Bernd Leber, Gastautor / 06.08.2018 / 16:30 / 10 / Seite ausdrucken

Bad Boll kriegt die Krise

Von Bernd Leber.

Mich erreichte dieser Tage eine Einladung der Evangelischen Akademie Bad Boll zu einer Veranstaltung „Krise der Dialogfähigkeit – Shrinking Space im Israel-Palästina-Konflikt“. Aus dem Begleitschreiben geht hervor: Es geht gar nicht um die Levante, es geht um Deutschland, und da um eine angeblich „zunehmende Einschränkung der zivilgesellschaftlichen Handlungsspielräume“. Wo angeblich „zivilgesellschaftliche Friedensgruppen kaum noch Räume für Veranstaltungen und Diskussionen für Veranstaltungen zu den Israel-Palästina-Konflikten finden“ und wo „fast jede kritische Äußerung im Rahmen des Demokratie- und Menschenrechtsdiskurses massiv gestört und durch unterschiedliche Vorwürfe wie z.B. dem des Antisemitismus blockiert“ wird.

Dieses deutsche Drama wird noch getoppt durch eine Dystopie von „Closing Spaces“ als Folge einer Tendenz zur „weltweiten Einschränkung der Zivilgesellschaft“. Es wird insinuiert, dass wir auf dem Weg zu Zuständen wie in China, Russland und sonstigen Schurkenstaaten sind. Wow! Da muss ich in der letzten Zeit irgendeine Entwicklung verpasst haben, oder?

Nun zeigt ein Blick ins Internet, dass allein in diesem Jahr viele Veranstaltungen zu Israel/Palästina stattgefunden haben und stattfinden werden; offenbar gibt es die behauptete Verweigerung von Veranstaltungsräumen für israelkritische Veranstaltungen in der Realität nicht. Angesichts der nach wie vor hohen Zahl von Veranstaltungen und Auftritten israelkritischer Gruppen und Vereinigungen in Deutschland (einschließlich umstrittener Gruppierungen wie etwa BDS und den diversen Aktivitäten zum sogenannten Al Quds-Tag, wie neulich wieder in Berlin) mutet das Lamento über Einschränkungen gegenüber solcherart tätigen zivilgesellschaftlichen Gruppen hysterisch an.  

Worüber in Bad Boll nicht geredet wird 

Wobei sich die Frage stellt, welche dunklen Mächte es denn sein sollen, die die Freiheit zivilgesellschaftlicher Akteure im Allgemeinen und israelkritischer Gruppen im Besonderen in Deutschland einschränken: Der Mossad, die israelische Botschaft, die CDU (eingedenk des schlimmen Kanzlerinnen-Diktums von pro-israelischer Staatsräson), die rechte SPD um den Gottseibeiuns Sarrazin oder die üblichen Islamophobie-Verdächtigen?

Während hier ein Popanz namens „shrinking spaces“ (oder gar die Dystopie der „Closing Spaces“) gegenüber israelkritischer Gruppen konstruiert wird, wird leider der Skandal ganz konkreter und physischer „shrinking spaces“ in öffentlichen Räumen für Juden in Deutschland nicht thematisiert: nämlich Angriffe auf Kippa-Träger und sonstwie als Juden erkennbare Menschen, No-Go-Areas für Juden in diversen Städten, Aggressionen in Schulen gegenüber jüdischen Kindern, Polzeischutz jüdischer Einrichtungen, öffentliches Verbrennen israelischer Flaggen. Sollte das möglicherweise daran liegen, dass dieser Neo-Antisemitismus, der gerne in Gestalt des Anti-Zionismus daherkommt, überwiegend von Muslimen ausgeht?

Vielleicht findet sich ja während der Tagung Zeit, auch diesen sehr konkreten Aspekt zu diskutieren. Und wenn es nur in den Kaffeepausen ist.

Bernd Leber, arbeitet als Gutachter in Migrations- und Sicherheitsfragen für die EU, die UN, das Auswärtiges Amt und andere Institutionen.

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Leserpost

netiquette:

Andreas Rühl / 06.08.2018

Das einzige, was in diesem Land definitiv schrumpft, sind die Gehirne. Um das zu erkennen, braucht es kein Symposion. Wenn eine deutsche Schriftstellerin in ihrem Roman einen Halbjuden (sic!) auftreten laesst und lauter liebe, nette, lächelnde sog. Palestinenser und keinem mehr auffällt, dass die angegliche ehemalige judaistikstudentin eine ueble antisemitische Wannsee propaganda verbreitet, ist der Punkt erreicht, wo der gehirnträger und - benutzer sich aus dem diskurs der schrumpfhirne ausklinken muss. Finis Germaniae. Finis sapentiae. Ohne mich allerdings.

U. Unger / 06.08.2018

Gut das ich eine Einladung der postfaktischen Akademie in Bad Spencer habe. Andere Diskussionen verlaufen zu oft ungeklärt.

Alexander Rostert / 06.08.2018

Was ist eigentlich das Gegenteil der abgedroschenen Formulierung von der “Zivilgesellschaft”? Die Militärgesellschaft?

Olaf Jakob / 06.08.2018

Sehr geehrter Herr Leber, Als Gutachter in Migrations- und Sicherheitsfragen wünsche ich Ihnen viel Erfolg in den Elfenbeintürmen der einschlägigen Gutmenschen- Institutionen EU, UN usw.

