Bargeld-Zahlern sollen die Flügel beschnitten werden

Ein Vorstoß der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zur Reglementierung von Bargeldeinzahlungen bei Banken blieb in der Öffentlichkeit angesichts der derzeit dominierenden heftigen Diskussionen um die Corona- und Klimapolitik sowie der politischen Schaukämpfe im Vorfeld der im Herbst anstehenden Bundestagswahl weitgehend unbeachtet. Dabei weisen die geplanten Regelungen für die nach wie vor stark am Bargeld hängenden Deutschen durchaus hohe wirtschaftliche und gesellschaftliche Brisanz auf.

Es handelt sich um einen Entwurf der BaFin für die Auslegungs- und Anwendungshinweise zu dem im Februar vom Bundestag verabschiedeten „Gesetz zur Verbesserung der strafrechtlichen Bekämpfung der Geldwäsche“. Mit diesem Gesetz wird die entsprechende Richtlinie (EU) 2018/1673 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2018 umgesetzt. Das Gesetz bringt für die betroffenen Akteure besondere (Sorgfalts-) Pflichten bei ihrer Geschäftstätigkeit mit sich, nicht nur im Finanzsektor, sondern z.B. auch bei Immobilienmaklern und Kunstvermittlern. Dabei geht es insbesondere um Meldepflichten, wenn – wie Juristen es ausdrücken – Tatsachen vorliegen, die darauf hindeuten, dass ein Vermögensgegenstand, der mit einer Geschäftsbeziehung im Zusammenhang steht, aus einer strafbaren Handlung stammt, die eine Vortat der Geldwäsche darstellen könnte.

Mit den geplanten Ausführungsbestimmungen für den Bargeldverkehr beabsichtigt die BaFin, die entsprechenden Sorgfaltspflichten der Banken zu konkretisieren. So sollen „regelmäßige Kunden“ der Bank bei Bargeldeinzahlungen ab 10.000 Euro die Herkunft der Vermögenswerte über geeignete Dokumente nachweisen müssen. Bei „Gelegenheitskunden“ würde die Schwelle sogar bei nur 2.500 Euro liegen. Nun wird „Otto Normalverbraucher“ sich die Augen reiben und wundern, wann er zuletzt mit solchen Summen in bar hantiert hat, außer er hat vielleicht gerade privat einen Gebrauchtwagen ge- bzw. verkauft. Da Bargeldgeschäfte in dieser Größenordnung nicht die Lebenswirklichkeit der meisten Deutschen betreffen, wird die geplante Regelung auch regelmäßig nicht als Problem wahrgenommen.

Möglicherweise erfährt sie sogar ausdrückliche Zustimmung, da die einschlägige Propaganda gegen das Bargeld schon länger das Bewusstsein der Öffentlichkeit manipuliert hat: Mit großen Summen von Bargeld hantieren doch nur (potenzielle) Verbrecher! – Unkontrollierter Bargeldverkehr fördert Kriminalität, Schwarzarbeit, Drogen, Prostitution und Steuerhinterziehung und muss daher unbedingt reglementiert werden.

„Bargeld ist gedruckte Freiheit“

Zu Recht haben die Verbände der betroffenen Kreditinstitute gegen diese geplante Neuregelung protestiert. Sie verweisen darauf, dass Bargeld stigmatisiert werde, ohne dass dem ein entsprechender Mehrwert bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung gegenüber stehe. Terroristen und Schwerverbrecher zahlen ja nicht typischerweise ihr Geld am Bankschalter ein. Zudem seien die Banken im Geschäftsverkehr regelmäßig vertraglich dazu verpflichtet, Bareinzahlungen auf Konten anzunehmen. Es gibt ja auch noch Einzelhändler, die täglich ihre Einnahmen bei ihrer Hausbank abliefern. Und wer ist eigentliche Gelegenheitskunde und muss noch schärfer unter die Lupe genommen werden? Die Banken fürchten allerdings primär die potenziellen Auseinandersetzungen mit ihren Kunden sowie den erheblichen Aufwand für die Umsetzung und Dokumentation ihrer Kontroll- und Sorgfaltspflichten – ein Erfüllungsaufwand, den man in der Gesetzesbegründung zur Reform des Geldwäschegesetzes, wie so oft, einfach negiert hat.

