Kolja Zydatiss / 25.12.2020 / 06:00 / Foto: Imago / 19 / Seite ausdrucken

Ausgestoßener der Woche: Bob Dylan

Der erste Ausgestoßene dieser Woche ist die amerikanische Rock- und Folklegende Bob Dylan. Jacob Siegel vom amerikanischen, jüdischen „Tablet Magazine“ macht darauf aufmerksam, dass das Lied „Neighborhood Bully“ von Dylans Album „Infidels“ (1983) offenbar systematisch von YouTube gelöscht wird.

Neighborhood Bully ist ziemlich offensichtlich ein Song darüber, wie Israel unter allen Nationen in besonderem Maße ausgegrenzt und verteufelt wird, eine beißende Verurteilung des Antisemitismus und eine Verteidigung des Existenzrechts des jüdischen Staates – obwohl Dylan selbst sich gegen diese Interpretation verwahrt, so wie er sich generell (auf nicht ganz überzeugende Weise) gegen allzu politische Interpretationen beziehungsweise Vereinnahmungen seiner Musik zu wehren versucht („Ich bin kein politischer Liedermacher“).

Nach eigenen Angaben googelte Siegel vor einigen Tagen aus einer Laune heraus „Neighborhood Bully“ und entdeckte, dass das Lied von YouTube verschwunden war. „Die Entdeckung, dass ein kulturelles Produkt von irgendeinem Rang nicht sofort auf einer der größten online Content-Plattformen verfügbar ist, reicht aus, um einen leichten Alarmzustand auszulösen“, schreibt der Journalist. Siegel recherchierte weiter und entdeckte, dass der Song weiterhin auf der kleineren Plattform Vimeo zu hören ist. Dort hat der Hochladende, Alexander Gendler, folgende Bemerkung eingeblendet: „Eine russische Version dieses Videos wurde von YouTube als ‚hate speech‘ gesperrt. Binnen einer Stunde nach dem Upload. 20.06.2019.“

Siegel wollte mehr wissen und kontaktierte Gendler (ein Jude aus der ehemaligen Sowjetunion, der heute in Chicago lebt). Letzterer habe nach eigenen Angaben versucht, eine Version von Neighborhood Bully bei YouTube hochzuladen, in der er eine russische Übersetzung des Songtextes über Dylans Musik spricht. Nach der prompten Sperrung dieses Videos als „Hate Speech“ sei Gendler zunächst von einem Missverständnis ausgegangen. Doch auch ein erneutes Upload seiner Videomontage – Bilder von Judenverfolgung, antisemitischer Propaganda und eines Modells des Herodianischen Tempels – diesmal untermalt mit Bob Dylans Originalinterpretation des Songs, ohne Russisch, sei binnen kürzester Zeit gelöscht worden, allerdings mit einer anderen Begründung („unangemessener Content“). Gendlers Einspruch gegen diese Entscheidung sei von YouTube ohne Erklärung abgewiesen worden.

Eine Plattform, auf der Hitler- und Goebbels-Reden stehen

Nun, vielleicht haben die Löschbeauftragten bei YouTube Gendlers Upload aufgrund des Bildmaterials (und weil sie Dylans Text falsch verstanden haben?) versehentlich für ein antisemitisches Video gehalten. Gegen diese These spricht allerdings nicht nur die Tatsache, dass sie auch nach erneuter Prüfung bei ihrer Entscheidung blieben. Misstrauisch stimmt vor allem, dass Neighborhood Bully das einzige Lied vom Album Infidels ist, von dem (Stand 22.12.2020) nur Coverversionen auf YouTube zu finden sind. Bei den anderen sieben Titeln kann man sich die Interpretationen von Dylan selbst anhören, entweder auf dem offiziellen Bob-Dylan-Kanal oder auf den Kanälen von anderen Nutzern.

