Die Liste ist lang, von „Die Drei von der Tankstelle“ bis zum filmischen Evergreen „Die Feuerzangenbowle“ reichen die unvergessenen Filme, die uns Heinz Rühmann hinterlassen hat. Minutenlage Standing Ovations gab es bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im Fernsehen. Noch heute bringt Rühmann in Schwarz-weiß die Menschen zum Lachen oder Weinen. Seine Geschichte mit den Nationalsozialisten ist bekannt. Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, um der Schauspielerei willen einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Von seiner jüdischen Frau hat er sich scheiden lassen, sie in Schweden in Sicherheit gebracht und lange finanziell unterstützt. Und ja, er hat Filme gemacht, die im Zuge der NS-Propaganda an unkritischer Harmlosigkeit nicht zu unterbieten sind und nur den einen Zweck hatten: Vom Kriegselend abzulenken. Heinz Rühmann ist stets offen damit umgegangen. Er hat es selbst in seiner Autobiografie „Das war's“ ausführlich beschrieben.
Nun soll dem Künstler posthum die 1972 verliehene Ehrenmedaille der Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft (SPIO) aberkannt werden. Es trifft ihn nicht allein. Auch Ludwig „Luggi“ Waldleitner (Produzent von Rainer Werner Fassbinders „Lili Marleen“), Leni Riefenstahl und Olga Tschechowa dürfen nicht mehr als Träger der Ehrenmedaille der Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft (SPIO) bezeichnet werden. Die Auszeichnung wurde ihnen ebenfalls posthum aberkannt. Als Basis dafür gibt der Verband ein Gutachten an, das der Historiker Bernhard Gotto vom Münchner Institut für Zeitgeschichte über „NS-Belastungen“ einst beliebter Filmstars anfertigte. Es traf insgesamt 14 Personen. Außer den bereits Genannten wurde auch August Arnold, Alfred Bauer, Aurel G. Bischoff, Willi Burth, Karl Fritz, Joachim Graßmann, Alexander Grüter, Joachim Henkel, Joachim Raffert und Erich Stoll die SPIO-Ehrenmedaille aberkannt. Sie alle waren in der Studie als „NS-belastet“ oder „NS-konform“ eingestuft worden.
Die Achgut-Autorin und jüdische Aktivistin Malca Goldstein-Wolf eröffnet zu der Causa auf X noch einen weiterführenden Aspekt:
„Die deutsche Filmwirtschaft entzieht Heinz Rühmann und Leni Riefenstahl posthum die Ehrenmedaille. Kann sie meinetwegen tun. Rühmann und Co. waren das Sahnehäubchen des Hitler-Regimes, die blumige Dekoration des Grauens. Letztere sind aus meiner Sicht jedenfalls keine Akteure – (im Gegensatz zu beispielsweise) Marlene Dietrich –, die eine Auszeichnung verdient hätten. Es sind auch keine Menschen, auf die Deutschland stolz sein könnte.
Solange man aber in der Gegenwart Systemlinge wie zum Beispiel Natalia Wörner, Axel Prahl, Karoline Herfurth, Benno Führmann, Daniel Brühl oder Heike Makatsch bejubelt, die Israel entgegen jeder Fakten Völkermord vorwerfen, die mit einem Waffenstopp verhindern möchten, dass sich Juden 80 Jahre nach dem Holocaust gegen ihre Schlächter zur Wehr setzen, läuft dieser moralische Akt ins Leere.
