Claude Cueni, Gastautor / 15.09.2019 / 16:00 / Foto: Pixabay / 4 / Seite ausdrucken

Biowaffen im Mittelalter

Jeder kennt es, niemand mag es riechen, man spricht nicht gerne darüber, ausser wenn man darin ausrutscht. Es ist ein Scheissthema. Doch Victor Hugo vertrat die Ansicht, dass sich in der Geschichte der Kloaken die Geschichte der Menschen widerspiegelt.

Unsere nomadisierenden Vorfahren setzten ihre Häufchen gerade dort, wo sie sich aufhielten, und zogen dann weiter. Als sie sesshaft wurden, wuchsen die Häufchen. Man baute Sickergruben und erkannte, wie kostbar dieser Rohstoff als Dünger in der Landwirtschaft und für den Hüttenbau war.

Im Mittelalter wurden dann die ersten Biowaffen erfunden und der braune Rohstoff auch bei der Belagerung von Burgen eingesetzt. Die Angreifer schleuderten mit Exkrementen gefüllte Fässer mit Katapulten über die Burgmauern. Nebst dem demoralisierenden Gestank und dem glitschigen Boden verbreiteten sich allerlei Krankheiten in der Burg. Wer offene Wunden hatte, starb an einer Infektion.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Schwedentrunk populär: Waterboarding mit Jauche. Erfunden haben es, wie fast alle grausamen Foltermethoden, die Prediger der christlichen Nächstenliebe, die als Konquistadoren ihren barmherzigen Gott zu den Heiden brachten.

1696 erschien dann das gesammelte Scheißwissen in der „Drecksapotheke“ des Universalgelehrten Paullini, der Kot-Inhalieren zur Abwehr von Pesterkrankungen empfahl. Und 100 Jahre später schlug der französische Philosoph Pierre Henri Leroux allen Ernstes vor, die Steuern mit der eigenen Notdurft zu begleichen. So kostbar war dieser Rohstoff.

Aber das ist nicht der Grund, wieso Mike Tyson gestand: "Ich mache aus Gold Scheiße." Der Künstler Piero Manzoni hatte es 1961 andersherum versucht. Als sein Vater ihm sagte: „Deine Arbeit ist Scheiße“, füllte er jeweils 30 Gramm seiner Notdurft in 90 nummerierte Konservendosen und verkaufte sie zum damaligen Goldkurs von 37 Dollar pro Unze.

Hat er einen Käufer gefunden? Im Jahr 2008 wurde eine dieser Dosen bei Sotheby's bereits für 132.000 Euro versteigert. Ein neugieriger Sammler wollte es genau wissen und öffnete seine erworbene Dose. Es war genau das drin, was draufstand: "Merda d'Artiste", Künstlerscheiße.

 

Claude Cueni (63) ist Schriftsteller und lebt in Basel. Er schreibt jeden zweiten Freitag in der Schweizer Wochenzeitung BLICK, wo dieser Artikel zuerst erschien. Ende des Jahres erscheinen seine dort veröffentlichten Kolumnen als E-Book. Mehr unter der web.adresse www.cueni.ch.

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Hugo Vlaam / 15.09.2019

Ein beschissener Artikel - aber im besten Sinn des Wortes!

Peter Wachter / 15.09.2019

Biowaffe, das gibt es auch heute wieder, doch dann heißt es nicht Biowaffe, sondern mehr Bio-Aktion, wenn Aktivisten im Hambacher-Forst Bullen-Schweine mit Bio-Dung bereichern. Wenn ich mit meinem altersbedingten erhöhtem Harndrang, beim Wildpinkeln erwischt werde, sag ich einfach, ich bin Aktivist und pinkle gegen rechts! Seh gerade ÖR wo von der IAA berichtet wird, da haben Aktivisten den Haupteingang besetzt, dachte unangemeldete Demo, Hausfriedensbruch und Vermummung wäre strafbar? Ach ne, ist ja für die gute Sache!

Martin Lederer / 15.09.2019

Eine echte und sehr erfolgreiche Biowaffe, soll 1347 bei der Belagerung der genuesischen Stadt Kaffa am Schwarzen Meer eingesetzt worden sein. Die Tartaren/Mongolen/Kiptschaken, die die Stadt belagerten, sollen Leichen in den Stadt geschleudert haben. Diese waren vermutlich mit dem Pesterreger infiziert. Durch Seeleute auf genuesischen Schiffen gelangten die nach Süditalien und sorgten so für den “Schwarzen Tod” in Europa, bei dem vielleicht ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung starb.

beat schaller / 15.09.2019

Da hat ja auch mal einer geschrieben: Leute esst mehr Scheisse, den 5000 Miliarden Fliegen können sich nicht irren…. Schön, Herr Cueni wenn wir an einem Sonntag endlich mal über Scheisse sprechen können und uns sogar vielleicht darauf freuen können, unsere Steuern damit zu bezahlen. Gute Aussichten also. Bleiben Sie gesund. b.schaller

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