
Das ist bei weitem nicht das erste Mal. Vor cirka 6 Monaten las ich gelegentlich, eine betagte Dame eilte zu Hilfe, als der nicht minder betagte Busfahrer von einem zornigen Teenager angepruegelt wurde. Die tapfere Frau verpasste dem Burschen ein Paar Hiebe mit Ihrer Tragetasche. Kein Witz - sie wurde angeklagt und zu Geldbusse verurteilt.
Das Stück aus dem Tollhaus ist wohl eher die verzerrte und offensichtlich falsche Darstellung des Vorgangs von Frau Lengsfeld. Was ist die Konsequenz die Frau Lengsfeld fordert? Das es völlig in Ordnung ist wenn man als Erwachsener unbeteiligter eine 15 jährigen mit der Faust ins Gesicht schlägt wenn der pöbelt?
@Philipp Döbbe, daß der Mann dem aggressiven Intensivtäter aus Wut ins Gesicht geschlagen hat, können auch sie nicht genau wissen. Unbekannt ist uns ja, welche Aktionen des aggressiven Intensivtäters gegenüber dem Mann dem Schlag ins Gesicht vorausgingen. Es sind auch Szenarien denkbar, in denen der Schlag ins Gesicht eine Notwehr ist, da vorher eine massive Androhung von Gewalt durch den aggressiven Intensivtäter stattfand, evtl. sogar tatsächliche Gewalt, die der Artikel nicht erwähnt hat. In solchem Fall (auf den aufgrund der bekannten Umstände zu schließen ja überhaupt nicht weit hergeholt ist) muß der Schlag ins Gesicht des aggressiven Intensivtäters nicht das geringste mit Wut zu tun haben, sondern er wäre dann ein Mittel der Gefahrabwehr, das jedem Menschen zusteht, der sich massiv bedroht fühlt. Aber selbst wenn es bloß Wut gewesen wäre… Wut auf eine Person, die massiv asoziale Verhaltensweisen an den Tag legt… ist solche eine Wut doch nicht nur ganz verständlich, sondern könnte man nicht sogar sagen, daß, wer in so einer Situation eine solche Wut nicht empfindet, irgendwie nicht ganz normal im Oberstübchen ist? Wenn unser Justizsystem gegenüber Menschen, die stark zu asozialen Verhaltensweisen neigen, ein Verhalten zeigen würde, das die Bürger für angemessen hielten, oder einigermaßen nachvollziehen könnten, dann würde sich kein Mensch über den jetzt durchexerzierten Formalismus aufregen. Aber die Asozialen ständig praktisch laufen zu lassen und jetzt auch noch diejenigen, die sich gegen sie wehren, in den Verdacht des Kriminellen zu stellen, das in Kombination ist für viele Bürger einfach nicht mehr zu ertragen.
Die von Frau Lengsfeld gelieferte Sachverhaltsdarstellung ist - wie ein Blick in die Quelle zeigt - grob falsch. Der 15-Jährige hat die Frau angepöbelt und gegen den Kinderwagen getreten. Daraufhin hat sich der Mann eingeschaltet und den Jugendlichen zur Rede gestellt. Die beiden haben sich daraufhin verbal gestritten - bis der Mann zugeschlagen hat. Erst danach hat der 15-Jährige ein Messer gezogen, das ihm der Mann (zum Glück) entwinden konnte. Es ist sicher vorbildlich, wenn man einer bedrängten Frau zur Hilfe eilt. Ob man dem Täter deshalb - mutmaßlich aus Wut über dessen Verhalten - mit der Faust ins Gesicht schlagen sollte, ist eine ganz andere Frage. Dass ein Staatsanwalt ein solches Verhalten auf Verstöße gegen Strafgesetze untersucht, ist jedenfalls kein Skandal, sondern rechtsstaatliche Normalität.
Noch ein Stück aus dem Tollhaus: Vor ein paar Jahren kam ein entfernter Bekannter nach Hause und erwischte einen Einbrecher auf frischer Tat. Der Eindringling drohte mit einem Messer. Der Hausbesitzer ergriff eine Dekowaffe, einen Degen, der an der Wand hing, und… Der Einbrecher überlebte den tiefen Stich in den Bauch. Die Staatsanwaltschaft klagte den Hausbesitzer an wegen Körperverletzung und argumentierte, ein Degen gegen einen Messerangriff einzusetzen, sei durch den Notwehrparagraphen nicht mehr gedeckt. Das Verfahren endete mit Freispruch, da dem Hausbesitzer nicht nachzuweisen war, mit der Langwaffe zugestoßen zu haben, denn dieser hatte angegeben, der Einbrecher sei in die Waffe hinein gelaufen.
Das alles läuft seit Jahren so, es läuft vor allen Dingen in gewissen Bundesländern so und wer glaubt, dass es an der Personalnot oder Nachlässigkeit liege, der irrt gewaltig, da ein perfides System dahintersteckt. Wenn Sie, liebe Frau Lengsfeld, wie ich im Berliner Zeitungsarchiv die Rubriken “Polizei und Justiz” ab 1989 (mit dem Antritt des SPD/AL-Senats) liest, dann gehen Ihnen die Augen vor Fassungslosigkeit über. Schritt für Schritt wurde die Polizei “kastriert” und eine wieder einmal furchtbare Justiz verfolgte mit gefälschten Gesetzestexten und unzutreffenden Gründen unbescholtene Bürger unter klarem Missbrauch der Verwaltungsgesetze wie Kriminelle, während sie die Verbrecher unbehelligt liess, da diese so trefflich zur Einschüchterung der Bürger beitrugen. Etliche Staatsanwälte schrieben der damaligen Justizsenatorin Limbach einen offenen Brief, in dem sie ihr vorwarfen, dass sie die Berliner Bürger mit ihren Massnahmen dem Verbrechen und den Verbrechern aussetze, was sie nicht von ihrem schändlichen Treiben abhielt, da “sie persönlich Täter interessanter als Opfer fand”, wie sie es sinngemäss formulierte. In Hamburg gaben 10 Polizisten der “Welt” anonym ein Interview, in dem erklärten, dass sie keine Afrikaner mehr festnehmen würden, die als Asylbewerber im Stadtteil St.Georg harte Drogen verkauften, da sie sich anschliessend vor Gericht zu verantworten hätten, wobei einschlägig bekannte Anwälte tatkräftige Hilfe leisteten. Ein Hilfspolizist aus Ghana fragte damals fassungslos, warum tun Politik und Justiz nichts, da die 300 Nigerianer doch alle namentlich bekannt seien. Ja, warum wohl nicht?
Keine Sorge - der Staatsanwalt droht nur, wenn der Zivilcouragierte sein Eingreifen überlebt…
Es gibt nichts wirksameres, systematisch das Vertrauen in die gegebene Rechtsordnung zu zerstören, als richtiges Verhalten in falsches Unrecht zu verwandeln. Manche lesen George Orwells 1984 eben als Gebrauchsanleitung.
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