YouTubes Zensoren scheint es also nicht um eine bestimmte Videomontage mit KZ-Bildern und dergleichen zu gehen, die von Alexander Gendler kreiert wurde, und auch nicht um das generelle Löschen von Titeln des Infidels-Albums, etwa aus Copyright-Gründen, sondern speziell um diesen einen pro-israelischen Song. Das ist erstaunlich für eine Plattform, auf der weiterhin Hitler- und Goebbels-Reden stehen, und die zum Konzern Google gehört, der den Anspruch hat, ein universelles Verzeichnis zu sein, wo man alles finden kann. Aber wirklich überraschend ist es nicht. Denn, wie bereits einige Kommentatoren bemerkt haben, sollen die Juden nicht in die neue „progressive“ Koalition integriert werden, die aktuell in den USA entsteht und unter anderem radikale identitätspolitische Gruppierungen wie Black Lives Matter, die Demokratische Partei und eben auch die mächtigen Tech-Konzerne der linksliberalen Bay Area zusammenbringt.

Die Juden gehören nicht nur nicht dazu. Vielmehr sind sie sogar in gewisser Weise zu Feinden erklärt worden. Denn gemäß dem „progressiven“ Weltbild, dessen Herzstück die sogenannte „Critical Race Theory“ ist, gelten Juden bestenfalls als Teil der vermeintlich „privilegierten“ Kategorie der „Weißen“, eher aber als die globalen Vertreter und Anfeuerer eines „rassistischen Kolonialregimes“. Die Googelei eines gelangweilten amerikanischen Journalisten hat nun unbeabsichtigt ein Licht auf die Mechaniken der aufstrebenden neuen Ordnung geworfen.

(Nachtrag vom 25.12.2020 10 Uhr: Leser weisen uns darauf hin, dass Neighborhood Bully in verschiedenen Cover-Versionen auf Youtube noch zu finden sei – wie auch oben beschrieben. Auch sei der Song in Originalversion abrufbar, allerdings nur für Abonnenten von Music Premium. Es ist allerdings der einzige Titel des Albums, der hinter einer Bezahlschranke steht, alle anderen sind frei verfügbar. Es wird möglicherweise also nicht systematisch sondern eher unsystematisch gelöscht.) 

Kritiker der Corona-Politik

Ausgestoßen wurde diese Woche auch Stefan Mickisch. Der Pianist, Komponist und Musikwissenschaftler ist für seine sogenannten Gesprächskonzerte und Einführungsvorträge zu Wagner-Opern bekannt. Seit einigen Monaten tritt Mikisch nicht nur als Musiker und Wagner-Experte, sondern auch als Kritiker der Corona-Politik auf, und schlägt dabei radikale Töne an. Bereits im April schrieb er auf Facebook von „Coronafaschismus“, prophezeite ein „Chippen“ der Bevölkerung zur „Ganzheitsüberwachung“ und rief auf: „Keine GEZ zahlen, keine Polizei respektieren.”

Mit einem Facebook-Post, in dem er den 1943 hingerichteten antinazistischen Widerstandskämpfer Hans Scholl zitiert („Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique‚ regieren‘ zu lassen.“) ist Mickisch nun aus Sicht vieler Kritiker zu weit gegangen. Auch ich finde solche NS-Vergleiche peinlich und geschmacklos. Und im Gegensatz zur berühmt-berüchtigten „Jana aus Kassel“ ist der Musiker nicht 22, sondern 58 Jahre alt, man kann seine Äußerungen also nicht unter „jugendlicher Übermut“ abheften.

Ich habe den Fall trotzdem in diese Kolumne aufgenommen, weil er ganz gut die Mechanismen der um sich greifenden Cancel Culture verdeutlicht, in der Äußerungen nicht mehr nur debattiert bzw. inhaltlich herausgefordert werden, sondern schnell Rufe nach Ächtung, Bestrafung und Absonderung des „Falschdenkers“ laut werden.

Würde Richard Wagner heute ins Wagner-Museum gelassen werden?

So hat sich laut einem Bericht des „Nordbayerischen Kuriers“ eine Wirkungsstätte Mickischs, die Dresdner Semperoper, „ausdrücklich massiv“ von dessen Äußerungen distanziert. Warum ist das nötig? Nimmt irgendjemand allen Ernstes an, der Pianist spreche auf seiner privaten Facebook-Seite für die Semperoper (oder Uwe Tellkamp bei einer Podiumsdiskussion für seinen Verlag Suhrkamp, um ein weiteres, nicht mehr ganz so aktuelles Beispiel für solche absurde Distanzeritis zu nennen)?