Wer die lebenden Brandstifter der Gegenwart nicht benennt (diese Gefahr könnte nämlich noch gebannt werden), der muss sich auch nicht um die toten kümmern.“
Lesung relativiert demokratische Grundprinzipien
Literatur ist dann und immer genau dann gefährlich, wenn sie gegen den linksgrünen Mainstream geht. In Potsdam führte die Teilnahme des Baubeigeordneten Bernd Rubelt an einer Veranstaltung zu einer scharfen Reaktion der Oberbürgermeisterin Noosha Aubel. Rubelt hatte es gewagt, am vergangenen Samstag auf einer Lesung des Schriftstellers Uwe Tellkamp zu erscheinen. Die Veranstaltung war vom Verein „Bürgergesellschaft für gesundes und selbstbestimmtes Leben e.V.“ organisiert und ausgerichtet worden. Rubelts Ehefrau ist dessen Vorsitzende. Oberbürgermeisterin Aubel teilte mit, dass Beamte – auch außerhalb ihrer Dienstzeiten – die Stadt repräsentierten. Durch die sichtbare Anwesenheit entstehe der Eindruck einer institutionellen Nähe oder stillen Billigung. Auch die linksalternative Wählergruppe „Die Andere“, sowie SPD, Grüne und Linkspartei hatten Rubelt für die Teilnahme an der Lesung kritisiert.
Die perfide Argumentation der Bürgermeisterin lautet, es habe zwar bisher „an keiner Stelle“ Gründe gegeben, an Rubelts Verfassungstreue zu zweifeln, dennoch erwarte sie künftig mehr Sensibilität und Zurückhaltung. Dazu zähle auch, dass die Unterstützung oder Mitwirkung bei Veranstaltungen, in denen demokratische Grundprinzipien relativiert oder infrage gestellt werden könnten, nicht akzeptabel sei. Langer Rede, kurzer Sinn: Kontaktschuld ist inakzeptabel. Den falschen Menschen darf man nicht einmal zuhören. Uwe Tellkamp hatte noch 2008 für seinen Roman „Der Turm“ den Deutschen Buchpreis gewonnen. Nachdem er sich kritisch zur die Migrations- und Coronapolitik geäußert hatte, war er in öffentliche Ungnade gefallen und wird immer wieder von Linken scharf kritisiert. Tellkamp hatte auch bei der konservativen Buchmesse „Seitenwechsel“ in Halle aus seinem Werk gelesen.
Böse Bücher in noch böseren Bibliotheken
Noch gefährlicher wird es, wenn viele – bitte hier erschrocken erbleichen – konservative Bücher an einem Ort versammelt sind. Die Bibliothek des Konservatismus in Berlin, ein Ort, an dem man den Verfasser dieser Zeilen mit einem Teller Stullen und zwei Kannen Kaffee gerne über Nacht einschließen dürfte, soll unsichtbar werden. Der Bibliothek wurde ohne Angabe von Gründen die Mitgliedschaft im Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) der norddeutschen Bundesländer ordentlich zum Jahresende durch eine Rechtsanwaltskanzlei gekündigt. Das hat der Leiter der Bibliothek, Wolfgang Fenske, auf Nachfrage bestätigt. Die renommierte Einrichtung wehrt sich gegen die Kündigung. Bibliotheksverbünde gewinnen ihren Wert daraus, dass man hier Zugriffe auch auf weiter entfernte Buchbestände erhält. Der Austausch von Informationen über vorhandene Literatur ist ein wesentlicher Bestandteil des wissenschaftlichen Arbeitens. Anspruch hier ist immer eine möglichst große Vollständigkeit der Berücksichtigung der zu einem Thema vorhandenen Literatur.
Das sollte idealerweise ideologiefrei erfolgen. Mit rund 35.000 katalogisierten Titeln stellt die Bibliothek des Konservatismus einen in Europa einzigartigen Bestand an Literatur aus allen Bereichen konservativen Denkens und Schaffens zur Verfügung. Zudem verfügt die Einrichtung seit 2012 über einen einzigartigen Sonderbestand Lebensrecht. Das alles in Verbundsystemen unsichtbar zu machen, entfernt einen nicht unwesentlichen Teil abendländischen Denkens aus dem wissenschaftlichen Diskurs.
