Beginn einer Kriegswende?

Die Ukraine hat das Hauptquartier der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol mit einem Präzisionsschlag getroffen. In Saporischschja konnten gepanzerte Fahrzeuge derweil die letzte russische Verteidigungsline durchbrechen. Ist das der Beginn einer Kriegswende?

Es war früher Nachmittag, als Michail Raswoschajew, der russische Gouverneur von Sewastopol, den ukrainischen Angriff um 13:19 Uhr offiziell vermeldete. Auf Telegram schrieb er, der Feind habe einen Raketenangriff auf das Flottenhauptquartier durchgeführt, in dessen Folge ein Schrapnell in der Nähe des benachbarten Lunatscharski-Theaters eingeschlagen sei.

Wenig später ließ das föderale Verteidigungsministerium verlautbaren: „Bei der Abwehr des Raketenangriffs wurden fünf Raketen durch Luftabwehrmittel abgeschossen. Infolgedessen wurde das historische Hauptquartier der Schwarzmeerflotte beschädigt. Nach vorliegenden Informationen wurde ein Soldat getötet.“ Am Abend korrigierte ein Ministerialsprecher diese Angaben dann geringfügig und erklärte, der besagte Soldat werde lediglich vermisst.

Zwei Tage nach dem spektakulären Angriff haben sich die Fakten verdichtet. Das Resultat ist eine Katastrophe für Moskau. Nicht nur hat die Ukraine der russischen Militäradministration auf der Krim einen Stich ins Herz versetzt. Sondern den Angriff offenbar auch so abgepasst, dass er während einer Versammlung hoher Offiziere erfolgte.

Zunächst hatte sich Kiew in Bezug auf den Präzisionsschlag noch bedeckt gehalten. In einer ersten Meldung hieß es: „Am 22. September gegen 12:00 Uhr führten die Verteidigungskräfte der Ukraine einen erfolgreichen Angriff auf das Hauptquartier des Kommandos der russischen Schwarzmeerflotte im vorübergehend besetzten Sewastopol durch.“

Am vergangenen Wochenende meldete sich dann Kyrylo Budanow, Chef des ukrainischen Militärnachrichtendienstes, zu Wort. Demnach sollen wenigstens neun Personen getötet und sechszehn verwundet worden sein. Unter den Schwerverletzten seien der in akuter Lebensgefahr schwebende Generaloberst Alexandr Romantschuk und Stabschef Generalleutnant Oleg Zekow. 

Starb der Admiral?

Das prominenteste Opfer ist jedoch Admiral Wiktor Sokolow, seines Zeichens Kommandeur der Schwarzmeerflotte. Auf Telegram ist bereits über seinen Tod spekuliert worden. Sollte dies tatsächlich stimmen, wäre der Ukraine ein fulminanter Coup geglückt, der in die Geschichte des Krieges eingehen dürfte. Bislang waren derartige Präzisionsschläge zur gezielten Neutralisierung priorisierten Personen vor allem Staaten mit High-Tech-Militär wie den USA und Israel vorbehalten. 

Die beiden Einschläge im Flottenhauptquartier hatten ein verheerendes Ausmaß. Hunderte Meter weit wurden Gebäudetrümmer durch die Luft geschleudert. Praktisch alle Fahrzeuge in einem Umkreis von 100 Metern waren von Schrapnellen durchsiebt; zahlreiche Krankenwagen eilten zum Einsatzort. Die Menschen waren entsetzt. Raswoschajew bestätigte in einem späteren Posting, dass das Hauptquartier Feuer gefangen habe und forderte die Bürger auf, zu Hause zu bleiben und nicht ins Stadtzentrum zu fahren. Wiederholte Angriffe könnten nicht ausgeschlossen werden.

Tatsächlich sollte genau das passieren. Am Samstag, dem 23. September 2023, führte die Ukraine mit Drohnen weitere Angriffe gegen Ziele auf der Krim durch. Abermals filmten Anwohner, wie Vehikel ungehindert durch den Luftraum manövrierten. Damit dürfte der Krieg nun endgültig auf der 2014 von Russland annektierten Halbinsel angekommen sein.

