Juli. Ein schöner Sommertag. Wie so oft schreibe ich etwas Warnendes auf Facebook – nicht aus Hobby, sondern aus Pflichtgefühl, weil es so einfach nicht weitergehen kann und darf. Normalerweise teile ich nur meine eigenen Beiträge. Das ist ja mein Stil: Ich stehe zu meinem Wort. Aber an diesem Tag war es anders. Da hatte jemand etwas formuliert – fast so, wie ich es auch getan hätte. Vielleicht etwas verbissener, sicher weniger ironisch, aber inhaltlich nah genug an meinem Denken, dass ich es teilte.
Ich stand zu diesem Zeitpunkt bei 51.000 Followern und 12 Millionen monatlicher Reichweite. „One in a million“ – sagt man so schön. Nur braucht es eben nur diesen Einen. Einer nahm Anstoß. Und zeigte mich an. Nicht wegen „Folksfernetzung“ – ich nenne es lieber „Gedankenverbrechen Deluxe“ – damit versteht jeder gleich, was gemeint ist. Und dann bewegt sich unser Staatsapparat. Düsseldorf informiert die Kripo in meiner Stadt. Ich bekomme einen Anruf.
Ich war nicht einmal nervös – zu oft habe ich mit der Polizei zu tun wegen meiner Schützlinge. Routine, beinahe. Im Gespräch erfahre ich, worum es gehen soll – ohne zu wissen, was genau. Datum und Facebook-Beitrag waren die Koordinaten. Der Beamte wirkte höflich, beinahe freundlich, und mein subjektiver Eindruck war: „Dass wir uns wegen sowas jetzt auch noch bemühen müssen …“ Aber gut – vielleicht wollte ich das nur hören. Er sagte dann, er könne mir den beanstandeten Beitrag nicht zuschicken, aber als „Hinweis“ wolle er erwähnen: „Da ist auch ein Foto dabei. Eine dicke Frau mit Kopftuch, die einen Kinderwagen schiebt.“ Ich musste lachen, warum auch immer.
Einige Tage später fragte ich die KI, wie man ältere Facebook-Beiträge wiederfindet. Patsch – da war es. Das Bild löste bei mir abermals ein Schmunzeln aus, warum auch immer (wieder). Vielleicht, weil die Frau als „Big Mama“ so gut getroffen war, von der KI. Ein fremder Beitrag. Nicht meiner. Und nun das Absurde: Ich soll mich nicht für mein Denken verantworten – sondern für die Aussage eines anderen. Eine Art X-Beitrag-Witwenschaft.
Ich halte fest: Ich weiß nicht, ob der Autor auch angezeigt wurde. Aber bei meinem Post wurde dieser Beitrag knapp 400-mal geteilt. Beim Originalautor fast 4.000-mal. Haben nun alle diese Menschen Ärger? Oder war ich der Auserwählte? „Der Glückliche.“ Die Glücksfee im deutschen Anzeigenlotto. Fragen über Fragen.
Und es passt in meine Stadt – hier haben solche Anzeigen Hochkonjunktur. Viele meiner Freunde – haben ebenfalls Post bekommen. Alle wegen Nichtigkeiten. Ich fühle mich zurückversetzt in alte Zeiten in der Türkei. Da bekamst du auch Ärger wegen Kleinigkeiten. Nur ist Deutschland schlimmer geworden. Nicht wegen eines autoritären Staates – sondern wegen einer Armee von Gutmenschen, die aktiv denunzieren und Unruhe stiften. Hier ruft man nicht nur die Polizei – man ruft das moralische Standgericht.
So stelle ich fest: Ich bin vom Regen in die Traufe gekommen. Unbeschreiblicher Druck von allen Seiten. Der Unterschied zur Türkei: Hier landest du nicht sofort im Knast und wartest Monate, bis die Anklageschrift erdacht und ausformuliert wird. Hier hast du es direkt Schwarz auf Weiß. Und am Ende fragt man sich: Ich dachte, ich hätte Deutschland gewarnt. In Wahrheit war Deutschland damit beschäftigt, mich zu warnen. Nicht nur der Staat hat Angst vor dem Bürger. Der Bürger hat Angst vor anderen Bürgern – und zeigt sie deshalb an.

„Nicht wegen eines autoritären Staates“, Herr Dener? Doch, auch deswegen. Ein nicht-autoritär gebliebener würde derartige Bagatellen nämlich gar nicht erst verfolgen. Und die Bürger, die andere Bürger für derartige „Verbrechen“ anzeigen, haben ganz sicher keine Angst vor Ihnen: Die wissen den Staat nämlich auf ihrer Seite. Meldestellen und § 185/188 StGB lassen grüßen.