Damit greift ihre Kritik aber letztlich zu kurz und reicht nicht an den Kern des Problems: Dass die Politik zusammen mit anderen Interessensgruppen seit Jahr und Tag auf verschiedensten Wegen versucht, die Nutzung von Bargeld zurückzudrängen und damit die Freiheit der Bürger einzuschränken. Man muss nicht gleich Verschwörungstheorien der Art anhängen, dass die Regierungen planen, über eine Digitalisierung des Geldsystems zusammen mit Social Scoring die Menschen gefügig zu machen, um die sich an verschiedenen Indizien ablesbare Entwicklung zu missbilligen.

Vorgänge wie die Einflussnahme der chinesischen Regierung auf den (geplatzten) Börsengang des Fintechs Ant (Alipay) könnten einen ja durchaus auf solche Ideen kommen lassen. Aber nein, ein Blick auf die Fakten und deren Einordnung in das Gesamtbild des aktuellen Wirtschafts- und Währungssystems zum Beispiel in Europa sollte genügen, um sine ira et studio vor einer weiteren Diskriminierung des Bargelds zu warnen.

„Bargeld ist gedruckte Freiheit“ – dieses Zitat wird heute verschiedenen, zum Teil „umstrittenen“ Protagonisten zugeschrieben. Völlig unverdächtig ist in diesem Kontext allerdings Johannes Beermann, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und dort auch für Zahlungsverkehr und Bargeld zuständig. Er spricht in einem Zeitungsinterview gerade diesen treffenden Satz aus und betont die Entscheidungsfreiheit der Bürger hinsichtlich der Wahl ihrer Zahlungsmittel. Außerdem verweist er auf die bekannte Tatsache, dass das Bezahlen mit Bargeld mehr „Schmerzen“ verursache als das Zücken einer Kreditkarte, bei der ja nur virtuelles Geld abgebucht wird, was zu einer selbstverständlichen Ausgabenkontrolle und Disziplinierung führt. Diesen Effekt machen sich im Umkehrschluss alle Anbieter zunutze, die den Bezahlvorgang für den Kunden so einfach wie möglich machen. Man soll am besten gar nichts mehr vom Geldausgeben spüren, auch wenn am Ende des Kontos noch so viel Monat übrig ist.

Der Bargeldzahler muss sich nicht rechtfertigen

Der Satz „Bargeld ist gedruckte Freiheit“ ist aber auch grundsätzlicher zu diskutieren. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die frühere nationale und auch die heutige europäische Währungsverfassung Bargeld bzw. Banknoten als ausschließliches gesetzliches Zahlungsmittel definieren. So sagt § 14 Abs. 1 Satz 2 Bundesbankgesetz ausdrücklich: „Auf Euro lautende Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel“. Und selbst die deutsche Wikipedia formuliert: „Die ausgegebenen Euro-Banknoten sind das einzige unbegrenzte gesetzliche Zahlungsmittel und werden auf der Passivseite der Zentralbank-Bilanz ausgewiesen.

Das verdeutlicht, dass Banknoten eine Forderung an das Zentralbanksystem darstellen. Für den Gläubiger ist in allen Staaten mit dem gesetzlichen Zahlungsmittel ein Annahmezwang verbunden (man spricht auch von Annahmepflicht oder schuldbefreiendem Annahmezwang). Er muss EU-weit Eurobanknoten als Erfüllung seiner Geldforderung akzeptieren, da „die von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten die einzigen Banknoten sind, die in der Union als gesetzliches Zahlungsmittel gelten“.

Jeder Versuch, die Nutzung von Bargeld mit Einschränkungen oder Erschwernissen zu belegen – und davon gibt es mittlerweile zahlreiche, wie noch zu besprechen sein wird – ist damit ein Versuch, die Rolle des Bargelds als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel zu behindern, zu begrenzen oder gar zu diskreditieren. Warum ist das potenziell für die Bürger so gefährlich und daher kritisch zu sehen?

