Gerd Buurmann / 17.02.2022 / 09:43 / Foto: Imago / 190 / Seite ausdrucken

Beleidigungen und Ausfälle: Trudeau dreht durch

Beim kanadischen Ministerpräsiddenten Justin Trudeau liegen angesichts der anhaltenden Proteste gegen seine Politik die Nerven blank. Jetzt beleidigte er in unglaublicher Weise eine jüdische Parlaments-Abgeordnete und verweigert eine Entschuldigung.

Melissa Lantsman ist eine kanadische Politikerin und Mitglied der Konservativen Partei von Kanada. Seit 2021 ist sie Parlamentsmitglied im Unterhaus von Kanada. Sie wurde im Jahr 1984 in Toronto in eine russisch-jüdische Familie geboren. Ihre Mutter war Buchhalterin und ihr Vater Ingenieur, der im Taxigewerbe arbeitete und mehrere Pfandleihhäuser betrieb. Im Jahr 2018 heiratete sie ihre Freundin Lauren Rakowski.

Am 16. Februar 2022 musste sich diese stolze lesbische Jüdin von dem Premierminister Kanadas, Justin Trudeau, im Unterhaus sagen lassen, dass sie und ihre Partei für „Leute steht, die Hakenkreuze schwenken“. Justin Trudeau äußerte diesen Vorwurf, nachdem Melissa Lantsman seine Politik im Umgang mit den Protesten in Ottawa kritisiert hatte. Am 14. Februar 2022 hatte er für Kanada den Notstand erklärt, um so den „Konvoi der Freiheit“ zu bekämpfen.

Als „Konvoi der Freiheit“ wird die Protestbewegung bezeichnet, die zum großen Teil aus Straßenblockaden von Truckern besteht, die damit gegen die in ihren Augen überzogenen Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen COVID-19 protestieren. 

Der von Trudeau ausgerufene Notstand, erlaubt es der Regierung unter anderem, die Trucker-Proteste zu verbieten, aber auch die Bankkonten von allen Menschen einzufrieren, die mit den Protesten assoziiert werden und zwar ohne richterlichen Beschluss. Genau diese Übergriffigkeit des Staates kritisierte Melissa Lantsman am 16. Februar im Unterhaus:

„In nur 48 Stunden ging die Regierung vom Nichtstun zum Notstand. 48 Stunden, diese Maßnahmen zu ergreifen. 48 Stunden ohne dem Parlament eine Rechtfertigung zu geben. Wann wird der Premierminister eingestehen, dass er die Kontrolle über die Situation, das Land, die Versammlung und seine Führung verloren hat.“

Sehen diese Menschen so aus, wie Trudeau behauptet?

In ihrer Rede vor dem Unterhaus konfrontierte sie den Premierminister zunächst mit einem Zitat aus einer Rede, die er im Jahr 2015 gehalten hatte: 

„Eine positive, optimistische, hoffnungsvolle Vision des öffentlichen Lebens ist kein naiver Traum; es kann eine starke Kraft für Veränderungen sein. Wenn Kanadier ihrer Regierung vertrauen sollen, muss ihre Regierung den Kanadiern vertrauen.“

Danach zitierte sie eine Aussage von Trudeau, die er über die Demonstranten in Ottawa im Jahr 2022 getätigt hatte. 

„Diese Leute – sehr oft misogyne, rassistische Frauenhasser, Wissenschaftsleugner, Randgruppen.“

Sehen wir uns hier mal ein paar Bilder und hier ein Video dieser ach so bösen Menschen an:

Sehen diese Menschen so aus, als seien sie misogyne, rassistische Frauenhasser, Wissenschaftsleugner und Randgruppen? Für mich sehen sie aus wie eine Gruppe diverser, kulturell, politisch, ethnisch, religiös und gesellschaftlich bunt gemischter Menschen, die sich allerdings unter einem Prinzip vereinen, das sie in Gefahr sehen: Freiheit! Melissa Lantsman kritisierte den Premierminister, weil „er die Flammen eines ungerechtfertigten nationalen Notstands anfacht“, und stellte die Frage: „Wann hat sich der Premierminister verirrt? Wann ist es passiert?“

Trudeau beantwortete die Frage mit einer ungeheuerlichen Unterstellung: 

„Mitglieder der Konservativen Partei können mit Hakenkreuzschwingern zusammenstehen. (…) Wir werden uns dafür entscheiden, den Kanadiern zur Seite zu stehen, die es verdient haben, zu ihren Jobs zu kommen, um ihr Leben zurückzubekommen. Diese illegalen Proteste müssen aufhören und das werden sie.“

Sichtliche Empörung im Parlament

Daraufhin meldete sich der konservative Abgeordnete Dane Lloyd zu Wort:

„Ich habe noch nie so beschämende und unehrenhafte Bemerkungen von diesem Premierminister gehört. Mein Urgroßvater flog über dreißig Missionen über Nazideutschland. Die Leiche meines Urgroßonkels liegt auf dem Boden des Ärmelkanals. Es gibt Mitglieder dieser konservativen Versammlung die Nachkommen von Opfern des Holocausts sind. Dass der Premierminister auch nur einem Kollegen in diesem Haus vorwirft, mit dem Hakenkreuz zu stehen, ist schändlich. Ich gebe dem Premiermister eine Möglichkeit: Ich fordere ihn auf, unmissverständlich um Verzeihung zu bitten für diesen schändlichen Kommentar.“ 

Justin Trudeau weigerte sich, der Bitte nachzukommen und erklärte stattdessen seine Politik für gerechtfertigt. Dane Lloyd reagierte sichtlich empört:

„Die Abwesenheit einer Bitte um Entschuldigung durch den Premierminister spricht Bände. Ich habe diesem Premierminister die Möglichkeit gegeben, einen schändlichen Kommentar zurückzuziehen, wo er ehrenwerten Mitgliedern dieses Hauses unterstellt, mit dem Hakenkreuz zu stehen. Wie ich schon gerade gesagt habe, wir haben Kollegen, die Nachkommen von Opfern des Holocausts sind. Ich gebe dem Premierminister eine weitere Möglichkeit. Wird er um Verzeihung bitten bei allen Mitgliedern dieses Hauses?“ 

Justin Trudeau weigerte sich erneut und erklärte stattdessen, die Blockade sei illegal und fügte hinzu: „Die Kanadier schauen genau hin und sehen genau, wo die Konservativen stehen, die zu diesen Blockaden stehen.“ 

Diese Uneinsichtigkeit brachte schließlich Melissa Lantsman dazu, ebenfalls Stellung zu beziehen: „Ich bin eine starke jüdische Frau, Mitglied dieses Hauses und Nachfahrin von Holocaustüberlebenden.“ 

Sie betonte, in dem Unterhaus niemals schlecht behandelt worden zu sein, „bis auf heute, da der Premierminister mich beschuldigt hat, mit Hakenkreuzen zu stehen. Ich denke, er schuldet mir eine Entschuldigung. Ich möchte eine Entschuldigung, und ich denke, er schuldet allen Mitgliedern dieses Hauses eine Entschuldigung.“

Justin Trudeau bat um nichts. Er verließ einfach den Raum.

Melissa Lantsman hat stets antisemitische, sexistische und homophobe Aussagen kritisiert

Die Anklage von Justin Trudeau ist nicht nur vollkommen geschmacklos, da er sie in Richtung einer Jüdin erhob, sie ist auch unangebracht, da Melissa Lantsman stets antisemitische, sexistische und homophobe Aussagen kritisiert. Auch in der im Grundtenor positiven Bewertung der Trucker-Proteste hat sie deutlich klargestellt, wo die Grenzen sind. Als Ende Januar 2022 eine Fahne mit einem Hakenkreuz auf der Trucker-Demonstration gesichtet worden war, meldete sie sich auf Twitter sofort zu Wort:

„Es ist möglich, das Recht auf Protest zu respektieren, auch wenn sie anderer Meinung sind – und gleichzeitig die verwerflichen Symbole zu verurteilen, die von einigen verwendet werden, die sich diesem Konvoi angeschlossen haben. Nazifahnen sind immer falsch. Danke an die zehntausenden friedlichen Demonstranten, die sich zu Wort gemeldet haben.“

Das Zeigen des Hakenkreuzes wurde umgehend von allen Sprechern des Protests unmissverständlich verurteilt. Es kam zu keinem weiteren Vorfall dieser Art. 

Das hielt Justin Trudeau jedoch nicht davon ab, nicht nur die ungeheuerlichsten Dämonisierungen über die Proteste zu verbreiten, sondern dazu auch noch Mitgliedern des Unterhaus zu unterstellen, Nazis zu unterstützen. Nach dem Eklat im Unterhaus schrieb Melissa Lantsman auf Twitter:

„Ich denke, der Premierminister sollte lange und gründlich über seine eigene Geschichte nachdenken, bevor er eine jüdische Parlamentsabgeordnete auswählt und mich fälschlicherweise beschuldigt, mit einem Hakenkreuz zu stehen. Was für eine schändliche Aussage, die niemandem in einem öffentlichen Amt gebührt – er schuldet mir eine Entschuldigung.“

Da bleibt einem nur, die Fragen von Melissa Lantsman zu wiederholen: „Wann hat sich der Premierminister verirrt? Wann ist es passiert?“

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Gert Buurmanns Webseite „Tapfer im Nirgendwo". Dort finden sich auch weitere Videos zum Thema.

Foto: Imago

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Leserpost

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Paul Siemons / 17.02.2022

Gäbe es eine Gerechtigkeit, käme Trudeau hinter Gitter, in eine Gemeinschaftszelle mit sehr großen, sehr haarigen Truckern, die sich absichtlich etwas haben zu schulden kommen lassen, um mit ihm mal ganz in Ruhe reden zu können.