Traurige Reihe von De-Banking-Vorfällen
Mindestens zwei AfD-Kreisverbänden wurden vom Volksbankverbund OWL die Konten gekündigt. Das hatten die Verbände Kreisverband Bielefeld und Kreisverband Minden-Lübbecke der Partei zunächst selbst mitgeteilt. Der Volksbankverbund OWL hatte daraufhin auf Nachfrage des Handelsblattes eine nicht konkret benannte einstellige Zahl an Kündigungen von Konten von AfD-Verbänden bestätigt. Damit setzt sich die traurige Reihe von De-Banking-Vorfällen weiter fort. Dazu muss man sagen, dass natürlich jede Bank frei ist, selbst zu entscheiden, mit wem man Bankgeschäfte machen möchte und mit wem nicht. Einzig die Sparkassen haben die Verpflichtung, jedem ein Konto einzurichten. Die aktuellen Fälle dürften vermutlich nicht die letzten sein.
Ohne Zwarte Piet kein Sinterklaas
Es wird Winter. Vor dem Fenster liegt der erste Schnee, ob es wohl rassistisch ist, dass er weiß ist? Farbe ist keinesfalls harmlos, das erleben unsere niederländischen Nachbarn gerade wieder. Der Sinterklaas, die volkstümliche niederländische Variante des Heiligen Nikolaus von Myra, wird von einem Sidekick begleitet, der den üblen Namen „Zwarte Piet“ trägt und in der Regel – bitte um angemessenes Erschrecken an dieser Stelle – ein weißer Mann ist, der sein Gesicht schwarz angemalt hat. Dieser wird gegenwärtig oft nur als „Piet“ bezeichnet und tritt ohne Blackfacing auf, das bekanntlich als rassistisch angesehen wird. Wie so oft in der schönen neuen woken Welt urteilt man ideologisch und ahistorisch, womit nicht selten eine kulturelle Zerstörung einhergeht. Der Zwarte Piet war eine Schreckfigur aus der niederländischen Folklore. Die schwarze Farbe seiner Haut ist der Kontrast zum weißen Bart des guten Nikolaus. Piet hat eine ähnliche Funktion wie Knecht Ruprecht, Schmutzli oder Krampus: das Bestrafen böser Kinder, während der Nikolaus eher der gutmütige Heilige Mann ist. Jenseits aller nüchternen Erklärungen ist der Zwarte Piet immer wieder Opfer von Cancelling, so zum Beispiel in der Stadt Yerseke, wo gleich der ganze Einzug des Sinterklaas abgesagt wurde.
Der Ort steht pars pro toto. Absagen von Sinterklaas oder Verzicht auf den Begleiter Piet sind in diesen Tagen omnipräsent. Es zeigt sich, dass Cancel-Culture keine Kultur, sondern aus ideologischer Verbohrtheit das genaue Gegenteil ist. Die Gegenveranstaltung in Yerseke war ein „von unten“ organisiertes wildes Blackfacing zum Zwecke des Erhalts der Tradition. Der Massenauflauf dieser Schwarzen Peters soll ohne jegliche woke Störer aus irgendwelchen Großstädten verlaufen sein.
Jüdisches Hospiz findet keinen sicheren Ersatzstandort
Für das jüdische Hospiz in Amsterdam fand sich in der gesamten niederländischen Hauptstadt kein geeigneter Ausweichort im Rahmen der anstehenden Renovierung. Wörtlich teilt die Organisation auf der Webseite mit: „Das ‚Joods Hospice Immanuel‘ in Amsterdam muss ab dem 5. Januar 2026 vorübergehend schließen. Diese Entscheidung ist besonders schmerzhaft, aber leider unvermeidlich. Während der geplanten Renovierung unseres Gebäudes – die zwischen fünf und sechs Monaten dauern wird – wurde kein geeigneter temporärer Standort gefunden, an dem sich unsere Bewohner, Mitarbeiter und Freiwilligen sicher und gut versorgt fühlen können.“ Die geplante Renovierung sei bereits mehrfach verschoben worden, teilt das Hospiz mit. Der Träger hat eine große Subvention erhalten, damit das Haus demenzfreundlich gestaltet werden und die Qualität sowie Sicherheit des Gebäudes verbessert werden kann. Die Renovierung wird auch aufgrund verschiedener Mängel notwendig, wie Undichtigkeiten, veraltete Installationen und andere strukturelle Anpassungen, die für die Pflege und das Wohlbefinden der Bewohner unerlässlich sind.