Grundsätzlich meint „Bargeld ist gedruckte Freiheit“, dass die Nutzung von Bargeld für wirtschaftliche Aktivitäten genau diese Freiheit manifestiert, insbesondere wenn Freiheitsrechte als Abwehrrechte gegen den Staat verstanden werden. Transaktionen können nach Belieben anonym vollzogen werden, wenn die Bürger dies wünschen und keine anderen zwingenden gesetzlichen Vorschriften dagegensprechen. Der Bürger muss sich insbesondere nicht rechtfertigen, wenn er Bargeld nutzt – es ist ja wie gesagt ausschließliches gesetzliches Zahlungsmittel.

Weder staatliche Institutionen noch Wirtschaftsunternehmen sind bei der Verwendung von Bargeld in der Lage, Nutzungsprofile von Bürgern bzw. Kunden zu erstellen und gegebenenfalls gegen deren Willen für andere Zwecke einzusetzen. Bargeld bietet sozusagen „kostenlose Datensicherheit“, wenn man von den selbstverständlichen vorhandenen üblichen Transaktionskosten der Bargeldnutzung abstrahiert. Es kann auch nicht passieren, dass in einem „Überwachungskapitalismus“ Menschen entsprechend der Historie ihrer digitalen Zahlungsströme z.B. unterschiedliche Preise für Hotels oder Reisen zahlen müssen bzw. gegebenenfalls von bestimmten Dienstleistungen ausgeschlossen werden könnten, auch wenn sie grundsätzlich liquide und solvent sind.

Problemlos negative Zinsen für alle

Wichtig ist, dass Bargeld die Option schafft, solche unerwünschte Entwicklungen erst gar nicht eintreten zu lassen. Anbieter von digitalen Bezahlsystemen sind ja nicht unterwegs, um den Kunden etwas Gutes zu tun, sondern um Geld zu verdienen. Auch den Banken ist die Bargeldnutzung schon immer ein Dorn im Auge, weil sie für sie kostenträchtig ist und insbesondere die Schöpfung von Geld im Bankensystem (Giralgeldschöpfung) behindert. Die propagierte höhere Bequemlichkeit digitaler Zahlungen für den Kunden wird an anderer Stelle bezahlt. Wie bei vielen digitalen Geschäftsmodellen wird selbstverständlich mit „Daten“ bezahlt. Wer das nicht möchte, weil er den Paternalismus des Staates oder die Lenkung seiner Konsumwünsche durch moderne Internetgiganten fürchtet, hat mit Bargeld eine solide Alternative.

Der besondere Stellenwert des Bargelds in unserer Gesellschaft zeigt sich aber in Krisen und Ausnahmezeiten. So war im Zuge des ersten Corona-Lockdowns zu beobachten, dass die Bargeldnachfrage massiv gestiegen ist, ähnlich wie während der Lehmann Brothers-Krise im Herbst 2008. Die EZB bewertet dies als Ausdruck der Gewohnheit, Bargeld als Sicherheitsmaßnahme zu horten, um die Liquidität für einen „schlechten Tag“ in der Zukunft sicherzustellen. Gleichzeitig wurde in den Medien zeitweise die Sorge geweckt, dass das Coronavirus durch Bargeld übertragen werden könne.

Im Ergebnis nahm die Bargeldnutzung allerdings ab; dies vor allem wegen der Verlagerung wirtschaftlicher Transaktionen ins Internet. Es dürfte aber fest in den Köpfen der Menschen verankert sein, dass man mit Bargeld jederzeit liquide ist, auch wenn Banken zusammenbrechen, Geldautomaten wecken eines Blackouts nicht mehr funktionieren oder Konten ohne Angaben von Gründen gesperrt bzw. gekündigt werden – was erstaunlicherweise in Deutschland gerade wieder passiert.

