Der Unterhaltungswert des ersten TV-Duells zwischen Biden und Trump in diesem Präsidentschaftswahlkampf war begrenzt, dafür zeigte Joe Biden seine geistigen und körperlichen Schwächen unerwartet deutlich. In diesem Trauerspiel konnte Trump nicht verlieren.
Am gestrigen Donnerstagabend war es so weit: Präsident Joe Biden und sein Herausforderer Donald Trump trafen sich zu ihrer ersten Fernsehdebatte dieses Wahlkampfs. Das politische Amerika hat sich auf diesen Anlass gefreut, der wenn nicht politische Sternstunden dann mindestens Unterhaltungswert versprach. Die Bars hofften auf Rekordumsätze, schalteten alle ihre sonst für Sportübertragungen genutzten Fernseher auf die Debatte, Barkeeper kreierten spezielle Cocktails mit politikbezogenen Namen, und das Publikum wartete darauf, mit seinen Favoriten mitzufiebern und bei rhetorischen Volltreffern „U-S-A, U-S-A“ zu skandieren. Stattdessen wurde die Sache zu einem Trauerspiel, so ähnlich wie ein Boxkampf, bei dem einer der angetretenen Schwergewichtsboxer offensichtlich unter Demenz leidet und nicht mehr der ist, der er einmal war. Da macht das Zuschauen noch nicht einmal Spaß, wenn man den anderen Boxer favorisiert.
Videokonferenz statt Debatte
Das entsprechende Duell vor vier Jahren war in ein Dreiwegegezänk zwischen den beiden ältlichen Kandidaten und dem parteiisch wirkenden Moderator entglitten. Nachdem dieses Jahr unklar war, ob Biden überhaupt zu debattieren bereit wäre, einigte man sich auf ein vom Sender CNN vorgeschlagenes sehr sterilisiertes Format statt des üblichen Formats der überparteilichen Kommission für Präsidentendebatten. Die beiden Kandidaten waren in einem arktisch klimatisierten Studio ohne jedes Publikum. Selbst Journalisten waren ausgeschlossen. Die Kandidaten schauten einander nicht an, sondern in getrennte Kameras, bekamen genau fixierte Redezeiten, und nur während der Redezeit eines Kandidaten war sein Mikrophon eingeschaltet.
Entgegen mancher Befürchtungen wegen der eindeutigen politischen Tendenz des gastgebenden Senders hielten sich auch die Moderatoren zurück und ließen beide Kandidaten sagen, was sie wollten. Es fand also keine direkte Interaktion statt, weder mit einem nicht vorhandenen Publikum noch im spontanen Austausch der Kandidaten, und die Gelegenheit zur strukturierten Rede und Widerrede ließen auch beide wenig genutzt und trugen eben ihre üblichen Punkte vor. Eigentlich hätte man das Ganze auch als Videokonferenz abhalten können, die in einem fixen Rhythmus zwischen den beiden Kandidaten hin- und herschaltet.
Biden fühlt sich aufgeputscht
Der Elephant im Raum, wie die Amerikaner das nennen, war natürlich der geistige und körperliche Zustand Joe Bidens. Der hatte die diesjährige Rede zur Lage der Nation mit überraschender Spritzigkeit erheblich über den Erwartungen abgeliefert. Freilich, das war in einem Gebäude, das vier Jahrzehnte lang praktisch sein Wohnzimmer war, mit einem vorbereiteten Text, der inhaltlich viel von dem war, was Biden seit vier Jahrzehnten immer wieder erzählte, vor einem Publikum, das in der Hälfte seiner Parteigänger begeistert mitging. Demenzpatienten schlagen sich oftmals noch ziemlich gut auch bei komplexen Verrichtungen aus dem Langzeitgedächtnis wie dem Fahren bekannter Routen, wenn die Nennung des Wochentags schon zur schwierigen Aufgabe wird. Man war also gespannt, ob Biden diese Energie seiner Rede zur Lage der Nation in die Debatte gegen Trump würde mitnehmen können.
