Kolja Zydatiss / 25.12.2020 / 06:00 / Foto: Imago / 19 / Seite ausdrucken

Ausgestoßener der Woche: Bob Dylan

Der erste Ausgestoßene dieser Woche ist die amerikanische Rock- und Folklegende Bob Dylan. Jacob Siegel vom amerikanischen, jüdischen „Tablet Magazine“ macht darauf aufmerksam, dass das Lied „Neighborhood Bully“ von Dylans Album „Infidels“ (1983) offenbar systematisch von YouTube gelöscht wird.

Neighborhood Bully ist ziemlich offensichtlich ein Song darüber, wie Israel unter allen Nationen in besonderem Maße ausgegrenzt und verteufelt wird, eine beißende Verurteilung des Antisemitismus und eine Verteidigung des Existenzrechts des jüdischen Staates – obwohl Dylan selbst sich gegen diese Interpretation verwahrt, so wie er sich generell (auf nicht ganz überzeugende Weise) gegen allzu politische Interpretationen beziehungsweise Vereinnahmungen seiner Musik zu wehren versucht („Ich bin kein politischer Liedermacher“).

Nach eigenen Angaben googelte Siegel vor einigen Tagen aus einer Laune heraus „Neighborhood Bully“ und entdeckte, dass das Lied von YouTube verschwunden war. „Die Entdeckung, dass ein kulturelles Produkt von irgendeinem Rang nicht sofort auf einer der größten online Content-Plattformen verfügbar ist, reicht aus, um einen leichten Alarmzustand auszulösen“, schreibt der Journalist. Siegel recherchierte weiter und entdeckte, dass der Song weiterhin auf der kleineren Plattform Vimeo zu hören ist. Dort hat der Hochladende, Alexander Gendler, folgende Bemerkung eingeblendet: „Eine russische Version dieses Videos wurde von YouTube als ‚hate speech‘ gesperrt. Binnen einer Stunde nach dem Upload. 20.06.2019.“

Siegel wollte mehr wissen und kontaktierte Gendler (ein Jude aus der ehemaligen Sowjetunion, der heute in Chicago lebt). Letzterer habe nach eigenen Angaben versucht, eine Version von Neighborhood Bully bei YouTube hochzuladen, in der er eine russische Übersetzung des Songtextes über Dylans Musik spricht. Nach der prompten Sperrung dieses Videos als „Hate Speech“ sei Gendler zunächst von einem Missverständnis ausgegangen. Doch auch ein erneutes Upload seiner Videomontage – Bilder von Judenverfolgung, antisemitischer Propaganda und eines Modells des Herodianischen Tempels – diesmal untermalt mit Bob Dylans Originalinterpretation des Songs, ohne Russisch, sei binnen kürzester Zeit gelöscht worden, allerdings mit einer anderen Begründung („unangemessener Content“). Gendlers Einspruch gegen diese Entscheidung sei von YouTube ohne Erklärung abgewiesen worden.

Eine Plattform, auf der Hitler- und Goebbels-Reden stehen

Nun, vielleicht haben die Löschbeauftragten bei YouTube Gendlers Upload aufgrund des Bildmaterials (und weil sie Dylans Text falsch verstanden haben?) versehentlich für ein antisemitisches Video gehalten. Gegen diese These spricht allerdings nicht nur die Tatsache, dass sie auch nach erneuter Prüfung bei ihrer Entscheidung blieben. Misstrauisch stimmt vor allem, dass Neighborhood Bully das einzige Lied vom Album Infidels ist, von dem (Stand 22.12.2020) nur Coverversionen auf YouTube zu finden sind. Bei den anderen sieben Titeln kann man sich die Interpretationen von Dylan selbst anhören, entweder auf dem offiziellen Bob-Dylan-Kanal oder auf den Kanälen von anderen Nutzern.

YouTubes Zensoren scheint es also nicht um eine bestimmte Videomontage mit KZ-Bildern und dergleichen zu gehen, die von Alexander Gendler kreiert wurde, und auch nicht um das generelle Löschen von Titeln des Infidels-Albums, etwa aus Copyright-Gründen, sondern speziell um diesen einen pro-israelischen Song. Das ist erstaunlich für eine Plattform, auf der weiterhin Hitler- und Goebbels-Reden stehen, und die zum Konzern Google gehört, der den Anspruch hat, ein universelles Verzeichnis zu sein, wo man alles finden kann. Aber wirklich überraschend ist es nicht. Denn, wie bereits einige Kommentatoren bemerkt haben, sollen die Juden nicht in die neue „progressive“ Koalition integriert werden, die aktuell in den USA entsteht und unter anderem radikale identitätspolitische Gruppierungen wie Black Lives Matter, die Demokratische Partei und eben auch die mächtigen Tech-Konzerne der linksliberalen Bay Area zusammenbringt.

