Stellenanzeigen in Deutschland lesen sich inzwischen wie spirituelle Mantras. Man erwartet fast, dass beim Öffnen des PDFs Räucherstäbchen mitgeliefert werden. Da steht dann: „Wir begrüßen ausdrücklich Bewerbungen von Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Behinderung, geschlechtlichen Identität oder anderen Diversitätsmerkmalen … Bewerbungen behinderter Menschen sind ausdrücklich erwünscht … Menschen mit Schwerbehinderung werden bevorzugt…“ Ich lese das und denke: „Aha. Chancengleichheit.“ Also das, was sich überall toll anhört – und nirgends stattfindet. Deutschland ist das einzige Land der Welt, in dem alle bevorzugt werden, außer diejenigen, die arbeiten wollen.
Wir sind inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem Chancengleichheit heißt: 1. Gleichberechtigung für alle! 2. Vorrang für alle, die benachteiligt sind! 3. Und Benachteiligung für alle, die nicht benachteiligt genug sind! Es ist wie eine Matheaufgabe aus der Irrenanstalt: Wenn alle bevorzugt werden, aber niemand benachteiligt werden darf – wer bekommt dann den Job? Antwort: Niemand. Das erklärt auch, warum Firmen auf Bewerbungen reagieren wie Autos auf Blitzer: Manchmal – aber meistens nicht.
In Deutschland gibt es ja diese Millionentruppe, die sich in einem Dauerzustand befindet, den Ärzte „Nicht-Arbeits-Lifestyle mit staatlicher Flatrate“ nennen. Ein Volk in Reha, ohne jemals krank gewesen zu sein. Wenn man denen sagt, wir hätten Arbeitskräftemangel, schauen sie einen an wie eine Katze, der man erklärt, sie müsse jetzt Kirchensteuer zahlen. Und während dieses Land in Richtung „Work-Life-Imbalance“ driftet, erklärt die Bundesregierung: „Ihr müsst bis zum Umfallen arbeiten!“ Ich glaube, die meinen das ernst.
Absagen? Nein, nein. Das wäre schon fast Service!
Ich bin 67. Mobil. Klar im Kopf. Vierzig Jahre Wirtschaftserfahrung. Also mache ich das, was laut Regierung die Lösung für alle Probleme ist: Ich bewerbe mich. Auf echte Stellen. Nicht Integrationsclown oder Motivationsflüsterer oder Feelgood-Manager für Bürohunde. Sondern für Geschäftsführungen. Wirtschaft. Management. Dinge, die man nicht mit bunten Buttons löst. Was bekomme ich? Von zehn Bewerbungen kommen acht Antworten: Keine. Zwei Absagen? Nein, nein. Das wäre schon fast Service! Stattdessen bekomme ich dieses einzigartige deutsche Bewerbungserlebnis: Digitale Stille. Die Premium-Version der Ablehnung.
Mein 20-jähriger Schützling macht den Reality-Check. Einer der Jungs, die ich als Erziehungsbeistand betreue: 20 Jahre alt, frisch, motiviert, kein Rücken, keine Arthrose, keine Wechseljahre. Er schreibt 70 Bewerbungen. Ergebnis: Eine Absage. 69-mal der olympische Geist des Nicht-Reagierens. Ich habe ihm gesagt: „Junge, du wurdest nicht abgelehnt – du wurdest in Deutschland gleichberechtigt ignoriert.“
Beim Lesen der üblichen „Wir lieben Vielfalt“-Formel schreibe ich inzwischen: „Da ich 67 bin, liege ich altersmäßig dicht an der bevorzugten Gruppe. Humor beiseite – ich bringe Erfahrung und die Fähigkeit mit, komplexe Situationen ruhig zu steuern.“ Das ist die diplomatische Version von: „Ich weiß, dass wir beide wissen, dass das hier ein Theaterstück ist.“
Und dann kommt Fratzscher. Und setzt dem Ganzen die Clownsnase auf. Während ich mich bewerbe, lese ich Folgendes: „Ökonom Marcel Fratzscher fordert ein verpflichtendes soziales Jahr für alle Rentnerinnen und Rentner.“ Natürlich! Wenn die jungen Leute nicht arbeiten und die mittleren Leute nicht können und die älteren Leute in Ruhe gelassen werden möchten – dann sagt der Ökonom: „Wir nehmen die Alten!“ Deutschlands neue Zauberformel: Erst länger arbeiten. Dann verpflichtend arbeiten. Dann im Ruhestand weiterarbeiten. Dann bitte in Uniform und mit Waffe – bundesweiter Personalmangel!