Dr. Sven Friedrich, Direktor des Richard-Wagner-Museums in der Bayreuther Villa Wahnfried (Wagners ehemaliges Wohnhaus), hat Mickisch dort sogar aufgrund seines NS-Vergleichs Hausverbot erteilt. Das ist keine Kritik oder Widerspruch mehr, sondern ein Exorzismus. Angesichts der Tatsache, dass Wagners antisemitische Äußerungen („Ich halte die jüdische Rasse für den geborenen Feind der reinen Menschheit und alles Edlen in ihr.“) aus moderner Sicht deutlich rabiater und menschenfeindlicher klingen als alles, was Stefan Mickisch je auf Facebook gepostet hat, fragt man sich: Würde Richard Wagner heute ins Wagner-Museum gelassen werden?

Und hier der Text von Bob Dylans Neighborhood Bully mit deutscher Übersetzung:

Nun, der Mobber aus der Nachbarschaft, er ist nur ein Mann 
Well, the neighborhood bully, he's just one man 

Seine Feinde sagen, er sei auf ihrem Land 
His enemies say he's on their land 

Sie haben ihn etwa eine Million zu eins unterlegen 
They got him outnumbered about a million to one 

Er bekam keinen Ort, an den er fliehen konnte, keinen Ort, an den er rennen konnte 
He got no place to escape to, no place to run 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Der Nachbarschaftsmobber, den er nur lebt, um zu überleben 
The neighborhood bully he just lives to survive 

Er wird kritisiert und verurteilt, weil er lebt 
He's criticized and condemned for being alive 

Er soll sich nicht wehren, er soll dicke Haut haben 
He's not supposed to fight back, he's supposed to have thick skin 

Er soll sich hinlegen und sterben, wenn seine Tür eingetreten wird 
He's supposed to lay down and die when his door is kicked in 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Der Nachbarschaftsmobber wurde aus jedem Land vertrieben 
The neighborhood bully been driven out of every land 

Er ist als verbannter Mann um die Erde gewandert 
He's wandered the earth an exiled man 

Als seine Familie zerstreut war, wurden seine Leute verfolgt und zerrissen 
Seen his family scattered, his people hounded and torn 

Er steht immer vor Gericht, weil er gerade geboren wurde 
He's always on trial for just being born 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Nun, er hat einen Lynchmob ausgeschaltet, er wurde kritisiert 
Well, he knocked out a lynch mob, he was criticized 

Alte Frauen verurteilten ihn und sagten, er solle sich entschuldigen 
Old women condemned him, said he should apologize 

Dann zerstörte er eine Bombenfabrik, niemand war froh 
Then he destroyed a bomb factory, nobody was glad 

Die Bomben waren für ihn bestimmt. 
The bombs were meant for him.

Er sollte sich schlecht fühlen 
He was supposed to feel bad 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Nun, die Chancen stehen dagegen und die Chancen sind gering 
Well, the chances are against it, and the odds are slim 

Dass er nach den Regeln lebt, die die Welt für ihn macht 
That he'll live by the rules that the world makes for him 

Weil er eine Schlinge im Nacken und eine Waffe im Rücken hat 
'Cause there's a noose at his neck and a gun at his back 

Und jedem Verrückten wird eine Lizenz erteilt, ihn zu töten 
And a license to kill him is given out to every maniac 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Nun, er hat keine Verbündeten, von denen er wirklich sprechen könnte 
Well, he got no allies to really speak of 

Was er bekommt, muss er bezahlen, er bekommt es nicht aus Liebe 
What he gets he must pay for, he don't get it out of love 

Er kauft veraltete Waffen und wird nicht bestritten 
He buys obsolete weapons and he won't be denied 

Aber niemand schickt Fleisch und Blut, um an seiner Seite zu kämpfen 
But no one sends flesh and blood to fight by his side 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Nun, er ist umgeben von Pazifisten, die alle Frieden wollen 
Well, he's surrounded by pacifists who all want peace 

Sie beten jeden Abend dafür, dass das Blutvergießen aufhören muss 
They pray for it nightly that the bloodshed must cease 

Jetzt würden sie keine Fliege verletzen. 
Now, they wouldn't hurt a fly.