Um zu verstehen, warum dies ein Fall für die „Ausgestoßenen“ ist, muss man zwischen den Zeilen lesen. Auf seiner Homepage gab das Hospiz bekannt, dass insgesamt drei mögliche Ausweichorte in die engere Auswahl gekommen seien. Explizit erwähnt wird ein Standort des Pflegeunternehmens „Cordaan“ im Stadtteil Nieuw-West. Diese Örtlichkeit hätte alle Kriterien erfüllt, allerdings nicht den Sicherheitsaspekt. Freiwillige des Hospizes hätten beklagt, sich dort nicht sicher zu fühlen. Die Rücksprache mit einem Polizeibeamten des Viertels sei hinsichtlich der Sicherheitsgewährleistung „entmutigend“ gewesen. Warum könnte das jüdische Hospiz im Stadtteil Nieuw-West schlecht untergebracht sein? Dieses Viertel wird an anderer Stelle als multikultureller Stadtteil mit hohem muslimischem Bevölkerungsanteil beschrieben. So deutlich wird die Hospiz-Homepage nicht. Dort heißt es jedoch: „Wir haben die Verantwortung, sicherzustellen, dass Bewohner, Angehörige, Mitarbeiter und Freiwillige sich sicher fühlen – sowohl im Hospiz als auch auf der Straße und in der Umgebung der Nachbarschaft. Da dieser Standort diese entscheidende Bedingung nicht erfüllte, konnten wir kein Risiko eingehen und trafen die schmerzhafte Entscheidung: ‚Joods Hospice Immanuel‘ muss während der Renovierung vorübergehend seine Türen schließen.“
Nur wokes Lachen ist gutes Lachen
Das Lachen fällt der Wokeness zum Opfer. Der Witz ist nur dann erlaubt, wenn er politisch korrekt ist. Die deutsche Comedy-Legende Kay Ray hat nun einen Vertragszusatz auf Tichys Einblick öffentlich gemacht, den Künstler unterschreiben müssen, wenn sie in der Kölner Kleinkunstbühne „Gloria“ auftreten wollen. Der Vertragszusatz enthält Passagen, die eine Diskriminierung im Sinne dieser Vereinbarung sehen, wenn
„eine Person wegen ihres Geschlechts, ihrer Geschlechtsidentität oder ihres Geschlechtsausdrucks, wegen einer physischen oder psychischen Behinderung oder Einschränkung, wegen äußerer und/oder (vermeintlich) kultureller Merkmale, wegen des Namens, ethnischen oder der sozioökonomischen Herkunft, wegen ihrer Religion oder ihrer Weltanschauung, wegen des Alters, der sexuellen Orientierung oder der sexuellen Identität benachteiligt, abgewertet oder herabgewürdigt wird.“
Rassismus im Sinne dieser Vereinbarung bedeute, so die Zusatzvereinbarung, jede aufgrund der Hautfarbe, der Abstammung, dem nationalen Ursprung oder dem Volkstum beruhende Unterscheidung, Ausschließung, Beschränkung oder Bevorzugung eines Menschen, die es zum Ziel oder zur Folge habe, dass ein gleichberechtigtes Anerkennen, Genießen oder Ausüben von Menschenrechten und Grundfreiheiten im politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen oder jedem sonstigen Bereich des öffentlichen Lebens vereitelt oder beeinträchtigt werde. Der Künstler kommentiert dies in bester Comedy-Manier: „Wenn man das ernst nimmt, kann man nur noch Witze über die Geräusche von Kaffeemaschinen machen.“ Da Kaffee eine bräunliche Farbe hat, ist auch hier schon Vorsicht geboten.