Noch am Freitag veröffentlichte der Telegrammkanal „Krimwind“ Fotos, die das Ausmaß der Verheerungen auf das Flottenhauptquartier illustrieren. Betroffen waren vor allem das Dach und die obere Etage. Dichter Qualm stieg zum Himmel auf. Die Außenfassaden waren in ein tiefes Schwarz gehüllt, das Gebäude war schwer beschädigt worden.

Auf einem später veröffentlichten Video war schließlich auch der zweite Raketeneinschlag zu sehen. Mit Entsetzen hatten Passanten das Spektakel gefilmt. Machtlos mussten sie zusehen, wie ein Marschflugkörper in das Flottenhauptquartier einschlug. Das Gebäude stammt aus dem 18. Jahrhundert und wirkt imposant. Angesichts der massiven Zerstörungen war die Regionalverwaltung um Schadensbegrenzung bemüht. 

Die zivile Infrastruktur rund um das Hauptquartier – auf diese Feststellung legte Raswoschajew großen Wert – sei nicht beschädigt worden und Menschen, die sich zum Zeitpunkt des Einschlags im Freien aufgehalten hätten, nicht verletzt worden. Später räumte er ein, die Druckwelle habe die Fenster von zehn Wohnhäusern im Stadtzentrum zertrümmert. Den verfügbaren Aufnahmen nach zu urteilen, ist das eine Verharmlosung. 

Nicht nur ein Präzisionsschlag

Tatsächlich war der Präzisionsschlag nicht die einzige Attacke dieses Tages. Bereits am Vormittag hatte das russische Verteidigungsministerium gemeldet, dass um 10:30 Uhr ein Angriff von Lenkflugkörpern und Drohnen auf einige Objekte vor der Westküste der Krim registriert wurde. Am vergangenen Samstag erklärten die örtlichen Behörden, eine Rakete sei in der Nähe von Bachtschissarai abgeschossen worden. Der Ort liegt nordöstlich von Sewastopol und war einst die Hauptstadt des 1783 liquidierten Reiches der Krimtataren.

Bereits am 31. Juli 2022 war das Hauptquartier der Schwarzmeerflotte in Sewastopol angegriffen worden. Wie Raswoschajew damals berichtete, war eine Drohne in den Innenhof des Flottenhauptquartiers geflogen, mindestens fünf Mitarbeiter des Hauptquartiers dabei verletzt worden.

Seit einigen Wochen melden die russischen Behörden auf der Krim regelmäßig sowohl Raketenangriffe als auch Drohnenangriffe. Auch Sewastopol war davon betroffen, wo sich neben dem Hauptquartier der Schwarzmeerflotte verschiedene Militärflugplätze und andere militärische Einrichtungen befinden. Vor zwei Tagen berichtete Raswoschajew, dass die Luftabwehrkräfte einen feindlichen Raketenangriff auf die Stadt habe abwehren können. Die ukrainischen Medien wiederum sprachen davon, am Morgen des 20. September 2023 einen Angriff auf einen Kommandoposten der Schwarzmeerflotte bei Sewastopol durchgeführt zu haben. 

Das russische Verteidigungsministerium beschränkte sich daraufhin auf die Information, dass zwei Kriegsschiffe beschädigt wurden. Wenig später tauchten jedoch Fotos von einem schwer beschädigten U-Boot im Trockendock auf. Die Urheber behaupteten, es handele sich um die „Rostow-am-Don“, ein dieselelektrisches Jagd-U-Boot der berüchtigten Warschawjanka-Klasse. Es wurde 2014 vom Stapel gelassen und nahm bereits an einer Militäroperation in Syrien teil.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Ukraine in den letzten Wochen zur systematischen Bekämpfung sensibler Ziele auf der Krim übergegangen ist. Die hohe Präzision, mit der die in diesem Zusammenhang erfolgenden Angriffe ausgeführt werden, deuten darauf hin, dass Kiew mittlerweile immer moderne Arsenale westlicher Artillerie zur Verfügung hat. Und den Umgang mit ihnen zunehmend perfektioniert. 

Michail Podoljak, Berater des Chefs des ukrainischen Präsidialamtes, nennt drei Schwerpunkte dieser strategischen Ausweitung von Fernkampfzielen: die Reduzierung der russischen Luftabwehrkapazitäten, die Zerstörung der militärischen Logistikrouten, die durch die Halbinsel führen, und die Beeinträchtigung der Schwarzmeerflotte. 

