferenz eine – PRIVAT-Veranstaltung !!!
Die wiederkehrende Empörung über das Brabeck-Zitat „Wasser ist kein Menschenrecht“ kann ich nicht nachvollziehen. Wie bei so vielen proklamierten Rechten stellt sich hier die Frage, wer dieses Recht garantieren soll. In vielen Gegenden dieser Welt ist Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit. Warum sollten jene, die es bereitstellen, dafür nicht bezahlt werden? Auch bei uns kostet das Wasser aus der Leitung seit eh und je. Aber niemandem wird verboten werden, z.B. Regenwasser zu sammeln und auf eigene Kosten aufzubereiten. Es ist zudem begrüssenswert, dass es hierzulande an vielen Brunnen kostenlos Trinkwasser gibt, und ich wünsche mir, dass dies so bleibt, aber ich betrachte dies nicht als Recht, sondern als steuerfinanzierte Dienstleistung.
Die ganze WEF-Struktur bleibt bedenklich, vor allem für die Leistungsfähigkeit des Westens, die unter wirtschaftlich inzestuösen Verhältnissen leidet. Nicht zuletzt durch die verfilzten Riesen-Kapitalschwämme der bekannten Vermögensmanager. Dennoch: Fink ist ein anderes Kaliber als Schwab, ein Macher statt einem Schieber, ich gebe ihm den sprichwörtlichen benefit of the doubt. Also erst mal schauen, was der da so macht, denn wenn einer den Laden umkrempeln kann, dann der. Wäre ja schon viel gewonnen, wenn Davos Man ein bißchen weniger spinnt.