„Smart“ oder „Safe“ Cities werden von China nicht nur in Afrika rhetorisch als Infrastruktur-Innovation verkauft. In Wirklichkeit ist es ein vernetztes System zur ständigen Überwachung des Alltagslebens, das seine Bewohner zu ständiger Verhaltensanpassung drängt. Diese Technologien wurden bereits von chinesischen Firmen ohne kritische Analyse und substanzielle Debatten unter Einbeziehung der Stadtbevölkerung in 16 afrikanischen Metropolen (u.a. in Ghana, Togo, Nigeria, Kamerun, Uganda, Kenia, Angola, Sambia, Simbabwe, Südafrika) etabliert.
Kameras werden offiziell zur Kriminalitätsbekämpfung und Verkehrssteuerung vermarktet. Sie dienen nach einem Bericht der gut informierten französischen Monatsschrift „Jeune Afrique“ vom Juni 2026 in erster Linie der Kontrolle der Bevölkerung, der Journalisten und der Opposition: „Chinesische Akteure, die in den rasch wachsenden Markt eintreten, setzen KI, Gesichtserkennungssoftware und Algorithmen zur Unterstützung des Sicherheitsapparates ein. Sie exportieren diese Technologien und bieten sogar Kredite für die Beschaffung an.“
Reine Fantasie?
Jeune Afrique ist sich aber (noch) sicher, dass das von Peking praktizierte Modell der sozialen Kontrolle von den meisten afrikanischen Ländern noch weit entfernt ist und „derzeit reine Fantasie“ sei. Doch dass der Vormarsch dieser Systeme tatsächlich den Weg für Auswüchse der Massenüberwachung ebnen könnte. Einige Oppositionelle hätten dies bereits am eigenen Leib erfahren.
In Kamerun, Uganda und Simbabwe wird diese Überwachungstechnologie von Geheimdiensten aber schon heute eingesetzt, um demokratische Wahlen und kritische Stimmen systematisch zu unterdrücken. Soziale Medien und Mobilfunknetze werden streng überwacht. Friedliche Proteste von Regierungskritikern werden regelmäßig brutal aufgelöst.
Der Jurist, Hochschullehrer und Oppositionsführer Maurice Kamto und Dutzende seiner Mitarbeiter wurden nach den Wahlen 2018 wegen „Aufwiegelung und Aufstand“ zu mehreren Monaten Haft verurteilt. Der Musiker und Chef der größten Oppositionspartei in Uganda, Bobi Wine, wurde mehrfach festgenommen und schwer misshandelt. Auch in Simbabwe werden Oppositionspolitiker willkürlich verhaftet und bisweilen durch mysteriöse, tödliche „Autounfälle“ ausgeschaltet.
Jeune Afrique hat – derzeit – sicherlich recht. In Afrika wird durch Laissez-faire zwar der Aufbau eines perfekt funktionierenden totalitären Überwachungsstaates, wie in China, teilweise unterlaufen. Allerdings wird es – wie oben beschrieben – weiterhin ein intransparentes Überwachungssystem in Autokratien geben, wobei Regimegegner, Journalisten und Bürger Selbstzensur bei sensiblen Themen und formelle Anpassung üben müssen, um sich vor Übergriffen oder Haft zu schützen.
Beitragsbild: Alias 0591 from the Netherlands - A crocodile's eye, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

China hat seinerzeit auch die Macheten geliefert, mit denen die Jungkerle der einen Ethnie die der anderen zerhackstückt haben, um sie „zurechtzustutzen“, gucksdi wiki unter Ruanda, Völkermord. Folge: Frauenüberschuss, eine sehr friedliche Zeit, die Frauen betrieben „men sharing“, ideal. Das war ab 1995, leider ist das inzwischen vorbei.
