Robert von Loewenstern / 24.05.2019 / 06:22 / Foto: Fabian Nicolay / 114 / Seite ausdrucken

Bewiesen: Grüne lesen Achgut!

Huhu, liebe Grüne, wir sind’s, eure Freunde von der Achse! Also, wir hatten doch letztes Jahr den Entwurf zu eurem EU-Wahlprogramm durchgeackert, alle 34.392 Wörter. Ja genau, wir waren das. Das war echt nicht wenig Arbeit. Und danach hatten wir für euch eine Menge toller Tipps aufgeschrieben, damit euer Wahlprogramm noch ein bisschen besser wird. Ihr erinnert euch? Nicht? Bruhaha, war nur Spaß. Natürlich erinnert ihr euch. Das wissen wir, weil ihr eine Menge unserer Anregungen umgesetzt habt. Und ich sag euch eins, wir waren supergerührt, als wir gemerkt haben, Grüne lesen Achgut.

Ernsthaft. Die Nachricht schlug bei uns ein wie eine Bombe. Da war Emotion pur auf der Chefetage im Achse-Tower. Der Dirk ist ja so ein Typ, der freut sich auch gerne mal nach innen. Der wurde ganz still, aber hatte richtig Pipi in den Augen. Dafür ist der Henryk sofort aus dem Whirlpool gesprungen und hat gerufen, die Praktikantinnen dürften sich zur Feier des Tages was anziehen, außerdem hätten sie ab 20 Uhr frei. Und dann gab’s Champagner für alle. Außer für Dirk natürlich. Einer muss halt die Seite machen. 

Gut, es war nicht ganz genau so. Aber es hätte so sein können, relotiusmäßig. Das mit dem Champagner ist nicht hundertprozentig korrekt, muss man ehrlicherweise zugeben. Der war aus, weil wir am Vormittag schon Wochenkonferenz gehabt hatten. Egal, was ich sagen will: Auch Achse-Autoren haben Gefühle. Von wegen hartleibig und zynisch und so.

Ausbildung wird überschätzt

Aber der Reihe nach. Nachdem wir euch vor acht Monaten den ersten Brief geschrieben hatten, waren wir ganz schön aufgeregt. Ungefähr so, wie früher in der Schule, wenn man Birgit oder Caro einen heimlichen Zettel rübergeschoben hatte. So was zuzugeben macht einen nicht unbedingt interessanter, ist klar. Aber wir sind für mehr Ehrlichkeit, wisst ihr. Jedenfalls waren wir total gespannt und haben dauernd bei euch auf der Webseite nachgesehen, ob sich was tut mit dem Entwurf.

Tja, und es passierte – nichts. Monatelang stand da nur: „Das Wahlprogramm als PDF wird noch lektoriert und dann an dieser Stelle veröffentlicht.“ Als es im Januar immer noch nichts Neues gab, waren wir irgendwann nicht mehr so aufgeregt und haben nicht mehr ständig nachgeschaut. Das war auch ein bisschen so wie damals mit Birgit und Caro. Bis letztens die Meldung kam von den vielen Analphabeten in Deutschland. Da mussten wir spontan wieder an euch denken. Sorry, ist nicht bös gemeint, aber das Gehirn spielt einem manchmal einen Streich, kennt ihr bestimmt auch. Wir wissen ja, dass Grüne heutzutage sogar Studienabschlüsse haben.

Ist sowieso egal, uns zumindest. Seitdem wir erlebt haben, was eine Physik-Doktorin so alles in die Grütze reiten kann, finden wir Ausbildung reichlich überschätzt. Ganz ehrlich: Das hätte eure Claudi mit ganz ohne Abschluss auch nicht schlechter machen können. So wie das mit der Angela gelaufen ist, fragen sich bei uns rückblickend sogar einige, ob die Claudi nicht die bessere Kanzlerin gewesen wäre. Und das will wirklich was heißen.

Ehre gewonnen!

