Henryk M. Broder / 11.08.2018 / 17:30 / Foto: DiG/Trialon / 20 / Seite ausdrucken

Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhunderts:  Bodo R.

Bodo Ramelow ist der erste Minipräsident der Bundesrepublik, der aus den Reihen der gewandelten SED kommt. Seit Ende 2014 regiert er Thüringen, wobei er sich diesen Job hart erarbeitet hat. Für ihn spricht, dass er Niederlagen einstecken kann, gegen ihn, dass er in den bald vier Jahren seiner Regierungszeit keinen originären und zitierfähigen Gedanken produziert hat, bis auf diesen: "Die Kunst des Regierens besteht darin, die Schritte so zu proportionieren, damit man den Weg auch geht." Bei Wikipedia heißt es, in den Augen von Bodo Ramelow sei die DDR "weder ein Rechtsstaat noch ein Unrechtsstaat" gewesen, also irgend etwas Drittes, vielleicht ein Rechtsstaat, in dem Unrecht praktiziert wurde, oder ein Unrechtsstaat, in dem streng nach Recht und Gesetz verfahren wurde. Hat es ja schon mal gegeben in der deutschen Geschichte.

Zudem sei "nicht belegt", dass es an der innerdeutschen Grenze einen Schießbefehl gegeben habe. Kann sein, dass er die Selbstschussanlagen meint, die von alleine losgeballert haben, ohne jeden Befehl. Ramelow sei auch der Meinung, eine „ehrliche Aufarbeitung" der deutschen Geschichte müsse "beide Seiten in den Blick nehmen, weil sich die beiden politischen Systeme in Ost und West stets gegenseitig bekämpft und letztlich doch auch beeinflusst haben". Man könne "nicht die eine Seite ohne den Blick auf die andere Seite verurteilen oder loben“.

Ja, da ist was dran. Wer sich mit der Geschichte der Wehrmacht beschäftigt, darf die Heilsarmee nicht aus dem Blick verlieren, Armee ist Armee und "Soldaten sehen alle gleich, lebendig und als Leich", das hat schom Biermann gewusst.

Nun hat sich Ramelow auch zum Antisemitismus geäußert und es damit geschafft, in die Hall of Fame der bedeutenden Denkerinnen und Denker aufgenommen zu werden. Er hat davor gewarnt, "Antisemitismus nur Flüchtlingen aus muslimisch geprägten Ländern zuzuschieben", denn: "Antisemitismus sei schon immer präsent gewesen und mittlerweile in der Mitte angekommen".

Ramelows Abwehrphantasien

Es riecht immer nach Baldrian, wenn Behauptungen dementiert werden, die niemand aufgestellt hat. Niemand hat behauptet, am aktuellen Antisemitismus seien nur Flüchtlinge aus muslimisch geprägten Ländern schuld. Das sind Ramelows Abwehrphantasien. Es geht vielmehr darum, welchen Anteil Flüchtlinge aus muslimisch geprägten Ländern am Revival eines Antisemitismus haben, der eine Weile überwunden schien. Es sind ja nicht christliche Pfadfinder aus dem östlichen Westfalen oder die Fans der Biermösl Blosn, die auf deutschen Straßen "Hamas, Hamas, Juden ins Gas" gerufen und israelische Fahnen verbrannt haben.

Dass der Antisemitismus inzwischen "in der Mitte" der Gesellschaft angekommen ist, ist eine der Phrasen, die ich höre, seit ich mich mit diesem Thema beschäftige, seit über 30 Jahren. In der Mitte der Gesellschaft! Aber bitte nicht bei der CDU, nicht bei der SPD, nicht bei den Grünen, nicht bei den Linken, nicht in Bad Boll und nicht bei pax christi! Wenn man aber jemand aus dieser ehrenwerten Mitte einen Antisemiten nennt, weil er oder sie antisemitischen Unsinn abgelassen hat, sagen wir: Jakob Augstein, Annette Groth, Inge Höger oder einen depperten Karikaturisten der Süddeutschen Zeitung, dann heult "die Mitte" auf und schreit: Wir sind es nicht, es sind die Rechten! Mit dem Antisemitismus verhält es sich wie mit dem Körpergeruch. Stinken tun immer die anderen.

In diesem Zusammenhang wollen wir darauf hinweisen, dass es Bodo Ramelow war, der einen Zug voller Flüchtlinge in Saalfeld in Empfang genommen und versichert hat: „Ihr seid in Thüringen herzlich Willkommen, wir freuen uns, dass ihr hier lebend angekommen seid!“ Das war Anfang September 2015. Aber damals kamen nur Facharbeiter in Deutschland an. Und Bodo Ramelow übte noch seine Rolle als Landesvater. Inzwischen hat er sich weiterentwickelt. Jedenfalls hat man ihn lange nicht mehr am Saalfelder Bahnhof beim Blumenverteilen und Tränenvergießen auf Arabisch gesehen.

Foto: DiG / TRIALON CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

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Gabriele Klein / 11.08.2018

PS: Könnte es vielleicht sein, dass beides zutrifft?  und falls ja, wie bekämpft man die Islamophobie ohne den in der Mitte angelangten antisemitischen Mordbuben zu beleidigen?

S.Niemeyer / 11.08.2018

Die Achse des Antisemitismus von palästinensischen und westdeutschen Terroristen hatte die staatliche DDR-Unterstützung und das Label “links”, das wirkt in vielen Grützköppen weiter.