Mehr als nur Nadelstiche

Ohne Zweifel stehen die intensivierten Angriffe mit Marschflugkörpern und Drohnen im Einklang mit diesen Zielen. Bereits Ende Juli hatte die Ukraine mit Marinedrohnen die Krimbrücke und anschließend die Brücken in Henitschesk und Tschonhar angegriffen, welche die Krim mit der Region Cherson verbinden. 

Isoliert betrachtet, mögen diese Operation wie Nadelstiche erscheinen. Im Verbund erweisen sie sich jedoch als Komponenten einer globalen Strategie zur nachhaltigen Schwächung des russischen Militärpotenzials. Für Moskau könnte dies zum Problem werden, sollte es nicht gelingen, diese Angriffe zu unterbinden. Das zeigt auch der folgende Vorfall.

In der Nacht zum 13. September 2023 trafen Marschflugkörper das Trockendock des Marinewerks von Sewastopol. Ein großes Landungsschiff und ein U-Boot wurden schwer beschädigt. Experten bezweifeln, dass diese in den kommenden Monaten wiederhergestellt werden können. Am Folgetag griffen ukrainische Luftstreitkräfte S-400 SAM-Stellungen in der Nähe von Jewpatorija an. Eine weitere Attacke auf S-400-Stellungen in der Nähe von Oleniwka auf der Halbinsel Tarchankut war am 23. August durchgeführt worden.

Die Ergebnisse der Angriffe auf Luftabwehrstellungen sind schwer zu verifizieren, weshalb man sich dabei auf Äußerungen des ukrainischen Militärs verlassen muss. Offenen Quellen zufolge wurde in der Nähe von Jewpatorija ein Transportraketenwerfer getroffen. Auf Tarchankut scheint zudem auch eines der Fahrzeuge der S-400-Batterie getroffen worden zu sein. Das zumindest lässt sich aus verfügbaren Drohnenaufnahmen ableiten.

Trotz dieser Erfolge besteht allerdings kein Grund zur Euphorie. So haben die genannten Angriffe die russische Luftverteidigung auf der Krim zwar geschwächt, ihre Einsatzfähigkeit ist deswegen aber nicht signifikant beeinträchtigt. Eine einzelne S-400-Batterie kann nämlich mehrere Abschussgeräte umfassen, und der Ausfall eines solchen Geräts bedeutet nicht den Verlust der gesamten Kampfkraft. 

Andererseits kann eine Batterie durchaus außer Gefecht gesetzt werden, wenn sie ihr Radar oder ihren Gefechtsstand verliert. Aus diesem Grund will Kiew den Ausfall der Luftabwehrsysteme auf der Krim forcieren, um spätere Angriffe auf militärische Einrichtungen der Schwarzmeerflotte und militärische Transportinfrastrukturen zu erleichtern.

Kein störungsfreier Beschuss

Bislang ist die russische Luftabwehr jedoch noch nicht derart geschwächt, dass ein störungsfreier Beschuss der Halbinsel möglich wäre. Noch immer gelingt es dem russischen Militär, jede Woche anfliegende Drohnen und Raketen abzuschießen. In der Regel werden diese mit Flugabwehrwaffen und elektronischen Kampfführungssystemen neutralisiert. Gleichwohl helfen solche Verluste den Ukrainern, eine Vorstellung davon zu bekommen, wie die russische Luftabwehr funktioniert und wie sie am besten überwunden werden kann.

Bei den Angriffen auf das Hauptquartier der Schwarzmeerflotte und die Schiffsreparaturanlage wandte die Ukraine eine Taktik zur Überlastung an der russischen Luftabwehr an. Während das Dock am 13. September 2023 beschossen wurde, feuerten die Ukrainer nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums zehn Raketen vom Typ „Storm Shadow“ ab, von denen sieben abgeschossen werden konnten. Drei jedoch trafen das Ziel.

