Die Bundesregierung verschärft die Gefahr eines Blackouts durch Kraftwerksstilllegungen, die Medien reden die Gefahr klein, in Sachen Prävention bleibt das Land untätig und die Verantwortung für die Vorbeugung wird auf die Bürger abgewälzt.
Seit vielen Jahren warnen wir auf der Achse vor einem Blackout als Folge der Energiewende. Grund unserer Sorgen war die ständige Verringerung der Netzreserve durch politisch initiierte Kraftwerksstilllegungen von Kern- und Kohlekraftwerken seit Beginn der Energiewende, ohne dass Ersatz in Aussicht steht. Vorgesehen war ein Ersatz durch Gaskraftwerke. Dies entfällt durch den Ukrainekrieg erst einmal. Deutschland ist statt mitten in der Energiewende nun mitten in einer veritablen Energiekrise, die sich erst einmal in horrenden Energiepreisen manifestiert. Diese Teuerungen erhöhen aber nicht die Netz-Sicherheit. Und die Regierung fährt mit den Kraftwerksstilllegungen fort, als gäbe es kein Morgen.
Schon im Jahre 2011 warnte auch das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag, dass im Falle eines Blackouts bereits nach wenigen Tagen im betroffenen Gebiet die bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen ist. Auch wird deutlich gemacht, dass erhebliche Anstrengungen erforderlich sind, um die Durchhaltefähigkeit kritischer Infrastrukturen zu erhöhen sowie die Kapazitäten des nationalen Systems des Katastrophenmanagements weiter zu optimieren. Geschehen ist seither praktisch nichts, außer dass für das THW ein paar Notstromaggregate mit 30 Millionen Euro finanziert wurden – ein Tropfen auf den heißen Stein.
Am 1. Mai dieses Jahres rief Rechtsextremismusbekämpferin Nancy Faeser, im Nebenberuf deutsche Innenministerin, die Bevölkerung auf, Notvorräte anzulegen:
„Wenn tatsächlich mal länger der Strom ausfällt oder das tägliche Leben auf andere Art und Weise eingeschränkt wird, dann ist es auf jeden Fall sinnvoll, einen Notvorrat zu Hause zu haben… Wir müssen hier auf die Höhe der Zeit kommen, um die vielfältigen Krisen – Pandemien, Klimafolgen, Kriegsgefahren – zu bewältigen."
Es müsse geprüft werden, welche Schutzvorkehrungen notwendig seien. Das betreffe nicht nur technische Fragen, „sondern auch Vorräte für Lebensmittel, Medikamente oder Sanitätsmaterialien". Das Dokument, auf das sie sich im Jahre 2022 bezog, ist dasselbe wie oben genannt und stammt aus dem Jahre 2011. Da gab es noch keine Pandemie, keinen Ukrainekrieg, nur eine Energiewende. Ob Frau Faeser bisher neben ihrer Hauptaufgabe, dem Kampf gegen rechts, Zeit geblieben ist, im Katastrophenschutz „auf die Höhe der Zeit zu kommen“, wurde nicht bekannt. Nach und nach kommt das Thema Blackout-Gefahr nicht nur im Kabinett, sondern auch in den großen Medien an.
„Viele Tote, und viel mehr, als wir uns vorstellen können“
Kürzlich erschien ein Artikel der Welt-Online, allerdings hinter der Bezahlschranke: „Die Folgen des Horrorszenarios Blackout“. Politisch korrekt wird bei Welt abgewiegelt: „extrem unwahrscheinlich“. Und noch politisch korrekter wird als Ursache Putin, sein Krieg und seine Hacker genannt. Auch den Autoren fällt nicht auf, dass die Blackout-Studie des Büros für Technikfolgenabschätzung aus dem Jahre 2011 stammt und dass Putins Hacker eher die kleinere Gefahr für die deutsche Netzstabilität darstellen als diverse Hände am Gashahn und das Sprengen deutscher Kraftwerkskühltürme.
Es folgt in dem Welt-Artikel eine unvollständige, eher verharmlosende Aufzählung der Folgen eines Blackouts, der allerdings mit der Feststellung endet, dass zehntausende Tote zu beklagen sein könnten: „Es werden viele sein, und viel mehr, als wir uns vorstellen können“. Empfohlen wird den Bürgern unter anderem die Anschaffung eines Kurbelradios. Auf die Idee, dass viele Leute ein batteriebetriebenes Autoradio haben, kommen die Autoren nicht. Aber auch ein Radio wird Dialyse-Patienten, Diabetikern und Patienten auf den Intensivstationen nicht helfen, wenn den Krankenhaus-Notstromdieseln nach drei Tagen der Treibstoff ausgeht.
Wem die Bezahlschranke der Welt-Online im Wege stand, der kann nun einen freien Podcast auf Welt-Online anhören, in dem ein Redakteur und die Autorin des Artikels ziemlich entspannt darüber plaudern, wann beim Blackout das Wasser ausfällt (kein Problem) und was passiert, wenn in einem Mehrpersonenhaushalt die Toilettenspülung nicht mehr funktioniert.
