Bitte weitergehen

Von Thomas Eppinger.

Der 17. August 2017

Bruno Galotta wurde 35 Jahre alt. Er stammte aus der 60.000-Einwohner-Stadt Legnano in der Lombardei und arbeitete als Marketingleiter eines Hardware-Unternehmens in Bologna. Den diesjährigen Urlaub verbrachte er mit seiner Familie in Spanien. Der letzte Tag in Bruno Galottas Leben war sonnig, das Thermometer kletterte auf 28 Grad. Am Nachmittag des 17. August spazierte er mit seiner Frau Martina, 28, die Las Ramblas entlang. Martina hielt ihre wenige Monate alte Tochter Aria im Arm, Bruno führte den 6-jährigen Sohn Alessandro an der Hand. Ein friedliches Idyll auf Barcelonas Prachtmeile, ein Bild wie tausend andere an tausend anderen Tagen zuvor.

Kurz vor 18 Uhr taucht aus dem Nichts ein weißer Fiat Talento auf, rast direkt auf die Menschen zu, mäht sie zu Dutzenden nieder, Frauen, Männer, Kinder. Die Menschen schreien, rennen, suchen Schutz, die meisten werfen sich instinktiv auf die Knie. Bruno Galotta wirft sich vor seine Familie. Sekunden später ist er tot. Er stirbt vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder.

Sein Tod hat nichts mit dem Islam zu tun.

Der 7-jährige Julian Cadman lag schon im Sterben, als Harry Athwal auf ihn zulief. Athwal versuchte zu helfen, spendete dem Jungen Trost, streichelte sein Haar, hielt seinen Kopf, betete. Doch da war kein Puls mehr zu fühlen, kein Atem mehr zu spüren. Der kleine Julian, ein fröhlicher, aufgeweckter Junge aus Australien, war mit seiner Mutter in Barcelona, um an der Hochzeit eines Verwandten teilzunehmen. Er galt tagelang als vermisst. Die Suchaufrufe seines Großvaters Tony, der nach dem Anschlag sofort nach Barcelona reiste, gingen um die Welt.

Julians Tod hat nichts mit dem Islam zu tun.

Jared Tucker arbeitete mit seinem Vater im Familienunternehmen an der Neugestaltung von Swimming-Pools. Er betrieb gerne Sport, liebte Fischen und Golfspielen. Der 42-jährige Kalifornier hatte für die Europa-Reise mit seiner Frau Hedi gespart, um den einjährigen Hochzeitstag zu feiern. Nach Stationen in Venedig und Paris sollte der Urlaub in Barcelona ausklingen. Auf dem Weg zum Strand gingen sie in ein Café auf den Ramblas. Jared wollte auf die Toilette. Das war das letzte Mal, dass seine Frau ihn lebend sah. Jared Tucker hinterlässt drei Töchter.

Sein Tod hat nichts mit dem Islam zu tun.

Luca Russo, 25, ein brillanter junger Ingenieur aus Bassano del Grappa, starb vor den Augen seiner Verlobten Marta Scomazzon, die mit Knochenbrüchen davonkam. Francisco Lopez Rodriguez, 57, starb zusammen mit seinem Großneffen Javier Martinez. Lopez war mit seiner Frau Roser und den beiden Kindern ihrer Nichte, eines davon war Javier, in Barcelona. Javier Martinez wurde nur drei Jahre alt, er ist das jüngste Todesopfer des Anschlags. Das älteste ist Carmen Lopardo, eine Italienerin, die 1950 nach Argentinien emigrierte. Sie wurde 80 Jahre alt. Silvina Alejandra Pereyra, 40, eine argentinisch-spanische Doppelstaatsbürgerin, lebte seit 10 Jahren in der Stadt, in der sie ermordet wurde. Elke Vanbockrijck, eine 44-jähige Postangestellte aus Belgien, verbrachte in Barcelona den Familienurlaub. Sie starb, ihre Söhne und ihr Mann blieben unverletzt. Die Spanierin Pepita Codina wurde von allen „Nonna Pepita“ genannt. Sie starb im Alter von 75 Jahren. Eine 20-jährige Portugiesin wollte mit ihrer Großmutter in Barcelona deren 74. Geburtstag feiern. Beide haben den Tag nicht überlebt. Ein Fremder brachte Ian Moore Wilson unmittelbar nach dem Anschlag mit seinem Roller ins Spital. Doch für den Kanadier kam jede Hilfe zu spät. Der 14. Tote an diesem Tag ist als erster gestorben: Pau Pèrez Villan, 34, wurde vom Attentäter erstochen und in seinen Wagen gelegt. Tagelang wurde er fälschlich für den Attentäter gehalten.