Die Juden gehören nicht nur nicht dazu. Vielmehr sind sie sogar in gewisser Weise zu Feinden erklärt worden. Denn gemäß dem „progressiven“ Weltbild, dessen Herzstück die sogenannte „Critical Race Theory“ ist, gelten Juden bestenfalls als Teil der vermeintlich „privilegierten“ Kategorie der „Weißen“, eher aber als die globalen Vertreter und Anfeuerer eines „rassistischen Kolonialregimes“. Die Googelei eines gelangweilten amerikanischen Journalisten hat nun unbeabsichtigt ein Licht auf die Mechaniken der aufstrebenden neuen Ordnung geworfen.

(Nachtrag vom 25.12.2020 10 Uhr: Leser weisen uns darauf hin, dass Neighborhood Bully in verschiedenen Cover-Versionen auf Youtube noch zu finden sei – wie auch oben beschrieben. Auch sei der Song in Originalversion abrufbar, allerdings nur für Abonnenten von Music Premium. Es ist allerdings der einzige Titel des Albums, der hinter einer Bezahlschranke steht, alle anderen sind frei verfügbar. Es wird möglicherweise also nicht systematisch sondern eher unsystematisch gelöscht.) 

Kritiker der Corona-Politik

Ausgestoßen wurde diese Woche auch Stefan Mickisch. Der Pianist, Komponist und Musikwissenschaftler ist für seine sogenannten Gesprächskonzerte und Einführungsvorträge zu Wagner-Opern bekannt. Seit einigen Monaten tritt Mikisch nicht nur als Musiker und Wagner-Experte, sondern auch als Kritiker der Corona-Politik auf, und schlägt dabei radikale Töne an. Bereits im April schrieb er auf Facebook von „Coronafaschismus“, prophezeite ein „Chippen“ der Bevölkerung zur „Ganzheitsüberwachung“ und rief auf: „Keine GEZ zahlen, keine Polizei respektieren.”

Mit einem Facebook-Post, in dem er den 1943 hingerichteten antinazistischen Widerstandskämpfer Hans Scholl zitiert („Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique‚ regieren‘ zu lassen.“) ist Mickisch nun aus Sicht vieler Kritiker zu weit gegangen. Auch ich finde solche NS-Vergleiche peinlich und geschmacklos. Und im Gegensatz zur berühmt-berüchtigten „Jana aus Kassel“ ist der Musiker nicht 22, sondern 58 Jahre alt, man kann seine Äußerungen also nicht unter „jugendlicher Übermut“ abheften.

Ich habe den Fall trotzdem in diese Kolumne aufgenommen, weil er ganz gut die Mechanismen der um sich greifenden Cancel Culture verdeutlicht, in der Äußerungen nicht mehr nur debattiert bzw. inhaltlich herausgefordert werden, sondern schnell Rufe nach Ächtung, Bestrafung und Absonderung des „Falschdenkers“ laut werden.

Würde Richard Wagner heute ins Wagner-Museum gelassen werden?

So hat sich laut einem Bericht des „Nordbayerischen Kuriers“ eine Wirkungsstätte Mickischs, die Dresdner Semperoper, „ausdrücklich massiv“ von dessen Äußerungen distanziert. Warum ist das nötig? Nimmt irgendjemand allen Ernstes an, der Pianist spreche auf seiner privaten Facebook-Seite für die Semperoper (oder Uwe Tellkamp bei einer Podiumsdiskussion für seinen Verlag Suhrkamp, um ein weiteres, nicht mehr ganz so aktuelles Beispiel für solche absurde Distanzeritis zu nennen)?

Dr. Sven Friedrich, Direktor des Richard-Wagner-Museums in der Bayreuther Villa Wahnfried (Wagners ehemaliges Wohnhaus), hat Mickisch dort sogar aufgrund seines NS-Vergleichs Hausverbot erteilt. Das ist keine Kritik oder Widerspruch mehr, sondern ein Exorzismus. Angesichts der Tatsache, dass Wagners antisemitische Äußerungen („Ich halte die jüdische Rasse für den geborenen Feind der reinen Menschheit und alles Edlen in ihr.“) aus moderner Sicht deutlich rabiater und menschenfeindlicher klingen als alles, was Stefan Mickisch je auf Facebook gepostet hat, fragt man sich: Würde Richard Wagner heute ins Wagner-Museum gelassen werden?