Gabriele Klein / 11.08.2018

@Stumpp “Die DDR hat politisch unliebsamen Menschen das Recht verweigert, die BRD tat und tut es bis heute in Abhängigkeit von den finanziellen Möglichkeiten.” Jetzt sollten Sie nur noch definieren was genau die DDR unter unliebsamen Menschen verstand und was die BRD. Wie wäre es mit einer Gegenüberstellung der Definitionen?! Und da ist noch was: Auf der englischen Seite von Wikipedia lese ich dass der Begriff BRD hauptsächlich in der DDR bis 1990 verwandt wurde.  Von daher bin ich verwirrt und weiß nicht wie ich Ihren Gebrauch des Wortes BRD verstehen darf: Soll es vielleicht heißen dass WIR uns noch   in der DDR befinden ? Oder, befinden nur Sie sich noch in der DDR (ich meine jetzt rein sprachlich)?

Gabriele Klein / 11.08.2018

” Er hat davor gewarnt, „Antisemitismus nur Flüchtlingen aus muslimisch geprägten Ländern zuzuschieben“, denn: „Antisemitismus sei schon immer präsent gewesen und mittlerweile in der Mitte angekommen“. Also, wenn jene Sure die dazu aufruft den letzten Juden aufzuspüren um ihn zu töten… in der Mitte der NICHT muslimischen deutschen Gesellschaft angelangt ist, dann haben wir Alarmstufe Rot in Sachen Handlungsbedarf. Eine Beseitigung des “Brandherds” scheint mir aber nur möglich durch eine klare Antwort auf folgende Frage die mich verfolgt seit der Islam ein Teil Deutschlands ist und die lautet: Ist jetzt der Autor jener Sure, den letzten Juden aufzuspüren um ihn zu morden ein Antisemit oder sind jene die da aufgespürt und ermordet werden sollen Islamophob?

Andreas Rochow / 11.08.2018

Sätze wie: “Es riecht immer nach Baldrian, wenn Behauptungen dementiert werden, die niemand aufgestellt hat,” beweisen, dass achgut.com und Henryk M. Broder unentbehrlich sind, um die Verrücktheiten der politischen Gegenwart zu ertragen. Die Linke/Genosse Ramelow in Thüringen war ein linkspopulistischer Unfall, der sich niemals wiederholen wird! Björn Höcke ist die demokratische Alternative zu diesem marxistisch-leninistischen Irren, der die Menschen, die er zu vertreten hat, verachtet.

Karin Eschert / 11.08.2018

Wenn nun schon CDU-Politiker zu Koalitionen mit der Linken raten, dann gute Nacht! Sind denn alle von Sinnen, gibt es bei den Konservativen keine Gegenwehr? So was kann man doch nicht wählen, da haben wir bald wieder die Nationale Front mit Blockparteien. Aber national wäre ja schon rechts nach der heutigen Lesart.  Ich hoffe, dass die Wähler solchen Planspielen einen Riegel vorschieben und nicht zulassen, dass die Thüringer Grünen mit knapp über 5 Prozent noch mal Gelegenheit haben, einen Bodo R. Ins Amt zu heben. Aber vielleicht steht ja die CDU für so was bereit…

Martin Landner / 11.08.2018

Bodo Ramelow ist einer dieser vielen, vielen Leute, die bis zum heutigen Tage den kalten Krieg kämpfen. Sie haben nicht realisiert, dass der Ostblock untergegangen ist, dass mit Putin jetzt ein ausgewiesener Nationalist im Kreml sitzt & dass sie einfach nur noch ideologische Geisterfahrer sind. Das Weltbild solcher Leute ist denkbar einfach: Die Staaten des Westblocks müssen bekämpft werden, es muss “kaputt gemacht werden, was euch kaputt macht”. Daraus ergeben sich auch Ramelows Ergüsse zu Islamisten oder Antisemitismus. Israel, Amerika, Deutschland waren Westblock, sind also böse. Die Hamas und der IS sind Feinde des Feindes, also potentielle Freunde.

Wilfried Cremer / 11.08.2018

Die Dummheit ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und jetzt sie halt da und macht ein Gesicht wie Angela. Das von Bodo hab ich schon wieder vergessen.

Martin Schott / 11.08.2018

Typisch West-Linke und ihre “Äquidistanz” im politischen Diskurs: Laut der Linken in der alten BRD war Kritik am real existierenden Sozialismus in der DDR und UdSSR durchaus erlaubt, aber bitte “auf Augenhöhe” und “konstruktiv”. Dieses Prinzip hat der gebürtige Niedersachse Ramelow verinnerlicht. Allerdings gibt es ein kleines Problem damit - es ist völliger Unsinn. Und insofern bei der Einordnung und Bewertung kritischer Sachverhalte so nützlich wie eine Karte des oberen Niltales, wenn man mit dem Auto auf der A9 unterwegs ist. Dass Ramelow keine originären, zitierfähigen und freilich auch praktikablen Ideen produziert hätte, möchte ich indes nicht behaupten. Gerade in der Flüchtlingskrise lief er 2015 zu Hochform auf. So hatte er den fabelhaften Einfall, mit den Flüchtlingen die entvölkerte thüringische Provinz neu zu besiedeln. Warum hört nur niemand auf ihn?

Dolores Winter / 11.08.2018

Die Masche ist klar. Gewisse Kräfte in der Gesellschaft haben es durch jahrzehntelange Indoktrination geschafft, bestimmte Ausdrücke wie zum Beispiel „rechts“ vollkommen zu diskreditieren. „Rechts“ klingt inzwischen für die meisten negativ, was völlig ungewöhnlich ist, hat dieses Wort doch ursprünglich eine sehr positive Bedeutung von „den rechten Weg finden“, „rechtschaffen“, „Rechtsstaat“, „Recht und Ordnung“ usw. „Rechts“ ist eigentlich eng verwandt mit „richtig“ im Gegensatz zu „links“, das an linkisch (ungeschickt, plump), an „falsch“ im Sinne von hintertrieben erinnert usw.

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