Umgekehrt kann es natürlich ohne Bargeld nicht zu einem Bankrun kommen, wie er auch in der Eurozone bereits zu beobachten war. Ein fragiles und instabiles Finanz- und Währungskonstrukt wie die Eurozone wäre damit zumindest nach innen abgesichert; die äußere Flanke kann dann ergänzend über Kapitalverkehrskontrollen stabilisiert werden. Außerdem ist es möglich, ohne Bargeld problemlos negative Zinsen für alle festzusetzen, da für Bürger und Unternehmen keine Ausweichmöglichkeit mehr besteht. Mit ausschließlich digitalem Geld wäre sogar die Einführung eines sogenannten „Schwundgeldes“ vorstellbar, bei dem die Menschen Anreize haben, das Geld aufgrund des systematisch vorgesehenen Wertverlustes sofort auszugeben, und auf diesem Wege angebliche Störungen des Wirtschaftskreislaufs durch das Horten von Geld verhindert werden.

Fluchtmöglichkeiten für Vermögen unmöglich machen

Bereits heute wird die Schlinge bei diesem Thema enger gezogen, wie aktuelle Pressemeldungen nahelegen. So müssen alle Neukunden die ein Privatkundenkonto bei der Deutsche-Bank-Marke „Postbank“ eröffnen, ab dem 21. Juni schon ab einem Guthaben von 50.000 Euro auf Girokonten und ab 25.000 Euro auf Tagesgeldkonten minus 0,5 Prozent „Verwahrentgelt“ zahlen. Ähnliche Regelungen sind bei vielen anderen Banken bereits etabliert oder werden aktuell vorbereitet. Solche Negativzinsen lassen viel besser durchsetzen, wenn die Aufbewahrung von großen Bargeldbeträgen erschwert oder unmöglich gemacht wird.

Wir alle wissen, dass das Eurosystem aufgrund seiner Konstruktionsfehler fragil und krisenanfällig ist. Mit Negativzinsen und dem massiven Ankauf von Staatsanleihen versucht die EZB Staatspleiten und Zusammenbrüche von Unternehmen zu verhindern bzw. zu verzögern. Da sie die Zinsen nicht erhöhen kann, ohne aller Voraussicht nach einen Kollaps des Euroraums und eine veritable Wirtschaftskrise auszulösen, bleibt am Ende nur die Durchsetzung eines Negativzinses für alle Guthaben.

Dem kann man sich nur schwer entziehen, wenn die Bargeldnutzung erschwert oder sogar unmöglich gemacht würde. Die Einstellung der Ausgabe von 500-Euro-Scheinen Ende 2018 war nur ein erster Schritt in diese Richtung. Niedrige Grenzen für Bar-Transaktionen in mehreren europäischen Ländern sprechen eine ähnliche Sprache. Und auch die Absenkung des Schwellenwertes für den anonymen Kauf von Gold oder Goldmünzen auf 2.000 Euro  lässt sich dahingehend interpretieren, dass dem Bürger Fluchtmöglichkeiten für sein Vermögen vor der finanziellen Repression durch Inflation, Negativzins und Steuererhöhungen erschwert oder sogar unmöglich gemacht werden.

Es sei daran erinnert, dass es auch in der modernen Wirtschaftsgeschichte private Goldbesitzverbote gab – nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Ein Lerneffekt der handstreichartigen Außerkraftsetzung von Grundrechten im Zuge der Corona-Pandemiepolitik könnte sein, dass auch in einer schweren Wirtschafts- und Währungskrise der nicht mehr mögliche Zugriff das gesamte Fiat-Geld zeigt, was eben dieses Geld ist: „Money out of thin air“.

Umfassende Kontrolle der Finanzströme

Ein weiteres offizielles Projekt zur Marginalisierung der Bargeldnutzung ist der digitale Euro. Während es um das maßgeblich von Facebook betriebene Projekt der privaten Kunstwährung Libra (bzw. heute Diem) schon lange sehr ruhig geworden ist, arbeitet die EZB kontinuierlich an der Einführung des digitalen Euro als Zahlungsmittel, über dessen Einführung bald entschieden werden soll. Zwar ist digitales Geld faktisch nichts wirklich Neues. Der Bargeldumlauf in der Eurozone macht aktuell nur knapp 10 Prozent der Geldmenge M3 aus. Der große Rest ist letztlich digitales Geld, das vom Bankensystem geschaffen wird (Giralgeld).

