Irgendwann gegen Ende der achtziger Jahre saß ich am Ausbilderpult des slowakischen Kernkraftwerkssimulators in Trnava. Meine deutschen Kollegen mühten sich auf der Leitwarte, die Störungen, die ich am Ausbilderpult programmieren konnte, entsprechend den Betriebshandbüchern sicher abzuarbeiten. Es war die Zeit, wo wir in der DDR einen eigenen Full-Scope-Simulator für das KKW Greifswald selbst entwickelten. Zum Überbrücken der Zeit hatte Greifswald im slowakischen KKW-Ausbildungszentrum Simulatorzeit gekauft, und das deutsche Personal trainierte eben hier. Und ich war der Ausbilder am Steuerpult des Simulators.
Plötzlich öffnete sich die Tür der Leitwarte, und mitten in einen simulierten Leckstörfall platzte eine große Gruppe Militäruniformierter herein, begleitet vom Direktor des Ausbildungszentrums und einer Gruppe slowakischer Schlipsträger. Der Direktor kam auf mich zu und sagte mit wichtiger Miene, dies sei eine Delegation unserer kubanischen Genossen, die sich den Ausbildungsbetrieb ansehen wollten. Ich fror die Simulation ein, und der Leiter der Kubaner drückte mir die Hand, es war Raúl Castro, der jüngere Bruder von „El Commandante“ Fidel Castro und Verteidigungsminister der sozialistischen Republik Kuba. Nach zehn Minuten wurde den Genossen langweilig, die natürlich trotz der Erklärungsbemühungen der Slowaken nichts von dem verstanden, was da vor sich ging. Die Tür schloss sich hinter ihnen, und wir konnten weiter üben. Ich dachte noch: „Äußerst seltsam, dass es im Sozialismus wie in Monarchien zugeht. Die wichtigsten Ämter bleiben in der Familie.“
Der Hintergrund dieser Reise der kubanischen Funktionäre war, dass in Kuba in den 1980er Jahren gemeinsam mit der Sowjetunion der Bau eines Kernkraftwerks bei Juraguá nahe Cienfuegos begonnen hatte. Geplant waren zwei Reaktoren des Typs WWER‑440/318 – technisch vergleichbar mit den Anlagen in der DDR in Greifswald. Die Finanzierung und Technik kam vollständig aus der UdSSR. Gegen Ende der 1980er Jahre war Reaktor 1 zu etwa 70 bis 90 Prozent fertiggestellt und der Reaktor 2 deutlich weniger weit.
1991 dann kam es zum Zusammenbruch der Sowjetunion – und damit kam das Ende der Finanzierung. Ohne sowjetische Milliarden war das Projekt in Kuba wirtschaftlich unmöglich. Der Bau wurde 1992 offiziell gestoppt. Kuba hatte weder Geld noch Zugang zu irgendeiner Nukleartechnik. Die halbfertige Anlage entsprach bald nicht mehr den internationalen Sicherheitsstandards. Ein paar Versuche in den 1990er Jahren, das Projekt mit Russland oder europäischen Firmen zu retten, scheiterten an Kosten, den Sicherheitsanforderungen und geopolitischen Risiken. Die Anlage fing an zu verfallen, die Ausrüstung korrodierte, Teile wurden abgebaut und geklaut oder zweckentfremdet. Seit Jahren ist ein Neustart endgültig vom Tisch, und aus dem kubanischen Traum von der sozialistischen Kernkraft war eine Bauruine geworden.
„Wenn Fidel spricht, bringt Wasser und eine gute Sitzgelegenheit mit.“
Fidel Castro war weltberühmt für seine extrem langen Reden. Vor der UNO sprach er 1960 sieben Stunden zehn Minuten. Seine längste Rede dauerte über zwölf Stunden, eine Marathonrede auf einem Parteitag in Havanna. Er sprach ohne Manuskript, mit Anekdoten, Abschweifungen, historischen Exkursen und spontanen politischen Angriffen – ein Stil, der seine Anhänger begeisterte und seine Gegner ermüdete. Er hatte Charisma und liebte die Selbstdarstellung – Castro sah sich als Lehrer und Geschichtenerzähler. In Kuba gab es den Satz: „Wenn Fidel spricht, bringt Wasser und eine gute Sitzgelegenheit mit.“ Das war halb Witz, halb Alltagserfahrung. Castros Motto war: „Patria o Muerte – Venceremos!“ („Vaterland oder Tod – wir werden siegen!“). Für viele klang und klingt das „Venceremos“ eher wie eine Drohung.