Und hier der Text von Bob Dylans Neighborhood Bully mit deutscher Übersetzung:

Nun, der Mobber aus der Nachbarschaft, er ist nur ein Mann 
Well, the neighborhood bully, he's just one man 

Seine Feinde sagen, er sei auf ihrem Land 
His enemies say he's on their land 

Sie haben ihn etwa eine Million zu eins unterlegen 
They got him outnumbered about a million to one 

Er bekam keinen Ort, an den er fliehen konnte, keinen Ort, an den er rennen konnte 
He got no place to escape to, no place to run 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Der Nachbarschaftsmobber, den er nur lebt, um zu überleben 
The neighborhood bully he just lives to survive 

Er wird kritisiert und verurteilt, weil er lebt 
He's criticized and condemned for being alive 

Er soll sich nicht wehren, er soll dicke Haut haben 
He's not supposed to fight back, he's supposed to have thick skin 

Er soll sich hinlegen und sterben, wenn seine Tür eingetreten wird 
He's supposed to lay down and die when his door is kicked in 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Der Nachbarschaftsmobber wurde aus jedem Land vertrieben 
The neighborhood bully been driven out of every land 

Er ist als verbannter Mann um die Erde gewandert 
He's wandered the earth an exiled man 

Als seine Familie zerstreut war, wurden seine Leute verfolgt und zerrissen 
Seen his family scattered, his people hounded and torn 

Er steht immer vor Gericht, weil er gerade geboren wurde 
He's always on trial for just being born 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Nun, er hat einen Lynchmob ausgeschaltet, er wurde kritisiert 
Well, he knocked out a lynch mob, he was criticized 

Alte Frauen verurteilten ihn und sagten, er solle sich entschuldigen 
Old women condemned him, said he should apologize 

Dann zerstörte er eine Bombenfabrik, niemand war froh 
Then he destroyed a bomb factory, nobody was glad 

Die Bomben waren für ihn bestimmt. 
The bombs were meant for him.

Er sollte sich schlecht fühlen 
He was supposed to feel bad 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Nun, die Chancen stehen dagegen und die Chancen sind gering 
Well, the chances are against it, and the odds are slim 

Dass er nach den Regeln lebt, die die Welt für ihn macht 
That he'll live by the rules that the world makes for him 

Weil er eine Schlinge im Nacken und eine Waffe im Rücken hat 
'Cause there's a noose at his neck and a gun at his back 

Und jedem Verrückten wird eine Lizenz erteilt, ihn zu töten 
And a license to kill him is given out to every maniac 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Nun, er hat keine Verbündeten, von denen er wirklich sprechen könnte 
Well, he got no allies to really speak of 

Was er bekommt, muss er bezahlen, er bekommt es nicht aus Liebe 
What he gets he must pay for, he don't get it out of love 

Er kauft veraltete Waffen und wird nicht bestritten 
He buys obsolete weapons and he won't be denied 

Aber niemand schickt Fleisch und Blut, um an seiner Seite zu kämpfen 
But no one sends flesh and blood to fight by his side 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Nun, er ist umgeben von Pazifisten, die alle Frieden wollen 
Well, he's surrounded by pacifists who all want peace 

Sie beten jeden Abend dafür, dass das Blutvergießen aufhören muss 
They pray for it nightly that the bloodshed must cease 

Jetzt würden sie keine Fliege verletzen. 
Now, they wouldn't hurt a fly.

Um einen zu verletzen, würden sie weinen 
To hurt one they would weep 

Sie liegen und warten darauf, dass dieser Tyrann einschläft 
They lay and they wait for this bully to fall asleep 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft. 
He's the neighborhood bully. 

Jedes Reich, das ihn versklavt hat, ist verschwunden 
Every empire that's enslaved him is gone 

Ägypten und Rom, sogar das große Babylon 
Egypt and Rome, even the great Babylon 

Er hat einen Paradiesgarten im Wüstensand angelegt 
He's made a garden of paradise in the desert sand 

Mit niemandem im Bett, unter dem Kommando von niemandem 
In bed with nobody, under no one's command 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Jetzt wurden seine heiligsten Bücher mit Füßen getreten 
Now his holiest books have been trampled upon 

Kein Vertrag, den er unterschrieb, war das wert, worauf er geschrieben stand 
No contract that he signed was worth that what it was written on 

Er nahm die Krümel der Welt und verwandelte sie in Reichtum 
He took the crumbs of the world and he turned it into wealth 

Hat Krankheit und Krankheit genommen und daraus Gesundheit gemacht 
Took sickness and disease and he turned it into health 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Wofür ist ihm jemand verpflichtet? 
What's anybody indebted to him for? 