Als wir euer fixfertiges EU-Wahlprogramm dann endlich in Händen hatten, haben wir kapiert, warum es so lange dauerte. Ihr habt es ja praktisch neu geschrieben! Jetzt sind sogar 52.660 Wörter drin – also ziemlich genau 50 Prozent mehr als im Entwurf. Für euch in Zahlen: voll viel mehr! Das war uns fast ein bisschen peinlich. Wirklich, so viel Mühe hättet ihr euch nicht machen müssen. Klar, wir hatten ein paar Sachen kritisiert, aber sonst war das Programm alles in allem schon ziemlich super. Hatten wir auch gesagt.

Gefreut haben wir uns trotzdem. Zum Beispiel über die Gendersache. Donniwetti, haben wir gedacht, jetzt gibt es in eurem Programm mehr Sterne als in der Milchstraße. Im Entwurf waren nur 167 Mumu-Kreuzchen, jetzt sind es 309, also fast doppelt so viele (= voll total viel mehr). Ihr habt euch wirklich reingehängt. Respekt! Beziehungsweise „Ehre gewonnen!“, wie unsere Importkartoffeln sagen.

Klar, auch in der Endfassung sind immer noch eine Menge Berufe, die in eurer *innen-Sicht nur Heteromänner ausüben. Zum Beispiel Diktatoren, Eigentümer, Europafeinde, falsche Führer, Gegner, Gläubiger, Hacker, Hersteller, Internet-Giganten, Investoren, Marktbeherrscher, Marktführer, Monopolisten, Nationalisten, Nutznießer, Rebellen, Schlepper, Schmuggler, Sozialdemokraten, Spekulanten, Steuerbetrüger, Wettbewerber.

Ihr habt verstanden

Trotzdem wollen wir nicht länger behaupten, dass ihr Frauen, Schwule und Transen diskriminiert, weil ihr ihnen nichts zutraut bei Schlepperei, Sozialdemokratie und allgemeiner Unterdrückung. Entscheidend ist, dass ihr bedeutende Schritte gemacht habt. Neu im Programm habt ihr zum Beispiel Antieuropäer*innen, Faschist*innen und Rechtsextremist*innen. Nicht zu vergessen Drogenkonsument*innen. Und Whistleblower*innen, die kommen gleich im Zehnerpack vor.

Vor allem habt ihr bei einer Sache nachgebessert, an der wir uns besonders gestört hatten. Jetzt kennt ihr auf Seite 64 sogar Steuertrickser*innen. Und zwar groß in der Überschrift! Klasse. Ein gutes, ein wichtiges Zeichen, dass ihr uns gehört und verstanden habt. Ihr haltet Frauen und die anderen *innen also nicht grundsätzlich für zu doof oder zu feige zum Betuppsen. Gut, die fortgeschrittenen Trickser, die Steuerbetrüger, sind bei euch weiterhin cis-männlich. Aber da wollen wir nicht kleinlich sein. Man kann nicht alle liebgewonnenen Gewohnheiten auf einmal über den Haufen werfen. Wer so was verlangt, versteht nichts von Politik. Eure Follower wüssten ja gar nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht.  

Von unserer Seite werdet ihr jedenfalls nie wieder den Vorwurf hören, dass ihr gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit praktiziert. Außer natürlich gegenüber alten weißen Männern, denn die haben es nicht besser verdient. Das Gesindel hat uns schließlich alles eingebrockt, woran die Welt heute leidet, zum Beispiel Medizin, Internet und Plastiktüten.

Das mit den Juden ist jetzt rund

Auch an anderer Stelle seid ihr uns weit entgegengekommen. Wir hatten ja angeregt, dass ihr vielleicht ein bisschen klarer sagen könntet, welche Art von Antisemitismus heutzutage besonders modern ist. Ihr wisst schon, wegen unserem Henryk und so. Da sind halt gewisse Befindlichkeiten. Dazu habt ihr auf Seite 105 folgenden genialen Satz reingeklemmt: „Religiösen Fanatismus, der die offene Gesellschaft und ihre Vielfalt angreift, dulden wir nicht.“

Supergut. Bei „Vielfalt“ denkt man nämlich sofort, stimmt, da sind ja noch paar Juden auf der Resterampe. (Heutzutage darf man „Rampe“ wieder sagen, oder?) Und bei „religiösem Fanatismus“ weiß auch jeder, wer gemeint ist. Gibt schließlich nicht so viele explodierende Christen, Jesiden, Shintoisten, Sikhs, Buddhisten oder Hastenichtgesehen. Klar, die explodieren auch, aber halt nicht so freiwillig wie die Muselmanischen. Kurz, das mit den Juden und den Antijuden ist jetzt wirklich rund, finden wir. Danke dafür. 

