Thomas Rietzschel / 29.01.2021 / 14:00 / Foto: achgut.com / 24 / Seite ausdrucken

Berlin: Freie Wahl zwischen Kippa, Kreuz, Burka, Niqab und Hijab

Wozu brauchen wir Schulen? Sind sie für Schülerinnen und Schüler oder für Lehrer und Lehrerinnen da? Sollen die Kinder etwas lernen? Sollen sie die Möglichkeit bekommen, sich Kultur und Bildung einer aufgeklärten Gesellschaft anzueignen? Oder sollen sich Lehrer-Innen selbstverwirklichen, am Katheder ihre religiösen Vorstellungen ausleben? 

Für den Berliner Justizsenator, den Grünen Dirk Behrendt, ist das keine Frage. Er will jetzt das an Schulen gültige „Neutralitätsgebot“ novellieren lassen, um den Lehrkräften das Tragen „religiöser Symbole“ im Unterricht zu erlauben. Sie könnten dann mit dem Kreuz vor der Brust, mit der Kippa auf dem Haupt oder auch verschleiert mit Burka, Hijab oder Niqab unterrichten.  

Juden wird das wenig kümmern. Tragen sie die Kippa doch ohnehin meist nur noch bei feiertäglichen Anlässen daheim oder in der Synagoge. In der Öffentlichkeit wäre das viel zu gefährlich, da die Rowdys und Schläger gerne auf einen Juden eintreten, gelegentlich gemeinsam mit Muslimen, an denen sie ihre dumpfe Wut seltener auslassen, weil sie dann schneller vor den Schranken deutscher Gerichte landen als nach einer antisemitischen Attacke. 

Zu Besuch auf dem Tempelberg – ohne Kreuz 

Und schließlich, wie viele Christen mag es zwischen Aachen und Berchtesgaden, zwischen Köln und Bautzen noch geben, die ihre Gläubigkeit veranlassen würde, mit einem sichtbaren Kreuz auf die Straße zu treten? Haben ja sogar ihre Oberhäupter, der katholische Kardinal Marx und der „Evangelist“ Bedford-Strohm, die Zeichen des Glaubens in den Taschen ihrer Talare versteckt, als sie 2016 den Tempelberg in Jerusalem besuchten.  

Allerdings geht es auch gar nicht um Christen und Juden. In Europa, auf dem Kontinent der Aufklärung, haben religiöse Symbole schon lange ihre Bedeutung verloren. Mancher mag sich vielleicht noch an den Kruzifix-Streit der Jahre 1994/95 erinnern, wie hoch die Wellen der Erregung damals schlugen. Wie aufgebracht die multikulturelle Gesellschaft darüber war, dass in den Klassenzimmern Bayerns noch immer der Gekreuzigte an der Wand hing – nicht als heilige Ermahnung, sondern als das Symbol einer Kultur, die nun mal auf den ethischen Vorstellungen des Christentums aufbaut, auf den Gedanken der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe.

Gleichwohl beschloss das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) am 16. Mai 1995, dass die Kruzifixe abzuhängen seien, sobald sich Andersgläubige in ihrer Religionsfreiheit eingeengt fühlen könnten. 

Jesus – zum Schweigen verurteilt

Nun mag es durchaus sein, dass die Darstellungen des Gequälten manche Kinder verängstigt haben, der Anblick des Grauens für viele eine Zumutung war. Nur, wer sah da noch hin, zumal sich die Skulpturen nicht bemerkbar machen konnten? Die geschnitzten, gegossenen oder gekneteten Jesusgestalten waren von vornherein zum Schweigen verurteilt. Leblos fixiert konnten sie weder missionieren noch konnten sie Einspruch erheben, wenn der Glaube, für den sie standen, während des Unterrichts in Zweifel gezogen wurde.

Die Christen hat das nie gestört. Seit der Säkularisierung der bürgerlichen Gesellschaft, seit die Herrscher von Gottes Gnaden in die Annalen der Geschichte verwiesen wurden, ist der Glaube für Katholiken, Protestanten und Juden eine Privatangelegenheit, nichts mehr, wofür man sich verkleiden müsste. An einem religiösen Befreiungsschlag, wie ihn der Berliner Justizsenator nun plant, haben sie kein Interesse. Einzig die Muslime mögen sich davon etwas versprechen. 

