Der Bauernbund Brandenburg hat die kostenlose Verteilung von 4.000 Tonnen Kartoffeln während der Grünen Woche in Berlin als eine „widerliche PR-Aktion“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um ein Projekt der sächsischen Osterland Agrargesellschaft, das von der Berliner Morgenpost und der Suchmaschine Ecosia unterstützt wird. Jeder Haushalt in Berlin soll in den kommenden Tagen kostenlos 4 Kilo Kartoffeln bekommen können. Eine Webseite der Aktion will in Kürze die Verteilstellen veröffentlichen. 4.000 Tonnen entsprechen dem Gewicht von rund 800 ausgewachsenen Elefanten. Diese Menge Kartoffeln lagert unverkäuflich in den Hallen der Agrargesellschaft südlich von Leipzig. Es ist, so die Berliner Morgenpost, eine Menge, die Hunderttausende Menschen sattmachen könnte. Die Veranstalter sprechen davon, dass die Veranstaltung das Klima schone und Bedürftigen helfe.
„Durch die gute Ernte sind Kartoffeln gerade billig, die Erzeugerpreise decken kaum die Produktionskosten“, teilt Bauernbund-Vorstand Timo Scheib in einer Pressemeldung mit. Trotzdem handle es sich bei der vorgesehenen Tonnage um einen Marktwert von mindestens 300.000 Euro, der nicht einfach aus Idealismus abgegeben werde, so der 52jährige Ackerbauer aus Biesdorf bei Wriezen. Er wirft den Veranstaltern der Aktion vor: „Hier bereitet ein von überregionalen Investoren finanzierter großer Agrarkonzern gezielt den Markteinstieg in Berlin vor, und das ausgerechnet zur Grünen Woche auf Kosten der märkischen Bauern, die sich mit Speisekartoffeln in den vergangenen Jahren mühsam ein wirtschaftliches Standbein aufgebaut haben.“ Die Aktion bezeichnet der Bauernvertreter als „4.000 Tonnen Verachtung von Lebensmitteln und 4.000 Tonnen Raubtierkapitalismus.“
Umweltbewusste Berlinerinnen und Berliner, die den Wert der heimischen Landwirtschaft zu schätzen wissen, so der Verband in seiner Pressemeldung weiter, sollten das Geschenk deshalb bewusst nicht annehmen. „Lebensmittel sind und bleiben wertvoll, auch wenn in den nächsten Tagen gedankenlose Gutmenschen an Schulen und Kirchen mit kostenlosen Knollen um sich werfen und der Medienpartner den Mantel der Mildtätigkeit darüber deckt.“ Die Ostenland Agrar GmbH teilte mit, die Kartoffeln müssten vernichtet werden, wenn sie keine Abnehmer fänden. Dem Widerspricht der Bauernverband in seiner Pressemeldung. Keine Kartoffel müsse verschwendet werden, wie die Osterland-Agrargesellschaft dem Publikum vorgaukelt, teilen die Brandenburger Bauer mit, sondern selbst in Jahren eines großen Überangebotes lassen sich nicht verkaufte Mengen noch als hochwertiges Viehfutter verwerten. Bei der Kampagne, so der Vorwurf, gehe es einzig und allein darum, die Konkurrenz vor Ort zu schwächen, um selbst in den lukrativen Hauptstadtmarkt vorzudringen. Schreib empfiehlt den Berlinern, das Geschenk einfach nicht abzuholen.
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Das war auch mein erster Gedanke: Warum die eingelagerten Kartoffeln vernichten und nicht preisgünstig an Schweinemast-Betriebe abgeben? Und was das Thema Ostenland Agrar GmbH vs. Konkurrenz vor Ort angeht, muss ich Herrn Schreib voll zustimmen. Und wenn der Konzern den unbedarften Städtern indirekt droht: <Nehmt die Kartoffeln oder wir werfen sie weg>, wird er zugreifen (was ich Bedürftigen nicht mal verübeln kann)!
Ach, wieder das Klima! (In wiefern wird das eigentlich durch verschenkte Kartoffeln geschont?) Ecosia selbst wirbt ja damit, daß sie für jede Suchanfrage einen Baum pflanzen. Wenn ich daran denke, wie viele Schößlinge ich beim Grasmähen schon mitgekürzt habe…. Im übrigen „verschenkt“ tatsächlich kein Konzern etwas „einfach so“.
Freibier für alle ! Die Sonne schickt doch auch keine Rechung.
Ist zwar nicht kostenlos, hat nur jemand anders schon bezahlt (Subventionen), und versaut die Preise auf dem Markt.
„Es ist, so die Berliner Morgenpost, eine Menge, die Hunderttausende Menschen sattmachen könnte.“ Ja, ja in cloaca maxima Berlin wird schwer gehungert. Den Hunger zeitweise vergessen machen? Durch Tennis spielen z. B., Oder, Wodka wird aus Kartoffeln gebrannt und stillt den Hunger.
Kartoffeln schwierig, schwierig. Selbst China hat sich im Saldo vom Kartoffel Importeur zum Kartoffel Exporteur gewandelt.
Natürlich ist diese Aktion unfair und verfolgt bestimmte Zwecke. Verdrängung, Marktbereinigung. Es ist das Recht der Bauern dagegen zu protestieren. Wie würde der einzelne Bauer mit seinem Überschuss umgehen? Vernichten, verfüttern, Biogasanlage oder doch werbewirksam verschenken? Gleich welche Entscheidung, wird es immer jemanden geben, der etwas gegen diese Entscheidung hat.
Verdrängungs-Kapitalismus an allen Fronten. Der Mittelstand sowie selbstständige Bauern und Handwerker, kleine Ladenbesitzer sollen mutwillig und mit aller Gewalt – und einem darauf ausgerichteten neuen Erbschaftssteuer-Recht – plattgemacht werden. Großkonzerne und lohnabhängig Beschäftigte lassen sich besser unter Kuratel stellen. Das war schon in der DDR so. Nur noch BDI, BDA, DGB. Wer dzwischen zerrieben wird oder putscht – Sozialfall. Es gab eine Zeit, da nannte man das Korporatismus. Jetzt erfolgt ‚mit deutscher Gründlichkeit‘ ein neuer Versuch. Und die in Teilen gleichgeschaltete Presse marschiert vorneweg. Auch das war schon mal so, früher – also damals.
Ich dachte aus Brandenburg kommen nur Bratkartoffeln. Die essen die Berliner doch gar nicht.
Erstens: Vier Kilo Kartoffeln von der Grünen Messe abzuholen, rechnet sich vielleicht für direkte Anwohner und Messebesucher – ansonsten lohnt der Weg aus Kostengründen nicht. Zweitens unter der Voraussetzung, dass die auf der Messe gelagerten Kartoffeln nicht staatlich subventioniert sind: Hat da jemand was gegen Marktwirtschaft?