Um einen zu verletzen, würden sie weinen 
To hurt one they would weep 

Sie liegen und warten darauf, dass dieser Tyrann einschläft 
They lay and they wait for this bully to fall asleep 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft. 
He's the neighborhood bully. 

Jedes Reich, das ihn versklavt hat, ist verschwunden 
Every empire that's enslaved him is gone 

Ägypten und Rom, sogar das große Babylon 
Egypt and Rome, even the great Babylon 

Er hat einen Paradiesgarten im Wüstensand angelegt 
He's made a garden of paradise in the desert sand 

Mit niemandem im Bett, unter dem Kommando von niemandem 
In bed with nobody, under no one's command 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Jetzt wurden seine heiligsten Bücher mit Füßen getreten 
Now his holiest books have been trampled upon 

Kein Vertrag, den er unterschrieb, war das wert, worauf er geschrieben stand 
No contract that he signed was worth that what it was written on 

Er nahm die Krümel der Welt und verwandelte sie in Reichtum 
He took the crumbs of the world and he turned it into wealth 

Hat Krankheit und Krankheit genommen und daraus Gesundheit gemacht 
Took sickness and disease and he turned it into health 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Wofür ist ihm jemand verpflichtet? 
What's anybody indebted to him for? 

Nichts, sagen sie. 
Nothing, they say.

Er mag es einfach, Krieg zu führen 
He just likes to cause war 

Stolz und Vorurteile und Aberglaube in der Tat 
Pride and prejudice and superstition indeed 

Sie warten auf diesen Tyrann wie ein Hund auf Futter 
They wait for this bully like a dog waits for feed 

Er ist der Mobber in der Nachbarschaft.
He's the neighborhood bully.

Was hat er getan, um so viele Narben zu tragen? 
What has he done to wear so many scars? 

Ändert er den Lauf der Flüsse? 
Does he change the course of rivers?

Verschmutzt er den Mond und die Sterne? 
Does he pollute the moon and stars? 

Nachbarschaftsmobber, der auf dem Hügel steht 
Neighborhood bully, standing on the hill 

Die Uhr läuft aus, die Zeit steht still 
Running out the clock, time standing still 

Mobbing in der Nachbarschaft.
Neighborhood bully.

Quelle: LyricFind

Foto: Imago

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Alexander Mayer / 25.12.2020

Ich wollte es nicht glauben. Habe versucht, den Song bei Youtube hochzuladen. Ergebnis des ersten Versuchs: “Verarbeitung abgebrochen. Das Video konnte nicht verarbeitet werden.” Nächster Versuch unter dem Titel: “Robert Zimmermann, Der Tyrann aus der Nachbarschaft”. Ergebnis: “Verarbeitung abgebrochen. Das Video konnte nicht verarbeitet werden.” Dritter Versuch mit dem Titel: “Der Tyrann aus der Nachbarschaft”. Ohne Nennung des Urhebernamens, aber versehen mit dem Kommentar: “Ein wirklich schönes Lied über die Nachbarn Palästinas”. Ergebnis: “Verarbeitung startet gleich”. Tut sie aber bis dato immer noch nicht. Letzter Versuch: Ich lade das Lied “Hänschenklein” hoch, unter dem Titel: “Bob Dylan, Der Rowdy aus der Nachbarschaft”. Ergebnis: Das Kinderlied wurde sofort veröffentlicht. Na bitte, geht doch!