Unter uns: Natürlich geht uns das ewige Judengejammer genauso auf den Zeiger wie euch. Nur weil ein schlecht frisierter Österreicher die eine oder andere Million Jesusmörder aus der Landschaft gekegelt hat, muss man nicht ewig drauf rumreiten. Immerhin sind welche übrig – im Gegensatz zu den Dinosauriern zum Beispiel. Das wird man wohl noch sagen dürfen. Im Grunde sind sich doch alle einig, von rechts bis links, dass die Juden sich nicht so anstellen sollen. Und wir wären die Letzten, die gesellschaftlichen Konsens nicht anerkennen.

Sensation in einem Satz

Kommen wir zu was wirklich Wichtigem. Ihr habt nämlich eine echte Sensation in die Endfassung von eurem EU-Wahlprogramm reingeschrieben. Und keiner hat’s gemerkt – außer uns. Vielleicht ist euch selbst noch nicht ganz klar, was für eine bahnbrechende Neuerung ihr erfunden habt. 

Es geht um Steuern, Abgaben und Verbote. Also um grüne DNA, sozusagen. Da wart ihr schon im Entwurf ziemlich breit aufgestellt – wollen wir hier nicht alles wiederholen, kann jeder nachlesen. Aber den Oberknaller haut ihr jetzt in einem einzigen Satz raus: „Perspektivisch wollen wir weitere umweltschädliche Effekte analog zur CO2-Besteuerung in eine umfassende Verschmutzungs- und Ressourcenbesteuerung aufnehmen.“ 

WIE GEIL IST DAS DENN! Eine „umfassende Verschmutzungs- und Ressourcenbesteuerung“! Als wir das gelesen haben, waren wir einfach nur neidisch. Hätten wir schließlich auch drauf kommen können. Sind wir aber nicht. Ihr habt natürlich recht: Im Grunde ist ein Mensch auch nichts anderes als ein Dieselmotor, nur ohne Diesel. Und selbstverständlich sollte die Menschheit für jeden Rohstoff geradestehen, den sie in sich reinkippt, zum Beispiel Bratwurst, Pils und Atemluft. Und genauso muss sie verantwortlich sein für jede humane Emission, ob Sprühstuhl, Pipi oder Bäuerchen.

Die Mutter aller Steuern

Was für ein Wurf. Das ist Verursacherprinzip und Marktwirtschaft zu Ende gedacht und auf den Punkt gebracht. Eine Steuer für alles. Quasi fürs Dasein. Klar, in gewisser Weise gab’s das schon. Da sind wir doch wieder bei den Juden. Die wurden in ihrer Geschichte ja schon des Öfteren nur fürs Dasein besteuert. Aber so als Gesamtkonzept ist das absolut neu. Und deswegen sagen wir aus voller Überzeugung und ohne Übertreibung: Ihr habt die Mutter aller Steuern erfunden!

Eigentlich wären für die neue Daseinssteuer nur noch ein paar Detailfragen zu klären. Kriegt man zum Beispiel bei Suizid eine Steuergutschrift, weil man der eigenen Schmutzbuckeligkeit freiwillig ein Ende bereitet hat? Oder muss man noch mal extra was abdrücken wegen der Entsorgung der sterblichen Überreste? Oder gleicht sich das aus? 