Tja, es sind eben zum guten Teil die lieben Mitbürger. Das waren sie wohl schon in der DDR und im 3. Reich. Es ist ein böser Fehler, zu glauben, Unterdrückung könne nur von den Anführern eines zentralistisch organisierten totalitären Systems ausgehen. Totalitarismen waren immer auch Massenbewegungen. Und so wie die zentralistisch organisierten Massenmedien des 20. Jahrhunderts die Führertotalitarismen erst ermöglichten, ermöglichen die heutigen Vernetzungsmedien den Mobtotalitarismus, der ganz prächtig ohne einen zentralen Führer auskommt, auch wenn er durchaus über eine Anzahl „Führender“ verfügen mag.
@ Nico Schmidt – „. Wir haben offensichtlich keine anderen Probleme.“ – Doch und bekannt mehr als reichlich – und genau deshalb wird mittels der installierten Spitzel- und Anzeigenkultur im Auftrage der Verursacher dieser Probleme ein System der Ablenkung und der Unterdrückung von Kritikern installiert, vorne weg die sog. „etablierten Medien“ als
aufstachelnde Instanz. Der Generalstabsplan wurde erfolgreich mit „Corona“ umgesetzt.
„Nicht wegen eines autoritären Staates – sondern wegen einer Armee von Übelnehmenden.“ – Der „Staat“ wäre nix ohne die Kohorten von Neidern und sich selbst im Sinne des Systems moralisch überhöhenden Ideologen, die meinen Gutes für die Gesellschaft zu tun, indem sie ihre Nachbarn bespitzeln und „anscheißen“. Fängt beim Parksünder-Melder an und hört beim Melder „unbotmäßiger“ Meinungen auf. Und so wiederholt sich Geschichte halt doch, vor allem mit denen, die aus den 2 Diktaturen auf deutschem Boden genetisch bedingt nicht in der Lage sind zu lernen. Können wir uns also nur aussuchen, welches Ende der beiden uns jetzt bevorsteht.
Der Bürger ist der Staat, er ist der dezentrale Küchen – Hitler, der Badezimmer – Eichmann: Der Deutsche ist mit seinem Staat, der Prothese für mütterlich deformierte – Nicht – Ichs – körperlich identifiziert. Nazi ist jeder, der Hitlers Apparat auch nur eine Gurke züchtet für den Endsieg. Alle haben sie Dreck am Stecken. Und die wenigen, die nicht, die machen sich die Verzerrung und Illusion, daß das kriminelle Gros durch Einsicht zu retten wäre, – nein ist es nicht, nicht einmal Brandbomben verhindern die Wiederholung. Das Leben ist eine Fuge aus dem Motiv der Dummheit, es ist keine Sinfonie, sondern eine ewige Iteration. Nur der Tod entbindet den Untertan in die Freiheit, das ist sein Schicksal auf Kosten anderer. Selbst – und fremdgefährdend, das boshafte Größenklein, die Arschgeige mit Jägerzaun und Rechtsschutzversicherung. Der ganz gewöhnliche Schaum der Mehrheit.
Hat jemand ernsthaft geglaubt, dass die DDR 2.0 ohne Zensur und Denunziatentum daher kommt.
Übersicht mit KI:
Rechtliche Regelung vs. Realität:
Formale Garantie: Artikel 27 der Verfassung der DDR gewährte jedem Bürger das Recht, seine Meinung frei und öffentlich zu äußern, solange dies den „Grundsätzen dieser Verfassung“ entsprach.
Die Einschränkung: Diese Formulierung erlaubte es dem Staat, jede Kritik zu unterbinden. Die Meinungsäußerung musste den Vorstellungen der Staats- und Parteiführung entsprechen, um als „legal“ zu gelten.
Staatliche Kontrolle und Repression:
Zensur: Medien wie Presse, Radio und Fernsehen unterlagen staatlicher Zensur und Kontrolle.
Überwachung: Das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) überwachte Bürger, die kritische Meinungen äußerten, und dokumentierte diese.
Strafbarkeit: Politische Witze, kritische Äußerungen oder Liedertexte konnten als „staatsfeindliche Hetze“ (§§ 104-106 StGB der DDR) verfolgt und bestraft werden, was zu politischen Haftstrafen führte.
Welcome to the GDR.
Wer’s jetzt noch nicht kapiert hat, versteht es nie.
Erstmal Autor Dener mein Beileid. Ich schätze seine Beiträge. // Ich mag mich schon gar nicht mehr empören, so deprimierend ist das alles. Deutschland ist kaum noch erträglich, wenn man sich an der öffentlichen Diskussion beteiligt. Und es wird, das ist meine Voraussage, auch für solche Bürger immer unerträglicher werden, die meinen, sich in ihre Privatsphäre zurückziehen zu können. Dann werden die Leute vermutlich noch bäsartiger. // Es wird Zeit, sich einen zweiten, einen Fluchtwohnsitz im Ausland anzuschaffen, damit man, wenn nötig, schnell verschwinden kann.