Ein Bundesamt twittert. Twittern ist gefährlich. Völlig unerwartet kommt dabei manchmal die eigene Unbedarftheit zum Vorschein. Der dritte Haferburgsche Lehrsatz lautet daher: „Vor dem Twittern Gehirn einschalten“. Das gilt vollumfänglich auch für Politiker und Beamte.
Ach, hätte sich doch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe daran gehalten. Aber nein, die Beamten vom Bund twittern drauflos, wie es ihnen in den Kopf kommt. Vielleicht waren es ja auch unterbezahlte oder minderbemittelte Studenten vom „Social Media Team“? „#Bevölkerungsschutz ist… sich auch bei #Stromausfall ein köstliches Essen zaubern zu können“
Wer auch immer es war, er garniert seinen Jubelpersertext mit dem Bild einer romantischen Dinnertafel fürs traute Tête-à-tête bei Kerzenschein und Rotwein, frischem Brokkoli und einem in Folie gegarten Fisch, alles frisch vom Campingkocher. Das Bild ist von Pixabay, wohl einfach aus dem Netz runtergeladen. Der Sinn des Bildes ordnet sich ungefähr so ein wie Texte, die uns etwas von den wunderbaren Vorteilen eines Corona-Lockdowns fabulieren.
Beim Twittern waren Autoren wohl von ihrer eigenen Idee so begeistert, dass sie ganz vergessen haben, die elektrischen Strahler im Bildhintergrund auszuschalten. So wird also der Tisch im landesweiten Katastrophenfall aussehen, nur sollten vielleicht noch ein paar frische Blumen neben dem Cote Rotie stehen? Nur, um den Stil auch in der Katastrophe nicht zu verfehlen.
Die Katastrophenschützer sind nicht auf die Idee gekommen, dass es nach einigen Tagen Blackout keinen frischen Fisch und frisches Gemüse mehr gibt. Es kann auch das Geschirr nicht mehr abgewaschen werden, weil kein Wasser mehr fließt. Der Inhalt des Tiefkühlschranks stinkt zum Himmel. Die Fischabfälle stinken zusammen mit den Fäkalienbeuteln um die Wette, weil kein Müll mehr abgeholt wird und das Klo nicht mehr benutzbar ist. Auf diese Weise kommt wohl doch nicht die echte Blackout-Gemütlichkeit im kalten Heim auf, und der Stil tendiert in die olfaktorische Richtung „Ende der Zivilisation“.
Gute Laune mit schönen Garniervorschlägen
Die potenziell gute Nachricht: Dürfen wir jetzt alle gespannt auf das „Gesunde Blackout-Kochbuch der guten Laune mit schönen Garniervorschlägen“ vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz warten?
Überhaupt ist die Sache ausbaufähig. Hier ein paar Ideen für die Twitterer in anderen Bundesämtern, die mit gesichertem Gehalt und Notstromversorgung im Ministerium herumrätseln, wie sie den Bürgern die Folgen ihrer Politik noch schmackhafter machen können:
#Reichtum ist auch… dass einem während der #Finanzkrise das eigene Geld nicht so wichtig ist“ – Ihr Ministerium für Finanzen
#Urlaub ist auch… dass man während des #Lockdowns mal den Keller unter Beachtung der #AHA-Regeln mit FFP2-Maske aufräumt“ – ihr Gesundheitsministerium
Der Fantasie der Leser soll hier keine Grenze gesetzt werden – nur Mut, in den Achse-Leserbriefspalten braucht es keinen Twitteraccount.
Die echten Twitter-User haben den BBK-Blackout-Koch-Tweet mit beißendem Sarkasmus kommentiert: Ein „Oliver“ zum Beispiel schreibt: „Kochtipps für den Fall, dass im Verlaufe der Energiewende das Voraussehbare geschieht... Es tut mir Leid, aber: Diese Regierung hat einen an der Klatsche.“
Kritik an den weisen Eingebungen von Partei und Regierung? Das geht gar nicht! Pikiert twittert das BBK: „Zur Beantwortung von Sachfragen und zu einem fairen, konstruktiven Austausch sind wir gerne bereit. Dagegen verbitten wir uns Beiträge, die weder den Regeln der Höflichkeit entsprechen noch sachlich sind.“
Ein „Kai Reuter“ twittert: Bevölkerungsschutz ist vor allem NICHT durch ein völlig bescheuertes EEG und Energieversorgungskonzept das Leben der Bevölkerung aufs Spiel zu setzen, ihr Genies!“
Da wird vom BBK scharf zurückgetwittert: „Beleidigungen wie diese sowie Beiträge und Unterstellungen, die weder höflich noch sachlich sind, verbitten wir uns ...“
Und „Tweeter“ fragt: „Prepper endorsment… Gibt es genaue Richtlinien, ab wieviel Dosen Ravioli man Nazi ist?“ Keine Antwort, hier werden wohl noch Kennzahlen ermittelt.
Also bitte, liebe Twitterer, nennt die Beamten nicht Genies, das sind sie nicht. Und kritisiert gefälligst nach dem in der DDR bei Strafe üblichen Motto: „Sachlich, kritisch und optimistisch“ – wobei der Schwerpunkt auf „optimistisch“ zu legen ist. Das hat sich schon damals bewährt, so dass sich die Oberen nicht gestört fühlten mussten, etwa durch unfaire, unkonstruktive Kritik, die nicht den Regeln der Höflichkeit entsprach.