Privathaushalte und Unternehmen halten Bankeinlagen, also von den Geschäftsbanken geschaffenes digitales Geld, über das die Haushalte und Unternehmen wiederum bei ihren (digitalen) Zahlungen verfügen. Einen direkten Zugang zur Zentralbank in Form von Guthaben bei der Zentralbank haben derzeit allerdings nur die Geschäftsbanken, während private Haushalte und Unternehmen außen vor bleiben müssen. Der digitale Euro würde auch ihnen den Zugang zu einem Konto bei der EZB eröffnen. Kontoguthaben wären dann genauso sicher und einfach einsetzbar wie Bargeld, und ein breite Nutzung dieser Fazilität vermag wohl die Transaktionskosten der Bargeldnutzung verringern und damit Wohlfahrtssteigerungen ermöglichen. 

Soweit so gut, wenn damit nicht die institutionellen Rahmenbedingungen des europäischen Bankensystems fundamental verändert würden. Wenn der private Sektor direkt auf Zentralbankgeld dieser Art zurückgreifen kann, um Zahlungen zu tätigen, wird die Funktion der Geschäftsbanken als Intermediäre tendenziell kannibalisiert, da kurzfristige Bankeinlagen als wichtige Refinanzierungsquelle immer weniger zur Verfügung stehen. Unternehmen und Haushalte werden diese in verstärktem Maße bei der EZB halten. Auch wenn die Auswirkungen im Detail heute kaum absehbar sind, ist klar, dass sich die Funktionsmechanismen des europäischen Geschäftsbankensystems massiv verändern werden.

Damit kann die Marktmacht der Zentralbank zu Lasten der Geschäftsbanken weiter gestärkt und eine umfassende Kontrolle der Finanzströme abgesichert werden. Der EZB-Kritiker und Ökonom Richard Werner vergleicht die EZB bereits heute mit der Deutschen Reichsbank, weil ihrer Politik den Geschäftsbankensektor systematisch kannibalisiere. Das würde sich mit dem digitalen Euro weiter verschärfen.

Systematisch unter einen Generalverdacht gestellt

All diese Entwicklungen wirken zusammen und komplementär, aber es ist nicht zu erwarten, dass die Politik in absehbarer Zeit den Deutschen die Bargeldnutzung komplett verbieten wird. Zudem verändern sich faktisch die Zahlungsgewohnheiten, allein weil die nachwachsende Generation den Sirenengesängen der Digitalwirtschaft aufgeschlossener gegenübersteht als ihre Vorgänger. Insgesamt mehren sich jedoch die Anzeichen, dass die Daumenschrauben der finanziellen Repression auch beim Bargeld enger angezogen werden. Bei diesem Prozess sind nicht nur die Politik, sondern auch die Banken und die Wissenschaft beteiligt.

Während der Vorschlag von Wolfgang Schäuble von Anfang 2016, eine Obergrenze für Bargeldzahlungen von 5.000 Euro einzuführen, bei den bargeldverliebten Deutschen noch für einen Aufschrei sorgte und wieder kassiert wurde, blieb die eingangs angesprochene Pflicht zum Vorlage eines Herkunftsnachweises bei Bargeldeinzahlungen weitgehend unbeachtet. Vergegenwärtigen sollte man sich auch, dass der seinerzeitige Vorstandschef der Deutschen Bank bereits beim Weltwirtschaftsforum des Jahres 2016 in Davos prophezeite, dass es in zehn Jahren kein Bargeld mehr gebe. Und in der Wissenschaft wird die Abschaffung des Bargelds als zentrale Voraussetzung angesehen, um über Negativzinsen die Geldpolitik zum Abbau des Sparüberhangs wirksam werden zu lassen (Savings glut-Hypothese). Der amerikanische „Star-Ökonom“ Kenneth S. Rogoff plädierte bereits 2015 in einem Handelsblatt-Interview für die Abschaffung des Bargeldes.