Das muss rückgängig gemacht werden
Sabine Reinknecht von der AfD war zur Vize-Bürgermeisterin von Bad Salzuflen in Nordrhein-Westfalen gewählt worden. Am 5. November ging es bundesweit durch die Medien, dass die AfD-Politikerin mit 16 Stimmen zur Vize-Bürgermeisterin gewählt worden war. Die AfD verfügt im Stadtrat von Bad Salzuflen nur über 13 Stimmen. Die anderen Fraktionen im Rat der Stadt hatten sich im Vorfeld der Wahl eigentlich auf Vize-Bürgermeister von den Parteien CDU, SPD und Grünen geeinigt. Statt der Grünen-Kandidatin war jedoch die AfD-Politikerin Reinknecht gewählt worden, weil ihr drei Ratsmitglieder anderer Fraktionen die Stimme gegeben hatten. In bester Merkel-Manier wurde diese Wahl nun rückgängig gemacht, was nach Kommunalrecht in NRW leicht möglich ist. Für Abwahl braucht es keine Begründung, es reicht ein Antrag und eine Zweidrittelmehrheit. Auch wenn der Fall rechtlich nicht zu beanstanden ist, bleibt ein fahler Geschmack zurück. Es muss einen Grund geben, warum ihr drei Ratsmitglieder anderer Fraktionen das Amt der Vize-Bürgermeisterin zugetraut haben. Immerhin war Sabine Reinknecht nun für zwei Wochen stellvertretende Bürgermeisterin.
Hier endet der allwöchentliche Überblick des Cancelns, Framens, Empörens, Strafens, Umerziehens, Ausstoßens, Zensierens, Denunzierens, Entlassens, Einschüchterns, Moralisierens, Politisierens, Umwälzens und Kulturkämpfens. Bis nächste Woche!
Ein Archiv der Cancel Culture in Deutschland mit Personenregister finden Sie unter www.cancelculture.de. Um auch weniger prominente Betroffene aufnehmen zu können, sind die Betreiber der Website auf Hinweise angewiesen. Schreiben Sie ihnen gerne unter cancelculture@freiblickinstitut.de
Die zentrale Frage ist doch: Wie konnte es dazu kommen, dass Leni Riefenstahl (!) im August 2002 (!!!!!) überhaupt die Ehrenmedaille verliehen wurde??? „“Jenseits aller politischen Problematik hat die Regisseurin Leni Riefenstahl vor allem mit ihren Dokumentarfilmen TRIUMPH DES WILLENS und OLYMPIA Filmgeschichte geschrieben„ so Steffen Kuchenreuther, Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft.“ (Damalige Begründung.) Sinngemäß zu sagen ‚Sie hat zwar klar mit ihren Propaganda-Filmen die NS-Diktatur unterstützt, aber künstlerisch war sie halt toll‘ hätte ich eher zeitlich in den 1950er Jahre verortet, wenn überhaupt. Aber 2002??? Was für ein Mindset haben die Leute, die damals diese Entscheidung getroffen haben???
Nur zu Rühmann, weil kurz vor Kommentarschluss: Kommt spät und ist tendenziell wohl auch falsch. Die heutige Generation kann sich den barbarischen Druck des Staates auf seine Vorzeigegesichter von damals sicherlich kaum vorstellen. Ich kann mich aber an eine Sache erinnern, die vielleicht mal jemand überprüfen könnte: Vor etlichen Jahren lief auf Super RTL Samstagabends ein Heinz Rühmann Reihe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass bei einem der Filme folgende Szene enthalten war: Rühmann geht aufs Amt um irgendeinen Schein zu beantragen und geht an den Bürotüren vorbei. An einer Tür stand gut sichtbar das Wort „Ariertest“. Rühmann sieht das, lächelt, schüttelt den Kopf und geht weiter. Ich dachte damals ich hätte mich verguckt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht falsch gelegen habe. Und der Film war definitv kein Nachkriegsfilm. Ich glaube nicht, dass das Zufall war. Kritik kam im Dritten Reich nur über diesen versteckten Weg. Alles andere war brandgefährlich. Und ob das damals unter Goebbels so im Kino gelaufen ist, wage ich zu bezweifeln.