Am 22. September 2023 erklärte das russische Verteidigungsministerium, die Luftabwehr habe fünf Raketen über Sewastopol neutralisiert. Zwei von ihnen fanden ihr Ziel – das Flottenhauptquartier. Für Russland ist das eine empfindliche Niederlage, die kein gutes Licht auf die Sicherheitsarchitektur des Luftraums über der Krim wirft. Sollte Admiral Sokolow getötet worden sein, wäre die Katastrophe vollendet.

Dennoch wird man den Fehler kaum bei den Russen suchen können. Jedes Luftverteidigungssystem ist nämlich nur bis zu einem gewissen Grad in der Lage, Ziele abzufangen. Die Erfolgsquote hängt in erster Linie von der Anzahl der abschussbereiten Raketen ab. In der Regel werden auf jedes Ziel mindestens zwei Raketen abgefeuert. Darüber hinaus haben die Radare zur Zielerfassung Grenzen. Das gilt auch für die Kommandozentrale. Schließlich spielt auch die Ausbildung des Personals eine wichtige Rolle.

Eine der von Kiew angewandten Techniken ist es daher, die russische Luftabwehr zu überlasten, und zwar insofern, als diese mit einer möglichst hohen Zahl an Zielen konfrontiert wird. Um Ressourcen zu sparen, werden dabei längst nicht nur scharfe Raketen, sondern auch Attrappen eingesetzt; aber auch Drohnen, die sowohl das System überlasten als auch die Luftabwehrbatterien selbst angreifen können, kommen zum Einsatz.

Der einfachste und schnellste Weg, solche Durchbrüche zu verhindern, besteht in der Erhöhung der Anzahl aktiver Luftabwehrbatterien. Gleichwohl ist es unmöglich, einen undurchdringlichen Luftverteidigungsschirm über der gesamten Krim zu spannen. Gleiches gilt für die von Russland besetzten Gebiete, die stündlich von ukrainischen Drohnen ins Visier genommen werden.

Keine permanente Luftüberwachung

Das vielleicht wirksamste Mittel gegen einen solchen Beschuss wäre eine integrierte Luftverteidigung mit Kampfjets und den A-50-Flugradaren, über die Russland verfügt. Storm-Shadow-Raketen können von Flugzeugen wie dem Su-24-Bomber abgeschossen werden, sofern diese entsprechend umgerüstet werden. 

Russland ist jedoch nicht in der Lage, eine permanente Luftüberwachung über dem Schwarzen Meer zu gewährleisten. Hierzu mangelt es vor allem an der nötigen Ausrüstung. Das vorhandene Material wird an vielen anderen Stellen benötigt; es ist daher davon auszugehen, dass die ukrainischen Streitkräfte die Krim weiterhin massiv mit westlichen Marschflugkörpern beschießen werden.

Während die Krim verstärkt zum Ziel ukrainischer Luftangriffe wird, ist das ukrainische Heer in der Nähe des Dorfes Rabotino (Region Saporischschja) erstmals mit Panzerfahrzeugen durch die dritte und letzte russische Verteidigungslinie gestoßen. Anders als man den teils überschwänglichen Berichten der Presse entnehmen kann, bedeutet das allerdings nicht den Zusammenbruch der russischen Verteidigung in diesem Gebiet. Inwieweit die Ukrainer weiter vorstoßen können, ist völlig unklar.

Trotzdem scheint Kiews Kalkül, die feindlichen Reserven langsam zu zermürben, allmählich aufzugehen. Die Entscheidung, den Bodenkampf in dieser Weise zu führen, hatte die Ukraine getroffen, weil die russische Armee in der Lage war, die südliche Stoßrichtung der ukrainischen Offensive in der Region Saporischschja zu antizipieren. 

Trotz der intensiven Fortifikationsarbeiten auf russischer Seite ist es den Streitkräften der Ukraine gelungen, in der Nähe von Bachmut und in Richtung Tokmak vorzustoßen und den Widerstand der feindlichen Streitkräfte zu überwinden.

Wichtiger Meilenstein der Offensive

Sollte es der Ukraine tatsächlich gelungen sein, den neuerlichen Durchbruch bei Werbowe auszuweiten und dort den Einsatz gepanzerter Fahrzeuge zu forcieren, wäre dies ein wichtiger Meilenstein der ansonsten eher langsam verlaufenen Offensive. Ob sich aus diesem Erfolg letztlich ein signifikanter strategischer Vorteil ableiten lässt, bevor der Winter einbricht, ist bislang noch nicht abzusehen.

