Die Sicherheitsvorkehrungen bei den Salzburger Festspielen hatten trotz der zahlreichen Prominenz gerade wieder ein eher lässiges Format angenommen, so wie es sich in Österreich gehört. Damit dürfte jetzt erst mal wieder Schluss sein, die "Last Generation" stürmte die Bühne.
Als ich noch für eine große deutsche Presseagentur regelmäßig über die Salzburger Festspiele berichtete, immerhin das größte Musik- und Theaterfestival der Welt, kam ich bei einer festlichen Opernpremiere einmal direkt hinter der damaligen Bundeskanzlerin zu sitzen. Sie machte jedes Jahr im Sommer den Festspielen ihre Aufwartung, begleitet von ihrem stillen Gatten und einem österreichischen Unternehmerehepaar. Sie trug damals ein rotes, schulterfreies Kleid und ich überlegte kurz, ob ich ihr keck in den Nacken pusten sollte.
Das wäre natürlich ein großer Skandal geworden, ich wäre sofort aus dem Theater geflogen, hätte Hausverbot bekommen und wäre meinen Job losgewesen. Wahrscheinlich hätte ich mir auch eine Strafanzeige eingehandelt. Eingedenk dieser möglichen Folgen und den Regeln allgemeiner Höflichkeit, insbesondere gegenüber hochgestellten Damen, unterließ ich die Pustaktion. Im Nachhinein habe ich es bedauert, die einmalige Chance nicht wahrgenommen zu haben. Vielleicht wäre M. vor Schreck explodiert und ich hätte den Lauf der Geschichte verändert.
Vor Corona waren die Sicherheitsvorkehrungen bei diesem Festival, zu dessen glanzvollen Premieren sich die Schönen und Reichen ganz Europas, ja der Welt, einfinden und Hunderte von Touristen regelmäßig vor dem Eingang des Festspielhauses Spalier stehen, um einen Blick auf die Prominenz zu erhaschen, denkbar lasch. „Laschieren“ bzw. largieren hieß in der alt-österreichischen Amtssprache so viel wie „aufschieben, großzügig vorgehen, lässig arbeiten“. Ich dachte immer, wie einfach es doch für irre Extremisten wäre, hier ein Fanal zu setzen.
Dann kam Corona und alles änderte sich. Jetzt gab es plötzlich ultrastrenge Einlasskontrollen. Die Tickets wurden personalisiert; man musste beim Einlass seinen Personalausweis vorzeigen und natürlich eine Impf- oder Testbescheinigung. Einmal war mein Test wenige Stunden abgelaufen – keine Chance. Man nötigte mich, mir im Untergeschoss des Opernhauses nochmals in der Nase herumstochern zu lassen. Und die Maskenkontrollen waren lückenlos.
Der Saal war gestopft voll mit Prominenz
Irgendwann kamen, wohl nach einem größeren Terroranschlag, auch Tascheninspektionen hinzu. Wildfremde Leute leuchteten mir in den Stoffbeutel hinein, den ich immer mit mir trage, um Telefon, Schlüssel, Geldbörse und Mozartkugeln als Wegzehrung zu verstauen. Einmal erlaubte ich mir gegenüber einem Diensthabenden den Scherz, er möge doch bis ganz unten leuchten, weil dort eine Bombe versteckt sei. Das kam gar nicht gut an.
Zuletzt hatten sich die Kontrollen wieder sehr laschiert, eigentlich wirkten sie nur noch symbolisch. Jetzt lese ich, dass es einer Gruppe von Aktivisten der „Last Generation“ gelungen sei, während der Eröffnungsfeier der diesjährigen Festspiele in der Felsenreitschule die Bühne und die hinteren Emporen zu stürmen, um dort Pro-Palästina-Plakate zu entrollen und anti-israelische Slogans wie „Stoppe den Völkermord“ zu skandieren.
