Von Jonathan Spyer.
Die Maßnahmen der USA in Venezuela am vergangenen Wochenende haben zu einer Flut von Kommentaren geführt, in denen behauptet wird, dass die Trump-Regierung eine neue Weltordnung schaffe, die auf der offenen Durchsetzung der rohen Interessen der Großmächte und der Entstehung von Einfluss- und Hegemoniebereichen basiert. Ich glaube tatsächlich, dass eine Welt dieser Art im Entstehen begriffen ist. Aber ich glaube nicht, dass Trump der Anstifter dafür ist. Vielmehr ist er ein Produkt dieser Entwicklung.
Diese neue Welt ersetzt eine Ordnung, wie sie seit 1990 bestand. Es war eine Welt, in der Amerika eine mehr oder weniger unangefochtene Vorherrschaft genoss, während seine europäischen Verbündeten dies selbstgefällig als selbstverständlich hinnahmen. Mächte außerhalb dieses Einflussbereichs schmiedeten Pläne und Intrigen, konnten aber wenig gegen die Vorherrschaft der USA ausrichten.
Diese Welt brachte als Nebenprodukt eine transnationale Elite hervor, die sich auf die Stärke der USA stützte, um ihre Welt zu untermauern. Aber sie verfolgte eine Politik der Unwirklichkeit, die auf der Vorstellung beruhte, Macht und Interessen würden durch eine neue Welt des „Völkerrechts“, universeller Menschenrechte, einer universellen Gemeinsamkeit von Interessen (die die Vorstellung einer Masseneinwanderung aus sehr unterschiedlichen Kulturen möglich machte) und einem Tabu des Einsatzes militärischer Gewalt ersetzt werden.
Das Ende der Illusionen der Elite
Diese Politik der Unwirklichkeit, die sich auf die harte Macht der USA stützte, dies aber auf kindische Weise leugnete, schuf einen riesigen kulturellen Halbschatten, der die öffentliche und politische Diskussion im Westen in den letzten zwei oder drei Jahrzehnten dominiert hat.
In den letzten 15 Jahren haben die Vereinigten Staaten jedoch gezeigt, dass sie kein Interesse daran haben, die Illusionen dieser Elite weiterhin endlos zu unterstützen. Angesichts des Aufkommens gleichwertiger und fast gleichwertiger Konkurrenten – gegen die sie sich zur Verteidigung ihres eigenen Reiches organisieren müssen –, reagieren sie mit einem Nationalismus, der zwar enger gefasst, aber oft notwendig ist und entschlossener auftritt als die bisherige hegemoniale, imperialistische Ordnung.
Der Krieg in der Ukraine war ein Wendepunkt, der diese neue Realität offenbart hat. Die europäischen Nationen stehen nun vor der Wahl zwischen einer raschen Wiederaufrüstung oder der realen Möglichkeit, dass sie keine andere Wahl haben, als die Diktate einer bedrohlichen, überlegenen Militärmacht im Osten zu akzeptieren.
Westeuropa hat in den Jahren, in denen die oben genannten Illusionen vorherrschten, große Bevölkerungsgruppen aufgenommen, die keine Loyalität gegenüber ihren Gastländern empfinden. Im Bündnis mit den Kindern und verbliebenen Anhängern der Politik der Illusionen werden diese Bevölkerungsgruppen versuchen, die Entscheidungen zu verhindern, die notwendig sind, um Westeuropa in der kommenden Zeit verteidigungsfähig zu machen. Es ist nicht klar, welche Seite gewinnen wird. Aus analytischer Sicht ist es ein faszinierender Prozess, den man beobachten kann, auch wenn es nicht so angenehm ist, ihn zu erleben.
Aus israelischer und jüdischer Sicht ist die Entstehung dieser neuen Weltlage gar nicht so schlecht. Als die Welt das letzte Mal in eine „Eiserne Zeit“ eintrat (die sich übrigens stark von unserer heutigen unterscheidet), in den 1930er und 1940er Jahren, brachte dies eine Katastrophe für das jüdische Volk mit sich. Damals verfügten die Juden natürlich nicht über das notwendige Instrument, um solche Zeiten zu überstehen – nämlich einen militärisch und wirtschaftlich mächtigen Staat. Das ist heute nicht mehr der Fall.
