Neue Umfragen zur Landtagswahl in Bayern künden für die SPD ein Desaster an. Die Sozialdemokraten liegen bei nur noch 12 bis 14 Prozent und würden damit ihr historisches Debakel der vergangenen Wahl im Freistaat (20,6 Prozent) noch einmal dramatisch unterbieten. In der bayerischen SPD macht sich mit Blick auf den 14. Oktober Endzeitstimmung breit. Da man in Baden-Württemberg bereits 2016 auf 12,7 Prozent abgestürzt war, droht der SPD in ganz Süddeutschland nun das Ende als Volkspartei. Fast spiegelbildlich steigt dagegen die Stimmung bei den Grünen.
In den Umfragen haben die Grünen – ebenso wie die AfD – die SPD bereits eingeholt. Und das Momentum spricht dafür, dass die Grünen als zweitgrößte Partei die Wahl abschließen könnten. Vor allem ihre Spitzenkandidatin lockt immer mehr SPD-Wähler zu den Grünen. Katharina Schulze ist erst 32 Jahre alt und so etwas wie die junge Barbara Schöneberger der Grünen.
Mit entwaffnendem Charme führt sie einen Wahlkampf der guten Laune, obwohl sie in der Sache knallharte Positionen vertritt. Sie ist kampagnenfähig wie kaum eine andere – als Münchner Parteivorsitzende machte sie erst erfolgreich gegen eine Olympiabewerbung mobil. Dann wurde sie Sprecherin des Bündnisses gegen den Bau einer dritten Start- und Landebahn am Münchner Flughafen. Mit diesen Themen gelang ihr der politische Durchbruch: Auf dem Bundesparteitag der Grünen in Freiburg überzeugte sie mit einer kämpferischen Rede die Mehrheit der Delegierten von ihrer Position. Und demontierte damit ganz nebenbei die Grünen-Chefin Claudia Roth, die bis dahin im Bewerbungskuratorium gesessen hatte.
Katharina Schulze wurde hernach aufgefordert, nicht mehr als Grünen-Vorsitzende in München anzutreten. Sie aber ließ sich nicht einschüchtern, kandidierte erneut und gewann. Inzwischen ist sie Fraktionführerin der Grünen im Landtag und verkörpert die neue Erfolgsgeneration der Grünen wie kaum eine andere. Bei der Urwahl zur Spitzenkandidatin der Grünen stimmte die Basis mit fast 90 Prozent für sie.
Leidenschaftlich gegen das neue Polizeigesetz
Schulze schreckt auch vor Provokationen nicht zurück. Einmal steht sie mit ausgestrecktem Mittelfinger vor einer Demonstration gegen Neonazis, ein anderes Mal stülpt sie einen braunen Sack über das Münchner Trümmerfrauen-Denkmal. Derzeit führt sie leidenschaftlich die Bürgerbewegung gegen das neue Polizeigesetz an.
An Katharina Schulze kann man ebenso wie an Robert Habeck oder Annalena Baerbock beobachten, um wie vieles besser den Grünen der Generationenwechsel zu einer kraftvollen Neubesetzung gelingt als der SPD. Die Grünen waren mehr noch als die SPD von alternden Ideologen, zeigefingernden Moralisierern und linken Bevormundern geprägt und geplagt. Die Generation Trittin, Hofreiter, Roth, Ströbele und Künast drohten die Grünen noch vor kurzem ins Geiferer-Altenheim zu führen.
Nun aber sitzt eine Generation von liberaleren, konstruktiven, bürgerlichen Sympathen an den Schalthebeln der grünen Macht, so dass die Partei schlichtweg jünger, entschiedener und moderner wirkt als die siechende SPD. Und die jugendliche Schulze ist der neue Superstar dieses Generationenwechsels.
Sie redet so unideologisch-frisch-froh, als moderiere sie die RTL-Show „Let’s dance”, doch keine Gegnerin nimmt Markus Söder inzwischen ernster als sie. Mit dem Flughafen- und Olympiaentscheid konnte sie sich schon zweimal gegen die CSU und ihn persönlich durchsetzen. Und sie lässt keine Gelegenheit aus, um den bayerischen Ministerpräsidenten zu ärgern. Ihr Ziel posaunt sie täglich über Bayern – Söder müsse die absolute Mehrheit entrissen werden.
„Eine absolute Mehrheit kriegt die CSU nicht mehr”
Dabei wandelt Schulz auf einem schmalen Grat. Einerseits ist die CSU seit den Tagen von Wackersdorf der Ur- und Lieblingsfeind der Grünen. Andererseits kommt man an dieser CSU nicht vorbei, wenn man in Bayern etwas bewegen will. „Eine absolute Mehrheit kriegt die CSU nicht mehr”, sagt sie und liebäugelt offen mit schwarz-grünen Koalitionsgedanken. „Wir Grüne haben in den Jamaika-Verhandlungen bewiesen, dass wir seriös sind. Wir sind gesprächsoffen für alle demokratischen Parteien.”