Dieses Thema von Bidens geistigem Zustand überstrahlte die Inhalte so weit, dass sich viele fragten, ob er seine Spritzigkeit bei der Rede zur Lage der Nation nicht gewissen Spritzen verdankte. Trump nahm das dankbar auf und schlug vor, dass beide Kandidaten einen Test auf Aufputschmittel absolvierten, was Biden ablehnte. Dafür witzelte Biden auf Twitter mit einer Dose Wasser in der Hand: „Ich weiß nicht, was in diesen leistungsverbessernden Mitteln drin ist, aber ich fühle mich ziemlich aufgeputscht. Probiert es selbst, Leute.“ Dieser Spruch ging daneben, denn was auch immer Biden genommen oder nicht genommen hatte, selbst wenn er am Kokainvorrat seines Sohnes Hunter genascht haben mag, von Leistungsverbesserung konnte keine Rede sein.
Selbsterledigung
Bidens Stimme wirkte schwach, er hörte oft mit fischartig offenem Mund zu, die Augen oft zu weit geschlossen oder weit aufgerissen. Sein Wahlkampfteam erklärte, dass er an einer Erkältung litte, ein Covid-19-Test allerdings negativ ausgefallen sei. Diese Erklärung mag zutreffen oder nicht, ändert am negativen Eindruck vom senilen Zustand des Oberkommandierenden der Streitkräfte aber wenig. Die wohl in dieser Hinsicht schlimmste Einlassung Bidens auf eine Frage nach den ausgreifenden Staatsschulden ging so:
Beispielsweise haben wir tausend Billionäre in Amerika – ich meine Milliardäre in Amerika. Und was passiert? Sie sind in einer Lage, in der sie in der Tat 8,2 Prozent an Steuern bezahlen. Wenn sie nur 24 Prozent, 25 Prozent, eine dieser beiden Zahlen, bezahlen würden, dann würden wir 500 Millionen, Milliarden will ich sagen, in einer Periode von zehn Jahren einnehmen.
Wir wären in der Lage, diese Schulden wegzuwischen. Wir wären in der Lage zu helfen sicherzustellen, dass all diese Dinge, die wir tun müssen – Kinderbetreuung, Altenpflege, sicherzustellen, dass wir fortfahren, unser Gesundheitssystem zu unterst…stärken, sicherzustellen, dass wir in der Lage sind, jeder einzelnen einsamen [‚solitary‘] Person zu ermöglichen, für was ich in der Lage war zu tun mit dem – mit – mit – mit – mit dem Covid. Entschuldigen Sie mich, bezüglich allem, mit dem wir zu tun haben – schauen Sie, wenn – wir endlich Medicare [die öffentlich-rechtliche Krankenversicherung für Rentner] erledigen.
Biden wollte wohl sein altes sozialdemokratisches Versprechen vortragen, dass mit immer noch moderaten Steuern auf die Reichsten der Reichen bei Verschonung der Mittelschicht und der Normalreichen die Staatsverschuldung abbezahlt und ein Füllhorn sozialer Wohltaten, so wie sich sozialdemokratische Amerikaner Schweden vorstellen, ausgeschüttet werden könne.
Trump machte sich gar nicht die Mühe, darauf einzugehen, dass das mathematisch hinten und vorne nicht hinhaut, schon deshalb, weil die unterstellten Mehreinnahmen von 500 Milliarden über zehn Jahre offensichtlich ein Haushaltsdefizit von zwei Billionen im Jahr nicht heben werden, dass selbst eine Totalenteignung aller Milliardäre keine fünf Jahre lang das Defizit finanzieren würde. Stattdessen beließ Trump es bei der Antwort, Biden habe recht, die öffentlich-rechtliche Krankenversicherung habe er in der Tat bereits erledigt, und als nächstes werde Biden die Rentenversicherung ebenfalls zerstören. Das offensichtliche Straucheln Bidens, der wirkte, wie ein seniler Opa, der vom Krieg erzählt, überstrahlte den Rest der Debatte.