Eine ungezügelte Feindseligkeit gegenüber Israel
Dank der Anstrengungen und Opfer vieler Generationen und – mit einigen Einschränkungen – einer realistischen Politik ist der jüdische Staat heute allen seinen Rivalen militärisch und wirtschaftlich überlegen und daher in den Augen derer Nachbarn, die ihm nicht aus religiösen oder ideologischen Gründen feindlich gesinnt sind, ein wertvoller und mächtiger Verbündeter. In einer Welt ohne die Existenz einer paternalistischen Hegemonialmacht, die das Entstehen von Illusionen ermöglichte – so wie ein mächtiger Vater seinen Kindern den Glauben an Feen ermöglichen kann –, sind der Besitz einer Staatlichkeit, einer mächtigen Armee, einer starken Wirtschaft, einer nuklearen Kapazität und eines dauerhaften nationalen und religiösen Ethos die wesentlichen Instrumente, die für die erfolgreiche Bewältigung der gegenwärtigen Situation erforderlich sind. Israel verfügt über diese Instrumente.
Schließlich war ein interessantes Nebenprodukt der Politik der Unwirklichkeit – und insbesondere ihrer seltsamen Umarmung und Romantisierung der muslimischen und arabischen Welt – eine ungezügelte Feindseligkeit gegenüber Israel und oft auch gegenüber Juden. Dies war insbesondere bei einer Klasse von Menschen zu beobachten, die in den transnationalen Institutionen tätig waren, die den organisatorischen Ausdruck der Politik der Illusion bildeten, wie beispielsweise den Vereinten Nationen und der riesigen Bürokratie der Nichtregierungsorganisationen. Der Niedergang der hegemonialen Welt, die das Wachstum dieser Strukturen ermöglichte, wird wahrscheinlich zu einem Rückgang dieser besonderen Variante der antijüdischen Stimmung führen – einer besonders heuchlerischen und widerwärtigen Variante, die mit ihnen gewachsen ist.
Die aktuellen Anzeichen deuten jedoch darauf hin, dass der Platz der Juden im menschlichen Bewusstsein offenbar der aktuelle ist: dass die momentanen Veränderungen nicht zum Verschwinden der irrationalen Feindseligkeit gegenüber den Juden führen werden. Vielmehr lässt sich bereits beobachten, wie dieses scheinbar ewige Phänomen sich zu Formen wandelt, die mit der neuen Welt, die gerade entsteht, in Verbindung stehen.
Aus dieser Sicht wird der Besitz von Territorium durch die Juden in Verbindung mit einem atomar bewaffneten Staat, einem mächtigen Wirtschaftsmotor und einer lokal konkurrenzlosen Armee auch in der kommenden Zeit, wie schon in der vergangenen, der geeignetste Schutzschild bleiben.
Dieser Beitrag erschien zuerst beim Middle East Forum.
Jonathan Spyer ist Leiter der Forschungsabteilung beim Middle East Forum und Autor von Days of the Fall: A Reporter’s Journey in the Syria and Iraq Wars.
Die ersten zwei Absätze begannen lesenswert. Aber bereits im dritten Absatz: Schon wieder diese „Elite“. Wer oder was sind diese Eliten? Wird nicht definiert. Was sind deren Illusionen und Ziele? Wird nicht konkretisiert. Was bleibt: Diese „Eliten“ müssen irgendwie bösartig sein, sie wollen alles kaputtmachen. Warum? Egal, nächstes Thema.
Trumps usurpatorische Vorstellungen betreffend Grönland tragen vermutlich zur Schwächung seines Einflusses zugunsten der Freiheitsrechte in Europa und global bei. Das Unrecht des Stärkeren nutzen schließlich auch die Hausdurchsuchungs-Extremisten und Islamophobie-Hetzerinnen. Er sollte sich besser auf die Bekämpfung der nicht importierten Drogenkriminalität der Amerikas und des importierten Einflusses der Nazi-bewundernden Muslime konzentrieren. Neben China. Er will Grönland übernehmen, während in NYC der totalitäre Islam an Boden gewinnt. Schwachsinn. Oder will er von Grönland aus die Reconquista New Yorks starten? China von der Übernahme Taiwans abhalten? Wenn die Democrats in ein paar Jahren wieder an der Regierung sind, wird DIE-Wokeness wieder dominant. Die USA sind zu gespalten, um nachhaltig einen Staat auf der Höhe der aufgeklärten westlichen Zivilisation zu bilden. Das kann höchstens in Ländern gelingen, die unter dem Eindruck und Druck muslimisch-totalitärer Übernahmen in eine auf Dauer angelegte konsequente Gegenoffensive gehen. In Osteuropa könnte das gelingen – aber vermutlich wären sie dort alleine zu schwach, andere Staaten müssten mitmachen, welche, steht in den Sternen.