Denn außer große Reden schwingen, brachten „El Jefe“ und die Seinen nicht viel auf die Reihe. Nicht nur das neue Kernkraftwerk verfiel zur Ruine, auch die gesamte Infrastruktur des Landes, einschließlich der Kraftwerke und des Netzes. Dafür war nie genug Geld da. Sozialisten brauchen das Geld der Bürger immer für etwas anderes als Infrastruktur. In Kuba sorgten die Kommunisten dafür, dass erst gar kein Geld hereinkam, indem sie private Wirtschaftsinitiative gnadenlos unterdrückten und eine staatliche Planwirtschaft aufbauen wollten. Die Gefängnisse sind voll von Kubanern, die entweder etwas Anderes vorschlagen oder fliehen wollten. Das Resultat ist das gleiche, wie überall anderswo auf der Welt: Wo die Kommunisten hinkommen, flüchten die Menschen in hellen Scharen.
Kuba hängt fast vollständig an alten, schwerölbefeuerten Kraftwerken, die ständig ausfallen und das Netz überlasten. Das nie fertiggestellte Kernkraftwerk hätte – zumindest theoretisch – bis zu 15 bis 20 Prozent des kubanischen Strombedarfs decken können. Stattdessen steht das Land heute mit einem maroden Netz und massiven Blackouts da.
Die Energie- und Wirtschaftskrise verschärft sich immer weiter. Gestern nun hat Kuba den dritten großen Blackout in den letzten vier Monaten erlitten. Die Behörden in Kuba berichteten am Montag von einem landesweiten Stromausfall in dem Land mit etwa 11 Millionen Einwohnern. Lázaro Guerra, der Stromdirektor des Ministeriums, sagte am späten Montag den staatlichen Medien, dass Einsatzkräfte versuchen, mehrere thermische Kraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen, die entscheidend für die Wiederherstellung des Stroms sind. „Es muss schrittweise geschehen, um Rückschläge zu vermeiden, weil Systeme, wenn sie sehr schwach sind, anfälliger für Versagen sind.“
Der perfekte Sturm des gesellschaftlichen Zusammenbruchs
Das alternde Netz Kubas hat sich in den letzten Jahren so drastisch verschlechtert, dass es zu täglichen Ausfällen und einer Zunahme inselweiter Stromausfälle führt. Das Energienetz des Landes wird nicht ordnungsgemäß gewartet, und seine Infrastruktur ist weit über seine normale Nutzungsdauer hinaus. In den maroden Kraftwerkskesseln wird Schweröl verbrannt, dessen Schwefelgehalt die Anlagen noch schneller korrodiert. Die kubanische Regierung hat nicht genügend harte Währung, um Ersatzteile zu importieren oder die Anlage oder das Netz nachzurüsten. Es hat sich der perfekte Sturm des gesellschaftlichen Zusammenbruchs erhoben.
Die völlig verarmte Bevölkerung leidet nun noch mehr. Das bisschen Essen, was sie noch haben, verdirbt. In den ohnehin schon katastrophal unterversorgten Krankenhäusern sterben die Menschen, weil tausende lebensrettende Operationen nicht durchgeführt werden können. Keine Kochplatte, kein Licht, keine Kommunikation. Das Land versinkt im Elend. Die Häuser können nicht gekühlt werden. Bäckereien können nicht backen. Es ist der sechste Blackout in den letzten 18 Monaten.
Natürlich schiebt die kubanische Regierung all ihre Probleme auf die US-Energieblockade. Die ist aber nur ein Teil des Problems. Kuba kann sich nur zu 40 Prozent selbst mit Öl versorgen. Der US-Präsident Donald Trump hatte im Januar vor Zöllen auf jedes Land gewarnt, das Kuba Öl verkauft oder liefert. Die Trump-Regierung verlangt, dass Kuba politische Gefangene freilässt und sich im Gegenzug für eine Aufhebung der Sanktionen auf politische und wirtschaftliche Liberalisierung konzentriert.
„Venceremos!“ ist zur falschen Seite gekippt
Die Lage ist so prekär, dass selbst die kubanischen Betonkommunisten anfangen, wirtschaftlich ihre irrsinnige Staatsplanwirtschaft zu lockern. Die war wohl doch nicht so eine gute Idee. Den Bonzen geht die Muffe. „Wenn‘s alle ist, hört es auf“, sagte die Oma. Jetzt ist es alle, also hört es auf. Aber es ist zu spät, das Kind liegt im Brunnen und das Netz ist schwarz. Rien ne va plus. Wieder einmal wurde der Sozialismus nicht gut genug umgesetzt. Aber beim nächsten Mal funktioniert es bestimmt.