Frank Danton / 17.02.2022

Also ganz ehrlich, wenn man da nicht den sofortigen Rūcktritt fordert macht man sich doch mitschuldig. Auch unsere und einige andere Regierungen sollten zurūcktreten. Was muß denn zB diese Faeser noch tun damit man sie aus allen Ämtern jagt? Muß sie erst Gebildete und Konservative nach Sinierien schicken bevor sich mal einer um die parlamentarische Demokratie kūmmert?

eugen richter / 17.02.2022

Onkel Klaus alias Dr. No. Hat jemand schon eine weiße Katze gesehen? Bond. James Bond. Bitte übernehmen sie.

Ludwig Luhmann / 17.02.2022

@Arthur Sonnenschein / 17.02.2022 - “(...) dass seine Gegner es gerade mal hinbekommen, abstrakte Ideale von Freiheit und Recht zu beschwören, ohne sich gemeinsam gegen das Covid-Märchen zu positionieren zu können. (...)”—- Das ist ein Hauptproblem, dass viele Leute kaum klare Gedanken über komplexe Vorgänge artikulieren können; selbst dann nicht, wenn es um ihre ureigensten Interessen geht. Ich gehe mal davon aus, dass das ein vorsätzlich herbeigeführtes Resultat der jeweiligen staatlich legitimierten Bildungseinrichtungen und Massenmedien ist. - Dass der Staat es überhaupt wagen konnte, Menschen massenhaft und öffentlich wie Vieh abzuspritzen, zeigt doch deutlich, wo wir stehen. - Sehr bald wird alternative Kommunikation noch viel stärker unter Beschuss kommen.

Ludwig Luhmann / 17.02.2022

@Arne Ausländer / 17.02.2022 - “Klaus Schwab verkündete in einem Video 2020, wir sollten uns von der Vorstellung des Menschen als biologischem Wesen verabschieden, dies gehöre der Vergangenheit an. Nun denn, kämpfen wir gemeinsam für die Fortsetzung der biologisch-menschlichen “Vergangenheit”, so lange wir das noch können.”—- Ein Aspekt der uns bevorstehenden Entmenschlichung wir darin ebstehen, dass man uns eineindeutige -nicht nur eindeutige! - digitale Identitäten zuschreibt, welche durch Künstliche Intelligenz überwacht und gesteuert werden und zwar vollumfänglich off- und online. Jeder Mensch bekommt also seine Nische bzw. Zelle im “Metaverse”, um mal ein aktuelles Beispiel zu nennen. Die modernsten Autos werden mit einem Kill-Switch ausgestattet, können also ferngesteuert ausgeschaltet werden, so ausgeschaltet wie das Konto der Trucker. Der biologische Mensch wird auch weiterhin biologisch sein, aber eben nur in seiner Zelle oder in seinem 15 -Minuten-Radius bis zur Arbeitsstelle. Sein staatlich kreierter Avatar wird ständig im Mikrosekundentakt upgedated und mit seinem Status abgeglichen. Wer seine elektronische Fußfessel - Smartphone - nicht vroschriftsmäßig dabeihat, macht sich minsestens verdächtig, oder wird zukünftig straffällig. Sicher ist, dass man zukünftig ohne Smartphone nicht mehr als Mensch auf der Erde wandeln kann bzw. darf. - Es geht hier und Freieheit oder Sklaverei und um Leben oder Tod! Ein getöteter Avatar wird wohl als biologische Lebewesen gecancelt sein. Man muss sich nur mit den Maßnahmen in Australien beschäftigen ... dann weiß man, was jetzt schon gemacht wird ... QR-Code am Hauseingang, der Staat will immer wissen, wer was mit wem wann macht. Wer sich nicht meldet, wenn der Staat ruft, bekommt Polizeibesuch und muss ruinöse Strafen zahlen.

Paul Greenwood / 17.02.2022

@Thomas Hechinger Sie irren sich. Die Königin von England, Scotland, Wales & N Irland hat nichts mit der Regierung von Kanada zu tun. Her Excellency, The Right Honourable Mary Jeannie May Simon CC CMM COM OQ CD FRCGS ist Governor-General in Kanda und halt die Befungisse der Königin in Kanada.

H.-W. Merkel / 17.02.2022

Kurz gesagt: Der kanadische Premier ist nur ein Würstchen,keine herausragende Intelligenz, keine herausragende Persönlichkeit, ein zeitgeistige glattes Nichtsbesonderes

Karla Kuhn / 17.02.2022

Dr. Buitoni, “...., dem Young-Global-Leaders-Programm und ähnlichen Einrichtungen, Think-Tanks, Instituten ect. ”  Das YOUNG-LEADERS-  Programm scheint ja total in die Hose gegangen zu sein, wenn ich Typen wie Bärbock, Kurz, Spahn, etc.pp. betrachte. Werden generell nur schwache, leicht zu dirigierende Typen ausgesucht ? So wie Merkel ? Die scheint ja tatsächlich alle Erwartungen erfüllt zu haben. Jutta Schäfer, “An diesem Punkt stehe wir.” EXAKT!

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