Überhaupt tun sich in vielen Bereichen ganz neue Perspektiven auf. Mord und Totschlag müsste man in Zukunft nicht mehr bestrafen. Jedes Minus bei der Bevölkerung ist schließlich ein Plus fürs Klima. Das wäre auch positiv für die Integration, nebenbei und ganz nüchtern gesehen. Jeder Neubürger, der die Ex wegmessert oder ein paar Kilometer übers Kopfsteinpflaster schleift, taucht nicht mehr in der Kriminalstatistik auf. Und ein Anis Amri, der gleich zwölf Erdenschädlinge auf einen Streich entfernt hat, wäre posthum ein Kandidat fürs Bundesverdienstkreuz.

Für den großen gesellschaftlichen Umbruch haben wir noch eine Menge weiterer Ideen. Zum Beispiel sollte es in Zukunft Kinderlosengeld statt Kindergeld geben. Wir müssen uns unbedingt mal zusammensetzen.

Jetzt doch „mehr Flüchtlinge“

Eine andere Neuheit in eurem Programm macht uns dagegen ganz schön Bauchschmerzen, sagen wir offen und ehrlich. Wir hatten doch extra besprochen, dass ihr bei zwei Sachen aufpassen müsst, weil das bei den Leuten nicht so gut ankommt, speziell bei den Godesberger Damen: „links“ und „mehr Flüchtlinge“. Bei „links“ seid ihr unserem Rat gefolgt, habt ihr schön rausgelassen aus eurem Programm. Nur, irgendwie haben wir uns da missverstanden. Natürlich solltet ihr nicht sagen, dass ihr selber links seid. Aber dass es linke Gewalt, Linksextremismus und linken Antisemitismus gibt, hättet ihr ruhig reinschreiben dürfen. Ihr hättet ja auch dazuschreiben können, dass ihr voll dagegen seid. So oder so, wir wollen deswegen keine schlechte Stimmung aufkommen lassen. Vielleicht hatten wir uns da einfach nicht klar genug ausgedrückt. 

Bauchschmerzen haben wir wegen der anderen Sache, der mit den Flüchtlingen. Auf Seite 18 habt ihr nämlich einen neuen Absatz eingefügt mit der Überschrift „Klimabedingte Migration und Flucht würdevoll gestalten – Klimapass für Bewohner*innen von bedrohten Inselstaaten“. Da schreibt ihr, dass ihr wegen der „Klimakrise“ Menschen weltweit „eine würdevolle und selbstbestimmte Migration“ ermöglichen wollt, gegebenenfalls auch nach Europa“. Leute, Leute, Leute. Ernsthaft? Jeder, der mit seiner persönlichen Wettersituation unzufrieden ist, darf künftig „selbstbestimmt“ in die EU einwandern?

Klar, die Katrin und die Claudi und ein paar andere mit Propeller im Kopf hatten so was schon öfter mal gesagt. Aber das schreibt man doch nicht auf! Bis jetzt konntet ihr euch immer noch damit rausreden, dass das halt so klassisches Rum- und Dummgesülze ist, was man nicht weiter ernstnehmen muss. Aber jetzt, wo es ganz offiziell in eurem Wahlprogramm steht?

Annäherung der Standpunkte

Ihr habt ganz schön Glück, dass nur wir euer fertiges Programm gelesen haben. Wir sagen’s natürlich erst mal nicht weiter, jedenfalls nicht vor der Europawahl. Wir sehen ja, dass ihr selber damit nicht glücklich seid. Sonst hättet ihr die „Klimaflüchtlinge“ und ihre „Klimapässe“ bei der Kapitelzusammenfassung auf Seite 23 nicht so auffällig weggelassen. 

Außerdem habt ihr uns ausgerechnet beim Thema Klima eine große Freude gemacht. Auf Seite 13 steht jetzt nämlich ein wichtiges Wort, das seit einiger Zeit immer moderner wird: Klimagerechtigkeit. Und wisst ihr, was? Genau dafür sind wir auch! Hatte ich persönlich sogar letztens erst geschrieben: „Warum sollen immer nur die gleichen und ihre Nachkommen von gutem Wetter profitieren? Nun sind halt mal andere dran. Klimawandel ist wie Erbschaftsteuer. Beides trägt zum sozialen Ausgleich bei. Ich nenne das Verteilungsgerechtigkeit.“ Kein Witz, könnt ihr hier nachlesen. Also, ich sehe da eindeutig eine Annäherung unserer Standpunkte. 