Der stellvertretende Premierminister für Außenhandel und Auslandsinvestitionen, Óscar Pérez-Oliva Fraga, sagte am Montag gegenüber Reportern, dass Kuba nunmehr offen für den Handel mit US-Unternehmen sei. Kuba führe neue Maßnahmen ein, die darauf abzielen, die Wirtschaft der Insel zu stärken. Dazu gehört unter anderem die Möglichkeit, dass im Ausland lebende Kubaner Partner oder Eigentümer privater Unternehmen werden können, um an groß angelegten Projekten, einschließlich solcher im Bereich der Infrastruktur, beteiligt zu sein. Er sagte, diese Kubaner dürften mit kubanischen Privatunternehmen zusammenarbeiten und Verbindungen sowohl zu staatlichen als auch privaten kubanischen Unternehmen aufbauen. Dazu wird die Regierung sogar Nutzrechte für Land im Rahmen der Entwicklung bestimmter Projekte gewähren. Auslands-Kubaner könnten Fremdwährungskonten bei kubanischen Banken eröffnen, was Transaktionen erleichtern werde. Die Botschaft hör’ ich wohl…
„Patria o Muerte – Venceremos!“ ist zur falschen Seite gekippt. Das Beste, was den leidgeprüften Kubanern jetzt noch passieren könnte, wäre eine „friedliche Übernahme“ durch die USA.

Die Schwester meiner Schwägerin hat 2024 nach ca. 46 Jahren sozialistischer Aufbauarbeit den Weg von Kuba nach Deutschland zurückgefunden. Ihre Erlebnisse sind mit ARD- und ZDF-Reportagen über Kuba völlig anders. Hunger und Lebensmittel verdorben wechselten sich stetig ab. Für sozialistisch-prokubanische Klugscheisser hat sie kein Ohr mehr.
Das Embargo, dass die USA verhängt haben hat ja einen Grund, und zwar einen, von denen
die sozialistischen Symphatisanten auch hier auf der Achse nicht wissen wollen. Der Grund ist,
dass nach der sogenannten „Revolution“ von Fidel Castros Regierung sämtliche US – Amerikanischen Firmen und Niederlassungen entschädigungslos enteignet wurden ! Sowas nennen ja viele in Dummland „ Vergesellschaftung“ und finden das ganz toll. Auch der plötzliche Wegfall tausender gut bezahlter Arbeitsplätze war für die Cubaner ganz toll. Raub und Diebstahl ist ja für die Sozis kein Problem, dass gehört ja quasi zum Geschäftsmodell.
Jetzt aber bei der UNO für die Aufhebung des Embargos zu jammern finde ich schon sehr
inkonsequent, wenn nicht gar jämmerlich.
Geniales Titelbild das erfreut jeden Elektriker. Sozialismus im Endstadium da ist nichts mehr zu retten das ist nur noch Palliativ. An alle Wähler von RotGrünSchwarz das ist Euer Weg und selbst gewählt noch dazu. Zur Belohnung bekommt jeder vom Euch die 12 Stunden Rede von Fidel als gratis MP3 plus eine Bratwurst.
Die beste Analogie zu Kommunismus & Kapitalismus ist eine öffentliche & private Toilette.
Es ist wohl die fehlende Planungssicherheit die private Investoren abschreckt. Wenn ständig die Regeln geändert werden, wie soll da ein Entrepreneur eine Investition riskieren mit einer geplanten Laufzeit von etwa 15 bis zu 20 Jahren ? So ein heißes Eisen wird keiner in die Hand nehmen. Und wenn das so ist muss eben der Staat selbst zum Unternehmer werden und in staatlicher Regie investieren. Das kann dann zu einem Anschubwachstum führen. In den 70er Jahren musste in Deutschland der Staat einfach die Bauwirtschaft ankurbeln um die ganze Wirtschaft anzukurbeln. Aber in der heutigen globalisierten Welt greifen solche nachfrageorientierten Maßnahmen nicht mehr, weil internationale Firmen und Arbeitnehmer das verdiente Geld im Ausland konsumieren und eben nicht in Deutschland. Und wenn mit deutschem Steuergeld letztlich der Konsum im Ausland ansteigt – ja, das ist guter Rat teuer !
@Lars Tragl: Ja, die Stereotypen kennen wir. Sozialistische Erziehung in der DDR hat einen langen Nachhall… Gelernt ist halt gelernt.
Hier schreiben sich die Kommies einen Wolf. Alles ist besser als Fidel Castro und Konsorten. Ein 51. Bundesstaat Kuba wäre der absolute Hauptgewinn für alle Beteiligten. Dass Trump gerade die Kartelle aus dem Spiel nimmt, wollen die Kommies nicht wahrhaben. Sie sind ja selber ein Kartell und würden aus eigener Kraft und Leistung leider nichts erreichen. Liebe Kommies, klauen ist keine Geschäftsgrundlage. Das lernen gerade auch die Kommies in SPD und CDU. Wenn am Ende die Milchkuh geschlachtet ist, ist der Punkt erreicht, an dem es aufhört, weil es alle ist.