Diesmal trifft es nicht das Automobil-Kernland Baden-Württemberg, sondern das eher strukturschwache West-Thüringen. Für die Gemeinde Gerstungen ist der Verlust von 600 Arbeitsplätzen ein herber Schlag. Die Gründe sind die gleichen wie immer.
Gerstungen in Thüringen steht vor einer schweren Krise in der Automobilbranche. Der Autozulieferer AE Group wird voraussichtlich 600 Stellen abbauen müssen, da die Produktion aller Wahrscheinlichkeit nach eingestellt wird, meldet ingenieur.de. Ein Rettungsversuch verlief erfolglos, und Beobachter erwarten die Entscheidung am Montag im Gläubigerausschuss.
Die AE Group, die sich auf Aluminium-Druckgussteile spezialisiert, hatte im Februar 2024 Insolvenz angemeldet, jedoch Hoffnung auf neue Investoren gesetzt. Diese Hoffnung verflog schnell, als kein neuer Geldgeber gefunden werden konnte, obwohl zahlreiche Unternehmen kontaktiert wurden. Ein Angebot eines Aacheners wurde abgelehnt. Vermutlich wollte sich kein Investor eine Krisenbranche ans Bein binden. Dass die einst stolze deutsche Autoindustrie und mit ihr die Zuliefererbranche längst nicht mehr ein Garant für gute Gewinne sind, hat sich längst herumgesprochen. Auch bei AE Group werden zu hohe Energiekosten, immer weiter steigende Kosten und Aufwand für Bürokratie bzw. das Erfüllen von Vorgaben der EU und der Bundesregierung sowie die schwache Lage der Autoindustrie als Gründe für die Krise genannt, wie bild.de berichtet.
Ein Sozialplan und eine Transfergesellschaft sind bereits vorbereitet. Bürgermeister Daniel Steffan weist auf die ernsthaften Auswirkungen der Schließung auf die Gemeinde hin. Gerstungen liegt ziemlich in der Mitte Deutschlands, direkt an der hessisch-thüringischen Grenze und der Autobahn A4. Die Gemeinde hat knapp 9.000 Einwohner. Wegen der verkehrsgünstigen Lage und der Zuschüsse für den Aufbau Ost entstanden hier mehrere Gewerbegebiete. Die AE Group ist die größte ansässige Firma. Gerstungen ist ihr Hauptsitz, ein Ausbildungs- und Entwicklungszentrum gibt es im nahegelegenen Nentershausen (Hessen) sowie eine weitere Fabrik im polnischen Strzelce Krajenskie (Friedeberg in der Neumark). Ein Werk in Lübeck wurde bereits im April dieses Jahr geschlossen.
Beitragsbild: Library of Congress