Klaus Klinner / 25.12.2020

1949 geboren kenne ich die Entstehungsgeschichte nur aus Erzählungen und Geschichtsbüchern. Im Osten sozialisiert und in diesem Fall auch indoktriniert habe ich einige Zeit den offiziellen Sprech nachgeplappert, ja, nachgeplappert, “Israel als Aggressor gegen die friedliebenden Araber”. Erst als ich Quellenstudium betreiben konnte, habe ich begriffen, dass die “friedliche westliche Staatengemeinschaft” Ende der 40er Jahre alles Andere wollte als einen stabilen und sicheren Staat der Juden. Im Angesicht des Holocaust konnte man wohl nicht anders, aber eine “Herzensangelegenheit” war es nie, weder für den Ostblock, noch für den Westen. Der Ostblock ist Geschichte, die ambivalente Haltung des Westens zu Israel zeigt sich bis heute unter anderem darin, dass seit mehreren Generationen das “palästinensischen Flüchtlingsproblem” krampfhaft am Leben gehalten wird. Man stelle sich vor, seit 70 Jahren sitzen Palästinenser über Generationen in Lagern und verlangen die Liquidierung Israels. Es würde der Welt eine einzige Handbewegung kosten um diesen Zustand zu beenden und den Lagerinsassen irgendwo eine “neue Heimat” zuzuweisen. Es gibt im Nahen Osten genug Land, es gibt dort mehr als genug Geld, das “Einzige” was tatsächlich fehlt, ist der politische Wille der sogenannten Staatengemeinschaft. In Gesprächen auch mit arabischen Kollegen höre ich immer wieder, dass die arabische Welt ganz ungeniert nur ein Ziel kennt: Israel muss weg. Noch ein Wort, der abgewählte US-Präsident, mag er in seinem Tun noch so seltsam anmuten, hat es geschafft einige arabische Staaten dazu zu bewegen, Israel ein Existenzrecht zuzugestehen. Damit hat er dazu beigetragen, den vulnerablen Frieden im Nahen Osten zumindest etwas solider zu machen. Dafür ist ihm zu danken. Andere Politiker, auch deutsch sprechende, dagegen hofieren dem israelischen Todfeind. Ein Narr, dem das nicht auffällt.

Hans-Peter Dollhopf / 25.12.2020

Dr. Roth war in der Oberstufe mein Mathelehrer. Er hatte einst vor dem großen Stellenabbau nach dem Apollo-Programm bei der NASA gearbeitet und entsprechend war seine Motivation und Arbeitsmoral bei seinem Broterwerb an unserer “drittklassigen” Bildungseinrichtung. Nach meiner Zeit erlitt er während des Unterrichts einen Herzinfarkt und starb hilflos vor den Augen der Klasse. Einmal hatte er eine Vertretung übernehmen müssen und saß diese störrisch aus. Ich pubertierender Wirr- und Trotzkopf hatte derweil unter dem Tisch auf einem Kassettenrekorder ganz leise die “Basement Tapes” von Bob Dylan laufen. Er sprach mich von seinem Pult aus ganz direkt darauf an, dass er genau bemerke, was ich treibe, ohne eine disziplinarische Konsequenz zu verhängen, nannte mich aber das Produkt von Kartoffelbauern. Ich weiß nicht, warum, aber zurück am Dorf berichtete ich am Nachmittag darüber meiner Mutter. Sie füllte daraufhin einen Beutel mit Kartoffeln aus unserer hauseigenen Kartoffelernte, legte ein Empfehlungsschreiben bei und sagte, ich solle ihm das alles am nächsten Tag mit freundlichen Grüßen bringen. Tage später kam er zu mir, bat mich, meinen Eltern für die Kartoffeln Dank zu sagen und gab mir zwei Heftchen. Das eine war eine von ihm während seiner Tätigkeit für die NASA veröffentlichte mathematische Abhandlung zu einem physikalischen Aspekt des Überschallflugs, und das andere war eine Kopie seiner Doktorarbeit an der Wiener Akademie der Wissenschaften aus dem Jahr 1946 über die Vermessung von Albedo auf der Mondoberfläche. Ich möge sie gut aufheben, bat er, es gäbe nur noch wenige Exemplare davon. Das ist nun vor bald schon fünfzig Jahre her. Ich habe die beiden Stücke seitdem in meinen Bücherregalen. Es wird Zeit für mich, sie endlich zu digitalisieren. “Take care of all your memories, said Mick For you cannot relive them And remember when you’re out there Tryin’ to heal the sick That you must always first forgive them” (Bob Dylan - The Basement Tapes)