Ansonsten freuen wir uns natürlich total, dass ihr auch unsere allgemeinen Ratschläge aufgegriffen habt. Wir hatten euch empfohlen, dass ihr das Reden grundsätzlich dem Robert überlassen solltet, weil’s mit euren Mädels erfahrungsgemäß nicht so gut läuft, wenn die den Mund aufmachen. Mit Frauen ist es ja ein bisschen wie mit Insekten. Man weiß, dass sie prinzipiell enorm wichtig und nützlich sind. Aber bei manchen fragt man sich halt doch, ob man nicht besser ohne auskommen würde.

Grottenolm und Strudelwurm

Nicht falsch verstehen: Wir sind voll für Artenvielfalt und dementsprechend auch für Frauen. Aber ihr habt irgendwie kein glückliches Händchen bei der Auswahl. Wisst ihr selbst, sonst hättet ihr nicht zusammen mit euren Medienfreunden dafür gesorgt, dass der Robert 2018 Talkshow-König wird, Frauenquote hin oder her. Auf Platz zwei kam zwar schon die Annalena. Aber auch für das Problem habt ihr eine ziemlich clevere Lösung gefunden. Seitdem ihr euer bayerisches Hohlfrüchtchen auf die Öffentlichkeit losgelassen habt, wirkt die Annalena wie ein fleischgewordenes Wissenschaftszentrum. Kein Wunder, ein Grottenolm kommt intellektuell auch ganz anders rüber, wenn man einen Strudelwurm danebenlegt.

Objektiv muss man sagen: Ihr macht einfach alles richtig, selbst wenn ihr mal was falsch macht. Als zum Beispiel der Robert erst den Bayern und drei Monate später auch noch den Thüringern erklärte, dass sie nicht in einer Demokratie leben, drohte die öffentliche Stimmung ein bisschen zu kippen. Und was macht der Robert? Dreht das Ding einfach um und meldet sich von sozialen Medien ab. „Offenbar triggert Twitter in mir etwas an: aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein“, sprach er und erfand für Twitter gleich noch das Label „Instrument der Spaltung“.

Das nahmen ernsthaft alle ernst. Kein Witz. Sogar die „FAZ“ salbaderte, der Robert hätte „mit seinem Rückzug eine kontroverse Debatte über Chancen und Risiken des Einsatzes sozialer Netzwerke als Mittel der Politik ausgelöst“. Klar, auch die „FAZ“ ist längst nicht mehr das, was sie mal war, wissen wir alle. Aber wir mussten trotzdem so lachen, dass sich im Achse-Tower Schlangen vor den Klos bildeten. 

Die AfD hätte man gevierteilt

Das Tolle an der Geschichte war ja: Der Robert hatte gar nichts getwittert. Der hatte ein paar Statements in eine Kamera gesprochen, wie bei einem ganz normalen Fernsehinterview. Die O-Töne wurden dann (zum Teil erst Wochen später, wie der Robert selbst erzählte) von eurem Social-Media-Team per Twitter veröffentlicht. An dem ganzen Vorgang waren eine Menge Grüne beteiligt, die alle kein Problem damit hatten, den Bayern und Thüringern Mangeldemokratie zu bescheinigen. 

Die „Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen“, über die der Robert so schlau philosophierte, gab es also überhaupt nicht. War alles nur Quatsch mit Soße beziehungsweise Fake News, wie man heutzutage sagt. Da konnte man sich weder mit einem hektischen „Mausrutscher“ rausreden noch mit einem im Halbkoma wangengetuppsten „covfefe“. Für so eine Nummer wären andere geteert, gefedert und gevierteilt worden, zum Beispiel die AfD. Ihr nicht. Da hat anscheinend keiner gemerkt, was abgeht. Oder keiner wollte es merken. Außer uns natürlich, wir schauen ja gerne mal ein bisschen genauer hin.