Genau besehen, stellt Verteidigungslinie mit ihren Feldbefestigungen und Panzersperren für die vorrückenden Kräfte kein großes Problem dar; die ukrainischen Panzerfahrzeuge können sie überwinden. Die Stärke der Verteidigung wird vielmehr von den dort stationierten Truppen erbracht. Noch immer hat Moskau die Möglichkeit, Reserven an Brennpunkte zu verlegen. Gleichwohl ist die Kampfkraft dieser Einheiten deutlich geringer als jene, die reguläre Truppen noch zu Beginn des Krieges aufbieten konnten. 

Normalerweise führt eine vorrückende Armee nach einem Durchbruch unverzüglich frische Kräfte aus der zweiten Staffel heran. Diese rücken dann in verschiedene Richtungen vor, um die Verteidigung der Flanken zu gewährleisten. Dadurch soll die durch einen feindlichen Gegenangriff drohende Umfassung der vorstoßenden Einheiten verhindert werden.

All das ist jedoch eher bei Operationen der Fall, bei denen der Angreifer eine numerische Überlegenheit im betreffenden Frontabschnitt erzeugen kann. In Richtung Tokmak hat der ukrainische Vorstoß hingegen einen völlig anderen Charakter. Die russische Führung zieht Reserven, darunter auch Einheiten der Luftlandetruppen, in das Gebiet ab, wodurch die vorrückenden Truppen hohe Verluste erleiden. 

Andererseits gilt, dass die Verteidigung vorbereiteter Stellungen einfacher gelingt als eine Abwehrschlacht gegen bereits durchgebrochene Panzer; daher ist nicht auszuschließen, dass sich die russischen Truppen am Ende kämpfend zurückziehen werden. In Richtung Tokmak haben sie eine gestaffelte Verteidigung aus mehreren Linien aufgebaut, die sie bei Bedarf für einen taktischen Rückfall nutzen können.

Bislang gibt es jedoch keine Anzeichen für einen solchen Rückzug. Stattdessen scheint es, dass die Ukrainer ihren Durchbruch nicht für die Vertiefung weiterer Offensivaktionen nutzen konnten. Sollte ihr Angriff tatsächlich wieder abgeflaut sein, wäre der Durchbruch nicht die erhoffte Sturmflut, sondern nur eine gebrandete Welle gewesen. 

Dr. Christian Osthold ist Historiker mit dem Schwerpunkt auf der Geschichte Russlands. Seine Monographie über den russisch-tschetschenischen Konflikt ist in der Cambridge University Press rezensiert worden. Seit 2015 ist Osthold vielfach in den Medien aufgetreten.

Foto: Ministry of Defense of Ukraine CC BY-SA 2.0, Link

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Andreas Hänel / 25.09.2023

Die Ukraine wird doch nur als Ausführende handeln. Die ganze militärische Technik und Logistik ist in westlicher Hand, die ihre Systeme unter realen Bedingungen testen kann, eventuell sogar mit eigenen Soldaten.  Wieviel leistet die Satellitenaufklärung der Freunde? Wurden die Präzessionsschläge mit der eigentlich verbotenen Streumunition durchgeführt?  Auf jeden Fall wird Russland gereizt, mal sehen wie lange noch. Es sieht bestimmt nicht gut für uns aus.