Eine schwarz-grüne Koalition zwischen Söder und Schulze fasziniert und schockiert seither die Gemüter in Bayern. Es wäre die wildeste Ehe der deutschen Politik. Alleine über den Flughafenausbau würden sich die beiden vom ersten Tag an streiten wie Barrikadenkämpfer. Söder wird das Projekt weiter vorantreiben, doch Schulze droht schon jetzt mit Wut und Widerstand. Und dennoch verschickte die Strahlefrau vom Ammersee zum Jahreswechsel eine bemerkenswerte Postkarte: Darauf sie selbst mit Sonnenblumenflagge in der Hand und dem Schriftzug: “1918, 1968, 2018: Wie wird die nächste Revolution in Bayern?” Schwarz-grün vielleicht.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European
Es ist zwar grundsätzlich als Verdienst anzusehen, Claudia Roth demontiert zu haben, aber eine CSU würde das nicht überleben. Unter 30 % bei der dann darauffolgenden Wahl wären sicher.
Die Vorzeigefiguren der Grünen ändern doch nichts am Wesen dieser sog. Partei, die als eine Art religiöse Sektierertruppe von selbst ernannten moralisiertenden Weltenrettern mit Alleinvertretungsanspruch daher kommt. Wer das nicht kapiert, sollte sich an altes deutsches Kulturgut erinnern, das die meisten in der Kindheit serviert bekamen, z. B. das Märchen "Rotkäppchen und der Wolf".
Der Autor lebt am Tegernsee. Seine rational nicht ganz nachvollziehbare Eloge auf die grüne Maid vom Ammersee ist wohl seinem Lokalpatriotismus geschuldet. It's the "Heimat", stupid.
Die Grüne Partei ist die Partei der Bevormundung. Daran ändern auch neue Gesichter nichts. Gemach, sobald die Sozialsysteme auseinanderbrechen, die Wirtschaft in den Sinkflug geht, der Handelskrieg weiter eskaliert, die Energieversorgung kollabiert, beruhigt sich auch der deutsche Wähler und die Journalisten. Dann wird der Grünanstrich übergepinselt, weil es um die nackte Existenz geht. Bis dahin träumt weiter.
@Hubert Bauer "Aber ich habe was gegen Schleimerei - egal ob für rechte oder linke Politiker - und Herr Weimar hat gegenüber Blume und Schulze geschleimt." Recht haben Sie, mich hat der Artikel von Herrn Weimer auch verärgert.
Guten Morgen, Herr Weimer. Wenn ich nicht schon so manchen seltsamen, total inkompetente Politiker hochjubelnden Kommentar von Ihnen gelesen hätte, würde ich diesen Beitrag für Satire halten. Was Sie nun so wunderbar an einer Frau namens Schulze finden, die einen braunen Sack über das Denkmal der Trümmerfrauen stülpt, ist mir unverständlich. Diese Frauen, unsere Mütter und Großmütter, die dieses völlig zerstörte Land entrümpelt und wieder mit aufgebaut haben - und nicht etwa die Türken, wie von Grünen und Polit"größen" wie Gabriel und Konsorten behauptet - verdienen unseren Respekt und keine Herabwürdigung. Aber so etwas ist von den Grünen und Innen wohl nicht zu erwarten, die in ihrem Wolkenkuckucksheim verharren und meinen, die sie alimentierende, bisher noch leidlich laufende Wirtschaft, könne ohne bezahlbaren Strom funktionieren. Man denke nur an die völlig ungebildete Frau Baerbock, die davon ausgeht, dass man nicht verbrauchte Energie speichern kann. Da haben Sie aber einen veritablen Bock geschossen, Frau Baer! Worin wollen Sie den Strom den aufbewahren? Vielleicht in leeren Nescafédosen? Es erschließt sich mir immer weniger, wie viele Bürger diese Truppe aggressiv-naiver Schul- und Studienabbrecher immer wieder wählen können. Zwar nur mit um die 10%, einem Anteil jedoch, der unsere ebenfalls unbelehrbare Kanzlerette dazu verführt, das desaströse Grünen-Programm Punkt für Punkt in ihrem sogenannten Regierungsprogramm umzusetzen. Wenn das so weitergeht, wird dieses Land über kurz oder lang verarmen. Machen wir's den Ösis nach und pulverisieren wir diese Grün-Alternativen, die allzu Naiven, bei der nächsten Wahl. Die Bayern können da einen Anfang machen, damit dieser Spuk bald vorbei ist. Die Sozis haben ja schon fertig. Die SonnenblumenanbeterInnen hoffentlich auch bald. Nur so, Herr Weimer, wird ein Schuh draus.
Um es mit den Worten des von mir sehr geschätzten Herrn Henryk M. Broder zu sagen: Herr Weimer, was rauchen Sie? Ansonsten fehlen mir die Worte über so viel Unsinn.