Europäische Autohersteller haben es zunehmend schwer in China, dem einst größten Wachstumsmarkt für westliche Firmen. Der Verbrenner-Markt ist gesättigt, beim wachsenden E-Automarkt haben die chinesischen Hersteller einen uneinholbaren Vorsprung.
Der Gerichtshof im chinesischen Changsha hat die Insolvenz des Joint Ventures zwischen dem chinesischen Autohersteller GAC Group (Guangzhou Automobile Group Company) und FCA (Fiat Chrysler Automobiles, Teil des Stellantis-Konzerns) erklärt, womit die industrielle Präsenz von Stellantis in China durch diese Partnerschaft endet, meldet italpassion.fr.
Das 2011 gegründete Joint Venture sollte ursprünglich den chinesischen Automarkt zu erobern. Geplant waren Investitionen in Höhe von 17 Milliarden Yuan (2,3 Milliarden Euro), zwei Fabriken in Guangzhou und Changsha, eine Jahreskapazität von 300.000 Fahrzeugen sowie eine Produktpalette, die auf lokale Vorlieben abgestimmt war.
Nach einem Verkaufsrekord 2017 mit über 200.000 Einheiten konnte das Unternehmen jedoch nicht mit dem rasanten Fortschritt des chinesischen Marktes für Elektroautos mithalten. GAC-FCA blieb auf herkömmliche Fahrzeuge fokussiert, die in China zunehmend uninteressant wurden. Bis 2022 befand sich das Unternehmen in einer Umstrukturierungsphase – ohne Erfolg bei der Veräußerung von Vermögenswerten. Übrig blieben Schulden von über 8,1 Milliarden Yuan (966 Millionen Euro). Mit der Insolvenz verabschiedet sich Stellantis von einem wichtigen Teil seiner asiatischen Strategie und hinterlässt erhebliche finanzielle Verluste.
Das Scheitern zeigt die Schwierigkeiten westlicher Hersteller, sich dem wettbewerbsintensiven, von Elektroautos dominierten chinesischen Markt anzupassen. Die Umstellung auf elektrische Antriebe hätte immense Investitionen erfordert. Zudem verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Stellantis und GAC nach der FCA-PSA-Fusion, sodass es zu keiner Einigung kam.
Stellantis entstand durch den Zusammenschluss der beiden großen Automobilkonzerne Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und der französischen Groupe PSA. Diese Fusion wurde im Januar 2021 abgeschlossen, nachdem sie im Dezember 2019 angekündigt worden war. Der Zusammenschluss zielte darauf ab, die globale Wettbewerbsfähigkeit der beiden Unternehmen zu steigern, indem ihre jeweiligen Stärken und Ressourcen gebündelt wurden. FCA brachte unter anderem die Marken Fiat, Chrysler, Jeep, Dodge und Alfa Romeo in das neue Unternehmen ein, während PSA Marken wie Peugeot, Citroën, DS Automobiles, Opel und Vauxhall beisteuerte. Stellantis wurde damit zu einem der weltweit größten Automobilhersteller, mit einem breit gefächerten Portfolio an Fahrzeugen, das von Kleinwagen bis zu größeren Nutzfahrzeugen reicht und sich insbesondere den Ausbau seiner Elektrofahrzeug-Initiative auf die Fahnen geschrieben hat.