Mit dem Herkunftsnachweis bei Bargeldeinzahlungen wird die Nutzung von Bargeld wieder ein bisschen schwerer gemacht. Die Wirkung ist eine eher eine langfristig zermürbende und besonders perfide, weil Bargeldbesitzer mit dieser Regelung systematisch unter einen Generalverdacht gestellt werden. Nicht der Staat muss ihnen nachweisen, dass sie ihr Geld ggfls. unrechtmäßig erworben haben, sondern sie selbst müssen lückenlos belegen, dass die Herkunft des Geldes „sauber“ ist. Mit einer solchen Umkehr der Beweislast wird aber unsere freiheitliche Wirtschaftsverfassung in einem wesentlichen Bereich auf den Kopf gestellt. Dabei tröstet es nicht, dass auch in anderen Ländern ähnliche Praktiken Standard sind. Ob die bisher noch nicht erwähnten Kryptowährungen wie der Bitcoin einen möglichen Ausweg aus dieser Misere bieten, ist dann noch ein ganz anderes Thema – auch hier zeichnen sich massive staatliche Eingriffe ab, von den absurd hohen täglichen Wertschwankungen einmal abgesehen.

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Petra Kehren / 10.06.2021

@ Carsten Leimert: Sie schreiben “dann ist der Staat im Umkehrschluss dazu verpflichtet, jedermann ein Bankkonto anzubieten” Genau ist das ziel der sogenannten “finanziellen Inklusion”. Die wird von den Protagonisten als Hilfe z.B. für prekäre existenzen gepriesen, stellt aber in Wahrheit genau eine der Voraussetzungen für die Abschaffung von Bargeld da. Empfehle mal bei Hern Dr. Norbert Häring vorbeizuschauen. Er beobachtet die Entwicklungen weltweit akribisch und mit einem erstaunlichen Überblick. @Ralf.Michael: Hinsichtlich China und seinen Bewohnern teile ich Ihren Optimismus überhaupt nicht. Der Weg ist dort bereits ein gutes Stück gegangen und wird weiter betrieben. Die ca. 9 Millionen (jüdischen) Bürger Israels werden da nicht gegenhalten können. @ Karl Dreher: Parallelwährungen in Form physischer Äquivalente sind sicher denkbar und wahrscheinlich, aber ausgerechnet US$ und Pfund? Ganz sicher nicht. Und die Schweiz ist viel zu klein um da gegenzuhalten.

Margit Broetz / 09.06.2021

@Arthur Sonnenschein, @Thomas Brox: Sie verdächtigen den Staat und entlasten die Hochfinanz? Sie möchten, daß private Geldschöpfung legal ist? Dann muß ich daraus schließen, Sie möchten von Menschen wie George Soros und Bill Gates regiert werden. Informieren Sie sich mal über die privaten amerikanischen Zentralbanken vor der FED! Sie haben anscheinend nicht verstanden, daß nicht die staatlichen Zentralbanken das Problem sind, sondern daß diese und der sie tragende Staat längst von zumeist amerikanischen aber auch EU-Finanzkonzernen gekapert wurden. Weshalb waren z.B. derart viele Entscheidungsträger in den EU-Institutionen einschließlich der finanziellen, früher bei der Investmentbank Goldman Sachs? Mario Draghi, Mario Monti, Romano Prodi, Otmar Issing und Peter Sutherland sind nur die bekanntesten.

Ridley Banks / 09.06.2021

Nun, da hat der Schaeuble mit “seinen” hunderttausend Euronen noch mal Glueck gehabt.

Carsten Leimert / 09.06.2021

Anspruch gegen Staat auf Bankkonto, 2. Teil Wenn ein Staat ab einer gewissen Grenze ein Bargeldverbot erlässt oder aber das Bezahlen mit Bargeld erheblich erschwert und damit den Bürger zu einer bargeldlosen Bezahlung, d.h. zu einem Bankkonto zwingt, dann ist der Staat im Umkehrschluss dazu verpflichtet, jedermann ein Bankkonto anzubieten (daneben schuldet er dies, da er die Ausübung der Grundrechte sicherstellen muss und man viele Grundrechte nur mit einem Bankkonto ausüben kann.) (dessen ungeachtet halte ich Bargeldverbote und faktische/indirekte Verbote von Zahlungsmitteln wie etwa eine Mehrwertsteuer auf Silberkäufe für verfassungswidrig)

Werner Liebisch / 09.06.2021

Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, für einen Nachbarn Rechnungen bezahlt, über mein Konto, weil der kein Online Banking hat. Dafür habe ich sein Geld vorher auf mein Konto einnezahlt, keine 10TSD Euro, schwups kam eine Nachfrage… Da war ich sehr verwundert….