Ich stelle mir schon das Rekrutierungsplakat vor: „Bundeswehr 75+: Deine Erfahrung ist unsere letzte Hoffnung.“ Ich melde mich demnächst freiwillig. Nicht weil ich so patriotisch bin. Sondern weil wenigstens die Bundeswehr ehrlich ist: „Es geht bis zum Umfallen.“ Da weiß man wenigstens, woran man ist. Im Gegensatz zu deutschen Bewerbungsportalen.
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Warum gehen Sie nicht in die Türkei arbeiten, Herr Dener? Die Türkei bräuchte Ihre Expertise viel dringender als wir. Bei uns ist arbeiten gehen völlig sinnlos, auch selbst dann, wenn man arbeiten will. Erst wenn dieses arbeitsfreie Regime beseitigt ist, könnten Sie nochmal anfragen, halt dann mit 75.
Nun, Herr Dener, über was genau beklagen Sie sich ?
Sie kennen doch die Gründe.
Auch die Personaler der Firmen sind lernfähig.
Etliche „Bewerber“ haben es als ihr Geschäftsmodell erkannt, die Firmen abzumahnen/anzuklagen von denen sie z. Bsp. aus fachlichen Gründen eine Absage erhalten haben.
Dann wird flugs irgend eine Diskriminierung konstruiert, z. Bsp. das die Person nur wg. ihrer Diversität, Ethnie, oder sehr häufig, die Mitgliedschaft bei der Religion des Friedens, abgelehnt wurde. Es wird sich ein willfähriges Gericht gesucht, und der Rubel rollt, bzw. die üblichen theoretischen 3 Monatslöhne werden überwiesen.
Tja, da is’es für die Firmen mittlerweile sicherer, die Bewerbungen der Ungeeigneten gleich in der Rundablage zu entsorgen, auf Nachfragen nicht, oder nur ausweichend zu reagieren und nur die mit wirklich Potenzial überhaupt zu informieren und einzuladen.
Und wie immer. Der Ehrliche ist der Dumme.
Ich lese da überhaupt nichts von ihrer sexuellen Orientierung? So wird das nichts. Gichtbrüchige ältere Dame (bi) mit bettlägeriger Mutter und cholerischem Vater sucht nach 8 gescheiterten Ehen und 50 Jahren Bürgergeldbezug einen Neuanfang im Kriegsdienst gegen Russland – das wäre ein Anfang.
HMB hat es es schon vor Jahren drastisch ausgedrückt: „Deutschland ist ein Irrenhaus und wenn man es überdachen würde, wäre es eine geschlossene Anstalt“. Es gibt fast keinen Bereich mehr, der nicht von diesem Irrsinn erfasst ist und das Entsetzliche daran ist, dass nicht nur alle die da mitmachen, die immer mitmachen, sondern auch die, die in ihrer Verbohrtheit den Ast absägen, auf dem sie selber sitzen. Wir haben mit den Merkel-Regierungen und dieser furchtbaren Ampel fassungslos erleben müssen, wie die den einst gut funktionierenden Staat Bundesrepublik Deurschland in den Abgrund regieren und was tut die jetzige Koalition: Sie geht einfach noch einen Schritt weiter, weil sie ähnlich wie Honecker glaubt, dass das modern und der Fortschritt ist. Wenn hier alles zusammenbricht, dann hat man jetzt schon die Schuldigen: Es sind die „Rächten“!
Wenn ich den punschlippigen Knollenkopf des von Ihnen erwähnten Ökonomieprofessors im TV gewahre, steigt automatisch meine Laune. Denn ich weiß, jetzt kommt richtig sinnbefreites Geraune mit hohem Unterhaltungswert. In der Intensität hatte ich das zuletzt vor 30 Jahren bei Beavis& Butthead. Ebenso wie die auch gern zitierte Dozentin einer Provinzuniversität, eine Frau Kemfert, haben sich beide Figuren enorme Verdienste erworben. Den Nimbus des Titels„Professor“ haben beide in kürzester Zeit für Jahrzehnte ruiniert. Wohin man auch in Deutschland aktuell blickt: Politik der verbrannten Erde…
Willkommen im „besten Deutschland“, vollgestopft mit wohlfeil forumulierten Formeln, die real keiner lebt. Und daß sich niemand auf die Bewerbungen meldet, vorallem ablehnend, liegt doch einfach daran, daß sich keiner freiwillig der Gefahr einer Schadensersatzklage wegen Diskriminierung, warum auch immer, auszusetzen gedenkt. Wer nix von sich gibt, hofft damit auf der sicheren Seite zu sein.
Ich habe mich jetzt entschieden, den ganzen Schwachsinn für MICH zu nutzen. Frührentner mit Pflegegrad 2. Fertisch! MFG Key-Account-Manager