Gesagt haben wir trotzdem nichts, ist klar. Unter Freunden tritt man sich nicht ohne Not vors Schienbein. Das ist erstens Ehrensache, und zweitens geht es ums große Ganze. Da gelten andere Maßstäbe, und ganz bestimmt muss man nicht jedes Rausrutscherchen problematisieren.

Ist klar, wen wir wählen  ;-)

Alles in allem sind wir jedenfalls extrem beeindruckt von eurer Strategie. Die macht doch immer noch der Lange mit dem Sparkassengesicht, wo man nie auf den Namen kommt, oder? Richtet dem bitte einen schönen Gruß von uns aus. Strategisch erste Sahne war nämlich auch, dass ihr die schwedische Untote bisher nicht zu eurem Wahlkampf nach Deutschland eingeladen habt. Nichts gegen Inklusion und so, aber die ist eine derartige Spaßbremse, da faulen einem ja die Zehennägel weg. Das passt natürlich überhaupt nicht zu eurem neuen Auftritt als Gute-Laune-Partei. Deshalb ist es ziemlich schlau, dass ihr zwar voll für Greta seid, aber eher so aus der Ferne. 

Neben der genialen Daseinssteuer fürs Atmen und Pupsen und eurem Einsatz für Klimagerechtigkeit wollen wir eine weitere großartige Neuerung in eurem Wahlprogramm nicht vergessen. Auf Seite 84 schreibt ihr nämlich jetzt: „Immer mehr lokale Medien, auch Blogs, können ihr Angebot nur noch schwer finanzieren. Wir wollen deshalb unabhängige Medien weiter fördern, zum Beispiel in der EU-Förderpolitik, durch Förderung des Wettbewerbs oder durch einen Fonds für investigativen Journalismus.“

Hammer. Wir wissen natürlich, dass ihr wisst, dass wir es verdammt schwer haben auf dem freien Markt der Online-Gefühle und T-Online-Pseudonews. Aber dass ihr euch ernsthaft überlegt habt, wie ihr unsere finanzielle Gesamtsituation verbessern könnt, das hat bei uns auch die letzten Zweifler überzeugt. Da wurde so manches Auge feucht, nicht nur beim Dirk. Deswegen wünschen wir euch alles, alles Gute für die Europawahl. Was uns angeht, sage ich nur so viel: Ist klar, wen wir wählen. Zwinker, zwinker.

Dicker Drücker, eure Achguts

Foto: Fabian Nicolay

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Sebastian Weber / 24.05.2019

Ich wähle auch die Grünen: sie treten für den Vögel-Schutz ein. Da bin ich auch für ...

herbert binder / 24.05.2019

SIE sind unsere Hirten, daher wird es uns auch an nichts mangeln. (Aus-)“Geweidet” werden wir auf sattgrasigen Auen und unsere Seelen erquicket mit “stillem” Wasser - versprochen. Selbst wenn wir dereinst viel finsteres Gelände vorfinden sollten, ja werden - Fürchten ist deshalb keinesfalls angesagt. Denn SIE sind ja bei uns und werden uns auch weiterhin (ver-)trösten. Soviel Güte, diese Gnade. Gott erhalt’s.

Archi W Bechlenberg / 24.05.2019

Ich bin hin und her gerissen. Gäbe es die Grünen nicht, gäbe es diesen großartigen Text nicht. Dieser hat nicht nur mich, sondern viele andere Leser bestens unterhalten, ja zum Lachen gebracht. Was gerade in den heutigen Zeiten so wertvoll ist wie ein Schnitzel beim Figlmüller. Lassen sich die Grünen damit also gar rechtfertigen? Könnte man sagen “Ja, gut, ihr seid zwar eine Plage wie die Wasserhyazinten auf dem Victoriasee, aber andererseits seid ihr auch für etwas gut, und das muss man ja schon irgendwie anerkennen.” Ich komme da nicht zu einer befriedigenden Antwort. Denn unterm Strich richten die Grünen so viel Schaden an, den können noch so viele, noch so brillante Texte über ihr Wirken am Ende nicht ausgleichen. Das Talent des Kollegen von Loewenstein würde, gäbe es die Grünen nicht, gewiss nicht brach liegen, ich bin sicher, er könnte uns mit Betrachtungen über eine ranzige Frikadelle oder die Beschreibung trocknender Farbe eben so glänzend unterhalten.