Den Galligkeiten fehlt die Kraft
Trump machte sich ebenfalls kaum die Mühe, auch nur zu versuchen, die Fragen zu beantworten, in seinem Fall aber nicht durch Straucheln, sondern in dem er mit voller Absicht am Thema vorbeiredete. Auf die Frage, was er bezüglich des Klimawandels zu tun gedenke, antwortete er beispielsweise – im Gegensatz zu Biden zusammenhängend, aber eben Thema verfehlt – mit einer Darlegung, wie er schwarze Wähler von sich zu begeistern gedenke. Das war insofern fair, als dass die Moderatoren den Kandidaten ausdrücklich gestattet hatten, ihre zugeteilte Redezeit frei nach ihrem Belieben zu nutzen, trug aber nichts zur gestellten Frage bei, zu einer Debatte zwischen zwei Kandidaten um die wichtigsten Fragen der Nation noch weniger.
Der Austausch von Galligkeiten war in einem Format, in dem nur jeweils einem der Redner das Mikrophon aufgedreht war und kein Publikum akklamieren konnte, ebenfalls wenig unterhaltsam. Trump hielt sich in für ihn untypischer Art zurück, was wohl weise war, denn die klinisch reine verbale Hinrichtung eines alten Mannes hätte nicht die Lacher auf seine Seite gezogen, sondern einfach bösartig gewirkt. Trumps riesiges Talent als Beleidigungskomiker funktioniert nur mit einem einigermaßen würdigen Gegner, der auch mitmachen kann. Biden hat sich dagegen an dieser Masche versucht, aber bei seinem Auftritt konnte beispielsweise die Behauptung, Trump hätte empfohlen, sich gegen Corona Bleichmittel in die Venen zu spritzen, auch keine Wirkung entfalten, der Rekurs auf Trumps Körpergewicht genauso wenig.
Neue Einsichten bezüglich der politischen Positionen der Kandidaten hat das Publikum also ebenso wenig gewonnen wie die erhoffte Unterhaltung eines verbalen Boxkampfs der Schwergewichte. Der Getränkeverkauf der Wirte der zu Politbars umfunktionierten Sportbars dürfte auch unter den Erwartungen geblieben sein.
Hase aus dem Hut?
Für die Demokratische Partei und auch für Präsident Bidens persönliche Lebensplanung stellen sich damit dringende Fragen. Der eindeutig demokratenfreundliche Sender CNN zitierte einen Politstrategen der Demokratischen Partei mit „Schrecklich“, einen anderen gar mit „Wir sind gef***t.“ Wo das die Einschätzung der eigenen Seite ist, kann die Gegenseite schweigen und genießen.
Die offizielle Kandidatenkür der Demokraten ist für den späten August in Chicago angesetzt, wo der vorletzte dort abgehaltene derartige Parteitag 1968 übrigens in bürgerkriegsartige Unruhen entglitt und die Wahl dann verlorenging. Beim kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom, dessen Ambitionen auf das Präsidentenamt ein offenes Geheimnis sind, dürften bis dahin die Telephonleitungen heißlaufen. Sollte der übernehmen würde aus dem Wahlkampf zwischen zwei alten Männern, die sich bei aller extremen Polarisierung eigentlich in Sachfragen gar nicht so uneinig sind, ein tatsächlicher Richtungswahlkampf, denn Newsom steht für das ganz harte links-woke Programm, das aber in den Vereinigten Staaten als Ganzes weitaus weniger mehrheitsfähig ist als in Kalifornien.