Harald Unger / 25.12.2020

Vom religiösen Antijudaismus, über den rassistischen Antisemitismus und dem darauf folgenden, ebenfalls massenmörderischen Antizionismus, mutiert der Hass in dieser Gegenwart zu etwas neuem. Heute ist Israel der Trump unter den Staaten. - - - Wie Trump, steht Israel für etwas, das unter allen Umständen von der herrschenden Ideologie der ganz wenigen über alle, vergessen gemacht werden muss: Das Eintreten für einen wirtschaftlich starken Staat, einer freien und wehrhaften Bürgergesellschaft. - - - Völlig klar, Faschismus Vergleiche des real existierenden Merkel Regimes mit seinen beiden Vorläufern des 20. Jh. verbieten sich. Abgesehen davon, daß die Gewalttätigkeit heute weitgehend outgesourct wurde, an die damaligen Juniorpartner der Nazis, hat das Merkel Regime die Nazi Ideologie diametral umgekehrt. Angefangen damit, daß die Deutschen heute nicht mehr die Herrenrasse - sondern Köterrasse und Umweltsäue sind.

Peter Gentner / 25.12.2020

“Auch ich finde solche NS-Vergleiche peinlich und geschmacklos.”...... ohne es zu realisieren, ist der Auto offensichtlich selbst Opfer der “Distanzeritis” geworden.

D. Walkenbach / 25.12.2020

@ Matthias Kaufmann: Aha. Dann habe ich vermutlich ein anderes YouTube…;-)

Sabine Schönfelder / 25.12.2020

Werter Autor, zunächst wünsche ich Ihnen „frohe Weihnachtsfeiertage“! Gleichzeitig frage ich Sie Folgendes: Was ist daran verwerflich, einen Satz von HANS SCHOLL zu zitieren??? Gibt es eine Zitier-Tabu-Zone? Darf ich jetzt nur Menschen zitieren , die innerhalb eines politisch vor- geframten Bereiches erlaubt sind? Gerade die Zitate von Menschen, die selbst Zeitzeugen einer beginnenden Diktatur waren, eignen sich inhaltlich GANZ BESONDERS zur Beschreibung der sich gerade etablierenden Coronadiktatur. Wie sonst würden Sie die Maßnahmen der Regierung titulieren? Ein PCR-Test, der laut seines ERFINDERS nicht zum Nachweis menschlicher (und tierischer) Infektiosität des Virus geeignet ist, schafft Corona-Infizierte für die politisch angestrebten INZIDENZ- Zahlen, um die Politik zu ERMÄCHTIGEN. Die Sache ist für jeden, der es sehen will, so klar wie simpel. Das Volk wird wieder verdummt. Jeder der aktiv dagegen vorgeht, wird gesellschaftlich- politisch gedemütigt, kriminalisiert und beruflich geschasst! Hans Scholl war ein WIDERSTANDS-Kämpfer gegen eine wahnsinnige Diktatur. Mickisch zitiert zu recht und TREFFEND diesen Satz. Statt in das heuchlerisch moralische Nudging des Zeitgeistes einzuhaken, dessen Vertreter selbstverständlich NICHT mit anderen Diktaturen verglichen werden wollen, um ein nicht vorhandenes demokratisches Gesicht zu wahren, sollte man Mickisch offiziell und bedingungslos unterstützen! Eine Warnung ist nur dann von Nutzen, wenn ich sie VOR der Katastrophe ausspreche; NICHT, wenn das Kind bereits in den BRUNNEN fiel! Dann haben es plötzlich wieder alle gewußt und gesagt. Wer jetzt den Mund aufmacht , hat MUT UND RECHT. Die zukünftige Restriktionsskala ist nach oben OFFEN. Wer hätte noch vor einem Jahr geglaubt, wie schnell wir hier unserer Grundrechte beraubt werden, -  und womit?? In den Öffis neue PCR- Infektionen, - höher denn je, versteht sich, ein paar Särge, ein Krematorium zu den 8-Uhr-Nachrichten reichen völlig aus zur Volksverblödung…

michael markwardt / 25.12.2020

“Auch ich finde solche NS-Vergleiche peinlich und geschmacklos.” schere im kopf? oder vergleich mit gleichsetzung verwechselt?