Am 17. August 2017 wurden mindestens 14 Menschen ermordet. Am Tag darauf wurden 5 Terroristen beim Versuch erschossen, mit einem Audi A3 die Flaneure an der Strandpromenade von Cambrils niederzumähen. Auf der Flucht überfuhren die Attentäter die 61-jährige Ana Maria Suarez aus Zaragoza. Sie starb.

In Barcelona und Cambrils wurden 119 Menschen verletzt und 15 ermordet. Das hat nichts mit dem Islam zu tun.

Am Tag davor

Am Morgen des 16. August explodierte ein Haus in der Gemeinde Alcanar, 200 Kilometer südlich von Barcelona. Zwei Menschen wurden getötet, sieben verletzt. Die Polizei fand in den Trümmern 120 Butan- und Propangasflaschen.

Exkurs: Katalonien hat 7,5 Millionen Einwohner, davon mehr als 500.000 Muslime. In manchen Katalonischen Städten liegt der muslimische Bevölkerungsanteil bei bis zu 40%. Seit der Masseneinwanderung aus muslimischen Ländern in den 1980er Jahren hat sich Katalonien zu einem der bedeutendsten mediterranen Zentren für radikale Islamisten entwickelt. Die katalanischen Separatisten betrachten die Muslime als willkommenen Stimmenzuwachs für ihre Separationsbestrebungen. Folgt man dem Spanischen Inlandsgeheimdienst National Intelligence Center (CNI), leben in Katalonien hunderte, möglicherweise tausende salafistische Islamisten. Ein unabhängiges Katalonien würde die höchste Zahl an radikalen Islamisten in ganz Europa beheimaten.

Einer der Toten war der Imam Abdelbaki Es Satty, der bis Juni in der Annour-Moschee von Ripoll predigte, wo er eine zwölfköpfige Terrorzelle aufbaute. Die Gruppe plante Anschläge auf die Sagrada Familia und andere Hot Spots in Barcelona. Beim Bau der Bomben explodierten die Gasflaschen. Die Anschläge von Barcelona und Cambrils waren nur eine spontane Entscheidung der nunmehr führerlosen Zelle.

Imam Es Satty hatte nichts mit dem Islam zu tun.

Bitte weitergehen

Am frühen Nachmittag des 18. August 2017 erstach ein 18-jähriger marokkanischer Asylwerber in der finnischen Großstadt Turku zwei Frauen und verletzte acht weitere Menschen. Zeugen berichteten, er habe dabei „Allahu akbar“ gerufen.

Die beiden Ermordeten stammten aus Finnland, die Verletzten – fünf Frauen, ein 15-jähriges Mädchen und zwei Männer – kommen aus Finnland, Italien, Schweden und Großbritannien. Der Attentäter hatte gezielt auf Frauen eingestochen, die beiden Männer wurden bei dem Versuch verletzt, ihn zu stoppen. Hassan Zubier, ein in Kent geborener Notfallmediziner, wurde dabei mit vier Stichen verwundet.

Das Attentat von Turku hat nichts mit dem Islam zu tun.

Nach dem Attentat in Barcelona hatten mehr als 50 muslimische Organisationen zum Aufstehen der muslimischen Community gegen den Terror aufgerufen. Gekommen sind gerade einmal 2500. Das sind kaum 0,5% der katalanischen Muslime. Die Muslime haben eben nichts mit dem Terror zu tun.