Freilich: Ronald Reagan hat seine erste Fernsehdebatte zu seiner Wiederwahl auch in den Sand gesetzt, wirkte müde und unartikuliert, und hat die Sache dann in der zweiten Debatte mit einer allgemein guten Leistung und einem bis heute gern zitierten Spruch so überzeugend gerettet, dass sein Konkurrent Walter Mondale später angab, in diesem Moment gewusst zu haben, dass er die Wahl verlieren werde. Präsident Biden ist aber kein Ronald Reagan, und um dessen Kunststück nachzumachen, müsste er schon sehr spektakulär einen Hasen aus dem Hut zaubern.
Oliver M. Haynold wuchs im Schwarzwald auf und lebt in Evanston, Illinois. Er studierte Geschichte und Chemie an der University of Pennsylvania und wurde an der Northwestern University mit einer Dissertation über die Verfassungstradition Württembergs promoviert. Er arbeitet seither als Unternehmensberater, in der Finanzbranche und als freier Erfinder. 2023 wurde er zum Kentucky Colonel ernannt.
Lesen sie zum gleichen Thema
diesen Achgut.com-Bericht von Wolfgang Meins (Neuropsychologe, Arzt für Psychiatrie und Neurologie, Geriater und apl. Professor für Psychiatrie) aus dem Jahre 2020 (!):
Ist US-Präsidentschafts-Kandidat Joe Biden dement?
und diese Berichte aus dem Jahre 2021 (!)
Joe Biden: Wie mit Demenz von Chefs umgegangen wird
Beitragsbild: Staff Sgt. Marianique Santos via Wikimedia Commons
@Peter Petronius: „…die US-Amerikaner haben “die Wahl zwischen einem Einlauf und einer Kotstulle„. Schnell noch vor Schluss der Kommentierung: Welche Wahl haben wir den im Wertlos-Europa?
@ W. Renner: BS, sorry, und Frauengeschichten haben nichts mit Politik zu tun. Marilyn, auch noch nebenbei die Braut eines Mafioso, ist nicht wirklich ernst zu nehmen. Ohne Schauspieltalent hätte sie vielleicht in einem Bordell gearbeitet. Kuba ist sehr kompliziert, weil die CIA stark involviert war. Kennedy hat einen Kontakt zu Nikita Chruschtschow aufgebaut. Das war nicht einfach und sein großes Verdienst. Ohne diesen hätten Sie das heute eher nicht geschrieben und ich auch nicht.
Im Internet-Auftritt der Tagesschau lese ich, dass Joe Biden bei einm Wahlkampf-Auftritt in Raleigh (North Carolina) gesagt haben soll: „Ich gebe Ihnen mein Wort. Ich würde nicht noch einmal kandidieren, wenn ich nicht mit ganzem Herzen und ganzer Seele daran glauben würde, dass ich diesen Job machen kann.“ Dazu fällt mir ein, dass sich der Schwund der geistigen Kräfte in drei Stadien entwickelt: Im ersten Stadium merkt man nur selbst, dass die geistigen Kräfte nachlassen. Im zweiten Stadium merken das auch die anderen. Und im drittem Stadium merken es nur noch die anderen.
Man wird den Amerikanern nicht zumuten können einen Dementen zum Präsidenten zu machen.
Und auf einmal werden Stimmen laut, die Michelle Obama als Präsidentschaftskandidatin ins Spiel bringen. Und der böse Gedanke kommt auf, dass Biden genau zu diesem Zweck vorgeführt werde sollte. Wenn sich die M. Obama-Kandidatur bewahrheitet, wird eine weitere, seit mindestens Anfang des Jahres kursierende, Verschwörungstheorie wahr.
Ich denke hier wird der Intellekt der Strippenzieher unterschätzt. Es ist der Auftakt zur Kandidatur von Michelle O. Die gestrige Show hat den Weg bereitet, alle werden sie als Notnagel akzeptieren – und die Chancen stehen nicht mal schlecht.
Was? Trump hat die Frage über Klima-Dingsbums ignoriert? Hat er irgendwas zu den rechten von 92 Gendern gesagt? Auch nichts? Es lebe Biden (mit Betonung auf „lebe“)