Lieber Herr Seitz,
Vielen Dank fuer Ihren Artikel. Wie immer regt er zum Innehalten und Nachdenken an. Wieviel chinesische Technik wird in Europa im allgemeinen und Deutschland im besonderen verbaut, gerade in der Mess- und Regeltechnik, Telekommunikation oder bei Fahrzeugen. Ich denke weniger an die Ueberwachung der Buerger als vielmehr das Abschoepfen von Informationen. Die USA sind uns einmal mehr um Jahre voraus, der Gesetzgeber gibt vor, welche Kameras in kritischen Bereichen eingesetzt werden duerfen (NDAA Compliant Security Cameras: 2026 Guide and List).
Noch schlimmer: „Russland baut sanktionsresistentes Krypto-Netzwerk in Afrika auf
Das russische Krypto-Zahlungssystem A7, das zur Umgehung westlicher Sanktionen entwickelt wurde, plant einen Markteintritt in Togo. In Nigeria und Simbabwe ist das Unternehmen bereits aktiv.“ – Berliner Zeitung
Kein deutscher Journalist macht sich ernsthaft die Mühe, uns die Lebensumstände der Menschen in Afrika ehrlich zu vermitteln – es würde ja auch niemand veröffentlichen. Doch jetzt dürfen wir erfahren, daß das böse, böse China dabei hilft, diese armen Leute zu überwachen. Wer aber dabei hilft die Bevölkerung Londons mit einer Millionen Kameras zu überwachen, erfahren wir sicher im nächsten Teil. Rußland ist es erstaunlicherweise nicht. Erbärmlich.
Na und? JEDE Kommunikations- und Überwachungstechnik wird eben dort eingesetzt, wo man dem Volke nicht traut – also ÜBERALL auf der Welt. In Afrika hat sich eben China einen Namen gemacht. Der Westen hatte halt das Nachsehen. Man vertraute wohl dem Westen, was ich durchaus verstehen kann, überhaupt nicht mehr. Was regt man sich darüber auf? Dass dem Westen der Gewinn entgangen ist? Was die afrikanischen Ländern machen, wo sie was einkaufen, geht uns nichts an. Das sind souveräne Staaten, die machen können, was sie eben für sich oder für ihr Land am besten finden. Wenn die meinen, dass sie mit China besser fahren als mit den USA, dann ist das deren Sache! Kein Grund sich künstlich aufzuregen, nur weil unsere Regierung im Verein mit den ganzen Westen unter Führung der USA China auch als unseren Feind definiert haben. Wenn Deutschland es könnte, hätten sie das doch in Afrika auch verkauft. Nur wir können es eben nicht!
H@llo Herr Seitz, wessen „Sorge ist groß, dass Peking mit dieser Technik seinen Einfluss auf dem Kontinent weiter ausbaut.“??
Ich denke, hierzulande ist lediglich die Sorge unserer Obrigkeit groß, dass sie womöglich nicht schnell und gründlich genug dem Vorbild Chinas folgen kann. Vielleicht hat die VRC aus diesem Grund neuerlich 100 Mio. Euro „Entwicklungshilfe“ zugesteckt bekommen. Als Hilferuf gewissermaßen?
„In Afrika wird durch Laissez-faire zwar der Aufbau eines perfekt funktionierenden totalitären Überwachungsstaates, wie in China, teilweise unterlaufen.
Allerdings wird es […] wobei Regimegegner, Journalisten und Bürger Selbstzensur bei sensiblen Themen und formelle Anpassung üben müssen, um sich vor Übergriffen oder Haft zu schützen.<<<
Verhält es sich im bDaZ etwa soviel anders??
Blaupause der Überwachungstechnik sind natürlich die USA in den Golfstaaten. Die Saudis und andere sog.Monarchien wären schon längst weg vom Fenster, wenn sie nicht mit Hilfe von Uncle Sam ihre Bevölkerung in Schach halten würden. Nicht zu vergessen Frankreichs Hilfe für afrikanische Regime. Nur werden die Franzosen mittlerweile nicht mehr gebraucht, vermutlich deshalb entdecken sie gerade ihr Herz für die Demokratie in Afrika. (PS: Mitterand nahm den Völkermord in Ruanda eher achselzuckend zur Kenntnis, denn die Täter waren keine Gefahr für den CFA-Franc).