In dem Bezahlschrankenartikel wird darüber spekuliert, wie viele Tote es denn bei einem Blackout geben wird. In dem Podcast ist davon nicht die Rede. Da die detaillierteren Horrorfolgen des Artikels einen Teil der Leserschaft verunsichern könnten, wurden sie durch wiederholte Zusicherungen ersetzt, wie „extrem unwahrscheinlich“ ein Blackout sei.
Und wenn der Blackout dann doch kommen sollte, hat man ihn vorsichtshalber schon mal Putins Hackern in die Schuhe geschoben. Denn am Abbau von Kraftwerkskapazität kann es ja nicht liegen, dafür gibt es ja Windräder und Solarpaneele. Das Medien- und Regierungshandeln in Sachen Netzsicherheit lässt sich so beschreiben: durch Kraftwerksstilllegungen die Gefahrensituation immer mehr verschärfen, die Gefahr kleinreden, in Sachen Prävention untätig bleiben und die Verantwortung für die Vorbeugung auf die Bürger abwälzen.
Beitragsbild: Medvedev CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Als treue Leser oder Hörer Ihrer fachkundigen Beiträge stellen auch wir immer wieder entsetzt fest, dass das Szenario eines Blackouts den meisten Mitmenschen absolut nicht bekannt ist und sie sich immer noch sichert wähnen, was die Energieversorgung durch den Staat angeht. Spricht man davon, wird man eher angefeindet ob des mangelnden Vertrauens in den so fürsorglichen Staat. Es ist zum Verzweifeln, und leider hilft es uns auch nicht, wir sind vielleicht etwas besser vorbereitet, aber es wird eben alle normalen Bürger treffen – die Elite wird sicher alle Mittel haben, einigermaßen glimpflich davonzukommen – und unsere Gesellschaft, die jetzt schon gespalten und teilweise zerstört ist, wird dann gar nicht mehr wiederzuerkennen sein. Entweder weiß die Politik das alles und lässt uns sehenden Auges in das Unheil stürzen oder sie ist so verblendet und dumm, dass es schon weh tut. Das allerdings lässt sich nur schwer glauben.
Herr Haferburg schauen Sie sich doch die Wahlen an, dann sehen Sie welche Auswirkungen Ihre Warnungen haben: auf zum lustigen Blackout ! Deutschland das Erlebnisland ! Grüne, SPD und ….alle werden gewählt. Die können durch Nichtstun, Verblödung und Inkompetenz ganze Regionen wegspülen lassen, und werden wiedergewählt. Ich bewundere Ihre Energie.
Ja so ein Blackout das wäre eine heilsame Erfahrung. Denn aus Tragödien lernt man mehr als aus Komödien.
Dereinst arbeitete ich in einem großen metallverarbeiteten Betrieb. Dort haben wir an den Wochenenden, um Energie zu sparen, den gesamten Rohbau abgeschaltet. Also, alle Maschinen in Grundstellung fahren, Steuerung Aus, Hauptschalter Aus und Trenner ziehen. Das Wiedereinschalten war immer eine nervenaufreibende Sache. Nichts lief im 1. Versuch. Besser noch ist, wenn der Bagger das 10 kV-Kabel abreißt. So mittendrinn und alles läuft. Das ist ein Vorfall so richtig für Genießer.
Aber so ein richtiger Blackout, am besten über 24 Stunden, da kann ich nur sagen, einen guten Roten aufmachen, die Klappstühle auspacken und die Show aus sicherer Entfernung, Betonung liegt auf sicherer Entfernung, genießen.
Ein Radio wird so ziemlich das letzte sein, auf dessen Vorhandensein und Funktion ich achten werde. Wenn der Blackout da ist, interessiert es mich nicht die Bohne, ob dessen Folgen nicht vielleicht positiv in Nachhaltigkeit, geringerem Verkehrsaufkommen oder verringertem CO2 Ausstoß resultieren und auch nicht, dass neue Radwege gebaut werden müssen, damit Radler, ohnehin nur selten mit einem beleuchteten Zweirad unterwegs, noch sicherer nach Hause oder zur nächsten fff Hüpferei kommen können. Auch will ich nicht hören, dass Bürgerinnen und Bürger, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Redakteurinnen und Redakteure betroffen sind. Und was Bunsenbrenner Scholz von allem hält, es aber nicht sagt.
Claudius Pappe / 14.05.2022
„‚Es ist nicht unser Ziel, in private Wohnungen zu gucken, aber auf dem Weg dahin kann ich Menschen erwischen’, meint @thomaskutschaty.„- – -
Und was Sie erst tun würden, wenn Sie dürften. – - – Das ist nicht der Ausweg.
Die Frage, Christian Feider , ist nicht bloß, wer wer bei WeLT ist, sondern auch, wer Sie sind. Ich bin da vorsichtig. Ebenso, danke.
@Andreas Mertens. Was empfehlen Sie denn Leuten die in der Mitte von Futschland leben und innerhalb von 2 Stunden keine Landesgrenze erreichen können? Ars…karte gezogen?