Luc Lindeman / 25.09.2023

Hallo, “schlägt” man heute achgut.com auf, hat man das Gefühl, dem Mainstream nachzuspüren : Kriegsberichterstattung aus der Komfortzone!! Währenddessen : Väter, Söhne, Brüder, Ehemänner, und Vertraute - eine ganze Generation dahingeschlachtet. Ist das nun eine Fortsetzung des Heldenepos, dass zu schreiben die Europäer so redlich bemüht sind? Es sind Mütter auf beiden Seiten, ukrainische wie russische, die ihre Söhne verloren haben. Mütter, denen nun auch noch das Liebste genommen ist und die nicht wissen, wie es weitergehen soll. Vielleicht werden es die Mütter sein, die eines Tages aufbegehren, sich gegen die Kälte und Blutarmut östlicher wie westlicher Betonköpfe auflehnen und ihre Söhne in Würde begraben sehen wollen. Mütter, die einen Ort des Trauerns brauchen und zu beweinen, was ihnen genommen wurde. Vielleicht werden es die Mütter sein, die den Frieden erzwingen werden, weil sich ihrer Söhne niemand mehr erinnern will. Es gilt ein Zeichen zu setzen, sich aus dem Korsett der Rhetorik zu befreien und den Söhnen dieser Mütter die Würde zurückzugeben, die der Krieg ihnen genommen hat. Es gilt ein Zeichen zu setzen und einen Ort zu finden, friedvoll und fernab vom Grollen der Geschütze und zerfetzten Leiber. Es gilt ein Zeichen zu setzen, das Ost wie West wieder versöhnt. Es haftet Blut an all’ jenen des militärisch- industriellen-medialen Komplexes, deren vielköpfige Hydra sich die friedliche Welt unterworfen hat! Es widert mich an!

Sam Lowry / 25.09.2023

Moderne Atombomben sind von 1 bis 100 MT skalierbar. Mal sehen, wann diese zum Einsatz kommen werden. Es dauert m.E. nicht mehr lange… und dann???

Markus Knust / 25.09.2023

Das erinnert mich an eine alte Rede aus Kriegstagen…. “Ich wollte zur Wolga kommen. An einer bestimmten Stelle, an einer bestimmten Stadt…[/] “Doch wissen Sie, wir sind bescheiden. Wir haben sie nämlich. Es sind bloß ein paar ganz kleine Plätzchen noch da…” Dieselbe Rhetorik und Propaganda. Wie es ausging wissen doch hoffentlich alle.  Dieser Krieg wird sich noch über Jahre hinziehen, wenn man weiter Waffen hinein gibt. Gewinnen wird ihn die Ukraine nicht, Russland auch nicht, solange das Geschäft…ähm…die Solidarität blüht.

Marcel Seiler / 25.09.2023

Im Gegensatz zu vielen anderen maße ich ich mir nicht an, zu wissen, wie dieser Krieg am Ende ausgeht. Ich weiß allerdings, wer ihn ohne Grund unter Bruch von Völkerrecht, Verachtung für die Menschenrechte und Bruch vieler selbstunterschriebener Verträge angefangen hat und wer weitere Kriege gegen seine westlichen Nachbarn führen wird, wenn man ihn nicht stoppt. Um des Friedens in Europa willens muss der russische Angreifer daher empfindlich besiegt werden. Friedensverhandlungen vorher sind völlig sinnlos, da Putin in dem Moment jede Vereinbarung brechen wird, in dem er glaubt, die Oberhand zu haben. Vielen Dank an Autor Osthold und an die Achse für diese regelmäßige Berichterstattung.

Rolf Mainz / 25.09.2023

“Präzisionsschläge zur gezielten Neutralisierung priorisierten Personen”. Was für eine unglaubliche Verharmlosung durch Missbrauch von Sprache, denn übersetzt heisst das nichts anderes als die gezielte Tötung von Menschen. Wenige Monate reichen offenbar aus, um die Kriegslust hierzulande wieder zu wecken und hoffähig zu machen. Wer jahrzehntelang nicht fassen konnte, wie Massen sich instrumentalisieren lassen und sogar den totalen Krieg bejubelten, der hat nun anschauliche Praxis vor Augen. Nur merkwürdig, dass sich immer mehr Ukrainer der Wehrpflicht entziehen - offenbar ist die Kriegsbegeisterung bei den direkt Betroffenen signifikant geringer ausgefallen als bei manchem Schreiberling in sicheren Gefilden.

M. Neland / 25.09.2023

In Kriegen wird so oft von einer Wende gesprochen. Diejenigen, die diese proklamieren, sind in der Regel die Verlierer. Und für welche Freiheit wird eigentlich gekämpft? Einen Vorgeschmack der Freiheit, die auf die Menschen wartet, hat die weltweite Pandemie gezeigt.

Dieter Rose / 25.09.2023

Die Russen sind lernfähig und werden gleich oder intensiver zurückschlagen. Sie werden genau analysieren und ihre Schlußfolgerungen ziehen.

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