Die idiotischste Ideologie, die die Welt je gesehen hat

Die somalisch-amerikanische Menschenrechtsaktivistin Ayaan Hirsi Ali rechnete bei ihrer Rede vor dem Swiss Economic Forum in Interlaken mit den aktuellen politischen Missständen dieser Welt ab. Wir dokumentieren ihren rhetorischen Rundumschlag im originalen Wortlaut.

Zunächst einmal fühle ich mich geehrt, dass Sie mich bitten, zu Ihnen zu kommen und über das Thema „Reichweite“ und „Kooperation“ zu sprechen. Leider stehe ich in dem Ruf, dass ich dazu neige, zu polarisieren. Ich bin mit diesem Bild von mir nicht einverstanden, aber es fällt mir schwer, dagegen anzukämpfen. Ich weiß, dass Sie in dieser Gemeinschaft großen Wert darauf legen, mit anderen in Kontakt zu treten und zusammenzuarbeiten, um die Welt besser zu machen. „Reaching Out“ ist für Sie kein hohler Slogan. Es ist Ihnen ernst damit, und dafür kann ich nur meine Bewunderung aussprechen. Ich weiß aus erster Hand, welch großartige und erstaunliche Leistungen durch menschliche Zusammenarbeit erzielt werden können. Sei es in der Politik, in der Wirtschaft, in Wissenschaft und Technik. Es ist fast ein Naturgesetz: Je mehr Menschen für ein gemeinsames Ziel zusammenarbeiten, desto mehr erreichen sie. Aber auch das Gegenteil ist wahr: Je mehr wir die Wünsche, Ziele und Gemeinschaften der anderen untergraben, desto schlechter geht es uns. Erfolgreiche Familien, Unternehmen, politische Parteien, Nationen und Regionen sind diejenigen, die der Konfliktlösung durch Dialog und Diskussion den Vorrang geben und einen Konsensrahmen schaffen.

Meine Beobachtung ist jedoch, dass wir in letzter Zeit im Westen den echten Unterschieden nicht genug Aufmerksamkeit schenken – Faktoren, die eine Zusammenarbeit erschweren oder gänzlich unmöglich machen. Sehr oft predigen wir Zusammenarbeit, anstatt sie wirklich zu praktizieren. Ich behaupte nicht, dass das „Swiss Economic Forum“ (Anm. d. Red.: Das jährlich in Interlaken stattfindende Swiss Economic Forum ist nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls in der Schweiz stattfindenden World Economic Forum von Davos) an diesem Versäumnis schuld ist.

Der Brexit und die geschenkten Atomwaffen

Lassen Sie mich ein paar Beispiele nennen: Im Jahr 1996 überredeten westliche Politiker die Ukraine, ihre Atomwaffen aufzugeben, mit dem Versprechen, eines Tages der NATO und sogar der EU beizutreten. Im Namen der Zusammenarbeit, des Handels, der Hilfe, der Diplomatie und anderer Soft-Power-Terminologie verstrickten die Staats- und Regierungschefs der NATO und der EU ihre Volkswirtschaften mit denen Russlands. Dies setzte sich in der Zeit fort, in der Putin an die Macht kam, das Phänomen der russischen Oligarchen aufkam, Menschenrechtsverletzungen, Korruption, Machtergreifung und Bedrohung der Nachbarländer unter Putins Regime stattfanden.

Ein weiteres Beispiel: Der Brexit hätte verhindert werden können, wenn die Staats- und Regierungschefs der EU den Bedürfnissen der Bevölkerung ihrer Mitgliedstaaten Beachtung geschenkt hätten. Über das Demokratiedefizit, die Übervorteilung durch Brüssel und die Entmachtung dieser Bevölkerungen wurde bis zum Äußersten diskutiert und debattiert. Die Staats- und Regierungschefs der EU sprachen von Zusammenarbeit und Konsens, taten aber genau das Gegenteil. Dies führte dazu, dass 52 Prozent der Briten die EU verlassen wollten.