Roland Müller / 06.08.2018

Wenn Russland ein Schurkenstaat ist, dann sind die USA und Deutschland erst recht Schurkenstaaten, in denen Recht und Gesetz nur auf dem Papier vorkommen. Dieser Vergleich ist mindestens so abgelutscht, wie der pauschale Rassismusvorwurf, und ebenso wenig wahr. Sicher ist nur, das die UN und die EU-Bürokratie in Brüssel Hochburgen der Korruption und der Dummschwätzerei(siehe den Herrn Asselborn und die Tumore) sind.

Robert Jankowski / 06.08.2018

Wie formulierte es Herr Broder vor kurzem so schön: die “Islamisierung aller Diskussionen”. Obwohl Verfolgung, Übergriffe und Unterdrückung anderer Religionen in islamischen Ländern an der Tagesordnung sind, sind die Muslime immer die Opfer. Statt jetzt vielleicht die Situation der Nichtmuslime im IS Staat (oder dem Iran, oder…) zu diskutieren, schwingt sich ausgerechnet die evangelische Kirche zum Schutzengel der armen und verfolgten Palästinenser auf. Diese sind per UN Dekret seit mehreren Generationen “Flüchtlinge” und somit Opfer, die durch die UN zudem auch noch dauerhaft alimentiert wurden. Sie sind also, aus muslimischer Sicht, sozusagen per se Märtyrer, die sich der Sache des Islam opfern. Jeder auch nur halbwegs denkende Christ sollte sich doch bewußt sein, dass es bei all den inszenierten Leiden um die öffentlche Zelebrierung dieses Märtyrertums geht. Leider haben viele Christen den inneren Hilfsimpuls, der ihnen mit dem “barmherzigen Samariter” eingeimpft wurde. Diese Leute sollten sich mal mit der Situation von Millionen von Christen in islamischen Staaten auseinandersetzen, dann würde ihnen wahrscheinlich Einiges an “Opferhilfewillen” verloren gehen!

Frank Box / 06.08.2018

Wir haben hier in Deutschland die paradoxe Situation, dass für unsere linksgrüne Medienwelt nur ein von “Rechten” drangsalierter Jude einen Opferstatus genießt. Sind die Täter “Linke” oder Moslems, und es gelingt nicht, die Sache vertuschen, dann wird mit allen Mitteln versucht, den Vorgang zu verharmlosen. Verrückterweise beteiligen sich auch Funktionäre des Zentralrats der Juden daran: Konsequent verurteilt werden Straftaten gegen Juden immer nur dann, wenn ein “Rechter” als Täter feststeht. Ansonsten hüllt man sich in Schweigen, oder äußert sich nur sehr zurückhaltend. Die Folgen sehen wir in Frankreich, wo immer mehr Juden das Land verlassen und nach Israel auswandern. Will man das hier vermeiden, muss man JETZT handeln! Die Juden, die auch weiterhin in Deutschland leben wollen, müssen handeln! Und zwar bei ihren eigenen Organisationen! Also: die komplette Führung des Zentralrats sofort austauschen! Diese Leute müssen durch Hardliner ersetzt werden, denen das Weiterbestehen des Judentums in Deutschland wichtiger ist, als die Liebe unsere linksgrünen Medien. Alle neuen Funktionäre müssen bereit sein, bei Straftaten gegen Juden Ross und Reiter klar zu benennen, und sie müssen sich für Gefängnisstrafen (und Abschiebungen) einsetzen! Dann muss von allen Parteien Unterstützung eingefordert werden! (Auch wenn jetzt schon absehbar ist, dass man die wohl nur von Union, FDP und AfD bekommt) Allen Parteien, die nicht bereit sind, die Juden in Deutschland DURCH TATEN konsequent vor weiteren Übergriffen und Diffamierungen zu schützen, muss man ins Gesicht sagen, was sie sind: ANTISEMITEN !!!

Werner Brunner / 06.08.2018

Dieser Herr Leber scheint ganz arg unter Verfolgungswahn zu leiden ...... Übrig bleibt dem Leser nur die Feststellung zu treffen : Sieh an , ein weiterer Schwätzer , der seinen geistigen Dünnpfiff unter die Leute bringen möchte !

Wolfgang Kaufmann / 06.08.2018

Ein Programmpunkt dort: „70 Jahre Israel – 70 Jahre Nakba“. Müssen geschichtsvergessene Intellektuelle in Deutschland diesen Trittbrettfahrern Raum bieten? Wer hat 1948 wem den Krieg erklärt und ihn verloren? Ein klassischer Fall von Revisionismus! – Müssen wir nun auch die Rückgabe Schlesiens an Deutschland verlangen, Griechenlands an die Türkei, der Niederlande an Habsburg, Amerikas an die Indigenen? Ach nee, ich vergaß: Die weißen alten Männer sind ja die geborenen Bösen.

Uwe Dippel / 06.08.2018

Im Grunde, wenn ich den Artikel richtig verstehe, betriebt die Evangelischen Akademie Bad Boll Antisemitismus. Nicht direkt, aber andersherum, durch die Behauptung, es gäbe unzureichend Gefässe für diskutierten Antisemitismus.

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