Den Namen Heinz Rühmann (und der vieler Leidensgenossen) wird man noch kennen, wenn die Herren der Säuberung längst entschlafen sind. Oder erinnert sich noch jemand, wie Sudelede mit bürgerlichem Namen hieß?
Am Rande, der „Tagesspiegel“: „Wie sicher sind die Weihnachtsmärkte?: “Die weitaus größere Gefahr geht von älteren grauhaarigen Herren aus„ Ja nee, is klar… unfasbar!
Die Doppelmoral der Mainsteam-Moraltitanen hat Frau Goldstein-Wolf gut demaskiert. Ihr Urteil zu UFA-Schauspielern generell ist jedoch teilweise ungerecht. Es konnte nicht jeder wie Superstar Dietrich auswandern, auf typisch deutsche Mimen wartete Hollywood nicht gerade. Und einfach alles hinschmeißen und Bauarbeiter werden hätte Göbbels nicht einfach verziehen. Mit einem Federstrich konnte man in Dachau oder unter der Erde landen, alternativ bot die Popularität einen gewissen Schutz. Es erstaunt, wie viele Berliner und Wiener Stars jüdische Ehepartner hatten und sich teils offen, teils konspirativ für sie einsetzten. Dazu gehörte viel Mut, auch wenn das Resultat nur ein schwedisches Exil war.
@Thomas Schmied, „In “Der Brave Soldat Schwejk„ und “Der Hauptmann von Köpenick„ beweist Rühmann auch nach der Befreiung nochmal mit tollem Humor und schauspielerisch eindrucksvoll, was er wirklich von Krieg, von Kadavergehorsam und von diesen ganzen irren autoritären Mechanismen hält.“ – Sie glauben, Schauspieler suchen sich immer ihre Rollen aus, um ihre politischen oder gesellschaftlichen Standpunkte darzubieten? Schauspieler lernen Texte aus Drehbüchern, die Andere schreiben. Ich kann Ihnen sofort einen Massenmörder vorspielen. Und ich versichere Ihnen, Sie werden mir glauben, ich sei einer.
DVD’chen Filmfreund Klappe, die Dritte!
…es gibt schon noch ‚Deutsche‘ Film-&Künstlernde, die erwähnenswert scheinen. Nach dem ich, als Fan, die Entwicklung seiner Hauptfigur in Rampage 1-3 vom linken Irren zum eher linken „Helden“ verwundern musste und sich das dann auch in Äußerungen zu Trump 1. Amtszeit widerschlug(„der Irre Clown“), hat sich mein guter geschätzter Uwe Boll doch ganz gut wieder gefangen. „Hanau“ hat er mir noch auf Twitter persönlich nahegelegt, den hole ich noch nach und auf seinen „Run“ bin ich aktuell sehr gespannt – Berlinale& Cannes (#eh doch „etwas“ zu hoch angesetzt!) haben natürlich abgesagt und im Mainstream wirds sicherlich, ähnlich wie zuletzt „Homestead“, verhetzt werden.
Die letzten Boll’schen Auswürfe in einer Kolumne bei Tichy sind überdies auch sehr lesenswert – ob Ihrer geerdeten und klaren Sprache und des erkennbaren starken, vorbildlichen Charakters samt ‚Arsches in der Hose’…
PS: seinen gewöhnungsbedürftigen Humor, ersichtlich auf Schnittberichte zum Postal Film, ebenfalls nicht zu verachten(#Wachturm)