Im März dieses Jahres war bekannt geworden, dass die Spanische Polizei mit Hilfe von Europol ein riesiges Waffenlager ausgehoben hat. Unter anderem fanden sich dort 10.000 Sturmgewehre, Maschinengewehre, Flugabwehrwaffen, Pistolen und 400 Granaten. Die konfiszierten Waffen waren für Terrorzellen und andere kriminelle Vereinigungen bestimmt und sollten auf dem Schwarzmarkt in Spanien, Frankreich und Belgien verkauft werden.

Terrorismus hat nichts mit dem Islam zu tun.

Bitte weitergehen, es gibt nichts zu sehen.

Zuerst erschienen auf der Seite mena-watch hier.

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Leserpost (11)
Gertraude Wenz / 29.08.2017

Immer wieder zu betonen, man lasse sich den freien, spaßbetonten westlichen Lebensstil von den Terroristen nicht nehmen, lässt sich an Zynismus gegenüber den Opfern nicht überbieten. Er ist die “Arroganz der Davongekommenen”. Die “Nicht-Davongekommenen” sind es, die mit den unmittelbaren Folgen der Attentate leben müssen, die vielleicht für immer ihre Lebensfreude verloren haben und mit unvorstellbaren Verlusten fertig werden müssen. Wer nur einen Hauch von Empathie hat, muss doch spüren, wie solche Verlautbarungen nach dem Motto: “Wir lassen uns das Feiern nicht verbieten!” in den Ohren dieser Menschen, deren Leben für immer aus der Bahn geschleudert wurde, klingen muss!!!

Gerd Kohl / 29.08.2017

Um wie viel anders wurde da mit den Opfern des NSU-Terrors in den Medien umgegangen. Kennt jemand die Namen der in der Türkei ermordeten Deutschen Touristen vom vergangenen Jahr?

Martin Landvoigt / 28.08.2017

Ich bin kein Moslem, aber auch der Islam weißt Gott die Quelle der Gerechtigkeit zu. Die Höllenvisionen des Koran und der Hadithen, die gewöhnlich auch literal verstanden werden, sollten Missetäter von ihrem bösen Treiben abschrecken, da ihnen unendliches Grauen im Jenseits bevor steht. Was nun verblüfft ist, dass jene Moslems, die mit Allahu Akbar dir übelsten Verbrechen begehen,  nicht fürchten, von dem Gott ihres eigenen Glaubens zu jenen schrecklichen Strafen verurteilt werden, aus denen es keinen Trost mehr gibt. Vielleicht könnten Moslems erklären, wie das Menschen glauben können ...

Hermann Kanther / 28.08.2017

Vielen Dank für Ihren Versuch, den Opfern ein Gesicht zu geben. Neben den Worthülsen, Textbausteinen und Ablenkungsmanövern, die die offensichtlichen Ursachen verschleiern und nachhaltige Untätigkeit rechtfertigen sollen, ist es vielleicht das Widerwärtigste an den Reaktionen aus Politik und Medien auf solche Attentate, dass wir mehr über die Täter als die Opfer erfahren. Es sind nur noch Zahlen, mal mehr, mal weniger, ihrer Persönlichkeit beraubt. Auf dass niemand sich frage, wie es einem selbst ginge, wäre man betroffen. Nach Nizza hatte eine französische Zeitung alle Opfer mit Bild vorgestellt. Das ist m.E. der einzig würdige Umgang mit den Toten. Und auch den Verletzten, die vielleicht für den Rest ihres Lebens unter Schmerzen und Entstellungen leiden.

Bernhard van Akker / 28.08.2017

Endlich erhalten die Opfer Name, Gesicht und Geschichte! Mir ist natürlich völlig klar, dass das alles nichts aber auch gar nichts mit dem Islam zu tun hat. Dennoch vielen Dank für diesen Hinweis….

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