Der Saal war gestopft voll mit Prominenz, darunter auch der grüne, österreichische Bundespräsident Alexander van der Bellen, der sich nicht entblödete, indirekt Verständnis für die Aktivisten zu zeigen. Er bezeichnete die Hamas-Mordaktion vom Oktober 2023 zwar als das „schlimmste Pogrom der Nachkriegszeit“. Das sei aber keine Rechtfertigung für das, was derzeit in Gaza passiert.
Protestaktivitäten stark diversifiziert
Österreichischen Pressberichten zufolge hatten sich die Aktivisten mit gefälschten Hausausweisen Einlass verschafft. Laut Festspieldirektion gibt es rund 6.000 Personen mit solchen Mitarbeiterdokumenten. „Nicht jeder Ausweis kann detailliert gesichtet werden“, wird Lukas Crepaz zitiert, kaufmännischer Direktor der Salzburger Festspiele. Warum gibt es überhaupt solche Ausweise, wenn sie niemand kontrolliert?
Die sechs Aktivisten der „Last Generation“, die ihre ursprünglich auf die „Klimakrise“ ausgerichteten Protestaktivitäten stark diversifiziert haben, wurden in Polizeigewahrsam genommen, nach zehn Stunden aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Ihnen wird Urkundenfälschung vorgeworfen. Ihre Anwältin nannte die gefälschten Ausweise „eindeutig eine Persiflage“.
Jetzt hat es sich offenbar wieder einmal auslaschiert. Es soll zusätzliches Sicherheitspersonal geben und am Einlass sollen wieder Lichtbildausweise verlangt werden. Geleuchtet wird auch, man könnte ja in seinem Stoffbeutel ein meterlanges Protestplakat versteckt haben.
Georg Etscheit ist Autor und Journalist in München. Fast zehn Jahre arbeitete er für die Agentur dpa, schreibt seit 2000 aber lieber „frei“ über Umweltthemen sowie über Wirtschaft, Feinschmeckerei, Oper und klassische Musik. Er schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss, und auf Achgut.com eine kulinarische Kolumne.

Solange solch uninteressanten Aktionen umfangreiche Publicity erhalten, wie mit diesem Artikel, hat die „Letzte Generation“ alles erreicht, was diese mit der Aktion vorhatte.
Wer sagt denn dass das nicht bestellt ist ?
Das gewollt inszenierte Hofieren von einer offen gestörten Militanten Sekte, auf deren Medaillen-Rückseite ‚Nützliches Idiotentum‘ eingraviert ist.
… wie bei den Niulichen Mitstreitern beschrieben, von der 2. BundesverfassungsgerichtsRadikalinskierin höchst verehrt!
womit wieder mal bewiesen wäre, dass die Klimarettung die verlogene Ersatz- und Ablenkungsmoral von Widerlingen (leider einer Mehrheit) darstellt, die das Leben überhaupt und ganz besonders als Prozess der Heilsgeschichte hassen, in der Israel die Schlüsselrolle hatte, hat und immer haben wird…
Hat schon mal ein Künstler oder eine Künstlerin bei den Festspielen auf der Bühne, vergleichbar mit Vicky Leandros, verkündet: „Vor Merkel trete ich nicht auf“.
Das haben die Weltenretter gut gemacht. Somit könnte beim einen oder anderen Prominenten der Groschen gefallen sein, daß es sich nicht nur für den Pöbel auf dem Bahnhof, sondern auch bei ihm unter seinesgleichen auslaschiert hat.
Achtung! nicht ernst gemein sondern pure Rhetorik: Jetzt mal ganz ehrlich, welche von diesen überwiegend adipösen, in schlechtsitzende und mehrheitlich geschmacklose Abendgarderobe gewandeten Gestalten würde denn tatsächlich fehlen? Würde das plötzliche Fehlen irgendeiner dieser Personen eine nichtzufüllende Lücke reisen? Sehn`se , eben. Warum und wofür also sollen, womöglich mit Familie und Kindern gesegnete, Sicherheitsbeamte ihre Gesundheit oder gar ihr Leben riskieren? Also, lückenlose Kontrolle dieser Schmarotzer beim Einlaß, das ganze Gelände mit 8 Meter hohen Zäunen absperren und gut ist.