Trans, Islam und die Uiguren Chinas

Jahrzehntelang wurde über den Islam und die Auswirkungen der Einwanderung aus muslimischen Ländern auf den sozialen Zusammenhalt und den Wohlfahrtsstaat in Europa diskutiert, untersucht und berichtet. Die Last der unbeabsichtigten Folgen dieser spezifischen Einwanderung liegt ganz klar auf den Schultern der Arbeiterklasse. Und wie sind die führenden Politiker des Establishments damit umgegangen? Sie haben den Schmerz der Arbeiterklasse ignoriert und tun dies auch weiterhin, indem sie sie mit Schimpfwörtern wie Fremdenfeindlichkeit und Rassismus beschimpfen. So viel zum Thema Zuhören. Westliche Politiker beklagen die Unterdrückung muslimischer Frauen in ihren Heimatländern und in den Einwanderergemeinschaften. Frauen, denen die grundlegendsten Freiheiten verweigert werden, leiden, und ihre eigenen Gesellschaften halten sich selbst wirtschaftlich, sozial und moralisch unten, indem sie die Hälfte der Bevölkerung zu Vieh machen. Die Emanzipationsgeschichte der meisten Frauen in den Entwicklungsländern hat noch nicht begonnen oder wird immer wieder zurückgeworfen. Schauen Sie sich die Frauen in Afghanistan heute an und die Versprechen, die ihnen im Namen der Zusammenarbeit gemacht wurden.

Schauen Sie sich die Förderung der idiotischsten Ideologie an, die die Welt je gesehen hat, die darauf besteht, Pronomen zu kontrollieren, den Begriff „Frau“ ganz zu streichen und absurde Ausdrücke wie „Menschen, die menstruieren“, „Brustfütterer“ und anderen Müll zu verwenden. Währenddessen dringen Männer, die sich als Frauen ausgeben, in Frauenhäuser, Frauensportvereine und sogar in Frauengefängnisse ein. Wer gegen diese Entwicklungen Einspruch erhebt, wird als „TERF“ beschimpft. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Im Namen der Zusammenarbeit und des Konsenses laden westliche Staats- und Regierungschefs Tyrannen zum Weltwirtschaftsforum ein, um dort zu debattieren und sich zu vernetzen – aber was genau erreichen wir in diesen Foren? Haben wir irgendeine ehrliche Antwort auf die Behandlung der uigurischen Bevölkerung in China oder die böse Null-Covid-Politik der chinesischen Regierung?

Natürlich gibt es einen Weg zurück. Wir können in der Tat einen Weg zurück zu Versöhnung und Frieden finden, aber das erfordert Mut, Ehrlichkeit und eine Menge Anstrengungen. Ich möchte noch einmal betonen, dass ich diese Gemeinschaft nicht der Heuchelei oder schlechter Absichten bezichtige. Ich sage nur, dass wir, wenn wir die sehr ernsten Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, von der Bedrohung durch einen Atomkrieg bis zum Zusammenbruch der Kernfamilie, ernsthaft angehen wollen, ehrlich darüber sein müssen, was wir erreichen können und mit welchen Mitteln. Ich hoffe, ich habe Ihnen nicht den Tag verdorben.

Foto: Gage Skidmore CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

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Wolfgang Richter / 02.07.2022

Mrs. Aayan Hirsi Ali an die Spitze der UNO, dann könnts aus dem Verein doch noch was Sinnvolles werden.

N.Lehmann / 02.07.2022

Nur weil einige Amis sich mit den wertlosen Papierschnipseln den Arsch abwischen, wollen sie gleich die ganze Welt mit den dann unterzeichneten Dokumenten $ beglücken. Henry Ford war auch so ein “Philanthrop” und wollte im brasilianischen Urwald die Ureinwohner erziehen und ist jämmerlich gescheitert. Ob mit Onkel Ho oder den Ziegenhirten am Hindukusch fangen die jeden Streit an, hinterlassen Chaos und flüchten dann wie die Hasen. Bis auf die kastrierten Dummmichels ist deren Bilanz so ziemlich, wie mit dem ins Wasser gefallenen notebook vom Hintern Biden zu vergleichen?! Früher schrien die Ökofaschisten “Ami go home” und heute kriechen se denen in den Anus! Einfach Widerlich!

giesemann gerhard / 02.07.2022

@Sabine Sch.: Wie recht Sie haben. Sagst du was, bist du Volksverhetzer.