Peter Groepper / 09.06.2021

Erwin Engelbogen / 09.06.2021 “Das Beste an Berlin, ist die Autobahn nach Polen.” In düsteren Zeiten um die 1990-er (habe von 1989 bis 2011 in NL gelebt) dachte ich immer, das Beste an Holland sei die Autobahn nach Deuschland. Damals hassten uns viele Holländer noch. Heute ist das Beste an Deutschland der Weg ins Ausland.

R. Conradi / 09.06.2021

Eine ergänzende Information für den Autor und die übrigen Foristen: Es handelt sich nicht mehr nur um einen Entwurf. Die finale Fassung wurde gestern (8. Juni) auf der Homepage der BaFin veröffentlicht und ist damit ab sofort anzuwenden.

Andreas Prieß / 09.06.2021

@Andimailinsky “Sie benennen “Fabian, der Goldschmied” als Info-Quelle? Sie wissen hoffentlich, dass Sie sich damit als “Rassist” einer ganz speziellen Sorte outen - zumindest in den Augen all jener, die die im Film aufgezeigten Abläufe (in ihrer eigenen, natürlich völlig antirassistischen Fantasie) sofort einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zuordnen.” Oh ,das ist mir völlig bewusst und mir auch völlig egal,denn genau diese Leute haben den Film überhaupt nicht verstanden und wollen ihn auch nicht verstehen. Ich schau mir das Ganze aus der Ferne an und genieße das Leben solange es noch geht. Corona war und ist nur ein Testlauf und der Great Reset,das heisst der weltweite Banken-und Wirtschaftscrash wird gerade von den gleichen Leuten vorbereitet . Niemand wird dem entgehen können,aber wer vorgesorgt hat kommt vielleicht mit einem blauen Auge davon.

Karl Dreher / 09.06.2021

Nun - es werden sich sicherlich bald Parallelwährungen (“Sorten” [Bargeld]) etablieren, insbesondere Schweizer Franken, US-$ und Britische Pfund, denke ich. Und bereits jetzt dürfte es ja in den “einschlägigen Kreisen” den in der Tat zu Recht verbotenen Schwarzmarkt geben, ich überzeichne drastisch mit dem fürchterlichen Beispiel “Schußwaffe gegen Rauschgift”. Diesem wird mit solch’ hilflosem Agieren natürlich überhaupt nicht Einhalt geboten werden können. Im Ergebnis wird wohl vor allem der sprichwörtliche ehrliche kleine Bürger wieder einmal mehr verarscht ... (ich entschuldige mich für diese Wortwahl).

Julius Schulz-Heggenbrecht / 09.06.2021

Allmählich brauche ich neue Verschwörungstheorien - die alten haben sich alle bewahrheitet ... Aber mal im Ernst, eine völlige oder weitgehende Abschaffung des Bargeldes ist doch der feuchte Traum aller Befürworter autotitärer Gesellschaftsordungen. Wer nur noch mit Karte o.ä. zahlen kann, ist leicht zu überwachen. Da der Staat dann auf die entsprechenden Daten zugreift (und nur sehr naive Menschen glauben, dass er das NICHT tun wird!), wissen entsprechende staatliche Überwachungsorgane nicht nur, wer wann wo etwas gekauft hat. Sie können aus diesen Daten vieles schlussfolgern, sie können daraus auch problemlos Bewegungsprofile erstellen. Ich denke jedoch, dass die Bürger sich zur Wehr setzen werden, und sei es auch nur dadurch, dass sie alternative Zahlungsmethoden (er)finden. Es wird folglich einen regen Schwarzmarkt geben und eine äußerst rege Tauschwirtschaft, durch die sich die zu Untertanen degradierten Bürger der Überwachung entziehen ... Ich denke zudem, dass man den Zorn derer, die in ein solches Überwachungssystem hineingepresst werden, nicht unterschätzen sollte. Diktaturen gehen ja stets davon aus, für die Ewigkeit errichtet worden zu sein - die Geschichte zeigt, dass dies ein Irrtum ist.

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