Nichts, sagen sie. 
Nothing, they say.

Er mag es einfach, Krieg zu führen 
He just likes to cause war 

Stolz und Vorurteile und Aberglaube in der Tat 
Pride and prejudice and superstition indeed 

Sie warten auf diesen Tyrann wie ein Hund auf Futter 
They wait for this bully like a dog waits for feed 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Was hat er getan, um so viele Narben zu tragen? 
What has he done to wear so many scars? 

Ändert er den Lauf der Flüsse? 
Does he change the course of rivers?

Verschmutzt er den Mond und die Sterne? 
Does he pollute the moon and stars? 

Nachbarschaftsmobber, der auf dem Hügel steht 
Neighborhood bully, standing on the hill 

Die Uhr läuft aus, die Zeit steht still 
Running out the clock, time standing still 

Mobbing in der Nachbarschaft.
Neighborhood bully.

Quelle: LyricFind

Foto: Imago

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netiquette:

Robert Jankowski / 25.12.2020

Eine Version des songs ist noch auf YT zu finden: “Neighborhood Bully Bob Dylan Birthday Tribute Show 5-20-18” Mal sehen, wie lange noch. Einen Song des Nobelpreisträgers für Literatur von YT zu entfernen ist nicht nur fragwürdig, sondern diese Leute sind eine Gefahr für JEDE Demokratie! Diese sogenannten Antifaschisten sind exakt das, was sie vorgeben zu bekämpfen: Faschisten im schlimmsten Sinne des Wortes!!! Und jede Wette, dass unsere linksgrünen Abgeordneten auch dafür noch irgendeine fadenscheinige Begründung finden werden. Aber was solls: Bob Dylan ist ein Altlinker, der auf dem Weg zur neuen Weltordnung einfach nur im Wege ist. Verdammte Juden: demnächst werden auch alle jüdischen Nobelpreisträger bei Youtuvbe gebannt. Geschichtsklitterung at its best!

Mike Höpp / 25.12.2020

Mikisch? Tatsächlich? Seine Wagner- Klavierausflüge haben mir erst den Zugang ermöglicht zu diesem Komponisten, der mir zuvor immer fremd blieb und das bis heute noch ist in gewisser Weise. Seine Äußerungen zur Corona- Politik mögen in der Wortwahle etwas zweifelhaft sein, ich sehe sie jedoch in Mischischs Kenntnis der Geschichte, Parallelen ziehend. Wie war das doch andernsorts: ‘man muss die Haltung des Schreibenden mitdenken’? Warum nicht auch bei einem Mikisch?

lutzgerke / 25.12.2020

Ich finde NS-Vergleiche nicht peinlich, ich finde sie zutreffend. Sie passen zur Entwicklung und vor allem zur politischen Allergie vor der rechten Ecke. Glaubt man denn, die wissen nicht, daß die EU ein Nazi-Projekt war, für das Hitler den Krieg geführt hat? Gibt es einen besseren Grund? Rot-Grün hat nicht nur den ersten Krieg geführt nach 45, die haben die Körperschaftssteuer gesenkt, den Spitzensteuersatz und die Börsen dereguliert. Daß Merkel oder Schröder oder sonstwer Sozialismus wollen, das wird von Einflußagenten verbreitet, das ist in deren Interesse. Die halten uns für dumm. - Faschismus ist die Verschmelzung von Staatmacht und Konzernen. Und jetzt ist der Ruf so ruiniert, daß man sich mit den allerallerschlimmsten auf der Straße zeigt. Das sind Rechtsextremisten. - Die NSDAP hat sich vor Angriffen mit dem Gesetz gegen “Hetzer und Schwätzer” geschützt. Und das will man im Bundesministerium für Justiz nicht gewußt haben? Wo ist der Unterschied zu Hate-Speech und Fake-News?    