Nur ginge es dann, wenn sie mit Niqab, Hijab oder in der Burka vor die Klassen treten, auch nicht um den Glauben an sich, um eine Privatangelegenheit, sondern eher darum, religiöser Überzeugung politische Geltung zu verschaffen, zu missionieren. Wem die Konfession so wichtig ist, dass er sich mit einer auffälligen Konfektion dazu bekennt, bei dem muss man auch damit rechnen, dass er den schulisch zu vermittelnden Stoff ebenfalls durch den Schleier des Glaubens sieht. Auf den Plan gerufen würde abermals das Bundesverfassungsgericht – vorausgesetzt, es steht noch zu dem, worauf es sich im Kruzifix-Urteil 1995 stützte, dass nämlich jegliche Form religiöser Beeinflussung in der Schule verfassungswidrig ist.

Mehr Lehrer braucht das Land!

Will der Berliner Senat jetzt das eine tun und dem anderen vorbeugen, will er den LehrerInnen das Tragen der Verhüllung im staatlichen Schulbetrieb erlauben, ohne deshalb in die Fänge des BVerfG zu geraten, müsste er zunächst hunderte neuer Lehrer einstellen, um die personelle Parität zwischen Christen, Juden und Moslems herzustellen, so dass dann auf die Burka- die Kippa- und zum Schluss die Kreuzstunde folgen könnte.

In Zusammenarbeit mit dem türkisch gelenkten Ditib-Verein dürfte das leicht zu bewerkstelligen sein. An Moslems, die gern religiös verkleidet unterrichten würden, fehlt es nicht. Schlechter sieht es schon bei den Juden aus. Sie werden wenig Lust haben, sich von islamisch erzogenen Rüpeln anrempeln zu lassen, verbal im Unterricht, tätlich auf dem Schulhof. Und die Christen sind ohnehin auf dem Rückzug in die Diaspora des Wohlstands, längst zum Glauben an den Sozialstaat konvertiert.

Doch selbst dann noch, wenn die Kinder Stunde um Stunde abwechselnd von einer bewegten Burka, einem Kreuzträger oder einem Lehrer mit Kippa unterhalten würden, bliebe die Frage: Wie kämen die Nachkommen von Eltern, die sich ungläubig durchs Leben schlagen, auf ihre geistigen Kosten? Kinder also, denen jeder religiöse Mummenschanz suspekt ist, weil sie daheim im Geist der Aufklärung aufgewachsen sind.  

Offenbar kein Problem für den Berliner Justizsenator. Dirk Behrendt scheint aus anderem Holz geschnitzt zu sein, weniger ein Mann des kritischen Verstandes als vielmehr ein Missionar der Überzeugungen seiner Partei. Ein Gläubiger vom grünen Orden, der gelernt hat, um jeden Preis multikulturell zu agitieren – und sei es durch die Verbreitung einer Lehre, die sich seit dem siebten Jahrhundert nicht gewandelt hat.

Foto: achgut.com

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Dr. med. Jesko Matthes / 29.01.2021

Ich möchte ‘ne minoische Priesterin im Unterricht!!!

Klaus Keller / 29.01.2021

Berlin wird in seiner Bedeutung für die Welt von sich und anderen überschätzt. Das selbstschädigende Verhalten einzelner Bundesländer wird den Bestand des Ganzen nicht gefährden. Ich bin mir allerdings nicht sicher ob die wahlberechtigten Einwohner im Rest der Republik viel vernünftiger sind. Der Justizsenator ist bekanntlich Mitglied einer Organisation die leider nicht verboten ist und wahrscheinlich künftig eher den Verfassungsschutz prüft als sich von ihm prüfen zu lassen. Ich habe den größeren Teil meines Daseins hinter mir und keinerlei Nachkommen. Ich will mir den Rest nicht versauen lassen und werde Berlin meiden. Werde aber mit großem Interesse die Nachrichten von dort lesen. Viel Schönes wird von dort nicht zu hören sein, dafür wird es nicht langweilig. vgl Berichte von anderen Bürgerkriegen.