Der Ansturm auf den Westen läuft und es kömmt nichts Gutes. Mir scheint, man hat das in den USA erkannt und ergreift Gegenmaßnahmen. MEGA geht eben nur im Zusammenspiel mit MAGA – Russland ist als europäisches Land einzubeziehen, unter bestimmten Bedingungen. Herrschaftsallüren Moskaus gehen natürlich nicht, dazu sind sie nicht attraktiv genug mit ihrem Russenschlächter, mit dem perversen Militär, den kriminellen Geheimdiensten und den Kleptokraten, die das russsische Volk berauben. Es gibt keine gute Zukunft für Europa ohne ein gutes Russland, nicht so wie derzeit. Und umgekehrt. Ohne Islam schon.
Durchaus auch als gesundes Gegengewicht zu den USA – nicht in Gegnerschaft, sondern in Kooperation. Wer verklickert das mal den Moskowitern? Zumal China – die sind zehn Mal so viele wie die Russen – im Osten Russlands eigene Interessen hat, Stichwort „Wladiwostok“ seit der Zarenzeit. Dort gibt es viel zu holen, russisch ландша́фт, sprich „Landschaft“, kyrillisch geschrieben.
„In Wahrheit wird nun korrigiert, was jahrzehntelang durch Blauäugigkeit unter den Teppich gekehrt wurde.“ – Da passen die diversen US-/ NATO – Bombardements der Vergangenheit, die überall nur Chaos und Elend hinterließen, ja gut ins Bild. Und die Verelendung von Ländern wie Kuba, Venezuela und aktuell Iran hat ja auch, wenn nicht vor allem mit den rechtswidrigen und willkürlichen US- und Folger – Sanktionen zu tun. Man könnte diese Länder ja auch einfach mal machen lassen, woraus sich ergeben würde, ob sie „es können oder eben baden gehen.“ Aber das paßt nicht ins westliche Machtdenken und vor allem die wirtschaftliche Inanspruchnahme der „angepeilten“ Länder. Und wer von denen das nicht mit sich machen lassen will, der wird halt abgestraft, bei gleichzeitiger Bedrohung durch Pleite derer, die meinen, zu denen halten zu können. Und wenn alle Stricke reißen, gibts halt bezahlte „Revolutionen“ wie den „Arabischen Frühling“ oder den „Maidan“. Mal sehen, ob der Autor auch noch so schreibt, wenn Grönland „fällt“.
Im Übrigen wird mit dem Schuldkomplex gespielt. Der Bessermensch ist wieder da. Ob das Recht ist oder Unrecht, wird wohlweislich ausgeblendet.
Man will gar nicht wissen, man will gar nichts Entlastendes suchen, weil dann das schöne Ideologiegebäude wie ein Kartenhaus zusammenbräche. Deshalb wird vieles geduldet, was in einem Rechtsstaat verurteilt gehört. Bloß nichts anrühren.
Alle Artikel mit Blinden Flecken zu sammeln, ist völlig unmöglich, weil das die neue Wirklichkeitsverschiebung ist, auf die man sich geeinigt hat.
Meines Erachtens hat diese transnationale „Elite“, nennen wir sie die Bilderberger, nie die Absicht gebabt, die Gleichheit aller Menschen auf dem Fundament des Völkerechts durchzusetzen.
Die NWO war von Beginn an völkerechtswidrig auf der Basis des Unrechts. Entnationalisierungspolitik im eigenen Land unter der Fahne populistischer Kampagnen wie der „Vielfalt“ kann man schwerlich als völkerrechtskonform eiunordnen.
Alle dt. Kanzler, außer Adenauer und Brandt, waren zu geheimen Bilderbergertreffen eingeladen worden. Oft vor ihrer Kanzlerschaft. Und dann haben wir eine Vorliebe für den unsympathischsten und machen den Bilderberger zum Kanzler? Die schlimmsten Korruptionsmannschaften waren dann alle Gäste auf Bilderbergertreffen, Trittin, Fischer, Schröder, Schily. z.B.
Good night white pride – Kampagnen bei gleichzeiger Öffnung der Schleusentore für Invasoren sind ja wohl die allerübelste Verächtlichmachung der Gastgeber.
Ich weiß nicht, was der Autor die letzten 35 Jahre beobachtet hat, er redet nämlich gewissenhaft an den Problemzonen vorbei.
Man kann es auch einfacher formulieren: Nichts ist für die Ewigkeit. Das „Wir wollen steinalt werden und gesund sterben“ ist lediglich eine vorübergehende Glaubenskrise.