Franck Royale / 25.12.2020

Was hat er getan, um so viele Narben zu tragen? Die Antwort ist einfach: er hat über die Jahrhunderte den ganzen Loosern, Möchtegern-Propheten und verhinderten Künstlern den Spiegel vorgehalten. Leuten die nur primitive Gewalt kennen, die in ihrem Leben kaum mehr als Rumjammern kultiviert haben. Kann ja nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn jemand besser, klüger, weitsichtiger, erfolgreicher ist. Wenn jemand aus Scheiße Gold macht, wenn jemand Wüsten zum blühen bringt. Das ist für geborene Verlierer unerträglich, denn dann stehen sie vor aller Augen nackt da. Dann sind nämlich nicht mehr die widrigen Verhältnisse schuld, sondern sie selber. Dann wollen sie nicht nur ein Stück vom duftenden Kuchen, sondern in ihrer ganzen Unverschämtheit den ganzen Kuchen. Dann rotten sie sich zusammen, bilden „progressive“ Koalitionen. Bis vom Kuchen, und den begabten Leuten die ihn buken, nichts mehr übrig bleibt.

D. Walkenbach / 25.12.2020

Merkwürdig, ich finde bei YouTube auf Anhieb gleich bei zwei Kanälen („shipless“ und „wannabeoffthegrid“) Neighborhood Bully in original Bob Dylan - Version unterlegt mit deutlich israelfreundlichen Bildercollagen. Einmal hochgeladen vor 9 Jahren, einmal vor 11 Jahren. Auch ist der Song in Originalversion abrufbar, wie einige andere allerdings nur für Abonnenten von Music Premium. Dass YouTube den Song systematisch löschen würde stimmt also nicht. So Long

T. Merkens / 25.12.2020

Ein Tip für Interessierte, die es noch nicht kennen zu “verbotenen” NS-Vergleichen: Im Video der 32. Sizung des Corona-Ausschusses zieht solche Vergleiche ein englischsprachiger Rabbi (ab ca. 3h:10min). PS: Schöne Weihnachtszeit allerseits trotz der widrigen Umstände!

Albert Pflüger / 25.12.2020

„Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique‘ regieren‘ zu lassen.“  Dieses Zitat ist vollständig richtig in seiner allgemeinen Aussage. Unvorstellbar, daß der Urheber es als ausschließlich auf die Nationalsozialisten anwendbar gemeint hat, dagegen spricht die allgemeine Formulierung.  Kritik an der Verwendung des Zitats zur Ächtung einer Regierung, die weitgehend Grundrechte auf unbestimmte Zeit außer Kraft setzt und sich zur Stützung einer gleichgeschalteten Medienlandschaft, der Spitzelei, der Polizei und der Denunziation sowie der Unterdrückung von Demonstrationen bedient, ist nicht gerechtfertigt, wenn sie unter dem Hinweis auf die vorgebliche Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft erfolgt.  Eine Diktatur muß nicht erst in voller Blüte stehen, bevor man den Widerstand für berechtigt hält, ganz im Gegenteil, es gilt: “Wehret den Anfängen!”. Noch landet man nicht am Galgen, wenn man protestiert. Möge das so bleiben. Wer nicht für die Freiheit kämpft, dem wird sie genommen!

Arthur Sonnenschein / 25.12.2020

Gut 600 jüdische Organisationen in den USA haben sich in einer Erklärung solidarisch mit Black Lives Matter erklärt. Selbst wenn die Zuneigung hier einseitiger wäre, als diese Organisationen es sich wünschten, die Freund-Feind-Kennung führt zum selben Ergebnis.

Hans-Peter Dollhopf / 25.12.2020

Wenn mein musikalisch talentierter großer Bruder abends wegging, schlich ich mich manchmal in sein Zimmer. Dort hatte er eine unter anderem eine riesen Auswahl Langspielplatten und eine für das Dorf ausgezeichnete Technik. Und in jener Nacht stöberte ich wieder einmal durch seine Sammlung, fand etwas Neues, setzte mir seinen teueren Kopfhörer auf, schaltete das Licht aus, legte mich im Dunklen auf den Teppichboden und lauschte. In jener Nacht, da widerfuhr mir eine persönliche Bekehrung. “I laid on a dune, I looked at the sky When the children were babies and played on the beach. You came up behind me, I saw you go by You were always so close and still within reach ...”  Es gibt viel Besessenheit auf dieser Welt, Alkohol, Drogen, Geld, Macht. Dylan wurde eine Besessenheit für mich. Auf einem Konzert, später, ich glaub, es war in einer Halle in Nürnberg(?) gewesen, da waren immer diese beiden zwei Meter großen Typen vor mir kleinem Mann, ich konnte Dylan gar nicht sehen. Dieser Kampf um die Lufthoheit dauerte sicherlich eine dreiviertel Stunde, doch danach war und blieb ich vor ihnen, meine wunderschöne Freundin triumphal auf meinen Schultern reitend. Und der Meister schaute mich an, seinen ganzen Song lang. Das war genuin.

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