Gerd Heinzelmann / 29.01.2021

Im Vergleich zu mir sind Sie sehr gemäßigt, Herr Rietzschel. Das ist es, was wir brauchen. Man verarscht mich vielleicht einmal, vielleicht auch einmal ein zweites Mal, aber dann ist Schluss mit Lustig. MfG

Dietmar Blum / 29.01.2021

@ Hans-J. Haupt / 29.01.2021: “.... 250 Genderprofesoren (was machen die eigentlich den ganzen Tag über?”  Sie s*innen über die Milchwirtschaft, über die Produktion von Quark.

Petra Wilhelmi / 29.01.2021

Also ich bin für Burka: 1. enthebt es einen von der FFP2-Masken-Pflicht. 2. muss ich mir keine Haare mehr kämmen und mich nicht mehr schminken, wenn ich vor der Klasse stehe und 3. wenn ich mal keine Lust habe, schlüpft jemand anderes unter die Burka. Man sollte aber keine gelbe Burka sich zulegen (gibt es bei amazon), dass man nicht aus versehen mit einem Briefkasten verwechselt wird.——————————————Zu Berlin muss man nichts weiter sagen, höchstens noch: Mauer drum herum.

Dietmar Blum / 29.01.2021

Ich stelle mir gerade vor, wie dieser Dirk Behrendt mit seinem Liebchen, seinem Lebensgefährten Daniel Wesener händchenhaltend mit einer seiner verehrten Burka-, Niqab- oder Hijabträgerinnen vor versammelter Klassengemeinschaft ohne den üblichen “Begleitschutz”  über seine sexuelle Orientierung diskutiert.

Dietmar Blum / 29.01.2021

@ Kim Loewe / 29.01.2021: Welche “Ideale” möchten denn Sie da den Grünen zuschanzen? Die Grünen sind, spätestens ab den Zeiten, als die Müslis vom KBW/ML, KB oder wie auch immer die K-Gruppen sich schimpften, usurpiert wurden, nie ANDERS als Intolerant gegenüber Andersdenkenden, nie Gewaltfrei,nie Menschenrechteaffin und schon gar nicht Antisemitisch gewesen. Kenn Sie deren Geschichte und die Vitae ihrer Protagonisten nicht?

M. Hartwig / 29.01.2021

Nun habt euch mal nicht so, als Punks war anrempeln untereinander verbal und tätlich unser täglich Pogo, Brot und Spiel. Auch Moslems wollen spielen, meistens unter sich, manchmal auch mit Ungläubigen. Warum beim Anrempeln in Tel Aviv, Paris, Nizza und manch anderem Ort Köpfe rollen, ist noch nicht endgültig geklärt, vermutlich liegt es ausschließlich an den ungläubigen Weicheiern, die einem schnittigen Supplement nichts entgegenzusetzen haben. Das Phänomen, dass beim etwas heftigeren Anrempeln mittels 40-Tonner, wie in Berlin und (schon wieder, was ist da eigentlich los?) Nizza, die Leute wie die Fliegen sterben, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben. In der Freude vieler Moslems über abgeschnittene Köpfe und zermantschte Knochen erkennen westliche Psychologen eine tiefempfundene Trauer, weil der Krieg des Islams im Westen viel zu einfach ist.

Kim Loewe / 29.01.2021

Ich kann mich immer wieder nur wundern, warum die Grünen und Linken so extrem mit dem Islam sympathisieren und meinen, ihm sämtliche Türen öffnen zu müssen. Der Islam widerspricht noch mehr als das Christentum in fast allen Aspekten absolut diametral den (ehemaligen?) grünen und linken Idealen, ob Menschenrechte, Toleranz, Gewaltfreiheit, Antisemitismus oder Gender-Gleichberechtigung.

g.schilling / 29.01.2021

Wie wärs mit einer Schuluniform für Schüler und Lehrer und die Abschaffung des Reli-Unterrichts? Ordentliche Jacken, Pullover und Hosen statt ausgebeulte Jogginganzüge und löcherige Jeans. Das gäbe ein Gemeinschaftsgefühl und die Aufhetzveranstaltungen hätten sich erledigt. Glaube ist privat und gehört nicht in die Schule oder an den profanen Arbeitsplatz sondern in die Kirche, Moschee und Synagoge und auch nicht auf die Straße.

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