Henryk M. Broder / 16.03.2007 / 20:59 / 0 / Seite ausdrucken

Beim Emir von Qatar 3

Vor einem Jahr wurde der Souq Waqif abgerissen und komplett neu wieder aufgebaut. Zwischen Aden und Marrakesch gibt es keinen Souq, der schöner, sauberer und ordentlicher wäre. Kein stück Papier, keine leere Dose, nicht einmal eine Pistazzienschale verunziert die Wege. Die Waren liegen in den Schaufenstern wie Soldaten der Fremdenlegion, die zum Zählappell angetreten sind.  Sekundärtugenden, die in Deutschland lange als “faschistoid” verschrien wurden, werden in Qatar ganz selbstverständlich praktiziert. Was außerdem erheblich zum Wohlbefinden beiträgt: Es gibt keine Bettler, keine Schlepper (“Come in, I make you a special price”) und keine Polizei. Der einzige Polizist im Souq steht auf einem Treppchen mit Sonnenschirm und regelt den Verkehr. Man wird nicht angemacht, nicht angepöbelt und wenn man ein Geschäft verläßt, ohne etwas gekauft zu haben, läuft einem niemand schreiend nach. Was für eine Erholung verglichen mit der Ira Atika in Jerusalem. Viele Ladenbesitzer kommen aus Indien, Pakistan, Nepal, Burma und Bangladesch und sprechen kaum Arabisch. Das macht nichts, denn die Qataris, die im Souq einkaufen, sprechen alle Englisch.
Nimrodi, vor 75 Jahren im Irak geboren, gibt eine Riesenwelle an und spricht die Verkäufer auf Arabisch an. Worauf die Preise sofort halbiert werden. Wir kaufen eine schwarze Abaya (Modell Butterfly), Kaschmirtücher aus Pakistan, Kaffeetassen aus China und Tischdecken aus Indien. Dann setzen wir uns auf die Terrasse im Eshairiq Coffee Shop, bestellen Foul und Chick Peas, dazu Tee mit frischer Minze und eine Wasserpfeiffe mit Apfeltabak. Nimrodi staunt über die makellosen Dishdasha, die bodenlangen weißen Hemden, die von den Männern getragen werden. “Wieso sieht man auf den Kleidern nie einen Fleck? Wieso sehen die alle immer frisch gewaschen und wie grade gebügelt aus? Wie schaffen die das nur?”
Eine gute Frage. Morgen besuchen wir Al Jazeera und werden uns dort mal erkundigen.

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