Falls Sie vergangenen Freitag die „Tagesthemen“ verpasst haben, ist Ihnen tatsächlich etwas entgangen, das Sie sich ansehen sollten, bevor Sie aus Verzweiflung über die Politik der schwarzroten Koalition oder aus Mitgefühl für gescheiterte Existenzen, die in der Politik notgelandet sind, auf die Idee kommen oder auch nur mit dem Gedanken spielen, Ihre Stimme einem oder einer Grünen zu geben, egal wann, wo und aus welchem Anlass. Es ist ein sechseinhalb Minuten langes Interview mit dem Co-Vorsitzenden der grünen Partei, Felix Banaszat, über die Frage, wie die Grünen ihr hart erarbeitetes Image als „Verbotspartei“ loswerden und aus dem Korsett der 11-Prozent-Partei herausbrechen könnten. Die Antworten, die Jessy Wellmer ihrem Interview-Partner entlockt, sind ein weiterer Beleg für die alte Erfahrung, dass es nicht reicht, keine Gedanken zu haben, sondern dass man auch unfähig sein muss, sie auszudrücken. Und in dieser Disziplin gehört Banaszak zu den Besten seines Gewerbes.
Er sei „so viel unterwegs“, sagt Banaszak, „um ein anderes Bild von den Grünen zu zeigen“, es gehe darum, “wieder emotionale Nähe aufzubauen“, zu den Wählern, „eine emotionale Heimat auch für die zu sein, die sagen, Mensch, ich bin bereit für einen Wandel, aber es muss so funktionieren, dass ich gut über die Runden komme, es muss bezahlbar sein…“
Angesichts solcher Null-Sätze merkt man es Jessy Wellmer an, dass es ihr nicht leichtfällt, die Contenance zu wahren. Sie fragt, warum es die Grünen nicht schaffen, von der Unzufriedenheit der Menschen mit der aktuellen Regierung zu profitieren, worauf Banaszak antwortet, „das Bild“ sei in der Tat noch „stark von dem geprägt, was in den letzten Jahren in der Ampel passiert ist“ und kommt wenig später auf die „Antidemokraten“ zu sprechen, die „gerade so viel Zulauf haben“. Es ist, als würde man einen Sitznachbarn im Zug nach der nächsten Station fragen, und der würde mit einem Exkurs über Zugunfälle antworten. Oder darüber referieren, wie wir es „hinkriegen, dass die kulturelle Verengung in unserem Land nicht größer wird und wir rauskommen aus den Schützengräben“. Denn: „Wir wissen, wer wir sind, wir wissen, was wir wollen, und wir wollen das mit den Vielen im Land erreichen, und dann geht es auch wieder gut bergauf…“ Dabei ginge es nicht um „gute Laune um der guten Laune willen“, man wolle „für Fahrradwege kämpfen“ und dafür sorgen, „dass die Frauenhäuser nicht geschlossen werden“. Es sei die Aufgabe aller Grünen, die in der Verantwortung sind, „der Partei Orientierung und Klarheit zu geben“, es stimmt, „der Wind kommt grade von vorne, aber wenn es eine Partei gibt, die weiß, wie man Wind in Energie verwandelt, egal woher er kommt, dann sind es“ – Überraschung! – „die Grünen“.
Wo lernt man, so zu reden? Gibt es außer Geistes- und Naturwissenschaften noch eine dritte Disziplin – Laberkunde? Will Banaszak die Leistungen von Baerbock und Habeck toppen? Das dürfte nicht einfach werden, seine Vorgänger haben Maßstäbe gesetzt. Mit 11,6 Prozent bei der letzten Bundestagswahl ist noch viel Luft nach unten.
Das Gespräch mit Felix Banaszak finden Sie hier, ab Minute 17:00

Verehrter Herr Broder, Sie kennen sicher das Sprichwort „auf einen verbeulten Topf passt ein verbeulter Deckel“. Also, wer sich nicht als Chronist solches antut, sondern einen Informationsgewinn erwartet, hat eh schon die Kontrolle über sein Dasein verloren. Um nicht zu sagen, vollkommen verblödet ist. Deswegen sind die Zustände hierzulande genau so wie sie sind. Und leider ist keine Besserung in Sicht.
Wie wahr. Leider bestimmen derartige Laberkundler in diesem Land den ´Diskurs´, der natürlich längst keiner mehr ist. Welche historisch bekannteste und mitgliederstärkste deutsche Partei war es nochmal, die vor allem auf Emotionalisierung der Politik setzte? Richtig, die Mutter des Parteienstaates war´s. Ich habe schon lange nicht mehr in deutsche Geschichtslehrbücher geschaut, vielleicht besser, aber Ende der 90er wurden uns solche Minima Germania noch recht zuverlässig und anschaulich vermittelt. Ich sehe in letzter Zeit immer wieder viele kluge, in sich gekehrte Deutsche, warum sagen die alle nichts, warum ist ein grenzdebiler Kasperleverein wie die AfD hier die einzige und operativ komplett dysfunktionale ´Opposition´? Was ein gotterbärmliches Elend.
@jmonig, „Laberkunde ist wahrscheinlich das wichtigste Fach das seit Jahrzehnten unterrichtet wird. Von der Grundschule , in den Betrieben, Ämtern, Unis, bis hin zur Politik.“ – Sehe ich auch so. Es ist das Grundfach in der Bildungspolitik im leistungslos orientierten Deutschland.
Lieber Herr Broder. Sie haben mich dazu gebracht Herrn Banaszak 6 Minuten lang zuzuhören. Ich berechne Ihnen 6 Minuten meines Stundensatzes. Rechnung folgt.
Lieber Herr Broder, die Type ist ein Quotenmann. Die grünen Damen haben ihn nach der Methode Baerbock ausgewählt, die Sache mit den Schweinen aber schamhaft übergangen.
Man könnte doch die Radwege in den Frauenhäusern bauen mit einer grossen Mauer drum herum. Donnerstags ist dann Lastenrad Tag. Das hat dann bestimmt viel Zulauf. Und im Keller gibt’s dann noch ein Hamam, damit die Grünen Dampfplauderer sich ausschliesslich gegenseitig auf den Sack gehen können.
Ich frage mich nur und das übrigens seit Jahrzehnten, wie kann es nach all den Verbrechen und katastrophalen Fehlleistungen unserer „PolitikerInnen“ seit dem Kaiserreich (vorher natürlich auch schon) sein, dass all diese Wahnsinnigen nicht gestoppt werden, zumal wir doch in der Bundesrepublik eine recht lange Phase der politischen Stabilität und der wirtschaftlichen Prosperität verzeichnen konnten. Im Prinzip können viele Bürger mit gesundem Menschenverstand und wirtschaftlichen Kenntnissen von Spezialbereichen abgesehen entscheiden, wo was absolut falsch läuft und warum. Und wenn ein Minister mit sieben Zwergen, Entschuldigung sieben Staatssekretären dazu nicht fähig ist, dann müssen die sich alle die Frage gefallen lassen, ob sie etwa ganz bewusst falsche Entscheidungen treffen.