Schon vor zwei Monaten sind der Achse des Guten die Frohmutsphrasen zum Blackout in den Medien aufgefallen. Damals war’s nur n-tv. Heute kommt schon ein Bundesministerium damit daher. Sollten sich höheren Ortes doch leise Zweifel an der Versorgungssicherheit regen? Die Häufung der Beinahe-Blackouts legt das nahe. Wird da etwas vorbereitet, so dass man beim Trümmer wegräumen sagen kann: „Hättet ihr mal auf uns gehört!“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Herr Brox, Sie schreiben, "dass der produktive Untertan, der von diesem unfähigen, schmarotzenden, aufgeblähten Staatsapparat ausgepresst und in die Armut getrieben wird, auch noch seinen eigenen Untergang beklatscht". Nun könnte man das abtun, und Ihnen vorwerfen, bloß Ressentiments zu haben, also einen schlechten Charakter, ja dass Sie vielleicht sogar glauben würden, bei einer Staatsquote von 45 Prozent könne es nicht mehr mit rechten Dingen zugehen. Heute aber erfährt man aus der WeLT, dass der Berliner Senat der gleichen Meinung ist: "Berlin plant Migrantenquote im öffentlichen Dienst"! Donnerwetter, das würde Berlin, also der Senat dort nicht machen, wenn er von den Segnungen einer Beschäftigung im öffentlichen Dienst nicht felsenfest überzeugt wäre und dass es ungerecht zuginge bei Aufteilung und Nutznießung der Pfründe der im Laufe des Jahres vom Staatsapparat eingesackten Kohle, wofür der durchgeschnittene deutsche Steuerzahler etw im Jahr 2018 gezwungen war, bis zum 18. Juli erarbeitetes Einkommen vollständig in Form von Steuern und Abgaben abzudrücken. (Quelle: WeLT, 16.7.18, "Von jedem verdienten Euro bleiben Ihnen in diesem Jahr 45,7 Cent") Denn: "'Wir haben den Anspruch, dass alle Menschen in dieser Stadt die gleichen Chancen haben', sagte Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke)"! Haben wenigstens Sie zufällig einen Migrationshintergrund bei der Hand, Herr Brox? Ich leider nicht. Ich werde also weiterhin im falschen Film leben, während beschäftigt sein im öffentlichen Dienst doch eine echte Chance für mich gewesen wäre. Ach schade aber auch, gehe ich halt weiter auf der falschen durchs Leben.
Herrn Rainer C. Ment / 16.01.2021 #Wirtschaft ist auch…. auf dem Schwarzmarkt Erbstücke zu verhökern, damit die Kinder etwas zu essen haben. "UND JETZT NOCH EINEN TEPPICH FÜR DEN KUHSTALL" höre ich die armen gequälten Landwirte sagen, wenn der Städter, um die Erbstücke weniger, mit einer Handvoll Kartoffel im Rucksack abzieht. (Originalspruch aus der Maggelzeit)
Wenn es um die Abschaffung von Atom- und Kohlekraftwerken geht, fällt mir immer wieder der ehemalige Staatschef von Pakistan ein, Zulfikar Ali Bhutto. Er gab das Motto aus: "Selbst wenn wir Gras fressen müssen, die Bombe werden wir haben." Die Leute haben Gras gefressen und sie bauten die Atombombe. Die Deutschen sind mehrheitlich auch bereit, für die Energiewende Gras zu fressen. Auch bei einem längeren Blackout würde keine Vernunft einkehren. Die als "Systemrelevant" geltenden Medien wie ARD, Spiegel, SZ... würden uns einrededen, das Ganze ist nur passiert weil es noch zu wenig Wind- und Solarenergie gibt. Man würde sich den Glauben an den Endsieg der Energiewende nicht nehmen lassen. Und die Mehrheit der Wähler würde dem folgen, was die Wahrheitsmedien verkünden.
@Peer Doerrer / 16.01.2021 "Aus Deutschland höre ich nichts dergleichen". Die Bundesdrucksache (17/12051) vom 3. Januar 2013, "Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012“, die bereits damals konstatierte, dass dieses Land in keiner Weise auf eine Pandemie vorbereitet ist, lag ja auch unbeachtet in den Schubladen. Nun raten Sie einmal, wer damals Regierungschef war und wer heute.
Ich lebe seit fast 20 Jahren in einer Berghütte auf über 1000 m. Kein Netzstrom, Wasser aus Brunnen und Regentonne, Kompostklo. Keine Straße, Trampelpfad. Anfahrt mit Quad und Hänger, wenn nötig. Etwas Solarstrom, Brennholz aus Gemeinschaftswald. ABER wenns einen längeren Blackout gibt, mache ich mir keine Illusionen. Der Rest des Landes wird fertig haben. Und ich werde mich dem nicht entziehen können.
Bevölkerungsschutz ist auch....die hier Lebenden, gleich ab schon länger oder die "Geschenke" bereits jetzt an den Gebrauch von Mund-Nasen-Masken gewöhnt zu haben, die sie bei einem Blackout und des dadurch unweigerlich auftretenden Gestankes, der Seuchen eh schon bevorratet haben.
Gehen Sie raus, schauen Sie sich die Leute auf der Straße, im Supermarkt oder sonst wo an! Wer sich bei Mithilfe der Medien mit Pseudo-Coronaalarm wie ein einfältiges Haustier zu allem möglichem Spökes dressieren lässt, der glaubt auch, dass ein paar Kerzen in heimeliger Runde bis zum irgendwann vielleicht erfolgreichen Schwarzstart der verbliebenen Kraftwerke reichen. Wer nicht hören will, der muss fühlen. Mir ist aktuell die Hoffnung auf Einsicht der Schlafmichel wirklich verloren gegangen.