Darüber hinaus gibt es unter Muslimen Anzeichen für eine Rückkehr zu dem, was sie als kosmischen Kampf zweier Religionen um die Weltherrschaft begreifen: die Auseinandersetzung zwischen dem Christentum und dem Islam. Es gibt viele Religionen auf der Welt, aber es gibt nur zwei, die für sich in Anspruch nehmen, dass ihre Wahrheiten nicht nur universal seien – das behaupten alle Religionen –, sondern auch exklusiv; dass sie – die Christen im einen Fall, die Muslime im anderen – die glücklichen Empfänger von Gottes finaler Botschaft an die Menschheit seien, einer Botschaft, die sie nicht – wie die Juden oder die Hindus – selbstsüchtig für sich zu behalten, sondern ohne Rücksicht auf jedwedes Hindernis dem Rest der Menschheit zu überbringen hätten. Dieses der Christenheit und dem Islam gemeinsame Selbstverständnis führte zu jenem langen Kampf, der seit mehr als vierzehn Jahrhunderten währt und nun in eine neue Phase eintritt. In der christlichen Welt ist diese triumphalistische Haltung im 21. Jahrhundert ihrer Zeitrechnung nicht mehr maßgeblich und auf einige wenige Minderheiten beschränkt. In der Welt des Islam hingegen ist der Triumphalismus nach wie vor eine bedeutende Kraft, die in neuen militanten Bewegungen ihren Ausdruck findet.
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