Wolfgang Röhl / 07.07.2011 / 21:20 / 0 / Seite ausdrucken

Becker ruft Tripolis. Wenn Mimen in Politik machen

Der Schauspieler Rolf Becker ist mir ans Herz gewachsen. Ich habe ihn neulich als einen der möglichen Gründe genannt, für die es sich lohnen könnte, ein so genanntes Kotzbecken in der Nähe des Fernsehgerätes zu installieren. Wer Becker nicht kennt, weil er vielleicht nicht regelmäßig das ZDF-„Traumschiff“ guckt und auch für Krimischrott, Ärztesoaps, Rosamunde-Pilcher- oder Inga-Lindström-Verfilmungen keine Zeit findet, hier das Porträt eines Mannes, der einst gute Rollen hatte, gelegentlich noch heute glänzt:

„Rolf Becker, Jg. 1935, arbeitet heute nach vielen Jahren als Schauspieler für Theater, Fernsehen und Film. Mit seinen Lesungen möchte er anregen und aufrütteln, er freut sich über ein Publikum, das sich gesellschaftlich und politisch einmischt. Becker ist Mitglied der Gewerkschaft ver.di und im Ortsvereinsvorstand des Fachbereichs Medien in Hamburg. 1999 war er mit der gewerkschaftlichen Initiative aus Protest gegen den Nato-Angriffskrieg für eine Woche im bombardierten Jugoslawien. Von 2001 bis 2008 besuchte er im Auftrag des gewerkschaftlichen Arbeitskreises für politische Gefangene Christian Klar in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal.

Er unterstützt die Freilassung Mumia Abu-Jamals und hielt im Mai 2001 die Laudatio bei der Verleihung des Erich-Mühsam-Preises an den zum Tode verurteilten afroamerikanischen Journalisten, den er im September 2009 in der Todeszelle besuchte. Becker gehört zu den Mitbegründern des Berliner Heinrich-Heine-Preises, der 2007 Peter Handke im serbischen Velica Hodca überreicht wurde, nachdem ihm der Düsseldorfer Heine-Preis verweigert worden war.“

Diese Laudatio stammt aus einem ver.di-Tipp für eine Veranstaltung, auf der Becker literarische Texte zum Thema „So wird Geld verdient“ vortrug, welche man sich notfalls vorstellen kann. Jetzt hat Becker als einer der Erstunterzeichner einen praktisch geldwerten Appell für das Existenzrecht eines Regimes abgeliefert, dessen wohltätiger Führer schon oft bewiesen hat, dass er mit Petroknete umgehen kann:

„Der Wüstenstaat, der unter seinem Revolutionsführer Moammar al-Gaddafi seiner Bevölkerung dank der Nationalisierung seines Ölreichtums den höchsten Wohlstand in Afrika mit unentgeltlichem Bildungs- und Gesundheitswesen, mit hochentwickelten Rechten für Frauen und Kinder bieten konnte, droht in seiner Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen zu werden.“

Was mag passiert sein, dass einer so was unterschreibt? Irgendeine Macht, vermute ich, hat den politischen Grips des Rolf Becker irgendwann um Jahrzehnte zurück geworfen. Die Nato war es sicher nicht.

Mehr :

http://lizaswelt.net/2011/07/06/gaddafis-letztes-aufgebot/

 

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