M.J.Bogusz / 25.12.2020

Nach der Lektüre habe ich sofort bei YT das Factchecking gemach, und sofort vier Versionen von der angeblich wegzensurierten Lied gefunden, mit vielen enthusiastischen Kommentaren.

Matthias Kaufmann / 25.12.2020

@ D. Walkenbach: Nein, die frei zugänglichen Versionen sind alle von Facebook, Vimeo oder Pinterest, bei Youtube ist es konsequent hinter Bezahlsperre - vielleicht ist die Kohle ja der Grund für die Restriktion.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Kolja Zydatiss / 17.09.2021 / 06:00 / 32

Ausgestoßene der Woche: Alle in Deckung!

Bei der Jagd auf missliebige Zeitgenossen wird inzwischen wie bei der Entenjagd mit Schrot geschossen. Diese Woche traf es u.a ein Aufsichtrats-Bewerber für Werder Bremen…/ mehr

Kolja Zydatiss / 10.09.2021 / 06:00 / 90

Ausgestoßener der Woche: Markus Lanz

Der wohl prominenteste Ausgestoßene der Woche ist Markus Lanz. Bei einer Diskussionsveranstaltung der Wochenzeitung Die Zeit am Samstagabend machte der ZDF-Talkshowmoderator öffentlich, dass die Wissenschaftsredaktion…/ mehr

Kolja Zydatiss / 03.09.2021 / 06:15 / 87

Ausgestoßene der Woche: „Die Pandemie in den Rohdaten“

Die nüchterne „Erbsenzählerei“ eines Informatikers, der sich einige Corona-Statistiken näher anschaut, erregt großes Interesse und wird schon bald bei YouTube gelöscht.  Marcel Barz bezeichnet sich…/ mehr

Kolja Zydatiss / 27.08.2021 / 10:00 / 64

Ausgestoßener der Woche: ARD-Sommerinterview

Tina Hassel nahm im ARD-Sommerinterview Annalena Baerbock mit einer kritischen Frage in die Zange. Solche Majestätsbeleidigung ist mittlerweile Grund für einen grünen Shitstorm. „Vieles hängt…/ mehr

Kolja Zydatiss / 20.08.2021 / 10:00 / 64

Ausgestoßene der Woche: Grüner Mist, Anton, Berta und Cäsar

Eine polemische Plakat-Aktion gegen die Grünen erhitzt die Gemüter, das „Z-Wort" gibt auch mal wieder einen Aufreger her und die gute alte Buchstabiertafel soll weg.…/ mehr

Kolja Zydatiss / 13.08.2021 / 10:00 / 67

Ausgestoßene der Woche: Curry und Sambashow

Die Showtanzgruppe „Copacabana Sambashow Berlin“ wehrt sich gegen die Anschuldigung, „rassistisch“ zu sein – und Food-Blogger wollen das Wort „Curry“ abschaffen. In den USA wurde…/ mehr

Kolja Zydatiss / 06.08.2021 / 06:00 / 80

Ausgestoßene der Woche: Alt, weiß, Mann, Union

Die Grünen schnitten ihre männlichen Berliner Direktkandidaten aus einem Bild heraus, um der Union Gruppenfotos, auf denen sich „wieder alte Männer zusammendrängen“, vorwerfen zu können.…/ mehr

Kolja Zydatiss / 30.07.2021 / 06:15 / 69

Ausgestoßene der Woche: Helge, Nena, Annalena

Nena und Helge Schneider brachen Konzerte wegen der Corona-Verordnungen ab, und Annalena Baerbock fiel in die Grube, die sie sich selbst gegraben hat, als sie…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com