P. Schulze / 02.07.2022

Wahhaft häßlich ist die Fratze des aktuell angesagten Faschismus :)

Reinmar von Bielau / 02.07.2022

Viele richtige und wichtige Themen angesprochen. Ich hoffe, dass die Frau nicht nur als Feigenblatt auf der Veranstaltung war, sondern das, was sie gesagt hat, auch endlich von ein paar mehr Leuten reflektiert wird. Aber lassen Sie mich raten: im ÖR TV findet Frau Hirsi Ali nicht statt. Sie ist zu sehr gegen das Dogma.

Winfried Jäger / 02.07.2022

Diese Rede ist ein typische Frauen-sind-immer-die-Opfer-Rede. Das ist vollkommen absurd. Sie war Opfer und verallgemeinert in unzulässiger Weise. Frauen sind mindestens genauso verantwortlich für die Beschneidung ihrer Töchter wie ihre Männer. Frauen haben Genderlehrstühle besetzt, Frauen verbreiten weiter die Lüge vom gender pay gab. Sie haben in der Mehrzahl die Heimsuchung aus der Uckermark zur Kanzlerin gewählt und neuerdings die Grünen. Sie können kompetenzlos mitlerweile aufgrund ihres Geschlechtes jeden Posten besetzen. Und jetzt setze ich noch einen drauf: Wer hat eigentlich dem Gröfaz fanatisch zugejubelt aus Überzeugung und nicht aus sonstigen eigennützigen niederen Beweggründen. Frau Hirsi genießt meinen Respekt. Sie ist aber nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Frauen sind zumindest im westlichen Kulturkreis heutzutage mehrtlich Täter denn Opfer für die Zustände in diesen Ländern.

Christian Feider / 02.07.2022

@ Ilona Grimm mal ganz ab von dem “Forum” wissen Sie,worum es Theo van Gogh und der Frau eigentlich ging? also,als diese den Film gemacht haben,der Produzent ermordet wurde und diese Frau in das Eil gezwungen wurde? haben SIE sich damit beschäftigt? denn das war LANGE vor 2015 und lange,bevor die Achse kritisch gegenüber der Zuwanderung aus middle east wurde! machen Sie DA mal zur Abwechslung Hausaufgaben,bevor Sie Vorwürfe machen

Holger Lundstrom / 02.07.2022

Ayan Hirsi Ali ist eine hochintelligente Frau, die regelmäßig für Unherd schreibt, dem britischen Pendant zur Achse. Ich kann allen, die des Englischen mächtig sind, jene Seite nur empfehlen.

Peter Woller / 02.07.2022

Franz Josef Strauß hat vor vielen Jahren einmal dem Sinn nach gesagt, die Grünen seien die gefährlichste Partei, die es in Deutschland gibt. Damals dachte ich, Strauß übertreibt. So schlimm sind die Grünen gar nicht. Heute weiß ich, die Grünen sind der Wolf im Schafspelz. Und unsere Bibelkreise und Bibelgemeinden werden mit den Grünen als Nächste offen aneinander geraten. Denn Evangelium und grüne Ideologie schließen einander gegenseitig vollständig aus. Dazwischen gibt es nichts. Der Kampf ist vorprogrammiert. Die Weltkirchen poppen mit den Grünen. Die meine ich auch überhaupt gar nicht.

Karl Mai / 02.07.2022

Jeder einzelne Mensch, der den Mut hat, seine Stimme zu erheben und Mensch zu sein, verdient größten Respekt. Gott hat uns alle zu Menschen und doch alle verschieden gemacht, damit wir merken, das jeder einzelne zählt. Danke für diese starke Stimme. Hüten wir uns vor der Quantifizierung.

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