Karla Kuhn / 24.05.2019

“Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.”  Loriot   Dieser Mann war einfach SUPER !!

alma Ruth / 24.05.2019

“Daseinssteuer”, “Klimagerechtigkeit”, “umfassende Verschmutzungs- und Ressourcenbesteuerung” usw. - wunderbar! Wobei “Klimagerechtigkeit ” vielleicht das blödeste Wort ist, das ich je las. Blöd, weil total ohne Inhalt, ohne Bedeutung, es schaut nur so aus als wäre es ein Wort. (Deutsch ist nicht meine Muttersprache, ich weiß nicht, ob diese Beschreibung dem entspricht, was ich sagen möchte. Bitte um Verzeihung).—Herr Broder & Praktikantinnen - *schmunzel* - die vielen Binnen_Is und Gender****** - *sehr nervend*.......... Der Artikel ist großartig, mit viel Humor, Witz, Ironie, zeigt zugleich die Idiotie, das Nicht-Denkenkönnen bzw. nur in Ideologie denken zu können der Grünen auf. Danke!!! Wie kommen solche Leute in die Politik, manche sogar in verantwortungsvolle Positionen? Ein Wahnsinn! lg alma Ruth

R. Lichti / 24.05.2019

Für mich sind die Trash-Indicators eine wertvolle Hilfe, einen Text schon nach den ersten Sätzen einschätzen zu können. Wer einen Inhalt oder eine seriöse Information rüberbringen will, der wird eine Weise des Schreiben wählen, mit der sein Gegenüber das geschriebene leicht und so erfassen kann, wie es gedacht ist. Wer eher Selbstdarstellung und faktenfreie Ideologie vermitteln will, der wird wohl mit Trash-Indicators und PC-Sprech und weniger mit demTextinhalt seine Botschaft rüberbringen. In diese Richtung scheinen sich die Grünen erfolgreich weiterzuentwickeln, halt jeder nach seinen Fähigkeiten.

Eleonore Weider / 24.05.2019

Grandios, wieder ein super Artikel,  freue mich natürlich sehr über die zukünftigen finanziellen Zuwendung für Achgut. Und wenn du denkst, es geht nicht schlimmer, dann kommt ein Grüner in das Zimmer! :-)

Frank van Rossum / 24.05.2019

Einfach genial! Ein „Antidepressivum“ schon am Freitag!

Hans-Peter Dollhopf / 24.05.2019

Steinmeier Follower von Broder? “Spieglein, Spieglein an der Wand, was ist los in diesem Land?” Mit dieser Frage begrüßt Henryk M. Broder jeden Montag auf Achgut die Zuschauer zu seinem VLog über die aktuelle Lage des Schlands. Nun berichtete die Online-WELT, wie Steinmeier die Teilnehmer zur Kaffeefahrt “70 Jahre Grundgesetz” am 23. Mai begrüßte, mit “Was ist los in unserem Land?”! Ich werde “Broders Spiegel” ab jetzt mit anderen Augen betrachten! Und einen immer etwas traurig wirkenden Bundespräsidenten im Exil erkennen.! Warum Deutschland eigentlich mit dem Versatz Vorlieb nehmen muss, wenn man auch das Original haben könnte?

Albert Pflüger / 24.05.2019

Ich habe mich schon des öfteren gefragt, ob die Wähler der Grünen die wählen, weil sie ihr Programm kennen, oder weil sie es nicht kennen, oder obwohl sie es kennen. Weil ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, daß so viele so dermaßen scharf auf noch mehr Verbote und noch mehr Steuern sind. Und auf noch mehr bildungsferne, polygame, marodierende Sozialschmarotzer.

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